Sonntag, 30. April 2017

Frijid Pink - Defrosted


Band : Frijid Pink
Album : Defrosted
Spielzeit : 40:17 Minuten
Veröffentlichung : März 2017
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.frijidpink.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste: 
  1. Black Lace
  2. Sing A Song For Freedom
  3. I'll Never Be Lonely
  4. Bye Bye Blues
  1. Pain In My Heart
  2. Sloony
  3. I'm Movin'
  4. I Haven't Got The Time

Anfang der 70er. Überall und ständig entstehen neue Bands und freche Musikstile. Die Jugend revoltiert schon länger gegen konservative Eltern, lange Haare werden noch länger und jeder hofft dass die Volksmusik endlich ausstirbt. Die wahre Revolution findet allerdings meist in den Köpfen statt, alternativ auf der Stereoanlage, sofern man eine hat. Black Sabbath, Led Zeppelin und Pink Floyd stellen die Musikwelt auf den Kopf, prägen diese für alle Zeiten und belegen auf der Beliebtheitsskala zurecht die ersten Plätze. 

Rückblickend kann man sagen, Frijid Pink hatten es schwer. Die Jungs aus der Motor-City Detroit waren geprägt vom harten Garagenrock der Stooges und MC5, aber nicht konsequent genug, dies zu 100% durchzuziehen. Dafür hatten sie die lukrative Idee, einen uralten Folk-Song, der 1964 durch die Animals weltberühmt wurde, zu covern und auf ihr erstes Album zu packen. The House Of The Rising Sun brachte Frijid Pink Millionen (der Bandname ist übrigens eine Kombination aus im Haar klebender Wandfarbe fürs Badezimmer und einer Kühlschrankmarke namens Frigid, dessen "g" man gegen ein "j" tauschte, weil sich das "more German" anhörte) und wurde Fluch und Segen zugleich. Wie so oft, wurde die Band fortan auf diese eine Single, die das erste Album tierisch anschob, reduziert. Der knarzige, gitarrenlastige Acid-Bluesrock-Mix der restlichen Nummern interessierte die Massen nicht sonderlich und so hielt der Erfolg nicht lange.

Defrosted, die zweite LP der Band, schaffte es nur noch bis auf Platz 149 der Billbord-Charts, es fehlte einfach dieser Überhit. Dennoch wird die Platte bis heute von Anhängern dieser Musikrichtung regelrecht abgefeiert und das hat gute Gründe. Black Lace eröffnet das Album schleppend aber sehr hart, die Gitarrenriffs von Gary Thompson und Kelly Greens Gesang fräsen sich sofort ins Ohr. Die Singleauskopplung Sing A Song For Freedom schafft es bis auf Platz 55 der Charts, doch es sind Songs wie der Procol Harum-Gedächtnissong I'll Never Be Lonely, die mich begeistern. Wer hier nicht an A Whiter Shade Of Pale denkt, hat es an den Ohren, aber die Gesangsleistung von Kelly Green ist sensationell, das Ding hat eine wahnsinnige Atmosphäre und erzeugt Gänsehaut bei mir. Wer sich fragt, woher deutsche Gruppen wie Jane zwei Jahre später ihren Sound hatten, höre dringend mal rein.



Der Bye Bye Blues bekleidete später die B-Seite der Heartbreak Hotel (Presley) Single, die 1972 erschien und beendet die erste Seite recht trocken. Änlich wie Black Lace eröffnet Pain In My Heart die zweite Seite mit einem für damalige Verhältnisse knüppelharten Soundgewitter. Wer auf die Gitarrentechnik eines Alvin Lee (Ten Years After) schwört, sollte sich das Instrumental Sloony schleunigst reinziehen, was Gary Ray Thompson hier abzieht, ist der helle Wahnsinn. Im gleichen atemberaubenden Tempo wird er begleitet von Tom Harris am Bass und Rich Stevers am Schlagzeug. Die zappelige Speed-Boogie-Nummer fliegt in einem Affenzahn am Hörer vorbei und macht Laune auf mehr. Die befriedigt I'm Movin voll und ganz, hier wird kraftstrotzender Proto-Metal gespielt. Das Ding groovt wie Sau und sollte meiner Meinung nach im gleichen Atemzug wie andere Nummern erwähnt werden, wenn es um die Gründertage dieser Musikrichtung geht. Ein bisschen weniger auf den Punkt aber immer noch mit erhöhtem Härtegrad beschliesst I Haven't Got The Time ein ganz feines Album aus den Anfangstagen unserer heißgeliebten Musik. Die Rythmusgitarre erinnert hierbei ein wenig John Lee Hooker's Boogie Chillen-Riff. 

Fans der Band und solche, die es werden wollen, dürfen sich nun auf die Neuauflage des zweiten Albums Defrosted und dessen Nachfolger Earth Omen freuen. Auf 180 Gramm Vinyl, sehr sauber verarbeitet und klanglich top remastert, präsentiert Repertoire Records die beiden hörenswerten Platten seit März. Auf Downloadcodes oder Textbeilagen verzichtet man ebenso wie auf gefütterte Innenschutzhüllen, nicht lebenswichtig aber die Wertigkeit der Platten hätte das angehoben. Bonustracks fehlen ebenso, was ich persönlich nicht so schade finde, so erhält man sich den ursprünglichen Charakter der Platte.

Bernd Fischer

Sonntag, 23. April 2017

Astral Doors - Black Eyed Children

Band: Astral Doors
Album: Black Eyed Children
Spielzeit: 50:55 min.
Plattenfirma: Metalville
Veröffentlichung: 28.04.2017
Homepage: www.astraldoors.com

Wertung: 8 von 10



Tracklist:

1. We Cry Out
2. Walls
3. God Is The Devil
4. Die On Stage
5. Tomorrow's Dead
6. Good Vs. Bad
7. Suburban Song
8. Lost Boy
9. Slaves To Ourselves
10. Black Eyed Children

Gott, wie die Zeit vergeht. Klar, ich bin nicht mehr der Jüngste und viele Bands haben schon ein (oder mehrere) Abschiedstouren hinter sich, aber selbst eigentlich "neue" Bands wie ASTRAL DOORS begleiten mich nun bereits seit geschlagenen 11 Jahren. So lange ist es her, dass ich 2006 die Promo des Albums "Astralism" damals über Locomotive Records erhalten hatte und von dem DIO meets RAINBOW Sound der Band ordentlich beeindruckt war. Auch live waren ASTRAL DOORS immer eine Wucht, zuletzt im Februar 2012 in Ingolstadt zusammen mit RIOTGOD erlebt und einen verdammt geilen Konzertabend gehabt. Während ich das zuletzt erschienene Album "Notes From The Shadows" samt dazu gehörigem Interview (siehe hier) 2014 unserem Bernd überlassen habe, habe ich mir nun das neue Werk der Schweden unter die Nägel gerissen. 


"Black Eyed Children" wartet schon mal mit einem sehr düsteren aber stimmungsvollen Cover auf und laut Plattenfirma soll es das düsterste Album der Jungs um Frontmann Patrik Johansson darstellen. Naja, nachdem ich mir das Album nun sehr oft zu Gemüte geführt habe, kann ich das nicht unterstreichen. Gerade der Vorgänger ist doch manches Mal einen Tacken härter und mehr in Richtung Metal ausgefallen, während "Black Eyed Children" noch mehr Hardrock und den DIO/RAINBOW Spirit atmet und damit stärker dem ursprünglichen Sound der Band zugetan ist. Ja, jeder der Songs hätte auch gut auf "Astralism" oder "Requiem Of Time" gepasst. 

Doch fangen wir endlich mit "We Cry Out", dem Opener, dessen Video wir euch unten angefügt haben, an. Klassischer ASTRAL DOORS Stoff, der live zu einem absoluten Kracher werden wird und auch auf der stark produzierten Konserve zu einem Highlight in der Bandgeschichte gehört. Pommesgabel hoch und headbangen ist angesagt. Das nun folgende "Walls" beginnt mit ruhigen an GRAVE DIGGER Intros erinnernden Tönen, ehe ASTRAL DOORS abermals Gas geben, allerdings habe ich bei diesem Song immer das Gefühl der angezogenen Handbremse. Was dazu führt, dass auch nach mehreren Dutzend Durchläufen wenig hängen bleibt. Ganz anders ist "God Is The Devil", das von den Arrangements fast schon an 80er Hardrock im Stil von MILLION oder EUROPE erinnert und bei mir für Verzückung sorgt. In die gleiche Kerbe haut auch "Die On Stage" rein und dürfte ähnlich dem Opener live zu einer Granate mutieren. Daumen wieder weit nach oben. 

Allerdings laufen die nächsten drei Songs danach irgendwie an mir vorbei. Alle drei sind zwar von guter Qualität, hat man von ASTRAL DOORS aber alles schon mal gehört - besonders "Good Vs. Bad" kommt mir sehr bekannt vor, mir fällt nur der Referenzsong nicht ums Verrecken ein. Da Sie aber abschließend mit dem über 8-minütigen Titelsong noch ein weiteres heißes Eisen im Feuer haben, kann ich guten Gewissens fette 8 Punkte zücken. Well done, Sweden. Auch wenn sich nicht wirklich viel verändert hat.

Markus


 

Freitag, 14. April 2017

Danny Bryant - BIG



Interpret : Danny Bryant
Album : BIG
Spielzeit : 105:13 Min.
Veröffentlichung : 21.04.2017
Plattenfirma : Jazzhaus Records / In-Akustik
Homepage : www.dannybryant.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste:
  1. Temperature Rising 
  2. Just Won't Burn 
  3. Prisoner Of The Blues 
  4. Holding All The Cards 
  5. Greenwood 31 
  6. Groaning The Blues 
  7. Blood Money 
  1. On The Rocks 
  2. As The Years Go Passing By 
  3. Take Me Higher 
  4. Unchained 
  5. Painkiller 
  6. Stop Breaking Down 

Die letzten Töne der letzten Zugabe verklingen, das Licht geht langsam an und die Zuschauer strömen Richtung Ausgang, sie verlassen die nach Bier und Schweiß riechende Halle und ziehen die kalte Abendluft in ihre Lungen. Glücklich, ein tolles Konzert erlebt zu haben, diskutiert man mit Freunden über die Show, geht hungrig zum nächstbesten Schnellrestaurant, trinkt ein letztes Bier und fährt nach Hause oder ins Hotel. So oder ähnlich geht es vielen von uns mehrmals im Jahr, mal mit euphorischen, mal mit gemischten, selten mit enttäuschten Gefühlen. 

Die Besucher der drei Shows in Bonn (Harmonie), Freiburg (Jazzhaus) und Den Bosch (Holland, W2 Poppodium) dürften hochzufrieden gewesen sein, geht es nach der vorliegenden Doppel-CD BIG von Danny Bryant. Die im Januar des noch jungen Jahres mitgeschnittenen Konzerte zeugen vom lang gehegten Wunsch des Briten, einmal mit einer auf BigBand-Niveau erweiterten Band die eigene Musik auf der Bühne präsentieren zu dürfen. Diesen Wunsch hat sich der britische Gitarrist und Sänger erfüllt, Danny Bryant hat sich ein Bläser-Quartett aus Saxophon, Tenor Saxophon, Trompete und Posaune zusammengestellt und sollte sich zu diesem Schritt unbedingt beglückwünschen. Ihm ist der Spagat gelungen, den rauen Charme eines Bluesrock-Konzertes zu konservieren und die Songs aus den letzten drei Studioplatten entscheidend zu veredeln. Und als ob der gute Danny meine Bitte klick gelesen hätte, passt es plötzlich wunderbar zusammen wenn Gitarre, Schlagzeug und Bläser sich einander ergänzen. Songs, die mir noch vor einem Jahr zu glattgebügelt erschienen, strotzen plötzlich vor knisternder Energie. 



Zugegeben, bei einem Joe Bonamassa hört sich das alles ein wenig perfekter an, da sitzt jeder Ton und jeder Takt eben immer zu 100% dort, wo er hingehört. Aber genau DAS ist es, was ich Live hören möchte, entweder im Konzert oder wenn ich eine Live-Platte auflege: Bryant zelebriert Musik, die sich nach Handarbeit anhört und nicht nach einem Drehbuch in Szene gesetzt. Deshalb schätze ich es sehr dass Produzent Richard Hammerton die Finger weitestgehend von Overdubs und sonstigen Studio-Tricksereien ließ. Es macht Laune, die Songs der letzten drei Alben Hurricane, Temperature Rising und Blood Money auf diese Weise neu zu entdecken. Die geänderten Arrangements haben Songs wie dem ohnehin schon kraftvollen Prisoner Of The Blues gut getan. Und es sind nicht nur die Bläser, die ihren Anteil daran haben, Bryant spielt eine im Gegensatz zu früher nicht mehr über alles dominierende Gitarre. Das hat er nicht mehr nötig und geht heute mit der gesamten Band konform. Die homogene Mischung zieht sich wie ein roter Faden durch BIG. Danny Bryant ist nicht der Star, der Star ist die Band...er überlasst seinen Musikern Luft und Zeit, sich zu präsentieren. 



Die Sache mit der Zeit mag ein kleines Manko darstellen, gelegentlich bläst Bryant die Songs ein wenig zu sehr auf, bzw. hätte das Tempo etwas mehr anziehen dürfen. Holding All The Cards wirkt mit mehr als 7 Minuten phasenweise ein wenig schläfrig, da hätten es auch fünf Minuten getan. Auf der anderen Seite kann das fast zwölf minütige Just Won't Burn gar nicht lang genug sein, trotz gemäßigtem Tempo baut die Nummer auf ein sehr schönes Gitarrensolo mit nahezu epischem Ausmaß auf, phasenweise nur vom Schlagzeug und Steve Watts am Keyboard begleitet. Das von einem coolen Basslauf geprägte Unchained stellt gemeinsam mit dem sehr emotionalen Otis Rush-Cover As The Years Go Passing By den Höhepunkt der zweiten CD dar. Auch hier brilliert Danny Bryant an seinem Instrument und zaubert seinen Fans damit ein fettes Grinsen ins Gesicht. Was wäre ein Blues-Konzert heute ohne elektrische Gitarren ?

Schlussendlich werden die Reaktionen auf BIG wohl unterschiedlich ausfallen, der eine mag es halt so und der andere so. Mein Fazit fällt absolut positiv aus. Die Platte des Jahres ist BIG vielleicht nicht aber sicher ganz weit oben. 

Thumbs up Mr.Bryant, well done !!!!


Bernd Fischer

Sonntag, 9. April 2017

Deep Purple - Infinite

Band: Deep Purple
Album: Infinite
Spielzeit: 45:45 min.
Plattenfirma: Edel
Veröffentlichung: 07.04.2017
Homepage: deeppurple.com


Wertung:     8  von 10 Punkten


Tracklist:

01. Time For Bedlam
02. Hip Boots
03. All I've Got Is You
04. One Night In Vegas
05. Get Me Outta Here
06. The Surprising
07. Johnny's Band
08. On Top Of The World
09. Birds Of Prey
10. Roadhouse Blues 



Deep Purple könnten es sich einfach machen. Mit ihren Evergreens aus fast 50 Jahren Bandgeschichte können sie aus dem Vollen schöpfen und müssten sich lange nichts mehr beweisen. Viele ihrer Weggenossen scheuen sich neue Platten zu veröffentlichen weil es sich finanziell nicht mehr wirklich lohnt und nur noch beim Touren Geld verdient wird. Aber beim Musikmachen geht es ja - hoffentlich - nicht nur ums Geldverdienen sondern wer ein echter Musiker ist, hat auch Spass daran, kreativ zu sein und neue Songs zu schreiben. Dazu gehören Deep Purple zum Glück, die trotz des hohen Alters Ihrer Mitglieder (Ian Gillan ist ja schon ziemlich in seinen 70ern) weiterhin neue Scheiben veröffentlichen und das auf weiterhin sehr hohem Niveau.
"Infinite" ist nach dem 2013er Werk "Now What?!" von 2013 ihre zweite Kooperation mit Produzentenlegende Bob Ezrin. Und erneut funktioniert diese Zusammenarbeit ziemlich tadellos. Soundtechnisch bewegt sich "Infinite" auf allerhöchstem Niveau und schreit geradezu danach, auf hochwertigem Equipment abgespielt zu werden.

"Time For Bedlam" ist alles andere als Rentnerrock, im Gegenteil: Einer ihrer besten Opener seit sehr langer Zeit und gleichzeitig das fetzigste Stück auf der CD. Gleich hier wird deutlich, dass das Zusammenspiel der Band tight hoch drei ist und vor allem Don Airey der heimliche Star der Platte ist, lässt er doch die berühmte Schweineorgel ausgiebig von der Leine. Das Zusammenspiel mit Steve Morse an der Klampfe ist mittlerweile wirklich einzigartig und ich bezweifle, dass das Meister Blackmore noch so hinbekäme.
Nicht jeder Song hält das hohe Niveau der Einstiegsnummer und so befinden sich auch ein paar eher durchschnittliche Stücke auf der CD: "Hip Boots" gehört da für mich dazu, ein Song der keine wirkliche Richtung hat und trotz der gelungenen Instrumentation irgendwie anfangs nicht wirklich zünden will, was sich aber einige Hördurchgänge später doch noch einigermaßen einrenkt.

 "All I've Got Is You" ist da dennoch wieder ein anderes Kaliber, der Aufbau zum (leider nur einmal vorgetragenen) Refrain ist ziemlich clever gemacht und auch Ian Gillan gibt sich keine Blöße. Klar, hohe Schreie ala "Child In Time" gibt es erwartungsgemäß nicht mehr, aber seine Leistung ist mehr als solide.

"One Night In Vegas" scheint autobiographisch zu sein und erzählt von Ian Gillans Treffen mit seiner Flamme (so kommt es zumindest rüber). Ein recht sperriger Song, der ebenfalls mit jeder Umdrehung sein weiteres Potential unter Beweis stellt. "Grower" befinden sich einige auf "Infinite".

"Get Me Out Of Here" ist ein sperriger, eher düsterer Stampfer von Song, der auch nicht direkt ins Ohr geht und eher zu den schwächeren Songs gehört.

"The Surprising" ist getreu dem Titel ein Stück, dass viel Abwechslung bietet, angefangen vom balladesken Einstieg bis hin zum orientalischen Einschlag, bei dem die Hammondorgel wieder mit ordentlich Wumms eingesetzt wird. 

Heimlicher "Hit" der Scheibe ist das eingängigste Stück namens "Johnny's Band", das den Aufstieg und Fall einer fiktiven Band nachzeichnet und mit seinem schmuck eingängigem Refrain durchaus Potential für Radioeinsätze im Classic-Rock-Format hat.

"On Top Of The World" wirkt wie eine Jamsession, bei der der Hörer live dabei ist. 
Seltsam an dem Stück ist der sehr langgezogene gesprochene Teil der Lyrics, die auf den ersten Blick dann doch ziemlich wirr sind und sich mir nicht ganz erschließen. Könnte aber auch an dem schrägen Humor der Briten liegen. Der Track endet danach ziemlich abrupt mit einem arg schnellen Fade-Out. Da scheinen wohl etwas die Ideen ausgegangen zu sein. Wirkt aber irgendwie unfertig. 
 
Das letzte neue Stück "Birds Of Prey" ist wieder von epischem Ausmaß. Gillan brilliert und gegen Ende gibt es ein traumhaftes, sich bis ins Unendliche steigernde Solo von Steve Morse. Der wohl beste Song der CD.
Ob es das abschließende Doors-Cover "Roadhouse Blues" gebraucht hätte lasse ich mal unbeantwortet. Mir kommt die Version eine Spur zu brav und ohne Zacken rüber. Hätte man sich lieber sparen können und stattdessen einen Bonustrack der "Time For Bedlam"-Auskopplung auf die CD packen sollen.
Insgesamt ist die Scheibe recht flott vorbei (letztlich nur 9 neue Songs) aber besser als langatmige 60plus-Minüter, die einen dann nicht wirklich auf die Langdistanz überzeugen.

Derzeit bin auf dem Stand, dass mir der Vorgänger etwas besser gefiel, aber ich habe das nicht ungute Gefühl, dass sich das mit weiterem Hören durchaus noch ändern könnte.
Schön auf jeden Fall, dass es die Truppe noch gibt.
Für das originelle Artwork gibt es noch einen halben Punkt extra dazu. Es erinnert mehr als einmal an "In Rock" (vor allem die in Eis geschlagenen Köpfe der Bandmitglieder).
Wer sich die Deluxe-Edition gegönnt hat, der bekommt noch eine 90minütige Dokumentation zur Entstehung von "Infinite" mit dazu. Value for Money auf jeden Fall.

Im Mai gehen Purple übrigens auf große Deutschlandtour. Ob diesmal wirklich zum letzten Mal sei dahingestellt.

Martin





 

Montag, 3. April 2017

Paul McCartney - Flowers In The Dirt - Reissue (Deluxe 2CD-Set)



Interpret: Paul McCartney
Album: Flowers In The Dirt
Spielzeit:  min.
Plattenfirma: Capitol Records
Veröffentlichung: 24.03.2017
Homepage: www.paulmccartney.com


 

WERTUNG: --- (Macca-Freunde schlagen eh blind zu!)


Tracklist:

DISC 1 (Remastered):
 1. My Brave Face

 2. Rough Ride
 3. You Want Her Too
 4. Distractions
 5. We Got Married
 6. Put It There
 7. Figure Of Eight
 8. This One
 9. Don’t Be Careless Love
10. That Day Is Done
11. How Many People
12. Motor Of Love
13. Où Est Le Soleil?

 
DISC 2 (Original Demos):
 1. The Lovers That Never Were
 2. Tommy’s Coming Home
 3. Twenty Fine Fingers
 4. So Like Candy
 5. You Want Her Too

 6. That Day Is Done
 7. Don’t Be Careless Love
 8. My Brave Face
 9. Playboy To A Man  


Die luxuriöse Aufarbeitung des McCartney'schen Soloschaffens geht auf hohem Niveau weiter mit der 1989er Scheibe "Flowers In The Dirt". Paule hat an dem Album fast ganze zwei Jahre geschraubt, war er nach dem doch etwas untergegangenen Vorgängerwerk "Press To Play"  etwas unter Zugzwang.
Das Album gilt als Rückkehr zu alter McCartney-Stärke und warf mit der Lead-Single "My Brave Face" sowie den Folgeauskopplungen "This One" und "Put It There" erfolgreiche Evergreens ab.
Doch auch die restlichen Album-Tracks wissen zu überzeugen, was nicht zuletzt auch an den hochkarätigen Gästen (u.a David Gilmour auf "We Got Married") und den verschiedenen Produzenten (z.B. Trevor Horn) liegt.
Zentraler Ausgangspunkt für die Scheibe waren umfangreiche Sessions von Paul mit Elvis Costello, von denen jedoch nicht alle  auch auf dem finalen Album landeten. Paul McCartney ging damals sogar so weit, dass er zum Besten gab, dass ihn Mr. Costello zuweilen auch an John Lennon erinnerte.
Einige der unveröffentlichten Songs der den eigentlichen Albumsessions vorausgehenden Aufnahmen sind auf der zweiten Disc der mir vorliegenden 2CD-Deluxe-Edition enthalten. Diese unterscheiden sich von dem Album hauptsächlich dadurch, dass sie sehr akustisch-basic gehalten sind, wohingegen dem offiziellen Album das Attribut "pompöse 80er Produktion" zuzuerkennen ist. Beides hat auf jeden Fall seinen Reiz, wenngleich auch "Flowers in the Dirt" ein paar recht seichte Füllsongs enthält.

Das Album wurde sowohl für einen Grammy als auch einen Brit Award nominiert und die nachfolgende Tour war bis dato die größte Solotour McCartneys und ein rauschender Erfolg.
Die Aufmachung der 2-CD-Deluxe-Edition ist wie immer sehr hochwertig in einem schicken Digi-Pack. Wer mehr Budget investieren kann gönnt sich entweder das Doppel-LP-Set oder gar die Deluxe-Box mit zusätzlichen Songs, einer DVD, einem Bildband sowie extra Downloadmaterial.

Die harten Macca-Fans werden da sicherlich zuschlagen. Wer sich langsam an das Solowerk von Paul herantasten will, ist mit den Re-Issues ebenfalls gut bedient. Der remaster-Sound ist ebenfalls vom Feinsten und wie immer wurde das ganze Projekt vom Meister selber begleitet.

Rundum eine gelungene Sache, die wie immer Spass macht zu hören.   

Martin 



Sinner - Tequila Suicide

Band: Sinner
Album: Tequila Suicide
Spielzeit: 39:16 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 31.03.2017
Homepage: www.matsinner.com

WERTUNG: 8,5 von 10

Tracklist:
01. Go Down Fighting
02. Tequila Suicide
03. Road To Hell
04. Dragons
05. Battle Hill
06. Sinner Blues
07. Why
08. Gypsy Rebels
09. Loud & Clear
10. Dying On A Broken Heart

Tausendsassa MAT SINNER ist aktuell mit seiner ROCK MEETS CLASSIC Tournee auf deutschen Bühnen unterwegs und praktisch im Vorübergehen haut er auch gleich ein neues Album seiner Band SINNER raus. Und wie gewohnt macht Mat keine halben Sachen. Produziert wurde "Tequila Suicide" von Produzentenlegende Dennis Ward und ihm höchstpersönlich, dementsprechend satt und trotzdem differentiert kommt die Mucke auch aus den Boxen. Macht besonders auf der heimischen HiFi-Anlage ordentlich Spaß. Neben der Fülle an Gastmusikern (u.a. Gus G (FIREWIND, OZZY), Ricky Warwick (THIN LIZZY) oder Pete Lincoln (SWEET) und einige mehr) steht natürlich auch seine "Stammband" diesmal mit Tom Naumann (u.a. auch PRIMAL FEAR) an der Gitarre und Francesco Jovino (dito) an den Drums für hohe musikalische Qualität. 


Der gute Mat lässt als alter Hase naturgemäß auch diesmal nix anbrennen und packt dem typischen SINNER Sound immer wieder geschickt die ein oder andere neue Nuance hinzu. Vom klassischen Cocktail aus deutschem Hardrock, einem ordentlichen Schuß THIN LIZZY und der "Drinking beer and having fun"-Attitüde bzw. hohen Spielfreude der Band gibt es 2017 ebenfalls genügend. Dazu zählt zum einen der flotte Opener "Go Down Fighting" sowie das hervorragende "Road To Hell", zu dem ich euch das Video gleich unten angefügt habe. 

Als erste kleinere Überraschung sehe ich dann "Dragons", welches mit einem epischen Power Metal Touch verziert wurde und wie eine Mischung aus RAGE zu "Black In Mind" Zeiten und SINNERs "Touch Of Sin" klingt. Sehr gelungen. Überraschung Nummer 2 folgt auf dem Fuß. "Battle Hill" hat sich die ein oder andere Reminiszenz an GARY MOORE und "Over The Hills And Far Away" zu bieten. Natürlich ohne in irgendeiner Weise zu kopieren. Allein für diese beiden Songs würde sich der Kauf der CD bereits lohnen. Als dann das bluesige (was sonst) "Sinner Blues" entspannt und halbballadesk aus den Boxen schaukelt ist das Trio Infernale komplett. Definitiv die Höhepunkte von "Tequila Suicide", in meinen Ohren zumindest. 

Mit "Why" und "Loud And Clear" sind auch noch 2 eher sehr durchschnittliche klassische SINNER Songs enthalten, die man seit 1982 schon desöfteren in besserer Ausführung gehört hat. Und bei "Gypsy Rebels" überwiegt abermals die enorme Spielfreude der Band. Was bleibt sind knapp 40 Minuten (ohne Bonustracks, die mir leider nicht vorgelegen haben) SINNER pur, hohe deutsche Qualität wie gewohnt und der ein oder andere Schlenker in andere Gefilde, die aber perfekt dem SINNER Gewand angepasst wurden. Damit bleibt mir nurmehr eine klare Kaufempfehlung auszusprechen.

Markus



 

Samstag, 25. März 2017

Saturn - Beyond Spectra



Band : Saturn
Album : Beyond Spectra
Spielzeit : 44:09 Min.
Veröffentlichung : 31.03.2017
Plattenfirma : Rise Above Records
Homepage : www.saturnsweden.com

Wertung : 8,5 von 10

Trackliste : 
  1. Orbital Command
  2. Wolfsson
  3. Nighttime Badger
  4. Linkans Delight
  5. Electrosaurus Rex
  6. Still Young
  7. Force Of The North
  8. Helmet Man
  9. Silfvertape
  10. Sensor Data

Wie sehr sich unser geliebter Heavy Metal im Laufe der Jahrzehnte verändert hat, wird mir mal wieder bewusst, jetzt wo ich eine CD in der Hand halte, die, obwohl frisch produziert, Erinnerungen an meine liebsten Metalplatten der 80er-Jahre weckt. Ich meine damit nicht Thrash- oder Death- oder was-weiss-ich-Metal....nein: puren Heavy Metal !!!!! Ob diese nun Power & The Glory, Blackout oder Restless & Wild hießen, sie alle waren das Fundament meiner heutigen Hörgewohnheiten und hatten eines gemeinsam: Die zweite Platte der Schweden Saturn trägt ihr Erbgut.

Dieses Stück Eisen hört auf den Namen Beyond Spectra und ist ein Hammeralbum geworden ! Dabei ist die Platte weder perfekt produziert, noch stechen die Musiker in ihrer jeweiligen Disziplin besonders hervor. Nicht einmal der schlecht gebrannte CD-Rohling wollte auf Anhieb abgespielt werden...erst mein Rechner konnte dem Ding Töne entlocken. Aber was soll's, was ich sagen will ist...Saturn schaffen es mit jedem Ton, mir ein Grinsen ins Gesicht zu schnitzen.


Direkt der Einstieg, Orbital Command haut mich aus dem Sessel und ich stehe breitbeinig vor meiner Anlage und hole die längst verstaubte Luftgitarre endlich wieder heraus. Diese habe ich mit der Entdeckung von Sad Wings Of Destiny zum ersten Mal herausgeholt und spätestens mit Metallica's Lulu ad Acta gelegt. Aber nun fliegt mir der geilste Opener des Jahres um die Ohren, gesungen von einem Oscar Bo Valentine Pehrson, dessen Organ jede Judas Priest-Coverband vor Neid erblassen lassen würde. Pehrsons Organ umfasst mehrere Oktaven und hat besonders in den Höhenlagen frappierende Ähnlichkeit mit dem jungen Rob Halford. Insgesamt zehn Songs voller End-70er bis Anfang 80er Metal, NWOBHM-Anleihen auf der einen, US-Metal der Marke Riot auf der anderen retten mir diesen kalten, verregneten Tag und ich frage mich, warum diese ursprüngliche Variante unserer Musik so aus der Mode gekommen ist ? Die doppelläufigen Gitarren von Linkan Lindgren und Robin Tidebrink feuern ein ums andere Mal Breitseiten ab, die zwar (noch) nicht an Weltklasse-Duos wie Tipton/Downing oder Murray/Smith heranreichen, aber man ist ja auch noch jung und auf einem verdammt guten Weg. Das Tempo wird immer mal wieder gedrosselt und so haben sämtliche Teile der Band ihren Auftritt.


Der Mix lässt sämtlichen Instrumenten Luft und so macht es, trotz rauer Produktion, Spaß, Nummern wie dem bedächtigen Nighttime Badger, wo mich Oscar Bo Valentine Pehrson an Andrew Wood (R.I.P.) von den kurzlebigen Mother Love Bone erinnert, zu lauschen.

Trotz aller Euphorie gibt es auch wenige lichte Momente auf Beyond Spectra. Linkans Delight etwa besticht zwar durch erwähnte Gitarrenarbeit und einen schönen Chorus, hängt ansonsten aber etwas schlapp hinterher. Das gleichen Saturn aber souverän aus und lassen den Electrosaurus Sex im Affenzahn auf uns los und wenn meine rechte Schulter bis hoch zum Nacken nicht so schmerzen würde (bitte einfach die Fresse halten), würde ich jetzt wirklich gern Headbangen. Geht aber ja nicht und so gebe ich mich der Folgenummer Force Of The North hin und wieder geht es nur noch darum, WIE man den Schmerz im Nacken aushält und nicht OB...Leute, tut Euch den Gefallen und hört in die Scheibe rein. BITTE !!!!
Force Of The North transportiert denn auch alles, was Saturn ausmacht, Speed, rassige Riffs, melodische Mittelparts im Wechsel mit der Portion wohldosierter Härte ohne sich zum grölenden Affen zu machen. So einfach kann gute Musik sein und ich wiederhole mich gern, nehmt Euch die Zeit und ihr werdet es nicht ansatzweise bereuen.

Das riffgewaltige Helmet Man leitet den hinteren Teil der Platte ein und Pherson treibt seine Stimmbänder in die höchsten Ebenen seines gewaltigen Stimmumfangs, nur um ohne Pause mit dem hastigen, an Raven zu Rock Until You Drop-Zeiten erinnernden Silfertape weiterzumachen. Die Überraschung des noch jungen Jahres beendet Sensor Data und ich muss Euch gestehen dass ich schon lange nicht mehr dermaßen begeistert war. Ich hoffe daß die Schweden so schnell wie möglich rüberkommen und uns hier mit ihrer Mucke die Live-Dröhnung geben...Beyond Spectra fliegt indes seine letzte Runde, ich gratuliere Rise Above Records zu dieser Band und mach mir erstmal ein kaltes Fläschchen Dortmunder Union auf...Prost !

Bernd Fischer