Montag, 24. August 2015

Praying Mantis - Legacy


Band: Praying Mantis
Album: Legacy
Spielzeit: 56:46 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 21.08.2015
Homepage: www.praying-mantis.com

Wertung: 7 von 10


Tracklist:

01. Fight For Your Honour
02. The One
03. Believable
04. Tokyo
05. Better Man
06. All I See
07. Eyes Of A Child
08. The Runner
09. Against The World
10. Fallen Angel
11. Second Time Around


Groß vorstellen muss ich die NWOBHM Urgesteine PRAYING MANTIS wahrlich nicht, obwohl ihnen der große Erfolg bisher immer verwehrt geblieben ist. Allerdings haben die Briten in ihrer über 30-jährigen Bandhistorie so manches klasse Album veröffentlicht und richtig schlechte Songs muss man bei ihnen ganz lang suchen. Gerade wenn ich an Alben wie "To The Power Of Ten" denke, bei denen der kongeniale GARY JOHN BARDEN die Mikroarbeit übernahm, komme ich regelmäßig ins Schwärmen. 

Anno 2015 steht nun der neue Longplayer in den Läden und die gravierendste Änderung ist sicherlich der neue Mann hinterm Mikrofon namens John Cuijpers. Manche kennen ihn vielleicht noch von AYREON. Egal, um es vorweg zu nehmen, der Holländer liefert einen echt guten Job ab. Bezeichnend legen PRAYING MANTIS auch mit "Fight For Your Honour" fulminant los. Die ungewohnte Härte passt wunderbar zu Mr. Cuijpers Organ und die tolle Gitarrenarbeit (eigentlich wie immer) tut ein übriges, um den Song zu einem Highlight in der langen Diskografie werden zu lassen. Leider nehmen die Herren beim folgenden "The One" dann erst mal den Gang raus und liefern eine Powerballade ab, die mich zu sehr an den üblichen Frontiers Melodic Rock erinnert. Nicht schlecht, aber so ähnlich eben schon hundert Male gehört. Das folgende "Believable" läuft gar beim zwanzigsten Durchlauf völlig an mir vorbei. Wo sind die magischen Momente geblieben? Irgendwie im klassischen Frontiers Sound verschwunden und die NWOBHM Einflüsse sind auch schwer heraus zu hören. Glücklicherweise folgt nach dem ebenfalls durchschnittlichen "Tokyo" mit "Better Man" endlich wieder ein Song, der hängen bleibt. 

Nein, natürlich haben PRAYING MANTIS ihr Handwerk nicht verlernt, aber im Vergleich zu alten Großtaten kann mich dieser Teil bei "Legacy" nicht überzeugen. Gut, aber nicht überragend sind dann auch "All I See" und "Eyes Of A Child". Dann bekommen die Briten aber nochmal die Kurve und liefern mit dem grandiosen "The Runner" (meinem Favoriten auf dem Album) und "Against The World" geniale Songs ab, bei denen auch der typische NWOBHM Sound wieder zur Genüge zur Geltung kommt. Selbstverständlich wieder garniert mit herrlichen Melodien, die ja trotz aller Kritik auch "Legacy" auszeichnen. Und so kann ich nach dem abschließenden treibenden "Second Time Around", welches mich zum Dauerwippen einlädt, doch noch gute 7 Punkte zücken. Vielleicht sind meine Erwartungen auch etwas zu hoch gewesen. Ach ja, eines noch bleibt unverändert: Das geniale Cover von Fantasy-Guru Rodney Matthews passt wie die Faust aufs Auge.

Markus


 

Freitag, 21. August 2015

The Robert Cray Band - 4 Nights Of 40 Years Live

 

Band : Robert Cray Band
Album/DVD : 4 Night Of 40 Years Live

Spielzeit : 42:20 / 94Min.
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group / Roughtrade
Veröffentlichung : 28.08.2015
Homepage : www.robertcray.com

Wertung : 8 von 10


Trackliste:
  1. Shiver
  2. R.U. (I'll Always Remember You)
  3. Poor Johnny
  4. Won't Be Coming Home
  5. The Road Down
  6. Sittin On The Top Of The World
  7. Wrap It Up
  8. Love Gone To Waste
  9. Bad Influence
  10. These Things
  11. Right Next Door
  12. Forecast Calls For Pain
  13. Time Takes Two

Welch unterschiedliche Stimmungs- und Gefühlslagen der Blues transportieren kann, wurde mir in den letzten Tagen mal wieder klar. In regelmäßigen Abständen, und dieses Phänomen liebe ich ganz besonders an meinem Hobby, taucht hier ein unbekannter Künstler, da eine junge Band oder dort ein etablierter Musiker, den ich aus welchen Gründen auch immer all die Jahre übersehen habe, auf. 

So auch Robert Cray

Chef Markus fragte an, ob ich nicht Lust hätte, dessen neue CD zu rezensieren. Ich hatte Zeit, also war die Sache klar. Und kaum lag 4 Nights Of 40 Years Live in meinem Player, rieb ich mir verwundert die Augen. Ich stehe an und für sich eher auf etwas rauheren Blues / Bluesrock, gitarrenorientiert und gerne was flotter. Und da zieht plötzlich ein Robert Cray mit seinem soulgetränkten und leicht angepoppten Rhythm & Blues in mein Wohnzimmer ein und haut mich frech vom Hocker.

"It's not pure Blues, it's got Soul, it's got Hendrix in there, it's got Pop, Melodies, Sensibilities and that kind of thing too..." so Robert Cray über sich selbst (siehe DVD).  

Der 62-jährige stammt aus Georgia, spielt seit seiner Jugendzeit Gitarre und veröffentlichte seit 1978 mehr als zwanzig Alben, von denen vier mit einem Grammy und er selber mit der Aufnahme in die Blues Hall Of Fame ausgezeichnet wurden. Der anfänglich eher schüchterne Cray entwickelte im Laufe der Jahre, in denen er mit vielen Größen der Bluesszene kooperierte, einen eigenständigen Sound, dem seine unverkennbare Stimme den entscheidenden Stempel aufdrückt. Sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert der hochtalentierte Musiker nun in Form einer Doppel-CD inklusive DVD (sowie LP, MP3 und BluRay), auf denen ein Querschnitt seiner musikalischen Vergangenheit zu bewundern ist. Wir hören Aufnahmen aus dem Jahre 2014, aufgenommen in vier verschiedenen "Venues" in L.A. / California. Zusätzlich wartet die Kaufversion noch mit einer zweiten CD auf, die Konzertmitschnitte aus den Achtzigerjahren bietet. Diese liegt der Promo-Version leider nicht bei, warum auch immer.



Die hervorragende Aufnahmequalität der vorliegenden CD erlaubt es dem Hörer, sich mittendrin zu fühlen, und so wird man Zeuge einer augenscheinlich relaxten Atmosphäre, die jedoch Dank der hervorragenden Stammband, bestehend aus Richard Cousins (Bass), Dover Weinberg (Keyboard) und Les Falconer (Schlagzeug) sowie diversen Gastmusikern, darunter Kim Wilson von den Fabulous Thunderbirds, Harpist Lee Oskar, einer erfrischenden Bläsersektion sowie dem hochmotivierten Robert Cray ein konzentriertes Zuhören nahezu einfordert. Über alledem schweben bärenstarke Songs, die es wert sind, gehört zu werden. Crays größten Hit Don't Be Afraid Of The Dark sucht man zwar vergeblich, dafür sorgen das überragende Poor Johnny, Wrap It Up mit Kim Wislon am Mic, das von Bläsern (Tenor Saxophonist Trevor Lawrence, Trompeter Steve Madaio und Saxophonist Tom Scott) dominierte Love Gone To Waste und der frühe Hit Bad Influence für einen tollen Querschnitt der langen Karriere Robert Crays

Die beiliegende DVD erlaubt eine interessante Sichtweise auf einen sensiblen als auch zielstrebigen Musiker. Neben wunderbaren Aufnahmen vom San Francisco Blues Festival oder einer holländischen TV Show, der frühen Phase, sehen wir Kommentare von Robert Cray himself, Eric Clapton, Keith Richards, Bonnie Raitt, Jimmie Vaughan und Buddy Guy. Insgesamt also eine lohnenswerte Angelegenheit und ein super Einstieg für Leute, die mit dem Blues anfangen oder denen, die Ihre Leidenschaft um ein feines Kapitel erweitern möchten.


Bernd Fischer

Montag, 10. August 2015

Led Zeppelin - Coda (2015 Remaster - Deluxe 3CD Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: Coda
Spielzeit: 97:04 min

Plattenfirma: Warner
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.ledzeppelin.com




WERTUNG: Würdiger Schlussakkord der Re-Issue-Reihe mit hochwertigem Bonusmaterial auf zwei Zusatz-CD's.


Tracklist: 


CD One:

01. We're Gonna Groove
02. Poor Tom
03. I Can't Quit You Baby
04. Walter's Walk
05. Ozone Baby
06. Darlene
07. Bonzo's Montreux
08. Wearing And Tearing



CD Two (Companion Audio)

01. We're Gonna Groove (Alternate Mix)
02. If It Keeps On Raining (When The Levee Breaks - Rough Mix)
03. Bonzo's Montreux (Mix Construction In Progress)
04. Baby Come On Home
05. Sugar Mama (Mix)
06. Poor Tom (Instrumental Mix)
07. Travelling Riverside Blues (BBC Session)
08. Hey, Hey, What Can I Do



CD Three (Companion Audio)

01. Four Hands (Four Sticks - Bombay Orchestra)
02. Friends (Bombay Orchestra)
03. St. Tristan's Sword (Rough Mix)
04. Desire (The Wanton Song - Rough Mix)
05. Bring It On Home (Rough Mix)
06. Walter's Walk (Rough Mix)
07. Everybody Makes It Through (In The Light - Rough Mix)



Mit "Coda" kommt die letzte Led Zeppelin-Studioveröffentlichung auf den Markt.  Wie es der Titel bereits suggeriert ("Coda" bedeutet in der Musiktheorie etwa soviel wie "Nachschlag" nach dem Hauptstück) handelt es sich um verschiedene Outtakes von Songs, welche in Fankreisen bereits länger kursierten. Letztlich wurde so auch den Bootleggern der Riegel vorgeschoben.

Zudem waren Led Zep noch verpflichtet ein Album bei Atlantic abzuliefern, was mit vorliegender Scheibe zwei Jahre nach dem Tod von John Bonham auch geschah. 
Interessant ist die Scheibe durch und durch, wenngleich sie natürlich kein vollwertiges Led Zeppelin-Werk darstellt sondern letztlich nur für die harten Fans gemacht wurde.

"We're Gonna Groove" ist ein Song, welcher bereits 1970 live zu hören war. Hier aufgenommen in der Royal Albert Hall, allerdings mit im Studio nachvertonten Gitarrenspuren. Am selben Ort wurde "I Can't Quit You Babe" aufgenommen, nicht wie fälschlich erst vermeldet vom Soundcheck zum Konzert sondern vom Konzert selbst. 

Das akustisch gehaltene "Poor Tom" stammt von den Sessions zu "III", der treibende Rocker "Walter's Walk" fand für "Houses Of The Holy" keine Verwendung und schlummerte lange in den Archiven.

"Ozone Baby", "Darlene" und "Wearing and Tearing" wurden allesamt während der Sessions zu "In Through The Outdoor" aufgenommen, ohne es aber auf die finale Scheibe zu schaffen. Im Falle von "Ozone Baby" durchaus nicht nachvollziehbar, ist der Song doch sehr hitverdächtig und das Highlight auf "Coda". "Darlene" und "Wearing and Tearing" (eines der flottesten Led Zeppelin Tracks überhaupt) wirken doch etwas unfertig sind aber nichtsdestotrotz allesamt interessant im Kontext der großartigen Led Zeppelin-Historie. 

 

Das Bonham'sche Schlagzeugsolo" Bonzo's Montreux" wurde in den dortigen Mountain-Studios in der Schweiz aufgenommen und mit Gitarreneffekten von Meister Page ergänzt.

 

Zwar ist das reguläre Album bereits nach gut 32 Minuten vorbei, doch verwöhnt uns Jimmy Page in der mir zur Verfügung gestellten Deluxe-Edition gleich mit zwei Companion-Audio-Discs, die den Fan zum Kauf bewegen sollen. 

 

Hierbei handelt es sich sicherlich um das interessanteste Bonus-Material der gesamten Wiederveröffentlichungsreihe, da es über alternative Mixes um einiges hinausgeht.

Die interessantesten Bonustracks sind für mich die Nachfolgenden:

"Sugar Mama" stammt zu Zeiten der ersten Led Zep-Scheibe und hätte dort sicherlich keine schlechte Figur abgegeben - im Gegenteil. Ein noch nicht gehörtes Juwel und wohl DER Kaufanreiz für die Deluxe Version.

"Four Hands " ist der von "IV" bekannte "Four Sticks" - Track, hier allerdings aufgenommen mit dem Bombay Orchestra. Klingt herrlich schräg indisch aber durchaus interessant.

 

"Friends" von "III" schlägt in dieselbe Kerbe, auch hier wird der Song aufgepeppt von indischen Klängen. 

 

"St. Tristan's Sword" stammt von 1970 und ist ein bislang unveröffentlichtes Instrumentalstück.

 

 Aus "If It Keeps on Raining" wurde letztlich "When The Levee Breaks", hier in einer komplett anderen Version, schneller gespielt mit anderen Lyrics und zudem fast drei Minuten kürzer als der bekannte Klassiker.

 

 "Bring It On Home" ist in der Bonustrackfassung lediglich der Mittelteil des von "II"  bekannten Klassikers ohne das bluesbetonte Intro/Outro. 

 

Die übrigen Bonusstücke stellen entweder erneut Rough Mixes dar oder waren bereits bekannt von verschiedenen Compilations (z.B. "Baby Come On Home" von den BBC Sessions oder "Travelling Riverside Blues"vom 1990er Boxset bzw. der "Definitive Collection" aus 2008).

 

 Alles in Allem wird mit "Coda" eine sehr gelunge Re-Issue-Reihe abgeschlossen, die zwar den harten Fan aufgrund des manchmal etwas unspektakulären Bonusmaterials nicht ausschliesslich zu Jubelstürmen hinriss aber ansonsten durchaus für alle Fanschichten von hohem Nutzen ist.

 

 "Coda" ist zudem mit den zwei Bonus-Discs für den Alles-Sammler die mit großem Abstand lohnenswerteste Veröffentlichung. 

 

Überflüssig zu sagen, dass es auch "Coda" wieder als Vinyl und auch als Super-Deluxe-Box (siehe auch Video unten) auf den Markt gebracht wurde.



Gespannt darf man sein, inwieweit es noch Live-Material als Nachschlag geben wird. "The Song Remains The Same" war ja nicht Gegenstand der Reihe sondern bislang ausschliesslich  die Studio-Scheiben. Gerade die letzten drei waren ja mega-erfolgreich (vgl. auch Meldung in unseren News).


Martin


 





Wucan - Sow The Wind


Band : Wucan
Album : Sow The Wind
Spielzeit : 42:42 Min.
Plattenfirma : Hänsel & Gretel / MIG
Veröffentlichung : 11.09.2015
Homepage : www.wucan-music.de

Wertung : 9 von 10

Trackliste : 

  1. Father Storm 
  2. Owl Eyes
  3. Looking In The Past
  4. Face In The Kraut
  5. King Korea
  6. Wandersmann

Das Interesse unserer Leser an Vikarma, der ersten Wucan-Veröffentlichung (EP), war riesengroß, weshalb viele von Euch sicher wissen möchten wie es weitergeht mit den Dresdnern und wann Sängerin, Gitarristin und Quer-Flötistin Francis Tobolsky, Gitarrist Tim George, Bassist Patrik Dröge und Schlagzeuger Leo Veassen ihr Debutalbum nachlegen. 

Der Sow The Wind benannte Longplayer ist fertig und steht ab dem 11.September in den Regalen. Wir verraten an dieser Stelle nicht zu viel, dass sich ein schnellstmöglicher Zugriff die CD bzw. Vinylscheibe lohnt. Der Wucan'sche Kraut-, Psychedelic- und Folkrock-Mix wird von der Band selbst als "Kräuterrock with a pinch of Confusion" umschrieben und wer auch immer darauf gekommen sein mag, ich finde es passt irgendwie. Zum lustigen Barbapapa-Cover sowieso. Sechs Titel lang rumpeln und rocken, riffen und flöten sich Wucan den permanenten Vergleich mit Jethro Tull vom Leib und begleiten uns durch die verschiedenen Antlitze ihrer vielfältigen Musik. Von Anfang an dominiert bodenständiger Riff-Rock mit satter E-Gitarre und solidem, äussert geil groovendem Fundament als gleichberechtigtem Partner. Father Storm bohrt sich furios durch die Gehörgänge und nach wenigen Sekunden ist klar; Wucan wollen es schon wieder wissen.

Uptempo-"Kräuterrock" und Francis' rollende Querflöte machen im Wechsel mit ruhigeren Passagen einfach Laune und kaum wundert man sich ob des energischen Openers, legen die Vier mit dem zweiten Kracher Owl Eyes noch eins drauf. Wer sein Hungergefühl jemals irrtümlicherweise mittels Kumpels' rumliegender Space-Cakes gestillt hat, wird wissen, welch anregende Wirkung Musik haben kann...der gesamte Longplayer dürfte unter Anhängern bewusstseinserweiternder Klänge schnell Anklang finden. Die an Black Sabbath meets Hawkwind erinnernde Nummer groovt ebenfalls ohne Ende und knüpft nahtlos an den ersten Song an. 
Mit den folgenden drei Stücken kippt die Stimmung der Scheibe dann Stück für Stück in die psychedelische Schiene und mich hält es kaum noch auf meinem Stuhl...Leute, das Ganze wächst und wächst mit jedem Hördurchgang. Looking In The Past allein raubt mir mit seiner hypnotisch-repetiven Rhythmik, die sich kontinuierlich hochschaukelt, fast sechs Minuten lang den Verstand, leitet zudem aber noch wunderbar das folgende Face In The Kraut ein. Als hätte es lediglich ein Break gegeben, führt der Song die aufgebaute Stimmung fort, um zum Ende hin ein wenig abzuflachen. Hier verfällt der Wucan-Sound zum erstenmal in eine wenig spektakuläre Ruhestellung und so endet der vierte Song ein wenig trocken. Das Finale muss aufgrund von King Korea, einem bedächtig beginnenden Siebenminüter noch etwas warten. Wir dürfen dafür Francis' gesanglichen Leistungen frönen und feststellen dass die Dame sich enorm gesteigert hat. Die anfänglich dunkle Stimmungslage des Songs bringt sie ebenso wie das deutlich agressivere Ende auf den Punkt.
 

Wandersmann. Finale Furioso, Opus Magnum, wie auch immer man solche Stücke nennen mag, Wucan haben sich mit dieser letzten Nummer ein solches geschaffen.
Knapp sechzehn Minuten lang gehen wir mit der Band auf eine total durchgeknallte Reise quer durch die Landkarte ihrer vielfältigen Möglichkeiten. Immer wieder Francis Querflöte, immer wieder Gitarre und Bass im Wechsel mit sich ins Hirn fräsenden, thereminverzerrten Kreischorgien. Tempiwechsel, Sprechgesang, Abhandlungen über die indische Maya-Philosphie...dann wieder der fette Bass, das dienliche aber präsente Schlagzeug. Ich bin ja so auf die Vinylscheibe gespannt. Wenn die ansatzweise so fett klingt, wie die CD erahnen lässt, hat die Produktion unter Richard Behrens als auch das Mastering von Andreas "Lupo" Lubich die Höchstnote verdient. Langer Rede kurzer Sinn, Wandersmann setzt lediglich den wahnwitzigen Schlusspunkt unter eine tolle Platte, die man mittels mehrerer Durchläufe wachsen lassen sollte. Sow The Wind bestätigt, was von Anfang an klar war: Wucan können richtig was, haben mit Vikarma 2014 den Grundstein gelegt und nun eine saustarke LP am Start. 

Dringende Kaufempfehlung ! 


Bernd Fischer

Freitag, 7. August 2015

Led Zeppelin - In Through The Out Door (2015 Remaster - Deluxe 2 CD Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: In Through The Out Door
Spielzeit: 85:21 min
 
Plattenfirma: Warner  
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.ledzeppelin.com



WERTUNG: 

Die letzte "richtige" Led Zep-Scheibe. Kein echter Klassiker mehr aber durchaus Backkatalog-würdig.



Tracklist: 


CD One:

01. In The Evening
02. South Bound Saurez
03. Fool In The Rain
04. Hot Dog
05. Carouselambra
06. All My Love
07. I'm Gonna Crawl



CD Two (Companion audio):

01. In The Evening (Rough Mix)
02. Southbound Piano (South Bound Saurez - Rough Mix)
03. Fool In The Rain (Rough Mix)
04. Hot Dog (Rough Mix)
05. The Epic (Carouselambra - Rough Mix)
06. The Hook (All My Love - Rough Mix)
07. Blot (I'm Gonna Crawl - Rough Mix)


"In through The Out Door" ist die letzte Studioscheibe von Led Zeppelin mit originalem Material, die vor dem Tod von John Bonham erschienen ist. Berühmt für das "Bootleg-Cover" in der braunen Papierhülle, welche auch beim Re-Issue dem Original bis ins Detail nachempfunden wurde, erschien die LP im Jahr 1979 rechtzeitig zu den legendären Auftritten in Knebworth/UK. Die Band hatte harte Zeiten hinter sich: Jimmy Page bekämpfte weiterhin seine Heroinsucht, John Bonham war dem Alkohol verfallen und Robert Plant war noch immer in Trauer über seinen 1977 verstorbenen Sohn Karac.
Den widrigen Umständen zum Trotz ist "in Through The Out Door" durchaus ein würdiges Led Zeppelin Album geworden, auch wenn es hinter den absoluten Klassikers der Band letztlich doch um einiges zurückstecken muss.
War der Vorgänger "Presence" sehr auf Jimmy Page zugeschnitten, insbesondere was Gitarrenlastigkeit und Härte anging, so wurde "In Through The Outdoor" wieder variabler und ließ auch John Paul Jones wieder mehr Freiheit zum Input.

Der epische Opener "In The Evening" braucht zwar einige Umdrehungen, ehe er nach seinem langen Keyboard-Intro auf Touren kommt , ist jedoch ein würdiger Eröffnungssong.
Das Honkey-Tonk-lastige "South Bound Saurez" überzeugt mit offensivem Piano-Einsatz, was dem Vorgänger komplett abging. Das relaxte "Fool In The Rain" hat leichtes Reggae-Sommerfeeling, ehe bei "Hot Dog" wieder Boogie/Rock'n Roll angesagt ist. Die Scheibe ist sehr abwechslungsreich, erreicht jedoch nicht das Niveau-Plateau von "Physical Graffity", welches, was Abwechlsung angeht, wohl den Zenit in der Zeppelin'schen Discographie darstellt.
"Carouselambra" ist, wie der Titel schon andeutet, ein Wechselbad der gefühle. Das über 10minütige Stück versucht ein Kashmir, W Lotta Love und weitere Led Zep-Klassiker in einem zu vermengen, was letztlich auch überraschend gut gelingt. Sogar vor poppigen Discoklängen, welche anno 1979 hip wurden, schreckten die Vier daabei am Ende des Songs nicht zurück. Gewöhnungsbedürftig aber gelungen.

"All Of My Love" und auch "I'm Gonna Crawl" beenden das Album eher gediegen und ruhig, bei beiden auch wieder der hohe Keyboard-Einsatz auffallend. Ist ersteres Stück eher symphonisch angelegt so gibt es beim Album-Closer nochmals Led Zep-Blues zu hören.
Ein flotterer, härterer Track hätte der Scheibe vielleicht noch etwas besser getan.

Verkaufstechnisch konnte man sich über die Performance der Scheibe nicht beklagen, die Nummer Eins-Position in den Billboard-Charts war sicher und bis heute wurden über 6 Mio Einheiten an den Mann bzw. die Frau gebracht. Eindrucksvoll.

Was das Bonusmaterial angeht, so werden sich wieder die Geister scheiden: Neue Songs gibt es keine, das Album wird auf der "Companion Disc" letztlich nochmals in verschiedenen Rough Mixes präsentiert, welche zum Teil aus Phasen stammten, zu denen die Songs noch andere Titel hatten.
Bei "Fool In the Rain", "All My Love" sowie "I'm Gonna Crawl" handelt es sich um die Mono-Mixe, bei den übrigen Songs sind unter anderem weniger Overdubs zu oder die Vocals klarer im Mix zu hören (z.B, bei "In The Evening").
Sensationelles Bonus-Material ist das in dem Fall zwar nicht, aber für den harten Fan sicherlich Grund genug um zuzuschlagen. Leider sind wieder nur recht spärliche bis keine Infos dem ansonsten wiederum sehr schicken Booklet zu entnehmen. Wie auch bei den Vorgängeralben gibt es erneut ein Boxset sowie auch ein Vinyl-Paket, so dass für jede Käuferschicht ein entsprechendes Produkt dabeisein sollte.

Der Sound ist natürlich wieder über alle Zweifel erhaben und dürfte von künftigen Re-Releases (sofern da noch jemals welche folgen sollten) wohl schwer zu toppen sein. Durchaus Referenzklase, insbesondere wenn man sich das Alter der Aufnahmen vor Augen führt.
Für Einsteiger ebenfalls absolut zu empfehlen.


Martin


 



Mittwoch, 5. August 2015

Reds'cool - Press Hard



Band: Reds'cool
Album: Press Hard
Spielzeit: 41:12 min.
Plattenfirma: PS Rec./SPV
Veröffentlichung: 28.08.2015
Homepage: www.redscool.net

Wertung: 8,5 von 10


Tracklist:

1. Dangerous One
2. My Way
3. The Way I Am
4. Brand New Start
5. Strangers Eyes
6. Call Me
7. One Night
8. Love Behind
9. No More

Bisher bin ich noch nicht über REDS'COOL gestolpert, einer Hardrock Band aus St. Petersburg, die mit dem mir nun vorliegenden Album "Press Hard" breits zum dritten Mal in Erscheinung treten. Und bei denen bereits zum zweiten Mal Studio Legende Michael Wagener (u.a. Metallica, Alice Cooper) hinter den Reglern saß und den Jungs einen ordentlichen trockenen Sound zimmerte. In dieser Hinsicht ist also schon mal alles im grünen Bereich. Und auch songtechnisch ist bei den Russen nichts im roten Bereich (auch wenn es der Bandname vermuten lies). Solider Hardrock auf einer Qualitätsstufe mit zum einen Schweizer Bands wie GOTTHARD und SHAKRA und auf der anderen Seite aber auch so manch amerikanischen Kollegen wie den Jungs von DOKKEN. Und ja, die Vergleiche sind berechtigt.


"My Way" zum Beispiel hört sich fast nach einem SHAKRA Song an, die Gitarrenläufe, die Melodien, einfach super. Etwas entspannter beginnt dann "The Way I Am". Schön vermischt mit etwas Blues klingen REDS'COOL fast schon wie die guten alten bekannten WHITESNAKE. Eigentlich müsste ich ob der Qualität der Stücke in Lobeshymnen ausbrechen, doch so ganz wollen mich die Stücke dann doch nicht packen. Anders das nun folgende "Brand New Start", welches endlich mit einem richtigen Hitrefrain ausgestattet ist und die Stimme von Frontmann Slava “Spark” Aleksanov gerade bei den melodischen Momenten seine Stärken so richtig ausspielen kann. Allerdings ist "Brand New Start" eher ein gemächlicher Midtempo Rocker mit den typischen Chören. Und gerade bei Hardrock will ich mit stürmischen Rockattacken vom Rechner weggeblasen werden. 

"Strangers Eyes" ist dann der erste Song, der wirklich an mir vorbei läuft. Auch gut gemacht, aber doch schon zu oft so ähnlich gehört. Beim wieder etwas ruhigeren "Call Me" wildern REDS'COOL fast schon in Melodic Rock Gefilden und machen genau dort eine richtig gute Figur, allerdings ist mir der Refrain etwas zu "moll-lastig". Dass es auch besser geht beweisen die folgenden "One Night" und das mächtig groovende "Love Behind". Hier zeigen die Russen, was so alles in Ihnen steckt. Und doch ist "Press Hard" für mich eine sehr schwierige Angelegenheit geworden, denn mit ihrem Sound und den meisten Songs treffen die Jungs eigentlich genau meinen Geschmack und doch fehlt irgendwie dann der letzte Kick, damit ich in Begeisterungsstürme aussbreche. Manchmal habe ich das Gefühl REDS'COOL fahren manchmal mit angezogener Handbremse und können sich nicht entscheiden ob sie lieber Hardrock oder Melodic Rock spielen möchten. 

Doch bei beiden machen Sie insgesamt gesehen eine echt gute Figur und nach mehr als einem Dutzend Durchläufen kann ich guten Gewissens fette 8,5 Punkte zücken und werde auf alle Fälle beobachten, wie es mit der Band weiter geht. Vielleicht lassen Sie sich mal auf einem Festival in Germany blicken und packen mich live dann wirklich endgültig.   

Markus

Montag, 3. August 2015

Led Zeppelin - Presence (2015 Remaster - Deluxe 2 CD Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: Presence
Spielzeit: 76:18 min

Plattenfirma: Warner
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.ledzeppelin.com




WERTUNG: 

Uneingeschränkte Kaufempfehlung, der letzte echte Led-Zep Klassiker


Tracklist: 


CD One
01. Achilles Last Stand
02. For Your Life
03. Royal Orleans
04. Nobody's Fault But Mine
05. Candy Store Rock
06. Hots On For Nowhere
07. Tea For One



CD Two (Companion audio)
01. Two Ones Are Won (Achilles Last Stand - Reference Mix)
02. For Your Life (Reference Mix)
03. 10 Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod) (Reference Mix)
04. Royal Orleans (Reference Mix)
05. Hots On For Nowhere (Reference Mix)



Die Led Zeppelin Remasters gehen in die letzte Runde. Getreu der Chronologie macht "Presence", welches ursprünglich 1976 erschien, den Anfang. Zur damaligen Zeit herrschten im Led Zeppelin-Lager tumultartige Zustände, angefangen von den Streitigkeiten untereinander bis hin zu Robert Plants Autounfall in Griechenland im Jahr zuvor, von dem er sich immer noch nicht ganz erholt hatte während der Aufnahmen.
Doch die Truppe konnte sich zusammenraufen und lieferte mit "Presence" ihren wohl letzten grossen Klassiker ab.
Im Gegensatz zum Vorgängeralbum "Physical Graffity", wo doch vermehrt akustische und folkige Töne und auch Keyboards in nicht untergeordnetem Umfang zu hören waren, stellt "Presence" ein straightes Hard Rock Album ohne viel Firlefanz dar.

Der 10 minütige Opener "Achilles Last Stand" steht den Long-Track Klassikern der Band ala "Kashmir" in nichts nach und inbesondere Jimmy Page ist es zu verdanken, dass die Scheibe sich im hochwertigen Back-Katalog der Engländer nicht zu verstecken braucht, hat er doch die Lp auch produziert. 
Aufgenommen wurde in den bekannten Musicland Studios im Keller eines bekannten Münchner Hotels, in dem auch sehr viele Rockklassiker der Stones und insbesondere Queen entstanden.

Weitere Höhepunkte der Scheibe stellen das funkige "Royal Orleans" sowie das unterbewertete "Nobody's Fault But Mine" dar, welche beide in die Hall Of Fame des Led Zeppelin'schen Gesamtkatalogs Einzug finden sollten. 
Auch die unbekannteren Songs wie das etwas hektische "Candy Store Rock" oder das sehr trockene "For Your Life" liefern Hardrock der Spitzenklasse ab.

Mit dem Neunminüter "Tea For One" nimmt man Bezug auf die bluesigen Anfangsjahre und beschließt so ein erneut mehr als hochwertiges Album.

Verkaufstechnisch war "Presence" zwar kein absoluter  Überflieger, konnte jedoch in den Billboard Charts sowie in den heimischen Charts in Großbritannien jeweils die Spitzenposition erklimmen.

Live wurden auf der folgenden 1977er Tour überraschenderweise lediglich "Achilles Last Stand" sowie "Nobody's Fault But Mine" zum Besten gegeben, was doch für einige Verwunderung sorgte angesichts des sonstigen auch hochwertigen Materials. "For Your Life" wurde gar erst auf dem 2007er Reunion Konzert erstmal live performed.



 

Die harten Fans kaufen natürlich wieder die umfangreicheren Fassungen. Mir liegt als Rezensionexemplar die Deluxe-Doppel-CD vor. Das wie gewohnt altemberauben schön aufgemachten Digipack wurde mit hochwertigen Live- und Studiophotos aus der damaligen Phase ergänzt.
Was ich bei den ganzen Remasters etwas schade finde ist die Tatsache, dass man keinen zusätzlichen Liner-Notes von Jimmy Page, der die gesamten Projekte ja eigenhändig überwachte, finden konnte. Einige seiner Insider-Infos zur Entstehung der einzelnen Scheiben hätte ich durchaus interessant gefunden. Ebenso gibt es außer den Tracknamen keine genauen Infos zu den Bonus-Tracks.

Diese umfassen lediglich 5 Songs, was auf den ersten Blick etwas wenig erscheint, mit  
"10 Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod) (Reference Mix)" jedoch einen komplett unveröffentlichten (Instrumental-)Song bietet, der wohl aufgrund seiner eher soften Ausrichtung sowie der akustischen Einlagen und des enthaltenen Pianos der gewollten härteren Ausrichtung zum Opfer fiel. Jedenfalls mit Abstand das Highlight der Doppel-CD.

Beim "Royal Orleans" Reference Mix hört man John Bonham am Gesang -  sehr gewöhnungsbedürftig,  klingt fast wie eine Spass-Version, was das Ganze aber durchaus interessant macht aufgrund des deutlichen Unterschieds zum Original. Bei den übrigen Bonusstücken muss man schon genauer hinhören um die Unterschiede der zusätzlichen Mixe zu erkennen.

Wie auch die vorherigen Re-Issues, so verdient "Presence" auf alle Fälle wieder uneingeschränkte Kaufempfehlung. 
Die Hardcore-Fans sind sowieso an Bord und wer beginnt, sich mit dem Zeppelin'schen Gesamtwerk zu beschäftigen dem seien die Remasters ebenfalls schwer ans Herz gelegt, da auch der Sound über alle Zweifel erhaben ist.


Abschließend noch eine Zusammenfassung aller Versionen dieser Veröffentlichung aus dem offiziellen englischen Presseinfo:


  • Single CD - Remastered original album. 
  • Deluxe Edition (2CD ) - Remastered album, plus a second disc of unreleased companion audio.
  • Single LP - Remastered album on 180-gram vinyl, packaged in a sleeve that replicates the LP's first pressing in exacting detail. 
  • Deluxe Edition Vinyl - Remastered album and unreleased companion audio on 180-gram vinyl. 
  • Digital Download - Remastered album and companion audio will both be available.  
  • Super Deluxe Boxed Set - This collection includes:
  • Remastered album on CD in vinyl replica sleeve.
  • Companion audio on CD in card wallet.
  • Remastered album on 180-gram vinyl in a sleeve replicating first pressing.
  • Companion audio on 180-gram vinyl.
  • High-def audio download card of all content at 96kHz/24 bit.
  • Hard bound, 72+ page book filled with rare and previously unseen photos and memorabilia. High quality print of the original album cover, the first 30,000 of which will be individually numbered.                                    

Martin





 


 

Montag, 13. Juli 2015

Trixter - Human Era

Band: Trixter
Album: Human Era
Spielzeit: 44:14 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 05.06.2015
Homepage: https://www.facebook.com/trixterrocks


WERTUNG: 8 von 10


Tracklist: 


1. Rockin’ To The Edge Of The Night
2. Crash The Party
3. Not Like All The Rest
4. For You
5. Every Second Counts
6. Beats Me Up
7. Good Times Now
8. Midnight In Your Eyes
9. All Night Long
10. Soul Of A Lovin’ Man
11. Human Era



Trixter gingen bislang etwas an mir vorüber. Sowohl in den 90er Jahren (ihr Debut 1990 schaffte immerhin noch eine Goldene in den USA) als auch das Comeback vor ein paar Jahren hab ich irgendwie verschlafen. Aber man kann ja nicht alles kennen und so kann man sich vorurteilsfrei an die neue Scheibe "Human Era" wagen.

Beim Opener "Rockin' to The Edge Of The Night" fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine in die Epoche versetzt, als die Haare noch lang waren  und die Musik noch Spass machte, sprich 80's pur im alten Bon Jovi-Stil, was auch so ungefähr die Marschrichtung der Band ist.

"Crash That Party" setzt dem flotten Opener in Sachen Geschwindigkeit noch eines drauf. Schöne Breitwandchöre und ein ohrwurmartiger Refrain machen Lust auf mehr.
Die "Nanana"'s in "Not Like All The Rest" wecken ebenfalls nostalgische Gefühle, ohne jedoch zu verstaubt zu wirken. Was waren das noch für Zeiten, als die Jungs aus New Jersey um Herrn Jovi noch gute Musik machten. 
"For You" erinnert etwas an Van Halen ala "Hot For Teacher", sprich ebenfalls ein Lichtgeschwindkeitssong hoch drei, genial geeignet für die nächste 80er Hair Metal Party.

"Every Second Counts" befriedigt den AOR Maniac, eine Weltklasse-Halbballade, die anno dazumal sicher ganz oben in den Hitlisten gestanden hätte.

"Beats Me Up" hätte ich nicht genau danach folgen lassen von der Reihenfolge her, da es sich hier ebbeienfalls um einen eher balladesken Song handelt, und die Vocals einmal mehr an Jon Bon erinnern, als er noch singen konnte.

"Good Times Are Now" ist mir persönlich etwas zu schwerfällig und der einzige "Filler" auf "Human Era".

Das wieder mitreißendere "Midnight In Your Eyes" entschädigt dafür jedoch umso mehr, auch hier zeigen die Jungs wieder, dass sie ihr Handwerk beherrschen und ihre Nische gefunden haben. Nostalgie ja aber mit dem gewissen Etwas.

"All Night Long" könnte auch von Danger Danger zu Paul Laine-Zeiten stammen, dezent punkig angehaucht auch auf der Habenseite zu verbuchen.

Das Abschlussduo "Soul Of A Loving Man" und das Titelstück setzen das hohe Niveau fort, so dass man der Truppe zu "Human Era" nur gratulieren kann und sich zumindest einmal wünschen kann, dass die Band auch mal in unserem Breitengraden auftritt, so gering diese Hoffnung auch sein mag!

Fazit des Ganzen: Prima Scheibe ohne große Minuspunkte und einer mehr als annehmbaren Produktion!

Martin



 

Montag, 6. Juli 2015

House Of Lords - Indestructible

Band: House Of Lords
Album: Indestructible
Spielzeit: 50:26min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 05.06.2015
Homepage:
https://www.facebook.com/houseoflordsofficial



WERTUNG: 8 von 10


Tracklist: 

1. Go To Hell
2. Indestructible
3. Pillar Of Salt
4. 100 Mph
5. Call My Bluff
6. We Will Always Be One
7. Die To Tell
8. Another Dawn
9. Eye Of The Storm
10. Ain’t Suicidal
11. Stand And Deliver


Der Titel der mittlerweile zehnten House Of Lords Scheibe ist in der  Tat Programm. Entgegen den Widrigkeiten der Musikindustrie, besonders im Melodicrock-Bereich manchmal ja äußerst schmerzlich spürbar, trotzen James Christian und seine Mitstreiter allem, was sich Ihnen in den Weg stellt und liefern in pünktlichem Rhythmus CD für CD ab. Dazu gehört schon Stehvermögen, gerade in Zeiten, in denen die Verkäufe immer mehr zurückgehen und auch auf kleinere Konzerte nur noch die Die-Hard-Fans pilgern.

Meister James Christian ist das egal und er liefert auch mit der neuen "unzerstörbaren" Scheibe ein hochwertiges Stück Rockmusik ab. 
Das mit einem gregorianischen Chorgesang eingeleitete "Go To Hell" gibt zum Einstieg bereits ordentlich auf die Zwölf. Die Produktion ist schön druckvoll, vor allem im Drumbereich, was ja nicht immer üblich ist.
Das etwas schleppende Titelstück schließt sich an. In die Höhen kommt James Christian zwar nicht mehr so ohne weiteres, aber der Zahn der Zeit nagt ja an uns allen, nur ist merklich in manchen Chorgesängen doch einiges eingemixt worden, was nicht unbedingt nach James Christian klingt (Gerüchten zufolge hat Robin Beck da ausgeholfen).
Beim ruhigeren "Pillar Of Salt" kann man sich entspannt zurücklehnen, eine schöne Halbballade, die auch auf den ersten HOL-Alben stehen könnte. "100 mph" deutet es vom Titel her bereits an, ein flotter Heavy-Song, dennoch sehr melodiös und Jimi Bell an der Axt zeigt was er drauf hat.
AOR-Time ist bei "Call My Bluff" angesagt, ein hitverdächtiger Track, der anno 1988 sicher in den Radioplaylisten weit obengestanden hätte. Nur ist es eben leider 2015.
"We Will Always Be One" ist die nächste (Halb-)Ballade, ist mir persönlich zwar etwas zu zäh, aber der Refrain ist ein Winner, so dass man den Song auch nicht unbedingt als Ausfall bezeichnen kann.
"Die To Tell" gehört wieder zur flotten Fraktion, wenngleich man aber sagen muss, dass hiervon fast ein wenig zu viel auf "Indestructable" vertreten sind, die sich zum Teil auch etwas zu arg ähneln. Am Ende der Scheibe kommen mit "Ain't Suicidal" und "Stand and Deliver" nochmals zwei Heavy-Bretter, die aber auch von der gleichen Machart sind, was dann doch etwas zu Lasten der Abwechslung geht. Nichtsdestotrotz qualitativ hochwertige Tracks keine Frage.

Der einzige Song, der nicht wirklich bei mir zünden will ist "Another Dawn", der wirkt irgendwie blutleer. Der dritte ruhige Song "Eye Of The Storm" dagegen punktet wieder auf ganzer Linie, bei den Refrains gelingen HOL meistens zuverlässig Volltreffer, so auch hier.

Auch wenn die letzten Veröffentlichungen doch irgendwie etwas austauschbar geworden sind, so besteht kein Zweifel daran, das James Christian und House Of Lords mit jeder Veröffentlichung hochwertigen Melodicrock abliefern, der sich qualitativ meilenweit von so manch gehypter Veröffentlichung abhebt. Ich freue mich schon wieder auf die nächste Scheibe! Well Done.....


Martin






Sonntag, 5. Juli 2015

Sideburn - Evil Or Divine


Band : Sideburn
Album : Evil Or Divine
Spielzeit : 44:56 Min.
Plattenfirma : Metalville
Veröffentlichung : 22.05.2015
Homepage : www.facebook.com/sideburnswedenfanpage

Wertung : 5 von 10

Trackliste : 

  1. Masters And Slaves 
  2. Sea Of Sins
  3. When Darkness Calls
  4. The Seer (Angel Of Death)
  5. The Day The Sun Died
  6. Evil Ways
  7. Presence

Echt schade, wie die Stockholmer Sideburn mit ihrem unzweifelhaft vorhandenen Potential umgehen...aber wer dieser Tage eine richtig geile Platte kaufen möchte, die dem Gedanken des düster-doomigen Hardrock gerecht wird und zäh groovende Gitarrenriffs, düstere Stimmung, fette Drums und dazu noch einen knackigen Sound enthält, der greift wohl eher nicht zu Evil Or Divine.

Das Problem von Dimitri Keisiki (voc. git.), Morgan Zocek (git., bck.voc.), Martin Karlsson (bs., org., bck.voc.) und Fredrik Haake (dr., perc.) ist leider vielfältiger Natur und besonders ärgerlich. Zum einen kann sich die Band nicht entscheiden, nach wem sie denn nun klingen möchte...mal stehen die frühen Scorpions zusammen mit Rainbow Pate (Sea Of Sins), danach halten Candlemass (When Darkness Calls) die Hand über die Jungs, ein anderes Mal wieder drehen Sideburn irgendwie alles gleichzeitig durch den düsteren Hardrockwolf...nur eines sind sie leider überhaupt nicht: Eigenständig. 

Dem Sound der Gruppe fehlt ein herausragendes Merkmal. Hätte man einen besonders begnadeten Sänger, Gitarrist oder Schlagzeuger im Team, hätte man ein entsprechendes Klangkorsett erhalten, mal ein Solo eingstreut, Abwechslung in irgendeiner Form eingebracht, wie auch immer...hat man aber nicht. Und so schleppe ich mich durch knapp 45 Minuten zäher Musik, die wenig bis keinen Spaß macht. Die ich vor allem aber in den letzten Jahren beim Hören anderer Bands deutlich spannender empfunden habe.



Ärgerlich ist die Angelegenheit deshalb, weil von Anfang an klar ist, dass die Jungs gar nicht so viel tun müssen um es allen zu zeigen. Holt Euch einen Profi ins Studio, der Euch in den Hintern tritt und vorhandes Talent aus Euch herauskitzelt. Einen der Euch einen markanten Sound bastelt, der Euch beim Songwriting berät, was auch immer...

Doppelt blöd ist; Evil Or Divine punktet ausgerechnet mit dem Schlusssong Presence der, stark The Tea Party verdächtig, seine Wurzeln wieder mal nicht verleugnen kann ABER; endlich Spaß macht. Die Nummer darf als gelungen bezeichnet werden, endlich kommt eine Stimmung auf, endlich mag man genauer hinhören, weil Dimitri Keisiki plötzlich voller Inbrunst singen kann, endlich hört man, was geht, wenn Sideburn ihre Energie bündeln...schade dass es schon zu spät ist.

Bleibt zu hoffen dass den Stockholmern in absehbarer Zeit ein Licht aufgeht, denn die sechste Platte muss endlich zünden, sofern es sie gibt...


Bernd

Sonntag, 28. Juni 2015

Palace Of The King - White Bird - Burn The Sky



Band : Palace Of The King
Album : White Bird / Burn The Sky
Spielzeit : 44:40 Min.
Plattenfirma : Listenable Records
Veröffentlichung : 12.06.2015
Homepage : www.facebook.com/palaceofthekingmusic

Wertung : 9 von 10

Trackliste :

  1. Take Your Medicine
  2. No Chance In Hell
  3. Another Thing Coming
  4. Burn My Bridges
  5. White Bird (Bring Your Armies Against Me)
  6. Ain't Got Nobody To Blame But Myself
  7. Leave Me Behind
  8. Devil's Daughter
  9. Get Back Up (Burn The Sky)
  10. If It Ain't Broke

Falls dem Einen oder Anderen von Euch der Gedanke kommen sollte: Ja, Palace Of The King kommen aus Down Under, sie haben mit AC/DC aber ebenso viel zu tun wie Angus Young mit Elektrozigaretten. Haben sie auch überhaupt nicht nötig, denn White Bird - Burn The Sky, just erschienenes Zweitwerk, hat mit seinem vielfätigen Kickass-Rock überhaupt keinen Grund sich hinter anderen Bands zu verstecken.

Allein die personelle Breite der mit sechs Leuten sehr gut besetzten Band lässt vermuten, dass hier einiges drin stecken könnte. In der Tat, Tim Henwood (Gesang, Percussion), Leigh Maden (Lead Gitarre, Mundharmonika), Matthew Harrison (Rhythmus-Gitarre), Andrew Gilpin (Bass), Anthony Troiano (Schlagzeug) und Sean Johnston (Keyboard / Orgel) weben einen Soundteppich, den man als Kreuzung aus Deep Purple meets Raven meets Black Crowes meets Aerosmith ganz passabel beschreiben kann. 

Die ersten beiden Tracks sind rauhe, hemmungslose Losgehnummern mit einem kräftigen Arschtrittfaktor. Tim Henwoods hell-bellendes Organ erinnert ein wenig an Geddy Lee, bringt aber schon mit dem zweiten Titel No Chance In Hell den Beweis, auch tiefere Lagen stemmen zu können. Auffällig der kurz auf der Bremse zuckende Fuß im Mittelteil; hier ein kurzes Guitarsolo, dort ein Tambourin, dazu ein cooler Basslauf und Henwoods hektisch-kontrollierter Gesang, fertig ist eine geile Rocknummer, die Appetit auf mehr macht. 
Another Thing Coming hat nichts mit der gleichnamigen Judas Priest Nummer zu tun, und stellt den Hörer klassischer Hardrock- bzw. Metalmusik leider auf eine harte Probe...der verzerrt-kitschige Keyboardriff muss erstmal verdaut werden und nervt mich. Schade, der Song hat im weiteren Verlauf einen funkig-souligen Charme und erinnert ein wenig an Mother's Finest meets Ike & Tina Turner, da hätte man echt mehr draus machen können...



Die Rückbesinnung folgt auf dem Fuße und die Fieberkurve steigt in unerwartete Höhen. Über Burn My Bridges, dem zentnerschweren Titeltrack White Bird (Bring Your Armies Against Me) und der immer wiederkehrenden, agbrundtief fetten Schweineorgel von Sean Johnston entwickeln sich verdammt feine Songstrukturen mit Tiefgang. Vorläufiger Höhepunkt für mich stellt Ain't Got Nobody To Blame But Myself dar. Die um zwei Gänge zurückgefahrene Drehzahl verleiht dem Stück eine fast bedrohliche Atmosphäre, die ausserdem in der Mitte der Platte gut platziert ist und für Abwechslung sorgt. Und von weiteren Qualitätsrockern gefolgt wird...
Im Grunde folgen jetzt nur noch Highlights. Leave Me Behind, der nach vorne galoppierende Rocker wird von einer (sic!) Bläsersektion und einem Saxophon garniert ! Geilomat ! Devil's Daughter hat einen schönen, an Mother Love Bone erinnernden Mittelteil inklusive noch schönerem Gitarrenpart verpasst bekommen. Der fräsende Gitarrenriff und die coole Harp von Leigh Maden drücken der vorletzten Nummer Get Back Up (Burn The Sky) ihr Siegel auf.

If It Ain't Broke beendet ein unerwartet starkes Palace Of The King - Album auf knackige, jedoch leicht angespannte Weise. Die letzten fünf Minuten geraten ein wenig krampfig, man hat den Eindruck dass die Ideen auf der Zielgeraden dann doch weg waren. Aber egal, White Bird - Burn The Sky ist nix anderes als ein Arschtritt-Rocker und ich freue mich auf mehr. Denn Palace Of The King haben so viel Potential, von denen werden wir mehr hören...

Und Ihr geht jetzt mal ganz schnell los und kauft Euch die Platte ! Nicht dass hinterher einer behauptet, ich hätte nix gesagt...

Bernd 

Freitag, 5. Juni 2015

Michael Bormann - Closer


Band: Michael Bormann
Album: Closer
Spielzeit: 45:28 min.
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 22.05.2015
Homepage: www.michaelbormannpage.de

WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:
01. I’m Not Your Entertainment
02. Let’s Make History
03. Never Say Die
04. Can’t Get A Touch Too Much
05. Because We Are The World
06. Living It Up
07. I Wanna Be A Rock Star
08. For This One Time In Life
09. Closer
10. Richmen’s World
11. Down To The Bottle
12. Warrior

Michael Bormann dürfte nach seinen Auftritten bei der Castingshow "The Voice Of Germany" sicherlich auch außerhalb der Melodic- und Hardrock Gemeinde einige Fans gefunden haben. Manche der Old School Fans haben zwar längst ihren Unmut über diesen Schritt hin zum Mainstream bekundet, der Großteil hat dies nach meiner Erfahrung jedoch sehr begrüßt und Michael weiterhin nach Kräften unterstützt. Über seine über 25-jährige Erfahrung mit Stationen bei JADED HEART (als Mitbegründer) oder BLOODBOUND, BISS oder SILENT FORCE muss ich hoffentlich nicht mehr all zu viele Worte verlieren. Michael hat in diesem Bereich wirklich fast alles qualitiv hochwertig beackert. 


Nun liegt mir sein fünftes Soloalbum vor, das relativ nah am Erscheinungstermin seines letzten Projekts, den Italienern von GRINDHOUSE (Review hier) liegt. Bei den bisherigen Soloscheiben hatte ich immer das Problem, das neben einigen Krachern zu viele Balladen zu finden waren und auch der ein oder andere Füller. Ersteres fällt bei "Closer" nicht mehr so arg ins Gewicht. Erstens ist die von THE VOICE bekannte Ballade "Warrior" absolut gelungen und dürfte bei so manchem 80er Jahre Kuschelrock Fan Gänsehaut hervorrufen. Die mir dann zu weichgespülte Ballade Nummer 2 "Because We Are The World" inklusive Kinderchor drücke ich leider nach dem dritten Durchlauf durchgängig weg. Intention und Stimmung passen zwar, doch mir sagt der Song echt nicht zu. Manchmal ist zuviel Plüsch einfach zuviel. 

Doch kommen wir nun endlich zu den Krachern auf dem Album, denn die sind eindeutig in der Überzahl. Bereits der Opener "I'm Not Your Entertainment" (doch Michael, du bist ein guter Entertainer, hihi) geht voll nach vorne ab und weiß mit rockenden Gitarren und tollen Melodien zu gefallen. "Let's Make History" ist ein weiterer Guter-Laune Rocker, bei dem mich die Häufung der Soundsamples aber manchmal an Tom und Jerry erinnert. Vielleicht wäre für das nächste Album ein Bandgefüge dafür hilfreich, denn Michael hat eigentlich fast alles selbst eingespielt (eine Anzahl Gastmusiker ist aber auch auf "Closer" vertreten). "Can't Get A Touch Too Much" startet schön Southern Rock-mäßig ehe sich Michael rappend an KID ROCK versucht und grandios scheitert. Sorry Michael, aber lass den Sprechgesang, das ist echt übel und ohne den berüchtigen Flow. Also auch hier schnell weiter. 

"Living It Up" ist zum Glück wieder richtig gute Melodic Rock Kost. So muss ein Bormann auch anno 2015 klingen. Vom Song und der Produktion her erinnert mich das Stück stark an MICHAEL MORALES, falls den noch jemand kennt. Klasse. "I Wanna Be A Rockstar" ist dann der nächste Kracher, groovt ohne Ende, hat Dampf unterm Kessel und sorgt live sicher für eine Bombenstimmung. Auch die restlichen Songs (besonders "Richmen's World") wissen zu munden und so kann ich "Closer" guten Gewissens starke 8 Punkte verleihen. Zum Album des Jahres wird es für mich nicht reichen, aber ich werde die Scheibe sicher des Öfteren auflegen und mich an "Closer" erfreuen.

Markus

Sonntag, 31. Mai 2015

Halestorm - Into The Wild Life

Band: Halestorm
Album: Into The Wild Life
Spielzeit: 56:47 Min.
Plattenfirma: Atlantic Records
Veröffentlichung: 10.04.2015
Homepage: halestormrocks.com



Wertung: 10 von 10 Punkten



01. Scream
02. I Am The Fire
03. Sick Individual
04. Amen
05. Dear Daughter
06. New Modern Love
07. Mayhem
08. Bad Girl’s World
09. Gonna Get Mine
10. The Reckoning
11. Apocalyptic
12. What Sober Couldn’t Say
13. I Like It Heavy


Special Edition Bonus Tracks:
14. Jump The Gun
15. Unapologetic



Halestorm sind wohl eine wenn nicht DIE am härtesten arbeitende Band im Rock-Circus überhaupt. Sie touren beinahe ständig und wenn da mal Pause angesagt ist wird eine neue Scheibe eingetütet. Zwischen den regulären Studiowerken gibt es - weil man ist ja nicht ausgelastet - dann noch EP's mit (allesamt tollen!) Coverversionen.

Halestorm sind für mich eine der wenigen "neuen" Bands mit eigenem Charakter UND Star-Appeal, natürlich zu vorderster Front begründet durch Lzzy Hale, der Frontwoman der Truppe. Im Vorfeld  der neuen Veröffentlichung gab es ja Stimmen, die der Band nachsagten, sie wollen nun einen auf Country machen, nachdem sie mit Jay Joyce einen namhaften Produzenten eben dieses Genres verpflichten konnten. Diese Bedenken kann man jedoch ohne weiteres ins Reich der Fabeln zurückweisen. Halestorm rocken weiterhin wenn auch anders. Wie auch "Strange Case...." sich vom selbstbetitelten Erstlingswerk unterschieden hat so ist "Into The Wild Life" eine Weiterentwicklung zum Vorgänger. Ein klares Zeichen dafür, dass man im Hause Halestorm nicht auf Nummer sicher geht und ein weiteres "Here's To Us" auf den Markt schmeisst, welches ja überaus erfolgreich war. 

Halestorm gehen durchaus Risiken ein indem Sie ihren Sound weiter verfeinern. So ist z,B. "Scream" nicht der typische Opener in Form eines schnellen Eröffnungstracks sondern eher im Midtempobereich gehalten. Auffallend die durchaus effektreiche Produktion, welche glasklar und differenziert aus den Boxen tönt. Laut Band wurde ein Großteil der Songs live eingespielt und erst danach verfeinert. Die verfremdeten Vocaleffekte hätte es bei der grandiosen Stimme meines Erachtes zwar nicht bedurft aber dennoch ein guter Einstieg.

"I Am The Fire" ist das erste Highlight der CD. De rSong beginnt eher balladesk, ehe einen der Refrain ziemlich wegpustet und am Ende der Song das Tempo in Richtung Speedgranate wechselt. Rockt wie Sau würde ich sagen. "Sick Individual" erinnert am ehesten an die "alten"Halestorm. Ein schöner Stampfer, der auch live gut abgehen wird. Das  Lzzy- Kreischen wird dabei auch wieder gut dosiert eingesetzt.

"Amen" wurde bereits vorab ausgekoppelt, hierzu gibt es ein aufwändiges witzig gemachtes Video, die leichten Country-Twangs der Gitarre fallen sicher auf sind jedoch nicht als Abkehr vom Rocksound zu werten. Im Gegenteil - auch dieser Song geht live gut ab (was ich mit eigenen Ohren in München erleben durfte)

"Dear Daughter" ist der nächste Song, bei dem die Höchstwertung gar nicht reicht. Waren Halestorm in der Vergangenheit schon für die ein oder andere Top-Ballade zuständig so übertreffen sie sich mit diesem Song fast selber. Clever textlich als Brief einer Mutter an ihre Tochter verpackt zieht Lzzy hier alle Register ihres Könnens und die gefühlvolle Ballade dürfte für Feuerzeuge satt im Live-Convert sorgen, heutzutage aber wohl eher Smartphonedisplays.....

Ebenfalls nicht alltäglich an der Scheibe ist die Tatsache, dass die Songs meist ohne Pause ineinander übergehen, teilweise mit extra Outros als Übergang.. Dies kreiert eine tolle Atmosphäre und die Songreihenfolge ist prima gewählt.

"New Modern Love" ist der einzige Song der nicht so 100% bei mir zünden will, was das granatenstarke und auch für Heavyfans geeignete "Mayhem" (welches wie "I Like It Heavy" schon bei der letzten Tour mit im Gepäck war)aber locker wieder wettmacht.

"Bad Girl's World" erinnert (wie eine Handvoll weiterer Songs) etwas an eine rockige P!NK, für mich kein schlechtes Zeichen, stimmlich braucht sich Lzzy da sicher auch nicht zu verstecken, songwriterisch schon gar nicht. Zwar ein sehr poppiger Track aber unheimlich gut gemacht.Von der ruhigeren Sorte sind auch "What Sober Couldn't Say" und "The Reckoning", die die Hartwurstfraktion sicher etwas abschrecken dürften aber die Tracks haben das gewisse Etwas um sie aus dem Einheitspoprockbrei herauszuheben.

Zu "Apocalyptic" (mit X-Rated Lyrics) gibt es ebenfalls ein Video, welche leider einmal ehr in Deutschland auf youtube ohne Ip-Blocker nicht zu sehen ist. Der Song  war lange Zeit hoch in den Radio-Rockplaylisten und das zu Recht.

Mit dem riffbetonten "I Like It Heavy" geht die bislang beste Halestormscheibe offiziell zu Ende. Die Scheibe ist eine klare Fortentwicklung ihres Sounds, hat Klasse und Rasse zuhauf und ist stimmungsvoll zusammengestellt. Diejenigen, die murren, dass ein paar Songs zu poppig geraten sind, wird man verschmerzen können. Die Scheibe ist zu Recht kurz nach der Veröffentlichung in die Top 5 Billboard Charts eingestiegen und die Band befindet sich (wie sollte es auch anders sein) schon wieder auf Tour.

Für die Freunde der Deluxe-Editionen gibt es noch zwei Zuschläge: Das Bon-Jovi-mäßige "Unapologetic" sowie das flotte "Jump The Gun". Für das, was hier als Bonustracks verbraten wird,  wären andere Bands froh,  auf ihrem Hauptalbumbieten zu können.

Halestorm haben alles richtig gemacht, wer sie noch nicht live gesehen hat sollte das schleunigst nachholen. Es lohnt sich. Für "Into The Wild Life" gibt es ohne Umschweife eine glatte 10 von mir.


Martin