Freitag, 24. Oktober 2014

Led Zeppelin - Houses Of the Holy (2 CD Reissue Deluxe Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: Houses Of The Holy
Spielzeit:   41:01 min (CD 1)  /   36:15 min (Companion Disc)

Plattenfirma: Atlantic Records/Warner Music Entertainment
Veröffentlichung: 24.10.2014
Homepage: ledzeppelin.com



Wertung:  
Essentiell für jeden Freund klassischer Rockmusik! 


Tracklist:

Disc 1: 

  1 The Song Remains The Same
  2 The Rain Song
  3 Over The Hills And Far Away
  4 The Crunge
  5 Dancing Days
  6 D'yer Mak'er
  7 No Quarter
  8 The Ocean 



Companion Disc:

  1 The Song Remains The Same (guitar overdub reference mix)
  2 The Rain Song (mix minus piano)
  3 Over The Hills And Far Away (guitar mix backing track)
  4 The Crunge (rough mix - keys up)
  5 Dancing Days (rough mix with vocal)
  6 No Quarter (rough mix with John Paul Jones keyboard overdubs - no vocal)
  7 The Ocean (working mix)



Und weiter geht es mit den Zeppelin'schen Wiederveröffentlichungen. Dass das Niveau des Led Zeppelin Backkatalogs - insbesondere der ersten 6 Alben - schwindelerregend hoch ist, muss man wohl Niemandem mehr erzählen. 
Andere wären wohl am Druck nach dem grandiosen "IV"-Album zerbrochen. Led Zeppelin schert das gar nicht und sie hauten anno 1973 ein nicht minder starkes Nachfolgealbum auf den Markt.
Unglaublich in welchen Zeitabständen damals Platten veröffentlicht und gleichzeitig ausufernde Tourneen absolviert wurden.

"Houses Of The Holy" kann ohne Wenn und Aber als weiterer Klassiker der Bandgeschichte betrachtet werden und erweitert das ohnehin nicht geringe Spektrum des musikalischen Schaffens der Vier um einige Facetten mehr.

"The Song Remains The Same" steht wie in Stein gemeißelt als weiterer Meilenstein der Band und ist fester Bestandteil in jedem Set einer der vielen Zeppelin'schen Coverbands.
Beim symphonischen "Rain Song" kommt das neue Remastering von Jimmy Page himself besonders gut zur Geltung. Sehr räumlich das Ganze und man bildet sich ein, Details zu hören, die man auf seinem bis zur Verkratzung totgenudeltem bisherigen Exemplar noch nicht gehört hat. 7min 39 Sekunden lang Gänsehautfaktor.

"Over The Hills and Far Away" flechtet gekonnt die Vorliebe für Country und Folk ein, während "The Crunge"   - anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig - Funk in Reinkultur bietet. Weit entfernt von biederem Hardrock. Dies Freunde härterer Töne werden mit dem flotten und hitverdächtigem "Dancing Days" gut bedient.

 Der Gemischtwarenladen bleibt weiter geöffnet und schreckt auch vor Reggae-Anleihen wie in "D'yer Mak'er" nicht zurück. 

"No Quarter" bedient wieder die Freunde Zeppelin'scher Epik, mit ebenfalls über 7 Minuten auch ein famoser Longtrack, dem das Remastering auch sehr wohlgetan hat.

"The Ocean" beendet das neben "Physical Graffity" wohl abwechslungsreichste Led Zep'sche-Werk aller Zeiten. 

Sollte das eindrucksvolle Remastering und die tolle Aufmachung (angelehnt an die Original Vinyl-Ausgabe - vgl. nachfolgend das Innencover, welches auch im schicken Digipack zu bewundern ist) noch kein Kaufargument genug sein, so gibt es in der vorliegenden 2-CD Deluxe-Edition noch weitere Kaufanreize in Form von 7 der 8 Albumtracks in alternativen Versionen (nur "D'yer Mak'er"gibt es auf der Companion Disc nicht zu hören).





Bahnbrechend Sensationelles oder gar gänzlich Neues gibt es hier zwar nicht für die Lauscher aber die unterschiedlichen Versionen haben durchaus ihren Charme.


Bei den instrumentalen Fassungen von "The Song Remains The Same" oder "Over The Hills & Far Away" kann man zu hause vor dem Spiegel den Plant geben. "The Crunge" kommt um einiges aggressiver und trägt den Beinamen "Rough Mix" durchaus zu Recht. Auch die übrigen Versionen sind interessant, auch wenn wirklich neues Unveröffentlichtes leider nicht dabei ist. Aber was nicht ist kann ja irgendwann doch noch werden.


Komplettisten kaufen die CD sowieso blind. Die-Hard-Freunde nehmen das Box-Set. Und Led Zeppelin Jungfrauen (sofern es die überhaupt gibt) sei die einfach-Version ans Herz gelegt.



Zusammenfassend noch einmal eine Übersicht, wofür man sein Geld locker machen kann bzw darf:

Single CD – Remastertes Album im Klappcover.

Deluxe Edition (2CD) – Remastertes Album mit zusätzlicher Companion Audio Disc.Single LP – Remastertes Album auf 180g-Vinyl in einer exakten Nachbildung des  

  Originalcovers der Erstauflage. 

Deluxe Edition Vinyl (2LP) – Remastertes Album und unveröffentlichtes Material auf   

  180g -Vinyl.

Digitaler Download – Remastertes Album und/oder Companion-Material.



Super Deluxe Boxed Set – enthält:
- Remastertes Album auf CD im original nachgebildetem Vinyl-Cover .
- Companion Audio auf CD in einer Papphülle mit neuem Cover-Artwork.
- Remastertes Album auf 180g Vinyl in der nachgebildeten Hülle der Erstpressung.
- Companion Audio auf 180g Vinyl in einer Hülle mit neuem Artwork.
- High-Def-Audio-Download-Karte mit dem gesamten Material in 96kHz/24 

  bit-Auflösung..
- 80-seitiges, gebundenes Hardcover-Buch mit seltenen und noch nie 

   veröffentlichten Fotos   und Erinnerungsstücken.
- High-Quality Druck des Original-Albumcovers, die ersten 30.000 Exemplare sind 

  individuell durchnummeriert. 







Viel Spaß beim Geldausgeben!


Martin











Donnerstag, 23. Oktober 2014

Led Zeppelin - IV (Reissue 2 CD Deluxe Edition)


Band: Led Zeppelin
Album: IV
Spielzeit:  42:40 (CD 1)  /40:37 (Companion Disc)

Plattenfirma: Atlantic Records/Warner Music Entertainment
Veröffentlichung: 24.10.2014
Homepage: ledzeppelin.com



Wertung:  
Essentiell für jeden Freund klassischer Rockmusik!


Tracklist:

Disc 1:

1. Black Dog  
2. Rock and Roll 
3. The Battle of Evermore 

4. Stairway to Heaven  
5. Misty Mountain Hop  
6. Four Sticks  
7. Going to California  
8. When the Levee Breaks 

 
Companion Disc:

1. Black Dog  (Basic Track With Guitar Overdubs)
2. Rock and Roll 
(Alternate Mix)
3. The Battle of Evermore (Mandolin/Guitar Mix From Headley Grange)
4. Stairway to Heaven  (Sunset Sound Mix)
5. Misty Mountain Hop  (Alternate Mix)
6. Four Sticks  (Alternate Mix)
7. Going to California  (Mandolin/Guitar Mix)
8. When the Levee Breaks  (Alternate U.K. Mix)




Für Led Zep-Freaks und solche, die es werden wollen, ist 2014 ein gutes Jahr. Nach den ersten beiden Klassikern sitzen schon die nächsten Alben in den Startlöchern und warten auf ein luxuriöse Wiederveröffentlichung. 
Led Zeppelin haben ja meist geklotzt und nicht gekleckert und so verhält es sich auch mit den 2014er Reissues, die Jimmy Page persönlich überwacht hat.

Sei es als Einfach CD, Doppel Deluxe CD (welche mir zur Rezension vorliegt), Vinyl, Doppel-Vinyl oder gar Mega-Boxset. Für jeden Geldbeutel ist eine Version vorhanden, wobei es sicher auch die ganz Harten gibt, welche sich alle Versionen zulegen.

Was soll man über essentielle Scheiben wie dieser noch schreiben, ohne dass es schon einmal verfasst wurde? Die vierte Led Zeppelin Platte enthält durch die Bank Klassiker und mit "Stairway To Heaven" wohl eine der wenn nicht sogar DIE Rockhymne der 70er Jahre schlechthin. Die Luftschiffe waren ja eine reine Albumband und hatten es nie so mit Singles, was ich persönlich immer sehr gut finde.

Der Rundling bietet wie gewohnt Abwechslung en masse, schnelle Kracher wie "Rock 'n Roll" wechseln sich mit folkigem wie The Battle Of Evermore oder Bluesnummern ala "When The Levee breaks" ab. Mit "Four Sticks" setzt sich auch Jon Bonham sein Denkmal, sollte es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht bestanden haben.

Das Remastering ist sehr gut geworden, die Instrumente kommen klar und räumlich sehr gut zur Geltung und zum Glück wird auch auf den oft bei Wiederveröffentlichungen schlimmen "Loudness-War" verzichtet. Eine wahre Ohrenweide, was hier geboten wird und wie gemacht zum Anhören auf hochwertigem Equipment.

Auch optisch ist das Digipack sehr schick aufgemacht, basierend auf dem Original-Vinyl-Artwork mit zusätzlichen selten gesehenen Fotos und erweiterten Liner-Notes.


                                                (Photocredit: Bob Green Atlantic Records)

Die Zusatz CD bietet das ganze Album nochmals in anderen Versionen. Dabei handelt es sich um entweder Alternativ-Mixe, die soundtechnisch das Ganze ins neue Licht rücken (besonders unterschiedlich dabei "Misty Mountain Hop"), den Originalversionen aber (wie fast erwartet) nicht das Wasser reichen können aber das ist auch nicht der Anspruch.

Sicher wird der eine oder andere etwas enttäuscht sein, weil es letztlich nichts komplett Neues zu hören gibt oder weil keine Live-CD von damals dazugelegt wurde. Robert Plant hat sich ja auch etwas kritisch zu den Re-Issues geäußert. ANdereseits ist es ja durchaus bekannt, dass Led Zeppelin nicht "auf Halde" produziert und aufgenommen haben, so dass sich die wirklich veröffentlichungswürdigen Archivschätze in überschaubarem Rahmen halten dürften.

Aber das ist alles Jammern auf allerhöchstem Niveau. Die Scheibe ist legendär, bietet in der Remastered-Version einen tollen Sound, ist 1a aufgemacht und bietet nette wenngleich auch keine sensationellen Extras.

Zuguterletzt noch eine Übersicht über sämtliche Versionen mit entsprechenden Inhalten:


Single CD – Remastertes Album im Klappcover.

Deluxe Edition (2CD) – Remastertes Album mit zusätzlicher Companion Audio Disc.Single LP – Remastertes Album auf 180g-Vinyl in einer exakten Nachbildung des  

  Originalcovers der Erstauflage. 

Deluxe Edition Vinyl (2LP) – Remastertes Album und unveröffentlichtes Material auf   

  180g -Vinyl.

Digitaler Download – Remastertes Album und/oder Companion-Material.



Super Deluxe Boxed Set – enthält:
- Remastertes Album auf CD im original nachgebildetem Vinyl-Cover .
- Companion Audio auf CD in einer Papphülle mit neuem Cover-Artwork.
- Remastertes Album auf 180g Vinyl in der nachgebildeten Hülle der Erstpressung.
- Companion Audio auf 180g Vinyl in einer Hülle mit neuem Artwork.
- High-Def-Audio-Download-Karte mit dem gesamten Material in 96kHz/24 

  bit-Auflösung..
- 80-seitiges, gebundenes Hardcover-Buch mit seltenen und noch nie 

   veröffentlichten Fotos   und Erinnerungsstücken.
- High-Quality Druck des Original-Albumcovers, die ersten 30.000 Exemplare sind 

  individuell durchnummeriert. 


Somit sollte für jeden etwas dabei sein. Dass sich die Dinger wieder verkaufen werden wie warme Semmeln dürfte selbstredend sein. Viel Spaß damit!



Martin


Wucan - Vikarma EP


Band : Wucan
EP : Vikarma
Spielzeit : 31:00 Min.
Veröffentlichung : 14.11.2014
Plattenfirma : Metalizer Records
Homepage : www.wucan-music.de

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Franis Vikarma
  2. Frank
  3. Dopetrotter (remastered Demo)
  4. Big Red Bun
  5. Wizard Of Concrete Jungle

Aber natürlich. Es gibt sie immer noch, diese unfassbar talentierten, mutigen und engagierten jungen Leute...voller Träume, aber mit klarem Ziel vor Augen: Die eigene Platte rauszubringen, auf der Bühne zu stehen und die Welt mit der eigenen Musik zu bereichern.

Die Rede ist von Wucan, einer hoffnungsvollen Dresdner Nachwuchsband. Und liest man sich die Homepage von Bandgründerin Francis Tobolsky durch, war der Weg bis hierher kein leichter. Von etlichen Absagen frustriert, liess sich die mutige Musikerin aber keineswegs aufhalten, im Gegenteil, sie hausierte hartnäckig weiter "weshalb ich mich zeitweise gefühlt hab wie ein verdammter Staubsaugervertreter, der von Tür zu Tür tingelt und die Leute anbettelt". Ihr Einsatz wurde letztlich belohnt. Das süddeutsche Label Metalizer Records gab der jungen Band, Sängerin und Querflötistin Francis (23), Bassist Patrik (36), Gitarrist Tim (23) und Drummer Ollie (27) die ersehnte Chance, ihren Traum zu verwirklichen und liess vom Eloy-Keyboarder Michael Gerlach die 5-Track EP Vikarma produzieren. Zunächst limitiert auf 500 Stück.

Und was soll ich sagen, es hat sich richtig gelohnt.

Der ausschliesslich im Vinylformat erhältlichen Platte geht im Gesamteindruck vielleicht ein klein wenig die Professionalität altgedienter Branchenprofis ab - die Band gleicht das aber mit einer lange nicht mehr gehörten Spielfreude und Geilheit aus, dass ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr rauskommen mag.
Dazu kommt Francis' Talent, Songs zu schreiben. Sie versteht es, ihren Liedern dramaturgische Wendungen zu geben, was für eine so junge Musikerin schon selten ist. So zieht das nach dem hinduistischen Sanskrit betitelte Franis Vikarma seine Energie nicht nur aus der psychedelisch-bluesig aufgestellten Grundidee und seinem rauhen Charme der Anfangsminuten, sondern aus dem Wechselspiel der Emotionen. Laut und leise, schnell und langsam, hier die Querflöte mit wiederkehrendem Thema, dort das Schlagzeug (geiles Ride-Becken!) und der präzise aufspielende und erfreulich wahrnehmbare Bass. 
Die unaufdringliche, aber durch den Song führende Gitarre und vor allem Francis unverbrauchte Stimme runden den Opener richtig gut ab. Der Einstieg in den schnellen Blues Frank gelingt mit einem kernigen Harp-Intro und wandelt sich im weiteren Verlauf in eine furiose Demonstration des handwerklichen Könnens der Musiker, vor dem ich insbesondere aufgrund der Frische der hier vorliegenden Aufnahmen nur den Hut ziehen kann. Alle Vier werden ihre Fähigkeiten noch ausbauen, da bin ich mir sicher, doch was uns hier, in der Frühphase einer Band, bereits präsentiert wird, ist absolut hörens- und empfehlenswert.

Bei aller Freude und Hochachtung vor der Leistung aller Beteiligter (hierzu zähle ich auch ausdrücklich den Produzenten, der ganze Arbeit geleistet und der Musik Wucans einen sehr transparenten und gleichermaßen fetten, natürlichen Sound beschert hat), wird aber auch klar, dass den Musikern durchaus ein wenig Erfahrung fehlt. So holpert es hie und da ein wenig beim Timing, was im dritten Song, Dopetrotter, zu hören ist. Man mag überlegen, ob es nicht klüger gewesen wäre, den Song, ein remastertes Demo, wegzulassen oder nochmal einzuspielen. Gitarre und Schlagzeug traben nicht ganz sauber nebeneinader her, so groovt die Nummer nicht ganz so gut wie es möglich gewesen wäre.

Die zweite Seite der Platte wird mit Big Red Bun eingeleitet. Der Song startet sehr zurückhaltend, Gitarre, Bongos und Francis' Gesang dominieren die ersten, entspannten, drei Minuten. Dann die Temposteigerung, die Querflöte - plötzlich entsteht eine ganz andere, an Jethro Tull erinnernde, proggige Stimmung. Die kann dem Vergleich mit solchen Ikonen vielleicht noch nicht ganz standhalten. Aber, Wizard Of Concrete Jungle, der fünfte und letzte Song, stellt eins unmissverständlich klar: Hier ist eine Gruppe junger Musiker auf einem verdammt guten Weg und in dieses Stück haben die Wucans alle zur Verfügung stehenden Zutaten reingepackt.

Ich wiederhole mich gern, das Songwriting und die Fähigkeit den Hörer zu binden ist dermaßen ausgeprägt, für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis Wucan einen Klassiker raushauen, den wir seit seligen Krautrockzeiten nicht mehr erleben durften.  

Zurück zu Wizard Of Concrete Jungle. Die Nummer packt den Hörer bei den Eiern und lässt gemeine neun Minuten lang nicht mehr los. Freunde, die Nummer wird live garantiert auf das Doppelte ausgedehnt werden, aber langweilig wird sie mit keiner Sekunde, soviel ist sicher. Wenn Francis "I'm not a girl of your time" singt, nehme ich ihr das jedenfalls voll ab...

Eine ganz feine EP ist auf meinem Tisch gelandet und ich empfehle sie unseren Lesern gern weiter, ein dermaßen starker Einstieg wird von mir gerne mit einer hohen Benotung belohnt. Der leichte Abzug begründet sich, wie erwähnt, in den kleinen Unwägbarkeiten. Diese gehören für mich aber zu handgemachter Musik dazu, im Gegenteil, in zwanzig Jahren werden sich alle Fans an die Anfangstage einer tollen deutschen Band namens Wucan erinnern, deren Debutalbum übrigens Mitte nächsten Jahres an den Start geht.

Bis dahin...


Bernd Fischer

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Jaded Heart - Fight The System

Band: Jaded Heart
Album: Fight The System
Spielzeit: 49:23 min.
Plattenfirma: Fastball
Veröffentlichung: 26.09.2014
Homepage: www.jadedheart.de


WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:
01. Schizophrenic
02. Control (feat. Rick Altzi)
03. Not In A Million Years
04. I Lost My Faith
05. Nightmare's Over
06. Never Free
07. Till Death Do Us Part
08. Terror In Me
09. Haunted
10. Crying
11. In The Shadows


Während sich Ex-Sänger Michael Bormann in einer bekannten Casting Show vergnügt und dort versucht seine Bekanntheit zu steigern, haben sich JADED HEART für den bewährten Weg entschieden und lassen ihr mittlerweile 12. Studioalbum auf die Rockgemeinde los. Wobei man schon viel stärker gegen Metal tendiert als noch zu Bormanns Zeiten, aber damit erzähle ich euch sicher nichts neues. "Fight The System" lag bei mir jetzt tatsächlich länger als erwartet vorm Player und ich benötigte auch mehr Durchläufe als früher, um mir eine Meinung zu bilden. Denn irgendwie liefen die 11 Songs anfangs etwas an mir vorbei, ohne mich begeistern zu können. Doch ich bin sehr froh, dass ich mich zu den weiteren Hördurchgängen entschlossen habe, denn erst dann fielen mir einige Details ins Auge bzw. Ohr, die ich ansonsten überhört hätte.


Auch anno 2014 stehen JADED HEART für melodiösen Metal, der mal an STRATOVARIUS erinnert, mal an MASTERPLAN, aber immer eine ganz eigene Note enthält. Dazu dürfte Sänger Johan Fahlberg sein Schefflein beitragen, denn auf "Fight The System" schafft er es nahezu perfekt die richtige Balance aus Härte und Melodie in seine Gesangslinien zu legen. Bereits beim Opener "Schizophrenic" legt er die passende Menge an "Fiesheit" in den Gesang, passend zum Text. Besonders hervorzuheben ist auch das folgende Duett mit Rick Altzi (AT VANCE, MASTERPLAN, u.a.). Bei "Control" zeigen beide Sänger ihre Weltklasse. "Not In A Million Years" fällt dagegen etwas ab und bietet eher Standardkost, auch wenn der Refrain gut ins Ohr geht. Gut eingefügt hat sich der neue Drummer Bodo Stricker (Ex-CALLEJON), der auch bei weniger "Knüppeln" für ordentlich Rumms sorgt. 

"I Lost My Faith" trifft mit dem AOR-artigen Refrain meine Geschmacksnerven auch mitten ins Herz und ich würde fast ins Schwärmen geraten. Definitiv eines der stärksten JADED HEART Stücke überhaupt - was für eine Hymne. Genial. Leider setzt sich das folgende "Nightmare's Over" auch nach dem zwanzigsten Hören nicht fest und gehört für mich nur in die Kategorie ganz nett, mehr aber auch nicht. Die obligatorische Halbballade "Never Free" ist dafür wieder gewohnte Qualität. Doch das Wechselbad geht weiter und das mit einem eher langweiligen Riff ausgestattete "Till Death Do Us Part" muss ich echt links liegen lassen. "Terror In Me" und "Crying" machen es kaum besser. 

Da abschließend aber mit "Haunted" und dem famosen "In The Shadows" noch zwei Leckerbissen warten, haben mich JADED HEART auch mit ihrem zwölften Streich gefangen genommen. Ach ja, die Produktion ist übrigens auch erste Sahne. Daher trotz kleinerer Schwächen eine Kaufempfehlung von meiner Seite.      
Markus

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Mr. Big - ..The Stories We Could Tell



Band: Mr. Big
Album: ..The Stories We Could Tell
Spielzeit:  61:35 min.
Veröffentlichung: 26.09.2014
Plattenfirma: Frontiers Records
Homepage: Mrbigsite.com



Wertung:    8 von 10


Tracklist:


01. Gotta Love The Ride
02. I Forget To Breathe
03. Fragile
04. Satisfied
05. The Man Who Has Everything
06. The Monster In Me
07. What If We Were New?
08. East/West
09. The Light Of Day
10. Just Let Your Heart Decide
11. It’s Always About That Girl
12. Cinderella Smile
13. The Stories We Could Tell 

14. Addicted To That Rush (live) (Bonus Track)



Mr. Big's Comebackalbum "What If.." war eines der absoluten Highlights des Jahres 2011 und es war toll die Jungs wieder livehaftig in Germany sehen zu dürfen. 3 Jahre lang hat es gedauert bis nun der Nachfolger "..The Stories We Could Tell" auf die Fangemeinde losgelassen wird, begleitet von der traurigen Meldung, dass Drummer Pat Torpey die anstehenden Gigs aufgrund seiner diagnostizierten Parkinson-Krankheit nicht absolvieren kann.

Die neue CD von Mr. Big unterscheidet sich vom Vorgänger doch erheblich, nicht nur ist Kevin Shirley nicht mehr am Mischpult (der für die Produktion von "What If" - m.E. ungerechtfertigterweise - einiges einstecken musste). Zum anderen ist die Scheibe ziemlich Seventies-beeinflusst. Laut Eric Martin sollen die Vorliebe für die damaligen Top-Acts ala Bad Company besonders zu Tage treten und das tun sie auch.

"Gotta Love The Ride" ist ein repräsentativer Einstieg in den neuen Silberling, groovig mit bluesigen Untertönen ausgestattet und eher im Midtempomodus angesiedelt. Überraschend, dass Billy Sheehan bei weitem nicht mehr so prominent in den Vordergrung gemixt wurde wie auf den meisten der Vorgängerwerke.
"I Forget to Breathe" zieht das Tempo etwas an, ehe mit "Fragile" der für mich beste Song aus den Lautsprechern ertönt. Der Song ist hitverdächtig, hat einen tollen Ohrwurmchorus, relativ wenige Bluesanleihen und verbleibt über Wochen in den Gehörgängen. Klasse!

"Satisfied" groovt sich erneut midtempomässig durch Bad Company Terrain, Paul Gilbert zieht alle Register seines Könnens, er ist zusammen mit Eric Martins immer wieder grandiosem Gesang der absolute Star in der Manege und verhilft manchem ansonsten eher unscheinbaren Lied den Zugang zu einem anderen Level.

Wo Mr. Big draufsteht dürfen natürlich auch Balladen nicht fehlen und die überzeugen auf der neuen Scheibe fast durch die Bank. "The Man Who has Everything" als auch "Just Let Our Heart Decide" sind Anwärter auf die nächste Kuschelrock-Compilation  (gibts die Reihe überhaupt noch ??), während "East/West" den hitverdächtigsten Chorus der drei Schmachtfetzen aufweist. 

Den Rest der Scheibe teilen sich weitgehend groovige, bluesbetonte Tracks der Marke "The Monster In Me" (geiles Bass/Gitarren-Duell als  Intro ala "Addicted To That Rush"), "What If We Were New" oder "Cinderella Smile". 

Was ich an der Scheibe auszusetzen habe ist die Tatsache, dass sich hier und da doch ein paar Füller eingeschlichen haben und manche Tracks sich einfach zu sehr ähnelnv(gerade zum Schluss hin). Da wäre ein flotter Rocker ohne Bluesuntertöne durchaus einmal angebracht gewesen, wird aber leider nicht geliefert, wenn man einmal von dem etwas flotteren "The Light Of Day" absieht.

Als Bonustrack gibt es noch eine verzichtbare Liverversion von "Addicted To That Rush" zu hören, ehe die Scheibe nach einer guten Stunde endet.

Bei weitem nicht so gut wie "What If.." aber auch genauso weit entfernt von einer Enttäuschung wie der letzten Tesla-Scheibe ist "...The Stories We Could Tell" ein überdurchschnittliches Album einer sympathischen Band geworden, dass man durchaus genießen kann. Somit gebe ich der neuen Mr. Big amtliche 8 Points.


Martin


 

Flying Colors - Second Nature

Band: Flying Colors
Album: Second Nature
Spielzeit:  66:23 min.
Veröffentlichung: 26.09.2014
Plattenfirma: Mascot Label Group (rough trade)
Homepage: http://www.flyingcolorsmusic.com/



Wertung:   8,5 von 10


Tracklist:

1. Open Up Your Eyes
2. Mask Machine
3. Bombs Away
4. The Fury Of My Love
5. A Place In Your World
6. Lost Without You
7. One Lost Forever
8. Peaceful Harbor
9. Cosmic Symphony: I. Still Life Of The World II. Searching For The Air III. Pound For Pound


Das Debut von Fliyng Colors gehörte vor knapp zwei Jahren zu den absoluten Highlights. Und auch die (wenn auch wenigen) Liveperformances waren herausragend, wovon ich mich in Aschaffenburg persönlich überzeugen lassen konnte.

Entsprechend gespannt ging ich ans Hören der neuen CD "Second Nature". Im Vorfeld war zu hören, dass es ziemlich schwierig war, die Terminkalender der Beteiligten (insbesondere von Steve Morse und Mike "Ich spiel überall" Portnoy)unter einen Hut zu kriegen.
Leider ist der Zeitdruck bei dem ein oder anderen Song durchaus spürbar, um schon vorwegzunehmen, dass der zweite Streich dem ersten nicht ganz das Wasser reichen kann.

Der Eröffnungstrack "Open Up Your Eyes" ist einer von zwei Longtracks, die die Scheibe einrahmen und logged sich erst bei über 10 Minuten aus. War die erste Flying Colors noch fast ohne solche Songs ausgestattet und hob sich dadurch wohlwollend von den (ehemaligen) Hauptbands der Protagonisten ab, so erinnert das Stück doch sehr arg an die Soloalben von Neal Morse oder auch Transatlantic, die mich beide nie so recht hinter dem Ofen vorlocken konnten, vor allem nicht die eher langatmigen Neal Morse SOlosachen (sorry).. Und so ist auch "Open Your Eyes" nur eines: Lang. Der Spannungsbogen baut sich zwar nach dem Intro schön auf doch irgendwie wartet man immer darauf, dass irgendetwas Spannendes passiert, aber der "Aha-Effekt" will sich bei dem Track leider nicht wirklich einstellen. Weniger (=kürzer) ist dann doch ab und an mehr. Schade.
Besser wird es da schon beim folgenden "Mask Machine", ein recht schneller harter Song, bei dem aber arg viel im Muse-Gebiet gewildert wird, nur mit dem Unterschied, dass hier ein brillianter Sänger am Mikro ist. Gut, aber etwas zu arg abgekupfert.

Erst mit "Bombs Away" stellt sich letztendlich das altbekannte wohlige "Flying Colors"- Feeling ein. Ein eher getragenes Stck mit einem lässigen Hauptriff, das mit tollen Soli von Steve Morse und Casey McPhersons eindringlicher Stimme vorzüglich untermalt wird.
Auch das balladeske "The Fury Of My Love" ist ein Bringer, der Refrain ist zündend und hitverdächtig und beweist, dass die Herren immer ein tolles Händchen für einprägsame Melodien haben.
So auch bei "A Place In You World", einem flotten Rocker mit superben Refrain, der wie gemacht ist für einen Radiohit (würde sich ein Radiosender finden der so etwas auf "Heavy Rotation" legt). Für mich das beste Stück der Scheibe, welches immer wieder die "Repeat-Taste" herausfordert. Hammer!

"Lost Without You" nimmt wieder etwas Tempo heraus, bleibt aber auf qualitativ hochwertigem Level.
"One Lost Forever" überrascht mit seinen Folkanleihen und steigert sich von einem eher ruhigen Stück zu einem furiosen Finale.
"Peaceful Harbor" erinnert mich etwas an die besseren Pink Floyd Momente, vor allem die eingestreuten Gospel-Chöre sind irre.
 Der zweite Longtrack "Cosmic Symphony" ist dreigeteilt, auch hier sind wieder Muse-Anleihen oder auch Floyd'sche Sphärenklänge zu vernehmen. Auf jeden Fall bei weitem besser und spannungsgeladener als der lange Opener von "Second Nature".

Was bleibt: "Second Nature" ist eine hochwertige Nachfolgescheibe der fliegenden Farben, das Debut wird jedoch in keiner Phase getoppt. Dazu fehlen Tracks der Marke "Kayla" oder "Shoulda Coulda Woulda". Ein flotterer Song und eine vielleicht etwas druckvollere Produktion hätten vielleicht auch nicht geschadet. So würde ich grundsätzlich 8 Punkte vergeben, für den Übersong "A Place In You World" gibt es nochmal eine  halben Point extra. 8,5 für "Second Nature" von den Flying Colors!


Martin



Maxxwell - Tabula Rasa

Band : maxxwell
Album : Tabula Rasa
Spielzeit : 54:47 Min.
Veröffentlichung : 02.10.2014
Plattenfirma : Fastball / Soulfood
Homepage : www.maxxwell.ch

Wertung : 6 von 10 

Trackliste : 
  1. Partykings
  2. Fuck It !
  3. Nothing Changes My Mind
  4. Trails Of Hate
  5. Cause I'm Lovin' It
  6. Gone Forever
  7. Fallin' Down
  8. Man Of Steel
  9. Never Let You Go
  10. On Your Face
  11. Backstabber (feat. Polemikk)
  12. Run Or Hide

OK, ich gebe es zu. Ich habe manchmal echt ein schlechtes Gewissen beim Bewerten einer Platte. Sollte ein guter Rezensent ja nicht haben, nüchtern und objektiv an die Mucke rangehen und gut is. Aber wenn ich doch selbst nach dem hundertachtundvierzigsten Durchlauf keinen Draht zur Musik finde ? Klar, dann ist das eben so, aber was ist mit der ganzen Zeit, der Kohle und dem Herzblut, welches die Musiker in ihr Baby gesteckt haben ?

Im Falle der Schweizer Band maxxwell stecke ich darüber hinaus in einem ganz anderen Dilemma. Die Jungs sind mir, ohne sie zu kennen, erstens sehr symphatisch und liefern zweitens mit Tabula Rasa ein Album ab, dem man die ganze Arbeit voll anmerkt. Vom Talent der fünf maxxwells mal ganz zu schweigen...

Tabula Rasa hat aber zwei Gesichter. Auf der einen Seite würde ich mir wünschen, dass die Band sich mal die Frage stellt, was sie eigentlich will. Mich beschleicht von Anfang an das Gefühl, als wäre hier keine klassische Band im Studio gewesen, sondern fünf Mietmusiker, die emotionslos ihren Job abgeliefert haben. Die Platte wirkt merkwürdig perfekt und nahezu durchgestylt. Wo ist der Schweiss, wo ist der Dreck ? Ich will Perfektion, wenn ich elektronische Musik höre, aber nicht wenn ich Hardrock oder Metal auflege. Für die Musikrichtung, die sich die Jungs ausgesucht haben, so meine persönliche Meinung, ist das eine schlechte Grundlage.  

Auf der anderen Seite stehen die Songs, durch die Bank hörenswert und voller Klasse. Ich bin erstaunt, was Lead Gitarrist Hef Häfliger, Drummer Oli Härrer und Basser Kusi Durrer, die für den Grossteil der Songs verantwortlich sind, da abgeliefert haben. Respekt ! Die Bandbreite ist recht abwechslungsreich, fängt beim einfach gestrickten Mitgröhl-Knaller an und hört bei der emotionsgeladenen Ballade auf. Partykings, der schmissige Opener, kann echt Spaß machen, wenn man Bock drauf hat. Hardrock mit latentem Fun-Faktor und MötleyCrue Gedenk-Refrains der Marke "wooohoooo" ist aber nix für mich. Selbst ein Song wie Fuck It !, der voll reinhaut und mit seinem knallharten Gitarrenduo Häfliger / Montavon inklusive kurzem Mini-Solo alles hat, worauf es ankommt, verkommt vor diesem Hintergrund zur Luftnummer. Ich nehme dem ansonsten hervorragenden Sänger Gilberto Meléndez, der sehr sicher in verschiedenen Höhenlagen agiert, das Fuck It ! nämlich nicht ab.

Die Klasse einiger Songs, und das möchte ich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich erwähnen, hat aber ein derart hohes Niveau, dass ich das sicher übertriebene Bild der Casting-Band verdrängen möchte. Sehr auffällig dass mir das ausgerechnet bei der Halb-Ballade Gone Forever gelingt. Die Nummer passt zu maxxwell wie die Faust aufs Auge, hier herrschen klare Verhältnisse, Song und Dicke Hose-Attitude harmonieren.

Ach, was soll ich sagen...Tabula Rasa wird seine Hörer finden, da bin ich mir sicher. Mag sein dass ich auf Zeilen wie "Is it a bird, is it a plane...it is Superman. He's a Superhero, he will kick your ass" (Man Of Steel) etwas übertrieben reagiere, doch meine Baustelle ist das nicht.
Ich kann mir übrigens sehr gut vorstellen dass maxxwell live, ganz ohne Studio-Zwangsjacke und völlig losgelöst, abgehen wie eine Rakete. 
Es würde mich bei der handwerklichen Qualität der Band jedenfalls sehr wundern, wenn dem nicht so wäre und wünsche den Jungs fürs nächste Studio Album eine entspannte Atmosphäre.



Bernd Fischer

Gotthard - "C'est La Vie" Musikvideo

Hi Leute,

die Schweizer Platinseller GOTTHARD haben mit "C'est La Vie" eine sehr gefühlvolle Ballade auf ihrem aktuellen Album "Bang". Und dazu gibt es seit kurzem ein echt schönes Musikvideo, welches mich von Kuba und Karibik träumen lässt. Viel Spaß dabei.
 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

The Milestones - Higher Mountain - Closer Sun

Band : The Milestones
Album : Higher Mountain - Closer Sun
Spielzeit : 54:47 Min.
Veröffentlichung : 03.10.2014
Plattenfirma : Listenable Records
Homepage : www.themilestonesmusic.com

Wertung : 6 von 10


Trackliste : 
  1. Walking Trouble
  2. Shalalalovers
  3. Drivin' Wheel
  4. Oh My Soul
  5. Grateful
  6. Sweet Sounds
  7. It's All Right
  8. You
  9. Looking Back For Yesterday
  10. Damn
  11. Fool Me

Was heisst Sonnenuntergang eigentlich auf Finnisch ? 

Ja, ich weiss, der Witz hat einen Bart bis zur Gürtelschnalle, fiel mir aber spontan ein, als ich las dass The Milestones aus Helsinki kommen. Mit ihrer aktuellen Platte Higher Mountain - Closer Sun feiern die Jungs in diesem Jahr bereits ihr 20-jähriges (!) Band-Dasein und nicht wenige werden sich fragen, wieso man in all den Jahren nie etwas von Olavi, Tomi, Marko, Veli und Tommi gehört hat...mir geht das jedenfalls so.

The Milestones haben mit Higher Mountains - Closer Sun ihr viertes Album am Start, was ja nach 20 Jahren nicht gerade als starke Quote bezeichnet werden kann. Ob dies jedoch der Grund dafür ist, warum die Band bisher für zu leicht befunden wurde ?

Der straight nach vorn rennende Hardrock der Finnen hat nämlich im Grunde im Grunde alles, was Fans von AC/DC, Lynyrd Skynyrd bis hin zu den Quireboys glücklich machen dürfte, doch in einigen Punkten ist die Hose vielleicht doch ein wenig zu groß für den Hintern.

Sänger Olavi Tikka nölt sich durch eine Vielzahl der Songs wie der kleine Bruder eines gewissen John Gallagher, der seine Stimmbänder für die NWOBHM Ikonen Raven gequält hat. Soll heissen, er zieht sein Organ gelegentlich in monotone Höhenlagen, dass es zumindest mich ein wenig nervt. Wen so etwas nicht stört, darf man beglückwünschen, denn grundsätzlich hat Tikka ein sehr angenehmes Organ, welches mal an Bon Scott, mal an Chris Robinson erinnert.
Mit Shalalalovers haben The Milestones, die im Großen und Ganzen als harte Rockband mit Southern-Boogierock-Charme (Helsinki liegt ja schliesslich im Süden Finnlands) durchgeht, einen handfesten Ohrwurm und Konzert-Gröler im Sortiment. Die Nummer klebt sich mit ihrem ein- bis aufdringlichen Refrain und gelegentlichem Einsatz einer schönen Harp sofort im Gehörgang fest und lässt nicht mehr locker. 



Mit der wunderschönen Ballade Grateful zeigt sich plötzlich die ganze Stärke der Band, der man jetzt sehr deutlich anmerkt, wie lange sie schon miteinander musiziert. Die akustischen Gitarren und das Tamburin wurden abgestaubt und unter dem flackernden Schein eines nächtlichen Lagerfeuers zeigt Olavi Tikka seine stärkste Gesangsleistung.
Es überwiegen jedoch treibende Songs im Mid-bis Uptempobereich, ohne das Gaspedal voll durchzutreten. Sweet Sounds und Looking Back For Yesterday erfreuen mit einer schönen Slide Guitar, ein wunderbarer Basslauf läutet die Abschlussnummer Fool Me ein. Die auf dem regulären Album enthaltenen Bonustracks enthält man dem Rezensenten.

Mich hat  Higher Mountains - Closer Sun leider nicht voll überzeugen können, neben erwähnten gesanglichen Defiziten, die sicher Ansichtssache sind, ertappte ich mich dabei, gelegentlich weiterskippen zu wollen. Was, mit Verlaub, immer ein schlechtes Zeichen ist. Und bei objektiver Betrachtung wird klar, dass es der Platte ein wenig an Abwechslung mangelt. Bei aller handwerklicher Qualität darf es doch bei 11 Songs auch gern mal ein wenig mehr sein als die übliche Ballade im Mittelteil. Stichwort Stimmungswechsel, Soli, Gastsänger, Coversong...was auch immer, mir fehlt der Knalleffekt, es prickelt nicht.

The Milestones werden es schwer haben, sich mit ihrer Platte durchzusetzen, was ich schade finde, insbesondere weil sie schon alte Hasen in der Branche sind. Ein paar zündende Ideen beim Songwriting, ein ehrliches Umfeld, ein pfiffiger Produzent, wir hätten ein wunderschönes Album auf dem Tisch haben können. 

Beim nächsten Mal vielleicht...


Bernd Fischer

Samstag, 4. Oktober 2014

Joe Bonamassa - Different Shades Of Blue


Interpret : Joe Bonamassa
Album : Different Shades Of Blue
Spielzeit : 48:25 Min.
Veröffentlichung : 19.09.2014
Plattenfirma : Provogue / Mascot
Homepage : www.jbonamassa.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Hey Baby ( New Rising Sun)
  2. Oh Beautiful !
  3. Love Ain't A Love Song
  4. Living On The Moon
  5. Heartache Follows Wherever I Go
  6. Never Give All Your Heart
  7. I Gave Up Everything For You, 'Cept The Blues
  8. Different Shades Of Blue
  9. Get Back My Tomorrow
  10. Trouble Town
  11. So, What Would I Do

Jimi Hendrix, Eric Clapton und Jimmy Page. Nach Meinung des US-Rolling Stone lauten so die drei Namen der besten Gitarristen aller Zeiten. Auf den weiteren Plätzen landeten 2011 weitere sehr gute Leute...einer fehlte. Fragt sich, ob Joe Bonamassa bei der nächsten Erhebung wohl noch immer übersehen wird, denn der 37-jährige Ausnahmegitarrist hat sich bereits vor Jahren etabliert. Hat Mengen hochwertigen Materials auf den Markt geworfen und immer wieder verschiedenste Dinge mit fantastischen Musikern ausprobiert. Vom Duett mit der Soulröhre Beth Hart über die leider auf Eis gelegten Black Country Communion bis zum rein instrumentalen Fusionprojekt mit der Rock Candy Funk Party...vielseitiger geht es wohl kaum. Da wirkt es fast schon wie ein Schritt rückwärts, dass mit Different Shades Of Blue jetzt ein Album erscheint, auf dem weder ein Special Guest, noch ein Coversong zu finden ist. 

Dafür erhält der Hörer nicht mehr und nicht weniger als 100% Joe Bonamassa !

Die elfte Studio-Platte umfasst elf Titel, die Mr.Bonamassa sich von Leuten, die, wie er zugibt, "wissen wie das geht" unterstützend schreiben ließ. Respekt für soviel Ehrlichkeit, kann ich da nur sagen. Auch die Besetzung seiner Band liest sich komfortabel, Reese Wynans (piano), Anton Fig (drums) Carmine Rojas und Michael Rhodes (bass) sind nur einige der erfahrenen und breit aufgestellten Musikerschar, mit der der Gitarrist sich während der Aufnahmen in Nashville umgeben hat.


Dass der Mann aus dem Staate New York (New Hartfort) nichts dem Zufall überlässt, wissen wir schon länger. Kein anderer als Jimi Hendrix scheint aus den Boxen zu steigen als die CD beginnt, sich zu drehen. Sekunden später jedoch beginnt Joe Bonamassa seine eigene Show mit dem instrumentalen Opener Hey Baby (New Rising Sun) und Hendrix ist vergessen. Um dem Titel seiner Scheibe gerecht zu werden, packt Bonamassa eine Menge rein in die knapp 50 Minuten. 
Mit dem stark an Led Zeppelin erinnernden Oh Beautiful! geht Bonamassa zeitig in die Vollen und legt die Messlatte weit nach oben. Die Stimmung der Platte ist jedoch eine andere als noch auf Driving Towards The Daylight. Die Hinzunahme einer Bläsersektion in Form von Trompeten, Posaune, Saxophon und Hornbläsern hat den Sound im Vergleich zum Vorgänger deutlich verändert: Eleganter und größer lautet die Devise. B.B.King lässt freundlich grüßen...

Die Bläser verwandeln denn auch Songs wie Love Ain't A Love Song, Heartache Follows Wherever I Go oder oder das knackige I Gave Up Everything For You, 'Cept The Blues in eine Musik, die sich dem verschwitzten Bluesrock der Anfangstage Bonamassas nicht mehr unterwirft. Ich lehne mich wohl nicht allzusehr aus dem Fenster, wenn ich behaupte dass Bonamassa eine Entwicklung durchgemacht hat - aus der bunten Raupe ist ein knallblauer Schmetterling geworden.


"Oh gravity weighing on my soul
Keeps bringing you round back to me Like dirt to a stone
Oh gravity don't you ever go to sleep..."


Ob die Hörer diesen Wandel interessant finden werden, bleibt abzuwarten. Blues-Hardliner werfen dem guten Joe ohnehin seit langer Zeit, vorsichtig ausgedrückt, eine "Mainstream-Attitude" vor und fühlen sich in der neuen Platte vielleicht bestätigt. Anhänger des Meisters wird das aber nur wenig stören, denn auch die neue Platte hat kaum Schwächen. Produzent Kevin Shirley bastelte keinen glasklaren, aber einen druckvollen Sound, der auf einer entsprechenden Anlage angenehm wiedergegeben wird. 

Different Shades Of Blues ist aber alles andere als ein Show-Album und birgt mit Oh Beautiful !, dem smoothen Titelsong, dessen Stimmung von Bonamassa's Stimme und einem schönen Refrain lebt, und dessen Nachfolgenummer, dem packenden Get Back Tomorrow, auch ein paar Songs gewohnter Struktur an. Hier spielen die Blechinstrumente eben keine Rolle, die Musik rollt und bebt mal lauter, mal leiser den blau schimmernden Blues-Strom hinunter und lässt die Zeit eine verdammt Gute sein.
Wie auch immer, über alledem schwebt, und da verrate ich natürlich kein Geheimnis, eine immerfeine Gitarre, niemals aufdringlich dominant aber stets spürbar vorhanden. 

Kuzum, mir gefällt die neue Bonamassa, auch wenn ich ein paar Durchläufe brauchte um die im Titel versprochene Vielschichtigkeit zu erkennen.


Bernd Fischer