Sonntag, 28. Juni 2015

Palace Of The King - White Bird - Burn The Sky



Band : Palace Of The King
Album : White Bird / Burn The Sky
Spielzeit : 44:40 Min.
Plattenfirma : Listenable Records
Veröffentlichung : 12.06.2015
Homepage : www.facebook.com/palaceofthekingmusic

Wertung : 9 von 10

Trackliste :

  1. Take Your Medicine
  2. No Chance In Hell
  3. Another Thing Coming
  4. Burn My Bridges
  5. White Bird (Bring Your Armies Against Me)
  6. Ain't Got Nobody To Blame But Myself
  7. Leave Me Behind
  8. Devil's Daughter
  9. Get Back Up (Burn The Sky)
  10. If It Ain't Broke

Falls dem Einen oder Anderen von Euch der Gedanke kommen sollte: Ja, Palace Of The King kommen aus Down Under, sie haben mit AC/DC aber ebenso viel zu tun wie Angus Young mit Elektrozigaretten. Haben sie auch überhaupt nicht nötig, denn White Bird - Burn The Sky, just erschienenes Zweitwerk, hat mit seinem vielfätigen Kickass-Rock überhaupt keinen Grund sich hinter anderen Bands zu verstecken.

Allein die personelle Breite der mit sechs Leuten sehr gut besetzten Band lässt vermuten, dass hier einiges drin stecken könnte. In der Tat, Tim Henwood (Gesang, Percussion), Leigh Maden (Lead Gitarre, Mundharmonika), Matthew Harrison (Rhythmus-Gitarre), Andrew Gilpin (Bass), Anthony Troiano (Schlagzeug) und Sean Johnston (Keyboard / Orgel) weben einen Soundteppich, den man als Kreuzung aus Deep Purple meets Raven meets Black Crowes meets Aerosmith ganz passabel beschreiben kann. 

Die ersten beiden Tracks sind rauhe, hemmungslose Losgehnummern mit einem kräftigen Arschtrittfaktor. Tim Henwoods hell-bellendes Organ erinnert ein wenig an Geddy Lee, bringt aber schon mit dem zweiten Titel No Chance In Hell den Beweis, auch tiefere Lagen stemmen zu können. Auffällig der kurz auf der Bremse zuckende Fuß im Mittelteil; hier ein kurzes Guitarsolo, dort ein Tambourin, dazu ein cooler Basslauf und Henwoods hektisch-kontrollierter Gesang, fertig ist eine geile Rocknummer, die Appetit auf mehr macht. 
Another Thing Coming hat nichts mit der gleichnamigen Judas Priest Nummer zu tun, und stellt den Hörer klassischer Hardrock- bzw. Metalmusik leider auf eine harte Probe...der verzerrt-kitschige Keyboardriff muss erstmal verdaut werden und nervt mich. Schade, der Song hat im weiteren Verlauf einen funkig-souligen Charme und erinnert ein wenig an Mother's Finest meets Ike & Tina Turner, da hätte man echt mehr draus machen können...



Die Rückbesinnung folgt auf dem Fuße und die Fieberkurve steigt in unerwartete Höhen. Über Burn My Bridges, dem zentnerschweren Titeltrack White Bird (Bring Your Armies Against Me) und der immer wiederkehrenden, agbrundtief fetten Schweineorgel von Sean Johnston entwickeln sich verdammt feine Songstrukturen mit Tiefgang. Vorläufiger Höhepunkt für mich stellt Ain't Got Nobody To Blame But Myself dar. Die um zwei Gänge zurückgefahrene Drehzahl verleiht dem Stück eine fast bedrohliche Atmosphäre, die ausserdem in der Mitte der Platte gut platziert ist und für Abwechslung sorgt. Und von weiteren Qualitätsrockern gefolgt wird...
Im Grunde folgen jetzt nur noch Highlights. Leave Me Behind, der nach vorne galoppierende Rocker wird von einer (sic!) Bläsersektion und einem Saxophon garniert ! Geilomat ! Devil's Daughter hat einen schönen, an Mother Love Bone erinnernden Mittelteil inklusive noch schönerem Gitarrenpart verpasst bekommen. Der fräsende Gitarrenriff und die coole Harp von Leigh Maden drücken der vorletzten Nummer Get Back Up (Burn The Sky) ihr Siegel auf.

If It Ain't Broke beendet ein unerwartet starkes Palace Of The King - Album auf knackige, jedoch leicht angespannte Weise. Die letzten fünf Minuten geraten ein wenig krampfig, man hat den Eindruck dass die Ideen auf der Zielgeraden dann doch weg waren. Aber egal, White Bird - Burn The Sky ist nix anderes als ein Arschtritt-Rocker und ich freue mich auf mehr. Denn Palace Of The King haben so viel Potential, von denen werden wir mehr hören...

Und Ihr geht jetzt mal ganz schnell los und kauft Euch die Platte ! Nicht dass hinterher einer behauptet, ich hätte nix gesagt...

Bernd 

Freitag, 5. Juni 2015

Michael Bormann - Closer


Band: Michael Bormann
Album: Closer
Spielzeit: 45:28 min.
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 22.05.2015
Homepage: www.michaelbormannpage.de

WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:
01. I’m Not Your Entertainment
02. Let’s Make History
03. Never Say Die
04. Can’t Get A Touch Too Much
05. Because We Are The World
06. Living It Up
07. I Wanna Be A Rock Star
08. For This One Time In Life
09. Closer
10. Richmen’s World
11. Down To The Bottle
12. Warrior

Michael Bormann dürfte nach seinen Auftritten bei der Castingshow "The Voice Of Germany" sicherlich auch außerhalb der Melodic- und Hardrock Gemeinde einige Fans gefunden haben. Manche der Old School Fans haben zwar längst ihren Unmut über diesen Schritt hin zum Mainstream bekundet, der Großteil hat dies nach meiner Erfahrung jedoch sehr begrüßt und Michael weiterhin nach Kräften unterstützt. Über seine über 25-jährige Erfahrung mit Stationen bei JADED HEART (als Mitbegründer) oder BLOODBOUND, BISS oder SILENT FORCE muss ich hoffentlich nicht mehr all zu viele Worte verlieren. Michael hat in diesem Bereich wirklich fast alles qualitiv hochwertig beackert. 


Nun liegt mir sein fünftes Soloalbum vor, das relativ nah am Erscheinungstermin seines letzten Projekts, den Italienern von GRINDHOUSE (Review hier) liegt. Bei den bisherigen Soloscheiben hatte ich immer das Problem, das neben einigen Krachern zu viele Balladen zu finden waren und auch der ein oder andere Füller. Ersteres fällt bei "Closer" nicht mehr so arg ins Gewicht. Erstens ist die von THE VOICE bekannte Ballade "Warrior" absolut gelungen und dürfte bei so manchem 80er Jahre Kuschelrock Fan Gänsehaut hervorrufen. Die mir dann zu weichgespülte Ballade Nummer 2 "Because We Are The World" inklusive Kinderchor drücke ich leider nach dem dritten Durchlauf durchgängig weg. Intention und Stimmung passen zwar, doch mir sagt der Song echt nicht zu. Manchmal ist zuviel Plüsch einfach zuviel. 

Doch kommen wir nun endlich zu den Krachern auf dem Album, denn die sind eindeutig in der Überzahl. Bereits der Opener "I'm Not Your Entertainment" (doch Michael, du bist ein guter Entertainer, hihi) geht voll nach vorne ab und weiß mit rockenden Gitarren und tollen Melodien zu gefallen. "Let's Make History" ist ein weiterer Guter-Laune Rocker, bei dem mich die Häufung der Soundsamples aber manchmal an Tom und Jerry erinnert. Vielleicht wäre für das nächste Album ein Bandgefüge dafür hilfreich, denn Michael hat eigentlich fast alles selbst eingespielt (eine Anzahl Gastmusiker ist aber auch auf "Closer" vertreten). "Can't Get A Touch Too Much" startet schön Southern Rock-mäßig ehe sich Michael rappend an KID ROCK versucht und grandios scheitert. Sorry Michael, aber lass den Sprechgesang, das ist echt übel und ohne den berüchtigen Flow. Also auch hier schnell weiter. 

"Living It Up" ist zum Glück wieder richtig gute Melodic Rock Kost. So muss ein Bormann auch anno 2015 klingen. Vom Song und der Produktion her erinnert mich das Stück stark an MICHAEL MORALES, falls den noch jemand kennt. Klasse. "I Wanna Be A Rockstar" ist dann der nächste Kracher, groovt ohne Ende, hat Dampf unterm Kessel und sorgt live sicher für eine Bombenstimmung. Auch die restlichen Songs (besonders "Richmen's World") wissen zu munden und so kann ich "Closer" guten Gewissens starke 8 Punkte verleihen. Zum Album des Jahres wird es für mich nicht reichen, aber ich werde die Scheibe sicher des Öfteren auflegen und mich an "Closer" erfreuen.

Markus

Sonntag, 31. Mai 2015

Halestorm - Into The Wild Life

Band: Halestorm
Album: Into The Wild Life
Spielzeit: 56:47 Min.
Plattenfirma: Atlantic Records
Veröffentlichung: 10.04.2015
Homepage: halestormrocks.com



Wertung: 10 von 10 Punkten



01. Scream
02. I Am The Fire
03. Sick Individual
04. Amen
05. Dear Daughter
06. New Modern Love
07. Mayhem
08. Bad Girl’s World
09. Gonna Get Mine
10. The Reckoning
11. Apocalyptic
12. What Sober Couldn’t Say
13. I Like It Heavy


Special Edition Bonus Tracks:
14. Jump The Gun
15. Unapologetic



Halestorm sind wohl eine wenn nicht DIE am härtesten arbeitende Band im Rock-Circus überhaupt. Sie touren beinahe ständig und wenn da mal Pause angesagt ist wird eine neue Scheibe eingetütet. Zwischen den regulären Studiowerken gibt es - weil man ist ja nicht ausgelastet - dann noch EP's mit (allesamt tollen!) Coverversionen.

Halestorm sind für mich eine der wenigen "neuen" Bands mit eigenem Charakter UND Star-Appeal, natürlich zu vorderster Front begründet durch Lzzy Hale, der Frontwoman der Truppe. Im Vorfeld  der neuen Veröffentlichung gab es ja Stimmen, die der Band nachsagten, sie wollen nun einen auf Country machen, nachdem sie mit Jay Joyce einen namhaften Produzenten eben dieses Genres verpflichten konnten. Diese Bedenken kann man jedoch ohne weiteres ins Reich der Fabeln zurückweisen. Halestorm rocken weiterhin wenn auch anders. Wie auch "Strange Case...." sich vom selbstbetitelten Erstlingswerk unterschieden hat so ist "Into The Wild Life" eine Weiterentwicklung zum Vorgänger. Ein klares Zeichen dafür, dass man im Hause Halestorm nicht auf Nummer sicher geht und ein weiteres "Here's To Us" auf den Markt schmeisst, welches ja überaus erfolgreich war. 

Halestorm gehen durchaus Risiken ein indem Sie ihren Sound weiter verfeinern. So ist z,B. "Scream" nicht der typische Opener in Form eines schnellen Eröffnungstracks sondern eher im Midtempobereich gehalten. Auffallend die durchaus effektreiche Produktion, welche glasklar und differenziert aus den Boxen tönt. Laut Band wurde ein Großteil der Songs live eingespielt und erst danach verfeinert. Die verfremdeten Vocaleffekte hätte es bei der grandiosen Stimme meines Erachtes zwar nicht bedurft aber dennoch ein guter Einstieg.

"I Am The Fire" ist das erste Highlight der CD. De rSong beginnt eher balladesk, ehe einen der Refrain ziemlich wegpustet und am Ende der Song das Tempo in Richtung Speedgranate wechselt. Rockt wie Sau würde ich sagen. "Sick Individual" erinnert am ehesten an die "alten"Halestorm. Ein schöner Stampfer, der auch live gut abgehen wird. Das  Lzzy- Kreischen wird dabei auch wieder gut dosiert eingesetzt.

"Amen" wurde bereits vorab ausgekoppelt, hierzu gibt es ein aufwändiges witzig gemachtes Video, die leichten Country-Twangs der Gitarre fallen sicher auf sind jedoch nicht als Abkehr vom Rocksound zu werten. Im Gegenteil - auch dieser Song geht live gut ab (was ich mit eigenen Ohren in München erleben durfte)

"Dear Daughter" ist der nächste Song, bei dem die Höchstwertung gar nicht reicht. Waren Halestorm in der Vergangenheit schon für die ein oder andere Top-Ballade zuständig so übertreffen sie sich mit diesem Song fast selber. Clever textlich als Brief einer Mutter an ihre Tochter verpackt zieht Lzzy hier alle Register ihres Könnens und die gefühlvolle Ballade dürfte für Feuerzeuge satt im Live-Convert sorgen, heutzutage aber wohl eher Smartphonedisplays.....

Ebenfalls nicht alltäglich an der Scheibe ist die Tatsache, dass die Songs meist ohne Pause ineinander übergehen, teilweise mit extra Outros als Übergang.. Dies kreiert eine tolle Atmosphäre und die Songreihenfolge ist prima gewählt.

"New Modern Love" ist der einzige Song der nicht so 100% bei mir zünden will, was das granatenstarke und auch für Heavyfans geeignete "Mayhem" (welches wie "I Like It Heavy" schon bei der letzten Tour mit im Gepäck war)aber locker wieder wettmacht.

"Bad Girl's World" erinnert (wie eine Handvoll weiterer Songs) etwas an eine rockige P!NK, für mich kein schlechtes Zeichen, stimmlich braucht sich Lzzy da sicher auch nicht zu verstecken, songwriterisch schon gar nicht. Zwar ein sehr poppiger Track aber unheimlich gut gemacht.Von der ruhigeren Sorte sind auch "What Sober Couldn't Say" und "The Reckoning", die die Hartwurstfraktion sicher etwas abschrecken dürften aber die Tracks haben das gewisse Etwas um sie aus dem Einheitspoprockbrei herauszuheben.

Zu "Apocalyptic" (mit X-Rated Lyrics) gibt es ebenfalls ein Video, welche leider einmal ehr in Deutschland auf youtube ohne Ip-Blocker nicht zu sehen ist. Der Song  war lange Zeit hoch in den Radio-Rockplaylisten und das zu Recht.

Mit dem riffbetonten "I Like It Heavy" geht die bislang beste Halestormscheibe offiziell zu Ende. Die Scheibe ist eine klare Fortentwicklung ihres Sounds, hat Klasse und Rasse zuhauf und ist stimmungsvoll zusammengestellt. Diejenigen, die murren, dass ein paar Songs zu poppig geraten sind, wird man verschmerzen können. Die Scheibe ist zu Recht kurz nach der Veröffentlichung in die Top 5 Billboard Charts eingestiegen und die Band befindet sich (wie sollte es auch anders sein) schon wieder auf Tour.

Für die Freunde der Deluxe-Editionen gibt es noch zwei Zuschläge: Das Bon-Jovi-mäßige "Unapologetic" sowie das flotte "Jump The Gun". Für das, was hier als Bonustracks verbraten wird,  wären andere Bands froh,  auf ihrem Hauptalbumbieten zu können.

Halestorm haben alles richtig gemacht, wer sie noch nicht live gesehen hat sollte das schleunigst nachholen. Es lohnt sich. Für "Into The Wild Life" gibt es ohne Umschweife eine glatte 10 von mir.


Martin



 

Jim Peterik/Marc Scherer - Risk Everything

Band: Jim Peterik/Marc Scherer
Album: Risk Everything
Spielzeit: 52:16 min
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 17.04.2015
Homepage: http://jimpeterik.com/


 Wertung : 8,5 von 10


 Tracklist:
  1. Risk Everything
  2. Chance Of A Lifetime
  3. Cold Blooded
  4. Desperate In Love
  5. Thee Crescendo
  6. The Dying Of The Light
  7. How Long Is A Moment
  8. Brand New Heart
  9. Broken Home
  10. Milestones
  11. Independence Day

Nach längerer Funkstille gibt es endlich einmal wieder neues von Jim Peterik zu vermelden. Seit dem letzten Pride Of Lions-Werk war nicht mehr viel von ihm zu hören und zu sehen, was sich ja in Europa meist auf CD-Veröffentlichungen beschränkt, denn Touren ist in unserer heutigen Musiklandschaft auch für einen (zumindest in Melodic-Kreisen hochgeschätzten) Jim Peterik wohl finanziell nicht drin, ausser man tourt unter dem Survivor-Banner, aber da ist er ja schon lange nicht mehr mit von der Partie.

Survivor ist das Stichwort, denn was der Gute zusammen mit dem mir bislang doch recht unbekannten Marc Scherer hat er ein sehr gutes Melodicscheibchen auf den Markt gebracht, welches sich in seinen besten Momenten durchaus mit dem Survivor -D'Oevre messen kann und das ist schon ein wirkliches Kompliment, das man ihm mit dieser Veröffentlichung machen kann.

Entgegen dem Titel gibt es auf "Risk Everything" sicherlich keine großartigen Experimente, aber die Songs haben durchaus das gewisse Etwas welche das Album vom üblichen Melodic-Einheitsbrei abheben und den gewissen "oha"-Effekt bieten.
Allen voran die Eingangshymne in Form des Titelstücks, welches auch auf einem 80er-Jahre Survivor Album positiv aufgefallen wäre. Die Produktion ist wie von Peterik gewohnt schön klar und fett und Marc Scherers Stimme ist ein weiterer Pluspunkt. Er hat eine klare hohe Stimme, die für Mel-Rock wie gemacht scheint, ohne jedoch das teilweise unangebrachte Vibrato in der Stimme zu haben wie es Toby Hitchcock von Pride Of Lions teilweise überstrapaziert. Ein wirklicher Genuss.
Die erste Hälfte der Scheibe gehört mit zum besten aus dem Haus Frontiers in diesem Jahr und hat ein sehr hohes Niveau. Sei es nun das ebenfalls famose "Chance Of A Lifetime", das treibende "Cold Blooded"  oder das balladesk beginnende "Desparte in Love", welches sich in einen ebenfalls treibenden Rocker ala Pride Of Lions verwandelt - alles Knaller vor dem Herrn. 
"Thee Crescendo" ist AOR in seiner pursten Form und Peterik at his best. Ich würde sogar soweit gehen, dass die Scheibe - zumindest die ersten zwei Drittel- mit zum Besten gehören was Peterik seit langer, langer Zeit zustande gebracht hat. Quasi eine Zusammenfassung seines bisherigen Schaffens in neue tolle Songs verpackt. 

Der eine oder andere würde vielleicht anmerken, dass die Stücke ein doch ziemlich gleiches Strickmuster aufweisen, ich würde das jedoch generell als eigene Handschrift von Peterik sehen. Ein Peterik-Song bleibt eben einer und wenn man seine Trademarks hat ist das durchaus positiv zu verbuchen, gibt es doch heutzutage viel identitätslose Mucke. Dies ist hier ganz klar nicht der Fall.

Einziger Wehrmutstropfen dieser doch sehr guten CD ist die Tatsache, dass nach der (überraschenderweise einzig wirklichen) Ballade "How Long Is A Moment" der Scheibe am Schluss auf der Ziellinie doch etwas die Luft ausgeht. "Brand New Heart" ist noch eine weitere treibende flotte Hymne, "Broken Home" und vor allem das eher uninspirierte "Milestones" halten nicht ganz das hohe Niveau der Vorgängernummern, wenngleich das wirklich Jammern auf extrem hohem Niveau ist. 
Der Rausschmeisser "Your Independence Day" zieht da die Qualitätskurve wieder etwas nach oben, einer von mehreren Uptemposongs im typische Peterik-Optimismus-Stil. Toll gemacht.

Fazit: Ein Peterik-Werk, welches es in sich hat und mit Marc Scherer eine tolle Stimme versehen mit hochwertigen Melodic-Songs. Prima gemacht, macht Spass! Alle Daumen hoch!



Martin





 

Status Quo - Aquostic Live @ The Roundhouse


Band : Status Quo
Album : Status Quo - Aquostic Live @ The Roundhouse
Spielzeit : 86 Min (2CD) + 100 Min. (DVD)
Plattenfirma : earMUSIC 
Veröffentlichung : 10.04.2015
Homepagewww.statusquo.co.uk

Wertung : 6 von 10

Trackliste CD1 :
  1. And It's Better Now
  2. Break The Rules
  3. Again And Again
  4. Paper Plane
  5. Mystery Song
  6. Little Lady
  7. Rock'n'Roll
  8. Caroline
  9. What You're Proposing
  10. Softer Ride
  11. Down Down
  12. Pictures Of Matchstick Men

Trackliste CD2 :
  1. Down The Dustpipe
  2. All The Reasons
  3. Reasons For Living
  4. Rollin' Home
  5. Don't Drive My Car
  6. Claudie
  7. Rain
  8. Marguerita Time
  9. Na Na Na
  10. Whatever You Want
  11. Rockin' All Over The World 
  12. Rock 'til You Drop
  13. Burning Bridges (On And Of And On Again)

Es ist durchaus möglich daß ich etwas gehemmt oder voreingenommen bin. Erstens bin ich kein Hardcore-Fan der Band, die mir und meinen Kumpels wunderbare Momente verschaffte...vor weitaus mehr als einem Vierteljahrhundert wohlgemerkt geschahen absonderlichste Dinge auf unserem schönen westfälischen Fleckchen Heimaterde. Es war die Zeit der Jugendfeten am Vorabend des alljährlichen Schützenfestes. Da durfte die Dorfjugend ohne elterliche Kontrolle saufen, rauchen und neben allerlei Schlager- und Popschmonsens zu vorgerückter Stunde richtig "harte" Musik wie Ram Jam, Golden Earring und eben Status Quo zelebrieren. Die lässig in den Mundwinkel geklemmte Fluppe (selbstgedrehte DRUM oder SAMSON natürlich), ein 0,2l Rolinck Pilsener in der Hand, Spagat bis die Plinte runter bis zu den Adidas Allround platzte und die Pete Townshend für arme Leute-Gedenkwindmühle waren Audruck dafür dass die Musik gut war. Und Status Quo gingen immer. Keine Fete ohne Quo, und welche Songs da liefen dürfte hinlänglich bekannt sein. Die Songs haben sich halt in die Gehörgänge meiner Generation gefressen.

Soviel zu den Umständen meiner Status Quo-technischen Vorbelastung. Die Band hat natürlich etwas mehr zu bieten als 08/15 Partyrock, doch, und so geht es bestimmt nicht nur mir, ich persönlich verbinde die Musik halt mit Schweiss, Zigarettenqualm und Stimmung in der Bude. Und so geht die ergraute Eminenz des Boogie Rock mit einem leichten Handicap ins Rennen dieser Rezension.

Ach ja, zweitens fehlt ja noch. Zweitens haben einige Vorgänger die Acoustic-, Unplugged- oder was weiss ich für stromlose Live Alben-Messlatte verdammt hoch gelegt, so zum Beispiel Nirvana, Eric Clapton oder Neil Young, die in diesem speziellen Format wahre schon Seelenstripteases hinlegten.

Status Quo haben ihren Auftritt jedenfalls gut vorbereitet. Die Location, das altehrwürdige Londoner Roundhouse, diente nicht ohne Grund vielen bekannten Bands als geeignete Location für ihre Plattenaufnahmen. "Live at the Roundhouse" gilt in Rockfan-Kreisen als ernstzunehmendes Qualitätsmerkmal für eine hervorragende Akustik. Led Zeppelin, Pink Floyd, die Rolling Stones, Kraftwerk, Opeth usw. traten dort auf und schnitten die Gigs oft mit um sie später zu veröffentlichen. So auch Status Quo.


Im Oktober 2014 gab es eine BBC-Sondersendung zur Promotion des 31ten Studio-Albums der Band, die mit mehr als 1,3 Millionen Views im Internet innerhalb von fünf Tagen zum Riesenerfolg mutierte. Und dass eine Band, die mehr als 50 Jahre Erfahrung und mehr als 60 Top40 Single-Platzierungen in GB hatte, an einem solchen Abend ein selbstbewusstes Programm aufstellt, dürfte sich von selbst verstehen. 

Ergo nahmen Freddie Edwards, Rick Parfitt, Francis RossiAndrew Bown, John "Rhino" Edwards und Drummer Leon Cave nebst einer Vielzahl weiterer Musiker gemütlich auf ihren Stühlen Platz, um vor vollem Haus die Träume ihrer treuesten Anhängerschar wahr werden zu lassen.  

Acoustic Live ist an diesem Abend aber vor allem die bühnentaugliche Umsetzung des Albums, welches im Laufe der Zeit zum verdienten Verkaufsschlager mutierte: Aquostic:Stripped Bare. Und dort zeigt sich leider auch, dass fünf auf dem Stuhl klebende Herren im Laufe eines Abends an ihre Grenzen kommen können. Was dem Roundhouse-Besucher evtl. wegen der Stimmung in der Halle verborgen blieb, ist auf der Mattscheibe leider allzu schnell klar...bereits nach wenigen Minuten kann ich mir ein Gähnen kaum noch verkneifen und spätestens mit dem verschunkelten Again And Again wird mir klar, dass dieses Konzept für mich nicht aufgehen wird. 

Ich denke unweigerlich an vergangene Zeiten zurück und vermisse den Dreck und meine gröhlenden Kumpels. Natürlich bin in all den Jahren nicht nur ich, sondern auch Rossi, Parfitt und Co. älter geworden, aber in meiner Erinnerung lege ich gerade On The Level oder Never Too Late auf den Plattenteller. Die Bude qualmt zwar, als Rossi in Paper Plane die große Runde fragt, ob jemand in seinem "deutsche car..." mitfahren möchte, doch mir persönlich mangelt es bei aller Unterstützung durch Akkordeon, Percussion oder Backgroundgesang an dem musikalischen Ausgleich der mangelnden Bewegungsmöglichkeiten der Band.
Wie schön wäre es gewesen, hätte Francis Rossi nur einen einzigen Song solo gebracht, oder hätte es für einen Gastsänger bzw. -sängerin gereicht. Ein Schlagzeug-, Gitarren-, oder Basssolo...ein Instrumental ? Leider nein, die Möglichkeiten sind vielfältig, doch trotz aller Qualität kehrt Langeweile ein. Ständig die gleiche Tonlage, die selbe Leier. Da helfen dann auch die schönen Harp-Einlagen von Andy Bown, die Streichersektion und Rossi's lockere Ansagen in schönstem britischem Akzent nix mehr.

Nun denn, 86 (CD) bzw. 100 (DVD) Minuten werden echte Fans zufriedenstellen, da bin ich mir sicher. Das Roundhouse-Publikum scheint jedenfalls voll auf seine Kosten gekommen zu sein. Ich greife im Zweifellsfall auf meine Plattensammlungs-Quo zurück, mache mir ein Bier auf und lege die Füße auf den Tisch. Bin zwischenzeitlich alledrings auf Dortmunder Union Export umgesattelt...



Prösterchen !


Bernd Fischer

Nelson - Peace Out


Band : Nelson
Album : Peace Out
Spielzeit : 57:24 Min.
Plattenfirma : Frontiers Records
Veröffentlichung : 18.05..2015
Homepage: http://www.matthewandgunnarnelson.com/
 

Wertung : 8 von 10


Tracklist:

1. Hello Everybody
2. Back In The Day
3. Invincible
4. Let It Ride
5. I Wanna Stay Home
6. On The Bright Side
7. Rockstar
8. Autograph
9. What’s Not To Love?
10. You And Me
11. Bad For You
12. Leave The Light On For Me



Nelson sind für mich die ultimative Gute-Laune -Truppe. Wer eine ihrer Scheiben anhört und danach noch schlecht drauf ist ist entweder dauerdepri oder bereits tot. 
Zyniker würden sagen, dass die Jungs klassische One-Hit-Wonder sind bzw. waren und in der Tata war ihr MIllionenseller "Love and Affection sowie der zugehörige Longplayer "After The Rain" ihr verkaufstechnisches Highlight, die nachfolgenden Veröffentlichungen fanden - wenn überhaupt - leider nur noch in Asien eine größere Käuferschicht, was nicht bedeutet, dass es sich dabei um schlechte Alben handelt, im Gegenteil! Eine richtig üble Scheibe haben Nelson noch nie aufgenommen und auch "Peace Out" ist ein gelungener Longplayer.

"Hello Everybody" ist der ideal Konzertopener, flott und auf den Punkt und total nach Cheap Trick klingend. Bereits hier fällt jedoch der arg trocken produzierte Sound auf, der mit persönlich nicht so ganz zusagt, gehört zu einer schmissigen Melodicrockscheibe für mich doch immer ein richtig fetter Sound anstatt einer eher abgespeckten Klangausstattung.

Etliche Songs stellen textlich eine Art Vergangenheitsbewältigung ihrer kurzen Megastar-Zeiten zu Beginn der 90er dar, als da wären das schmissige "Back In The Day", "Rockstar" oder "Autograph", alles jedoch mit einem Augenzwinkern unterlegt. 

Auf "Peace Out" befinden sich auffallend viele Uptemponummern, die durchwegs ein hohes Niveau aufweisen. Ein Blick ins Booklet gibt zu verstehen, dass es sich offenbar zum Großteil um Lieder aus vergangenen Jahren handelt, denen der letzte Schliff verpasst wurde um 2015 letztlich veröffentlicht zu werden.

Die Kuschelrockfraktion kommt lediglich bei "On The Bright Side" und beim abschließenden bombastischen "Leave The Light On" auf ihre Kosten, ansonsten regiert die rockige Fraktion.

Bis auf das doch recht lasche und mit einem schwachen Refrain ausgestattetet "You and Me" kann ich keinen richtigen Füller ausmachen, andererseits gibt es auch keinen wirklichen Übersong auf "Peace Out".

Nichtsdestotrotz macht die Scheibe Spass und ist die ideale Einstimmung auf einen hoffentlich tollen Sommer.

Glaubt man den Angaben im Booklet, so könnte die vorliegende Scheibe die letzte Nelson-Scheibe überhaupt sein, aber ob da das letzte Wort gesprochen ist glaube ich persönlich ja noch nicht. Schade wäre es in jedem Fall.


Martin



Montag, 25. Mai 2015

Virgin Steele - Nocturnes Of Hellfire & Damnation



Band : Virgin Steele
Album : Nocturnes Of Hellfire & Damnation
Spielzeit : 79:34 Min.
Plattenfirma : Steamhammer / SPV
Veröffentlichung : 19.06.2015
Homepage : www.virgin-steele.com

Wertung : 8 von 10

Tracklist :
  1.  Lucifer's Hammer
  2. Queen Of The Dead
  3. To Darkness Eternal
  4. Black Sun - Black Mass
  5. Persephone
  6. Devilhead
  7. Demolition Queen
  8. The Plague And The Fire
  9. We Disappear
  10. A Damned Apparition
  11. Glamour
  12. Delirium
  13. Hymns To Damnation
  14. Fallen Angels

Was soll ich lange um den heissen Brei reden. Ich bin langjähriger Fan dieser fantastischen Band und hätte einer Fortsetzung des schwachen letzten Albums The Black Light Bacchanalia garantiert auch noch irgendetwas Positives abgewonnen. So sind wir Fans, was wir erstmal liebgewonnen haben...

Ich verpreche Euch aber, so objektiv wie möglich an die Sache heranzugehen. Wer noch nicht herausgefunden hat, worum es geht: Die Rede ist natürlich von Virgin Steele, dem Projekt eines begnadeten Mannes mit Hang zur Klassik und barbarisch-romantischen, altgriechischen Mythen und Mysterien. David DeFeis setzt diese musikalisch um und verspinnt teils kitschige Liebesgeschichten mit knüppelharten Gitarrenriffs und seiner mehrere Oktaven umfassenden Gesangsstimme. Das alles fast immer unter Einsatz seines mehr oder weniger präsenten Keyboards. So entstand seit der Veröffentlichung des ersten, selbstbetitelten Albums im Jahre 1982 ein Gesamtwerk, welches zu 80% Qualitätsmucke und tolle, dramatische Songs mit hohem Wiedererkennungswert enthält.

Die restlichen 20% erhielten wir Fans leider vor allem mit den beiden letzten Alben. Visions Of Eden und vor allem The Black Light Bacchanalia enttäuschten viele Anhänger ob ihrer kalten, nahezu sterilen Produktion und Atmosphäre. DeFeis' Gesang ähnelte in dieser Phase eher einem maulkorbtragenden, altersschwachen Dackel als einem kraftstrotzenden, hungrigen Wolf der nichts anderes will als seine Beute zu packen.

Nun liegt Nocturnes Of Hellfire & Damnation entpackt auf meiner Festplatte und ich jauchze vor Glück. Die Band besteht neben ihrem Mastermind aus Edward Pursino an der Gitarre, Josh Block am Bass und Frank Gilchriest* am Schlagzeug. Die Vier haben dankenswerterweise einen Riesenschritt in die richtige Richtung (nämlich zurück) gemacht und knallen mir soeben den furiosen Opener Lucifer's Hammer um die Ohren. Mr. DeFeis hat seine verlorengeglaubten Eier wiedergefunden, das wird gleich klar. Das Schlagzeug hört sich wieder an wie ein echtes Schlagzeug und nicht mehr wie eine Bontempiorgel. Bratzgitarren statt zurückhaltendem Gezupfe...hach wie schön das Leben doch ist. Das Ganze erinnert mich zaghaft an selige Invictus-Zeiten in rauh produziert. Ja, mir scheint fast, dass der gute David den Spies einfach mal umgedreht hat um sämtlichen Kritikern eins auf die Fresse zu geben.

Doch damit nicht genug, neben erwähnter Anlehnung an die Invictus / House Of Atreus I+II Phase kommt mit Black Sun - Black Mass ein Song ans Tageslicht, der vielleicht dem einen oder anderen Fan bekannt vorkommen dürfte. Black Mass hiess der Opener einer ziemlich obskuren Death-Metal Platte, die DeFeis alias "Damian Rath" 1985 mit seinem Exorcist Sideprojekt intonierte. Nightmare Theatre wird bei Discogs derzeit ab 35,-€ gehandelt.


Zurück zu Nocturnes Of Hellfire & Damnation. Der Querschnitt des Albums ist erstaunlich rauh und heavy ausgefallen. We Disapper groovt anfangs ungewohnt riffbetont daher, bevor ein wunderschöner Mittelteil diese Stimmung ablöst. Ed Pursino hat mehrere starke Auftritte, die in dieser Form ebenfalls vermisst wurden und David DeFeis' Gesang reicht teils gedoppelt oder gedreifacht, teils ohne technische Unterstützung an vergangene Zeiten heran. Das darauffolgende gesprochene A Damned Apparition verweist an selige Invictus-Zeiten, was für viele Anhänger dieser Band Balsam für die Seele gleichkommen wird...

Die Neue kommt in drei verschiedenen Versionen und Artworks auf den Ladentisch. Wer mich kennt weiss, wie ich zu diesem Thema stehe, aber egal. Die vorliegende Rezension entspricht bezüglich der Trackliste sowohl der 2LP- (blaues Vinyl), als auch der CD-Version im Jewelcase. Die LPs kommen inklusive einer CD, soweit ich das erkennen kann aber nicht inklusive der Bonustitel. Die CD-Digipak-Version wird diese Bonus-CD enthalten, über die ich an dieser Stelle nicht berichten kann, da nicht vorhanden. Was ich ebenfalls schlecht beurteilen kann ist die Produktion bzw. Soundqualität. Ich höre mir sämtliche Musik eigentlich auf einer halbwegs vernünftigen Stereoanlage an und muss in diesem Fall einer Sounddatei lauschen, die ich mir auf einen CD-Rohling gebrannt habe. Ehrlich gesagt bin ich eher enttäuscht als zufrieden. Das Ganze kommt ein wenig muffig und drucklos herüber, was aber umständehalber mit Vorsicht zu geniessen ist. Schade, aber nicht zu ändern.

Warten wir also auf den 19.Juni und lehnen uns bis dahin entspannt zurück. Alles in Allem knüpft Nocturnes Of Hellfire & Damnation erfreulicherweise wieder an bessere Zeiten an und bedarf einiger Durchläufe um es komplett zu entdecken.

Ich lausche derweil noch den letzten Sekunden der entspannten Schlussnummer Fallen Angels und vergebe gute acht Punkte für ein starkes "Comeback".


Bernd Fischer

* laut Info-Text ist Frank Gilchriest der Drummer. Frank Gilchriest jedoch streitet dies ab. Sobald Klarheit besteht, korrigieren wir unseren Text.

Sonntag, 24. Mai 2015

Pig Irön - Sermons From The Church Of Blues Restitution


Band: Pig Irön
Album: Sermons From The Church Of Blues Restitution
Spielzeit: 50:18 min.
Plattenfirma: Off Yer Rocka
Veröffentlichung: 27.03.2015
Homepage: www.facebook.com/PIGIRONMC

Wertung: 6 von 10



Tracklist:

1. Wildcat Birdhead
2. One Million Mega Hurts
3. One Final Kiss
4. The Spell
5. The Devil In The Woodpile
6. Come To Me

7. High As A Pine
8. Tapestry
9. Take Your Burden To The Lord
10. Restitution Blues


Sehr lange Zeit habt ihr hier auf unserer Seite nicht mehr wirklich viel neuen Lesestoff bekommen. Dafür möchte ich mich entschuldigen, doch nun bin ich seit 3 Wochen in meinem neuen Job tätig und der Umzug ist auch endlich hinter mir. Damit habe ich wieder Zeit mich für euch mit guter Rockmusik zu beschäftigen. Und möchte euch gleich mal einiges zu einem bodenständigen erdigem Rockalbum erzählen.

Die Rede ist von PIG IRÖN und derem neuen Album mit dem endlos langen Titel "Sermons From The Church Of Blues Restitution". Was auf dem Cover stark nach 80er Jahre Heavy Metal aussieht, entpuppt sich als Classic Rock mit leichten Southern Rock Einschüben. Beim ersten Hördurchgang sind bei mir dann auch die Mundwinkel stark gen Himmel gewandert. Toller Sound, die Band versteht ihr Handwerk und der Opener "Wildcat Birdhead" weiß mit einem schönen lässigen Riff zu gefallen. Leider fehlt mir dann der griffige im Ohr bleibende Refrain. Egal, dachte ich mir. Einfach weiter, klingt ja vielversprechend. "One Million Mega Hurts" legt vom Härtegrad eine Schippe drauf und reißt mich dann mit seiner Energie auch wirklich mit. Als dann mit "One Final Kiss", um es gleich vorweg zu nehmen, das absolute Highlight des Albums meinen Ohren schmeichelt und nach über 6 Minuten dies noch immer tut, fühle ich mich fast dazu verführt von einem Rockjuwel zu sprechen. 

Wie ihr euch aber sicher denken könnt, kommt nun das große Aber. Denn die restlichen sieben Songs haben allesamt das gleiche Problem wie der Opener "Wildcat Birdhead" - es bleibt auch nach zigmaligem Hören einfach nichts hängen. Natürlich haben PIG IRÖN nicht alles auf einmal verlernt aber das Songwriting ist ein großes Problem bei den Briten. Live könnten einige der Stücke sogar krachen, auf Schillerscheibe tun sie es leider nicht. Durch das leichte Classic Rock Revival momentan sehen sich PIG IRÖN auch einer relativ großen und qualitativ guten Konkurrenz gegenüber und genau diese Duelle verlieren die Briten spätestens im Elfmeterschießen. Stücke wie die folkige Ballade "The Spell", das siebenminütige "Come To Me" haben zwar alle gute Momente zu bieten, können diese aber alle nicht über die gesamte Spielzeit halten. Und wenn man die sich doch ziemlich ähnelnden Gitarrenläufe zum siebten Mal hört, schalte ich zumindest manchmal glatt ab und lasse das Album völlig an mir vorbei laufen.

Als Hintergrundmusik bei einem Biker Treffen ist die Scheibe aber durchaus geeignet und zwei klasse Songs haben sich auch darauf verirrt. Viel mehr ist "Sermons From The Church Of Blues Restitution" dann für den geneigten Rocker nicht. Fans von BLACK LABEL SOCIETY, die dringend was für Ihre Anlage benötigen, dürfen aber gerne reinhören.


Markus

Dienstag, 14. April 2015

Deadheads - This is Deadheads First Album (It Includes Electric Guitars)


Band: Deadheads
Album: This Is Deadheads First Album (It Includes Electric Guitars)
Spielzeit: 30:51 min.
Plattenfirma: High Roller Records
Veröffentlichung: 27.03.2015
Homepage: www.facebook.com/pages/Deadheads/300794403314751

WERTUNG: 7 von 10


Tracklist:
01. Baby Blues
02. My Demons
03. Freak Out
04. Ghost
05. Lose My Mind
06. Deadheads
07. Rock & Roll
08. Venom
09. Live On
10. Keep On Searching

Da haben die Jungs und Mädels von High Roller Records mal wieder ein gutes Näschen bewiesen, denn mit den Schweden von DEADHEADS haben Sie ein feines Trüppchen an den Start gebracht. Und ratet mal, was die Jungs bei Songtiteln wie "Rock & Roll" und "Freak out" auf eure Ohren loslassen? Genau, mitten in die Fresse Rock, eine Mischung aus Punk, Classic Rock, Rock & Roll und Boogie bekommt ihr mit ganz vielen elektrischen Gitarren (wie es der Albumtitel schon sagt) vor den Latz geknallt. 


Mit dem Opener "Baby Blues" haben die DEADHEADS auch schon die erste Granate am Start. Da zucken die Tanzbeine und die Nackenmuskeln ununterbrochen im Takt. Das folgende "My Demons" schlägt in die gleiche Kerbe und reisst mich mit seiner ungezügelten Energie einfach mit. "Freak Out" ist mit knapp über einer Minute Spielzeit arg kurz geraten und bleibt bei mir dann auch leider überhaupt nicht hängen. Eher ein nettes Intermezzo bevor das Highlight des Albums aus dem Sack gelassen wird. "Ghost" ist ein wunderbarer retro angehauchter Rocksong, der sich mit seinen feinen Melodien und den ersten ruhigeren Parts bei mir festbohrt. Absolut genial das Stück und zu keiner Sekunde langweilig.

"Lose My Mind" läuft danach wieder völlig an mir vorbei. Keine Ahnung, irgendwie schaffen es die unter 2-minütigen Stücke trotz der Reduktion auf das Wesentliche nicht, mich zu begeistern. Auch das folgende "Deadheads" ist mir auf Dauer und besonders nach dem siebten oder achten Hördurchlauf zu eintönig. Ein wenig mehr Abwechslung könnten die kurzen dreißig Minuten dann doch vertragen und das sind dann auch die zwei großen Kritikpunkte. Während "Venom" noch mit einigen passenden Tempowechseln punkten kann, laufen die letzten beiden Tracks auch ein wenig an mir vorbei und ich ertappe mich des Öfteren dabei, an etwas anderes zu denken und mich nicht mehr auf die Scheibe zu konzentrieren. 

Daher kann ich insgesamt auch nur gute 7 Punkte geben, das Potenzial für mehr sehe ich bei den DEADHEADS auf alle Fälle. Da die Jungs bereits am zweiten Album werkeln, bin ich mal gespannt was uns da noch alles in Zukunft erwartet. 

Markus 


Donnerstag, 9. April 2015

Van Halen - Live - Tokyo Dome in Concert (2 CD)

Band: Van Halen
Album: Tokyo Dome In Concert
Spielzeit:  119:51min

Plattenfirma: Warner
Veröffentlichung: 27.03.2015
Homepage:van-halen.com




Wertung: Sehr gute Livescheibe mit genialer Setlist. 
Ein ziemliches Brett!



Tracklist:
 
01. Unchained
02. Runnin' With The Devil
03. She's The Woman
04. I'm The One
05. Tattoo
06. Everybody Wants Some
07. Somebody Get Me A Doctor
08. China Town
09. Hear About It Later
10. Oh, Pretty Woman
11. You Really Got Me
12. Dance The Night Away
13. I'll Wait
14. And the Cradle Will Rock…
15. Hot For Teacher
16. Women In Love
17. Romeo Delight
18. Mean Street
19. Beautiful Girls
20. Ice Cream Man
21. Panama
22. Ain't Talkin' 'Bout Love
23. Jump




Kaum gibt es Van Halen seit gut 30 Jahren und schon gibt es eine Live-Scheibe mit David Lee Roth. Sarkasmus-Modus aus.
 In der Tat kaum zu glauben, dass eine Legende wie Van Halen erst anno 2015 erstmals eine Live-Scheibe mit ihrem Originalsänger am Mikro herausbringt. Unfassbar!
Im unmittelbaren Vergleich zur "Live-Right Here Right Now "-Scheibe mit Sammy Hagar zieht die neue Live-Scheiblette im Spurt daran vorbei.
Warum? Nun zum einen sind für mich die definitiven Van Halen Songs noch immer diejenigen vom Debut bis 1984. Und diese würdigt die Setlust ausgiebig und das sogar mit einigen rareren Songperlen wie "Romeo Delight" oder "Hear About It Later". Ansonsten sind natürlich alle Evergreens vertreten.
Zum Sound: Dieser ist sehr erdig und offenbar nicht großartig im Studio nachbearbeitet worden, so dass ein wirklich tolles Livefeeling durch die Boxen dröhnt. Eddie ist wieder voll auf der Höhe und auch das Schlagzeugwerk von Alex ist unmissverständlich "Top of the Game". 
Was vielen an der Scheibe etwas aufstößt ist der Gesang von Frontturner David Lee Roth, wobei ich die (teils sehr unfaire) Kritik absolut nicht nachvollziehen kann. Klar ist er kein Tenor oder Freddie Mercury aber das war schon immer der Fall bei ihm und das klingt auch anno 2013 (zu diese Zeitpunkt wurde aufgenommen) so. Teilweise hört er sich sogar besser an als auf alten Live-Aufnahmen, wenn man mal den direkten Vergleich zieht. Was ihn etwas "schräg" klingen lässt ist die Tatsache, dass er teilweise versucht, höhere Gesangslinien zu singen als auf den Originalaufnahmen, was manchmal doch zumindest gewöhnungsbedürftig klingt. Dass er Gesangslinien variiert oder teilweise auch nur vor sich hinmurmelt war auch schon zu früheren Zeiten der Fall und sollte nun nicht gegen den Meister verwendet werden. Fit wie ein Turnschuh ist der mittlerweile 60jährige Roth auf jeden Fall, da können sich so manch alte 80er-Wracks eine gehörige Scheibe von abschneiden.

Mein Hauptkritikpunkt liegt eher darin, dass man Michael Anthony sehr vermisst, nicht unbedingt am Bass (da macht Wolfgang Van Halen einen außerordentlich guten Job) sondern bei den Backing vocals. Da war sein Input doch stärker als mancher geglaubt hat und seine hohe charakteristische Stimme fehlt mir hier irgendwie.Nichts gegen Wolfie aber nochmal das Original-Lineup zusammenzutrommeln und eine Abschiedstour für die Fans zu machen wäre ja doch noch mal drin oder Jungs?

Ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig ist das Artwork der Scheibe, dessen Konzept ich irgendwie nicht ganz nachvollziehen kann. Kein einiges Live-Photo (weder Band noch Fans) sondern nur ein Dapfschiff sowie eine leere Konzerthalle gibt es als Cover  bzw. im Booklet zu sehen. Ansonsten kann man die (erstmals auf einer VH-Veröffentlichung) abgedruckten Texte mitlesen wobei diese mit Vorsicht zu geniessen sind, weil David Lee diese ja live durchaus etwas anders singt. Aber einmal ganz witzig auch die (nicht gerade vor Intelligenz strotzenden) Lyrics mitzulesen. Hat durchaus Unterhaltungswert.

Alles in Allem macht die Scheibe durchaus Laune. Die Setlist (angereichert mit ein paar Stücken der 2012er "A Different Kind Of Truth" Comeback CD) ist wie in Stein gemeißelt, der Sound top und es wurde wenig bis gar nichts  nachträglich im Studio eingespielt.

Inwieweit man aufgrund youtube und Co heutzutage noch auf eine Live-CD wartet lasse ich einmal unkommentiert. Eine Live DVD/BluRay als Kombi wäre mir mehr als recht gewesen aber mich frägt ja niemand.

Letztlich muss man trotzdem dankbar sein einmal wieder etwas aus dem Hause Van Halen in den Händen zu halten, auch wenn es "nur" eine Live-Platte ist. Dass die Jungs nochmal eine Studioscheibe eintüten wäre wünschenswert, ebenso dass sie vielleicht doch noch einmal nach Europa übersetzen. Letztmals mit Roth am Mikro waren sie da vor über 30 Jahren. Was für eine Schande! Aber man kann sich ja gut mit "Live - Tokyo Dome in Concert" trösten. Immerhin!

Martin

 


 


Dienstag, 7. April 2015

Grindhouse - Chapter One


Band: Grindhouse
Album: Chapter One
Spielzeit: 41:55 min.
Plattenfirma: RMB Records
Veröffentlichung: 20.03.2015
Homepage: www.grindhouse-band.com

Wertung: 7 von 10

Tracklist:

1. After Midnight
2. Ain’t Nobody (Rufus & Chaka Khan cover)
3. The Stunt
4. The Way Out
5. The Enemy
6. Nothing Gonna Stop Me
7. Titty Twister
8. Wild Dusk
9. What a Night


Es ist schön, endlich wieder neues Material von Ex-JADED HEART Frontmann Michael Bormann in Händen zu halten. Denn während mir seine Soloalben einfach zu poppig waren und er leider bei THE VOICE OF GERMANY knapp in den Battles ausschied (ich fand ihn in dieser Runde besser als seinen Konkurrenten), hat sich der hart rockende Output eher spärlich gehalten. Nun hat sich die italienische Hardrock Combo GRINDHOUSE (ja, ist nach den Filmen benannt) seine Dienste gesichert und wenn ich mir "Chapter One" so anhöre, haben die Herren Martolini und Ventimiglio (zwei der drei Gitarristen) richtig gehandelt. 


Denn Bormanns Stimme hebt einige der doch eher durchschnittlichen Songs zumindest auf ein gutes Level. Und damit fange ich gleich mal mit dem Kritisieren an. Denn gerade beim Songwriting hapert es doch so manches Mal und ich habe den Eindruck den einen oder anderen Song so ähnlich zumindest schon mal gehört zu haben. Besonders STEELHOUSE LANE kommen mir öfter in den Sinn. Leider wirkt das komplette Album nicht in sich homogen. Und doch gebe ich knappe 7 Punkte. 

Wahrscheinlich wundert ihr euch schon. Nein, das hat nicht nur mit Bormanns guter Gesangsleistung zu tun, GRINDHOUSE haben es auf "Chapter One" zumindets geschafft doch ein paar Perlen zu verstecken. So ist das RUFUS & CHAKA KHAN Cover "Ain't Nobody" verdammt gut gelungen und hat seine Disco Hülle fast völlig abgeworfen, um sich als klassischer Hardrock Song in neuem Gewand zu präsentieren. Auch "The Enemy" läuft bei mir gerade beim Joggen sehr häufig und ist ein Song, der erst nach mehreren Durchläufen zündet, mir dann vom Groove, der Melodie und der entsprechenden Härte aber zusagt. 

Schade nur, dass man eigentlich beim gesamten Album nicht hört, dass hier drei Gitarristen am Werk sind. Und dann gibt es noch das famose "Titty Twister", welches sich bei mir sehr schnell in die Gehörgänge gefräst hat. "Nothing Gonna Stop Me" hat neben einem viel zu häufigen schwachen mehrstimmigen Choruseinsatz auch seine guten Momente und das lässige "Wild Dusk" zaubert auch so manches kurzes Lächeln auf mein Gesicht. 

Leider fehlen in der Endabrechnung dann aber doch ein paar gute Refrains und einige Songwritingqualitäten, um ein besseres Ergebnis einzufahren. Fans der alten JADED HEART dürfen zumindest ein Ohr riskieren, von einem Meilenstein der Hardrock Geschichte ist das erste Kapitel aber leider noch meilenweit entfernt. Aber vielleicht gelingt den Italienern beim zweiten Anlauf noch eine faustdicke Überraschung, Potenzial ist zumindest vorhanden.


Markus

Freitag, 3. April 2015

The Poodles - Devil In The Details



Band: The Poodles
Album: Devil In The Details
Spielzeit:  45:58 min.
Plattenfirma: 
Gain Records (Sony Music)

Veröffentlichung: 27.03.2015
Homepage: Thepoodles.se


Wertung:  7,5 von 10 Punkten 

 
Tracklist:

01. Before I Die
02. House Of Cards
03. The Greatest
04. Crack In The Wall
05. (What The Hell) Baby
06. Everything
07. Stop
08. Need To Believe
09. Alive
10. Life Without You
11. Creator And Breaker
12. Borderline



Die Hunde sind zurück und liefern gewohnt hochqualitative Kost für den nach neuem Futter lechzenden Hörer. Ausgestattet mit neuem Bassmann fällt mir auf "Devil In The Details"  erstmal die sehr poppig gehaltene Hochglanzproduktion auf. Teilweise könnte man da fast schon "überproduziert" dazu sagen, aber das Wort nehme ich einmal nicht in den Mund.

Manche Tracks sind schon fast als reiner Pop zu bezeichnen, so wäre "(What The Hell) Baby" gesungen von Katy Perry ein todsicherer Hit, ist aber von der Produktion her auch wirklich in deren Stil angesiedelt und von daher auf Anhieb doch etwas gewöhnungsbedürftig wie ich finde. An manchen Stellen wurden die Gitarren richtig wegrationalisiert und mit Effekten zugekleistert.

Das klingt alles erstmal recht negativ, wird aber durch das doch recht gute Songwriting mehr als wettgemacht. Gewöhnt man sich erst einmal an die poppigere Ausrichtung so entdeckt man doch die eine oder andere songwriterische Perle auf "Devil In The Details".

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Poodles ihren eigenen Stil haben, weit weg von der üblichen Scandi-Melodicrock-Mucke, die doch mittlerweile recht austauschbar geworden ist. Hymne wie "Crack In The Wall" oder "Everything" schüttelt man nicht alle Tage aus dem Ärmel und gehören mit zum besten in der gesamten Poodles-Discographie. Abwechslung wird groß geschrieben, sei es mit dem hektischen "House Of Cards", dem knalligen "Creator and Breaker" oder dem (erneut) sehr poppigen "Stop". Die Scheibe macht durch die Bank Spass und wird in einer härteren Umsetzung auf der Bühne sicherlich noch besser rüberkommen.

Die Lead-Single "The Greatest" erinnert mich etwas an U2 von der Gitarre her und dürfte auch einen passablen Radiohit abgeben. sofern es Radiostationen gibt, die noch gute Rockmusik spielen.

Komischerweise findet man auf der ganzen CD keine einzige richtige Schnulze, die bislang noch auf jeder Poodles-CD zu finden war, lediglich "Borderline" lässt die Scheibe etwas ruhiger ausklingenl, ohne dass man nun dazu "Ballade" sagen könnte. Überraschend jedenfalls und vielleicht sogar ein kleiner Kritikpunkt, da dann dorch irgendwas Kuscheliges fehlt.

Nach wie vor macht es gute Laune, den Jungs zuzuhören ohne sich dabei zu langweilen. Diese Gefahr ist absolut nicht gegeben. Eine leicht härtere Grundausrichtung ohne die flotten Melodien zu vernachlässigen würde ich mir beim nächsten Album aber trotzdem wünschen. 

Nun aber erst einmal "Devil In the Details" wirken lassen und sich auf die bevorstehende Euro-Tour freuen!



Martin






Mittwoch, 1. April 2015

Eldorado - Babylonia Haze


Band: Eldorado
Album: Babylonia Haze
Spielzeit: 54:28 min.
Plattenfirma: East West Records
Veröffentlichung: 20.02.2015
Homepage: www.eldoradorockband.com

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Mad Woman
02. Evil People
03. Breathe the Night
04. Goodbye & Carry On
05. I'll Be Satisfied
06. Flowers of Envy
07. Resurrection Song
08. You Don't Wanna Need Her
09. Karma Generator
10. Moon Girl

Ist es Werbung in eigener Sache, wenn ich euch eine Band vorstelle, für die ich schon seit Jahren als sogenannter Backer im Crowdfunding tätig bin? Ich denke, das ist ok, denn ich bin einfach ein riesiger Fan ihres Sounds, der leider in Germany noch nicht all zu viele Plattenteller erreicht hat. Die Madrilenen von ELDORADO haben bereits drei Alben veröffentlicht (wobei die beiden letzteren in zwei Versionen, englisch und spanisch, erhältlich sind) und mich schon mit dem Debüt "En Busca De Eldorado" völlig gefangen genommen. Die perfekte Kombination aus 70s Hardrock mit modernen Elementen und einem irren Gespür für Melodien hat mich 2008 einfach umgehauen. Auch die Nachfolgealben bieten qualitativ hochwertige Rockmucke, die jedenfalls bei mir, fast täglich rauf und runter läuft. Daher ware es nun an der Zeit endlich eine neue Scheibe aufzulegen. 


Und auch "Babylonia Haze" (bzw. dessen spanischer Zwilling "Karma Generator") bietet alles, was ELDORADO in meinen Ohren so einzigartig macht. Wobei nun der 70s Rock Anteil höher als bei den vorangegangenen Scheiben ist und ich etwas länger gebraucht habe, um Zugang zu finden. Das treibende "Mad Woman" zeigt sogleich, wohin der Hase läuft. Sänger Jesus Trujillo setzt seine markant rauhe Stimme wieder gekonnt ein, Bassist Cesar Sanchez pumpt zusammen mit Drummer Christian Giardino (der anscheinend eben ersetzt werden musste) eine ordentliche Groovespur und die Riffs von Andres Duende sind abermals über jeden Zweifel erhaben. Es hat ja wirklich seinen Grund, dass wir mit "Breathe The Night" (einen wunderbaren Halbballade) und dem genialen "You Don't Wanna Need Her" ELDORADOs neues Album bereits zwei Mal als unseren Tipp der Woche auf Radio Paranoid präsentiert haben. 

Gerade in einer Zeit als die 70er Jahre Retro Bands fast wie Pilze aus dem Boden schießen, ist es eine Wohltat für die Ohren, dass ELDORADO diesen Sound modern angereichert in das 21. Jahrhundert transportieren. Schwache Songs sucht ihr auf "Babylonia Haze" abermals zum Glück vergebens und wer mit fetten Kopfhörern auf den Ohren das melancholische Meisterwerk "Flowers Of Envy" hört, wird sicherlich von Glückshormonen überschüttet. Ebenfalls erwähnen möchte ich noch die wunderschöne Ballade "Moon Girl", die diese 55 Minuten einfach nur träumerisch abschließt. Es gibt für mich nur einen einzigen Grund nicht die volle Punktzahl zu vergeben: Ich glaube, dass ELDORADO noch besser werden. Und es gibt für euch keinen einzigen Grund euch dieses Album nicht allerschnellstens zu kaufen und eine wundervolle spanische Band zu unterstützen, die einfach weiß, wie richtiger Rock zu klingen hat. 

Übrigens sind ELDORADO demnächst in deutschen Gefilden auf Tour. Also Pflichttermin für alle. Doch nun höre ich auf mit dem Gelaber und höre mir die Scheibe einfach wieder von vorne an. Das ist Genuss pur.

Markus



Montag, 16. März 2015

Europe - War Of Kings

Band: Europe
Album: War Of Kings
Spielzeit:  54:11 min.
Plattenfirma: UDR/Hellback Recording

Veröffentlichung: 06.03.2015
Homepage: europetheband.com




Wertung:  8,5 von 10 Punkten 


Tracklist:

1. War Of Kings
2. Hole In My Pocket
3. The Second Day
4. Praise You
5. Nothin To Ya
6. California 405
7. Days Of Rock n Roll
8. Children Of The Mind
9. Rainbow Bridge
10. Angels (With Broken Hearts)
11. Light Me Up
12. Vasastan (Bonus Track Deluxe Edition)




Auch wenn es auch anno 2015 noch immer Stimmen gibt, die wollen, dass Europe ihren süßlichen 80er Sound wiederbeleben: Es wird nie mehr dazu kommen und das ist gut so, und wer derartigs haben will, der labt sich an Eclipse und Konsorten. Mir ist jedoch eine glaubhafte Band im Hier und Jetzt jedenfalls lieber und auch auf "War Of Kings" beweisen Europe, dass sie wohl die glaubhafteste 80er Truppe überhaupt ist. Hier ist eine Band am Werk, die Spass daran hat, klassischen Rock zu zelebrieren. So werden die reinen Melodicfreaks wohl auch diesmal wieder enttäuscht umkehren und behaupten, dass da zu wenig für sie dabei ist. Tja Jungs, da verpasst ihr aber einiges, denn die Platte hat Melodien und Hooks im Überfluss, braucht aber zugegeben einige Durchläufe , ehe sich einem diese auch wirklich endgültig erschließen. Aber soviel Zeit haben die meisten MelRockfreaks anscheinend nicht mehr um sich mit einer Platte eingehend zu beschäftigen.

"War Of Kings" startet fulminant mit dem Titelsong, einer schweren groovigen Hymne und bereits hier fällt auf, dass die Produktion vom Rival-Sons-Hausproduzenten  Dave Cobb absolut top und voluminös ausgefallen ist, viel besser als beim (auch nicht schlechten) "Bag Of Bones"-Vorgänger.
Besonders toll dabei das melodische Solo von Meister Norum, der auf dem neuen Silberling wieder alle Register zieht und der heimliche (oder auch nicht so heimliche) Star der Veranstaltung ist.

Mit "Hole In My Pocket" wird die Geschwindigkeit erhöht. Die harte Abgehnummer hat auch eine klasse Melodie und wird live sicherlich ein absoluter Abräumer werden.
Mit "The Second Day" gibts eine erste Verschnaufpause, wobei auch hier der Chorus gut ins Ohr geht  und Joey Tempest zeigt, dass er auch heutzutage noch zu den Top-Vokalisten im Rockbereich gehört.
"Praise You" fällt  für mich etwas ab, auch eine eher langsame Nummer, die aber im Chorus irgendwie so vor sich hin wimmert. Wenn man einen Kritikpunkt an der Scheibe anbringen möchte, dann sicherlich den, dass es zu viele Songs im gleichen Rythmus gibt, die dann etwas zu langsam angelegt sind. Noch ein oder zwei flottere Tracks hätten das Ganze doch noch ein bisschen auflockern können.

"Nothin To Ya" macht wieder Boden gut, der Chorus kickt, während "California 405" der ideale Wegbegleiter für eine Highwayfahrt durch die Staaten darstellt, einr sehr schöner relaxter Song.

Die Suche nach dem Übertrack hat mit "Days Of Rock and Roll" ein Ende. Auch wenn der Song sehr stark von Lizzy und vor allem Ufo's "Doctor Doctor" beeinflusst ist (manche böse Zungen würden sogar behaupten "abgekupfert") so ist das doch ein wirklicher Hammer, der die Repeattaste herausfordert. Das als Opener bei den Livegigs und die Menge steht Kopf. Sehr geil gemacht!

"Children Of The Mind" erinnert einmal mehr an Purple meets Bad Company. Mic Michaeli's Keys sind meist Hammond-Sounds und die mag man oder mag man nicht. Ich liebe Sie! Mehr als einmal fühlt man sich da an selig Jon Lord erinnert!

"Rainbow Bridge" überrascht durch seine orientalischen Anklänge ala "Kashmir", ehe mit "Angels (With broken Hearts)" die einzige Ballade der Platte abgeliefert wird,

"Light Me Up" beendet den offiziellen Teil der Scheibe zwar wieder mit etwas schnellerem Tempo, ist aber trotzdem der schwächste Song des Albums, auch hier lässt der Chorus doch leicht zu wünschen übrig. 

Wer sich für die Deluxe-Edition entschieden hat, bekommt mit "Vasastan" noch einen erstklassigen Instrumental-Rausschmeisser ins Gepäck, auf dem Maestro Norum wieder zeigt, wo der Hammer hängt.

Lobend zu erwähnen (gerade bei der Deluxe Edition) die tolle Aufmachung (hochwertiges Digipack) und die liebevolle aufwändige künstlerische Gestaltung. Für Leute wie den Rezensenten, der im Zeitalter der Datenfiles so etwas noch zu schätzen weiß, mehr als nur ein extra-Schmankerl.

Mit einigen Abstrichen sowie ein klein wenig Fan-Bonus kann ich "War Of Kings" ohne schlechtes Gewissen 8,5 Punkte verpassen.

Martin