Donnerstag, 23. März 2017

Steel Panther - Lower The Bar

Band: Steel Panther
Album: Lower the Bar
Spielzeit: 39:21 min.
Plattenfirma: Kobalt Label Services
Veröffentlichung: 24.03.2017
Homepage: www.steelpantherrocks.com


WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:
01.Goin' in the backdoor
02.Anything goes
03.Poontang boomerang
04.That's when you came in
05.Wrong side of the tracks (Out in beverly hills)
06.Now the fun starts
07.Pussy ain't free
08.Wasted too much time
09.I got what you want
10.Walk of shame
11.She's tight

Fanthers aufgemerkt! Es gibt Neues von euren durchgeknallten Idolen. Ja, mit "Lower The Bar" veröffentlichen STEEL PANTHER Ihr fünftes Studioalbum (die Rezi zu "Live From Lexxi's Mom's Garage", dem Akustik-Livealbum findet Ihr hier). Und wen wundert es? Es dominiert weiter stark von MÖTLEY CRÜE und KISS beeinflusster Glam Rock bzw. Metal mit den unverändert schlüpfrigen Texten. So ganz ernst nehmen sich die Amis um Sänger Michael Starr sicher nicht, denn die doch sehr pubertären lyrischen Ergüsse funktionieren live besser als auf der Schillerscheibe. Aber das könnte auch an der mehr als nur partytauglichen Mucke liegen und wenn ich das ganze Drumherum mal außen vor lasse, muss ich STEEL PANTHER wieder mal attestieren, dass Sie seit den Glanzzeiten von CRÜE die musikalisch beste Band dieses Genres sind. Auch "Lower The Bar" schraubt die Ansprüche dabei nicht herunter, auch wenn es wörtlich übersetzt dies bedeuten könnte. Die Aussage der Band, es hätte mit einem Liliputaner an der Bartheke zu tun (ähnlich dem Cover) zähle ich mal zum üblichen "Drumherum". 


Mit "Goin' In The Backdoor" startet das Album definitiv furios. Dürfte live zu einem absoluten Kracher werden. Auch bei "Anything Goes" lassen die Jungs nichts anbrennen, mir sind da aber ein wenig zu viele altbekannte Zutaten enthalten. Klar, Glam Metal ist nicht unbedingt innovativ, doch mich reißt der Song nicht ganz so mit. Bei "Poontang Boomerang" kommen wieder die seligen 80er Jahre voll durch. Wäre zu POISON Zeiten ein absoluter Hit geworden und ist auch anno 2017 ein richtig geiler Song mit toller Melodie. Bei der nun folgenden Halbballade "That's When You Came In" muss ich sehr oft an das Akustik Live-Album denken, zu sehr ähnelt der Song den Stücken auf "Live From Lexxi's Mom's Garage". Dürfte meiner Meinung nach ungefähr zur selben Zeit entstanden sein. 

Anschließend folgt mit "Wrong Side Of The Tracks (Out In Beverly Hills)" der für mich beste Song des Albums, der absolut alle Trademarks der Band enthält und mit seinem etwas bluesig-sleazigen Touch das gewisse Etwas besitzt. "Now The Fun Starts" läuft trotz ordentlichem Start etwas an mir vorbei und auch die nächsten drei Stücke reißen mich nicht vom Hocker. Zum Glück sind mit dem bluesigen "Walk Of Shame" und dem ordentlichen CHEAP TRICK Cover "She's Tight", bei dem auch Robin Zander mitwirkt, noch zwei weitere Kracher auf "Lower The Bar" enthalten und trotz manchem nicht ganz so goldenen Moment ist auch das fünfte Studioalbum saustark geworden und reiht sich einwandfrei in die eh schon hochklassige Diskographie der Partyjünger ein. Somit gibt es keine großartigen Überraschungen zu vermelden - wo STEEL PANTHER drauf steht ist auch STEEL PANTHER drin - ohne Kompromisse.

Markus




Sonntag, 19. März 2017

Quinn Sullivan - Midnight Highway


Interpret : Quinn Sullivan
Album : Midnight Highway
Spielzeit : 58:51 Min.
Veröffentlichung : 24.03.2017
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group / Rough Trade
Homepage : www.quinnsullivanmusic.com

Wertung : 6 von 10

Trackliste : 
  1. Something For Me 
  2. Tell Me I'm Not Dreaming 
  3. Midnight Highway 
  4. Crazy Into You 
  5. Eyes For You 
  6. Lifting Off 
  7. She Gets Me 
  8. Rocks* 
  9. Going 
  10. Graveyard Stone* 
  11. Big Sky* 
  12. While My Guitar Gently Weeps 
  13. Buffalo Nickel 
* Bonus Tracks


Irgendwie mag es mir nicht so recht über die Lippen kommen, im Zusammenhang mit meiner bevorzugten Musikrichtung vom bösen Wort "Trendreiterei" zu reden. War es nicht bei Strafe verboten, Bluesrock derart zu verbiegen dass dieser Frühstücksradio-kompatibel wird ? Mir fallen plötzlich ganz schreckliche Versuche von Interpreten ein, die dies einst verbrochen haben und zurecht keine Zukunft damit hatten. 

Bekannt ist auch allgemein, dass die Mascot Label Group ein sehr feines Gespür für Talente aus dem Bereich Rock / Bluesrock hat. Die geben jetzt dem blutjungen Nachwuchsgitarristen Quinn Sullivan mit seinem dritten Album Midnight Highway eine echte Chance. Sullivan weiß offensichtlich was er tut, immerhin antwortete er bereits im zarten Alter von fünf Jahren auf die Frage, was er denn einmal sein wolle, wenn er groß wäre: "Uhmm...Police Officer and Guitar Player"Wie sehr der kleine Fratz und Beatles-Fan schon damals einschlug, solltet Ihr euch übrigens nicht entgehen lassen...



12 Jahre und unzählige Auftritte später, beweist der inzwischen 17 jährige dass er von seinem langjährigen Freund und Mentor Buddy Guy eine Menge gelernt hat. Der talentierte Gitarrist versucht sich auch im Songwriting, darf im Sinne der Anhänger rauerer Töne aber gerne noch noch ein paar Briketts drauflegen. Drei der insgesamt 13 Nummern auf Midnight Highway stammen aus seiner Feder und sind recht seicht ausgefallen. Eyes For You ist ein simpler Ohrwurm, den Quinn gekonnt auf einer Akustikgitarre begleitet...schön aber unspektakulär. Das folgende Lifting Off startet mit einem coolen Funk-Lick, fällt allerdings total poppig aus und überzeugt mich überhaupt nicht. Der dritte Song im Bunde, das melancholische Going, bietet dermaßen viel Pathos, dass mir dazu plötzlich diese unsäglichen Song-Contests einfallen, bei denen sich die Kandidaten beim Covern irgendeiner Chartnummer zum Affen machen und die Drama-Queen geben.

Die andere Seite Quinn Sullivans zeigt einen hochtalentierten Nachwuchsmusiker. Obwohl er sein jugendliches Alter nicht verbergen kann und seine Stimme noch wenig Tiefe hat, versteht er es, dem Titelsong Midnight Higway Leben einzuhauchen und die Akzente mit seinem Instrument zu setzen. In der Beziehung hat sich das "Kid with the Guitar" von seinen Idolen und Bühnenpartnern Eric ClaptonDerek Trucks & Susan Tedeschi und Joe Bonamassa eine Menge abgeschaut. Im Studio sind denn auch ein paar coole Nummern entstanden, Tell Me I'm Not Dreaming hat eine verdammt starke Hookline, sehr wohl auch hier wieder nix für Hardliner...aber wer's ein wenig eingängig mag und auf AOR steht, muss unbedingt reinhören. She Gets Me ist nicht nur eine zarte Liebeserklärung an eine junge Dame sondern vor allem an die erste große Liebe, gefördert durch die große Plattensammlung seines Vaters, die Beatles. Un das pumpende Graveyard Stone stellt dann auch die Anhänger rauerer Töne zufrieden.



Musikalische Unterstützung findet Quinn Sullivan in Keyboarder Reese Wynans, der der Uptemponummer Rocks und erwähntem Graveyard Stone eine fette Orgel spendiert und auch sonst sehr überzeugt. In Michael Rhodes und Tom MacDonald finden sich gleich zwei Bassisten auf der Platte, das Schlagzeug steuerte Produzent Tom Hambridge bei, der darüberhinaus eine blitzsaubere Produktion hingelegt hat.
Bei alledem kann ich nicht verleugnen dass ich trotz der Annahme, in Quinn Sullivan eine Perle der bluesbasierten Rockmusik mit Entwicklungspotential "entdeckt" zu haben, befürchte, dass er in die "Aalglatter Blues mit gesichtsloser Quotenpolitur"-Falle treten könnte. Ich kann nur für mich sprechen, doch ich hoffe dass der Gute im übertragenen Sinne "mit der Gitarre über der Schulter auf den berühmten Zug springt und seinen Blues findet", aber sowas gibt es ja schon lange nicht mehr. 

Das Talent dazu hätte er ganz sicher und vielleicht lässt er sich danach ja nie wieder solche Abgewöhn-Nummern wie das sehr schlimme Crazy Into You oder das noch sehr viel schlimmere Ricky King-Gedenkverbrechen Big Sky komponieren. 

In diesem Sinne... 


Bernd Fischer 

Sonntag, 12. März 2017

Danko Jones - Wild Cat

Band: Danko Jones
Album: Wild Cat
Spielzeit: 38:31 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 03.03.2017
Homepage: www.dankojones.com


WERTUNG: 7 von 10


Tracklist:

1. I Gotta Rock
2. My Little RnR
3. Going Out Tonight
4. You Are My Woman
5. Do This Every Night
6. Let's Start Dancing
7. Wild Cat
8. She Likes It
9. Success In Bed
10. Diamond Lady
11. Revolution (But Then We Make Love)

Die kanadische Rock-Institution DANKO JONES hat noch immer nicht genug und selbstbewusst knallt einem bereits beim Opener das Motto "I Gotta Rock" entgegen. Tatsächlich dominieren auch beim neunten Studioalbum einfach gehaltene Gitarrenriffs, ein wummernder Bass und eine Mischung aus THIN LIZZY, MOTÖRHEAD sowie einem Schuß RAMONES. Also nichts für die Filigran-Abteilung unter euch und auch Hörer, die auf der Suche nach neuem kreativen Output sind, werden bei "Wild Cat" eher den Kopf schütteln und vielleicht sogar der Meinung sein: Kennt man einen DANKO JONES Song, kennt man alle. Gut, soweit möchte ich nicht gehen. 


Denn gerade der bereits erwähnte Opener "I Gotta Rock" ist durch seine Einfachheit und seine Energie absolut mitreißend und wird live sicher zum Kracher werden (Tourdates siehe hier). Auch das folgende "My Little RnR" kann mich überzeugen, das Video dazu habe ich euch unten angefügt. Mit einem ordentlichen Hauch Punk versehen geht für mich auch bei "Going Out Tonight" der Daumen für DANKO JONES nach oben und ich bin bereits voller Vorfreude auf ein Knaller-Album. Als dann bei "You Are My Woman" nicht nur eine Prise THIN LIZZY durchscheint, scheint für mich der Drop gelutscht. Endlich mal ein richtig geiles Album ohne Ausfälle. 

Doch zu früh gefreut. Denn danach geht DANKO JONES ordentlich die Puste aus. "Do This Every Night" ist dann so stumpf und stupide, der Druck zur Skip-Taste wird einfach unvermeidlich. Besonders nach dem vierten oder fünften Durchlauf. Und auch das folgende "Lets Start Dancing" kann mir nur ein müdes Gähnen entlocken, zwar flott und schnell gespielt, aber so völlig nichtssagend. Zum Glück kann der Titeltrack "Wild Cat" mit seinen 70er Jahre Einflüssen einen besseren Eindruck hinterlassen, aber so richtig warm werde ich mit dem Album nicht mehr. Trauriger Tiefpunkt: das abschließende "Revolution (But Then We Make Love)" - einfach nur öde. 

So bleiben in meinen Ohren nur die saustarken ersten vier Stücke sowie der Titeltrack hängen und der Rest verschwindet im Nirvana. Nichts neues also bei DANKO, der Stil unverändert und wieder eine Handvoll guter Songs. Mehr als knappe 7 Punkte kann ich da aber wieder mal nicht geben. 

Markus


 

Samstag, 11. März 2017

Mothership - High Strangeness

Band : Mothership
Album : High Strangeness
Spielzeit : 33:42 Min.
Veröffentlichung : 17.03.2017
Plattenfirma : Heavy Psych / Cargo
Homepage : www.mothershiphaslanded.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. High Strangeness
  2. Ride The Sun
  3. Midnight Express
  4. Crown Of Lies
  5. Helter Skelter
  6. Eternal Trip
  7. Wise Man
  8. Speed Dealer

Adam Burke ist ein Künstler aus Portland, Oregon. Er kreiert phantastisch-fantasievolle Bilder, die durchaus als echter Hingucker bezeichnet werden dürfen. Mothership sind ein "Supersonic Intergalactic Heavy Rock Trio" aus Dallas.

Und man kann es drehen und wenden wie man will...selbst wenn die Beiden auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben, sollte man ab hier Augen und Ohren offen halten. Es wäre immerhin nicht das erste Mal, dass ein aussagefähiges Cover Türöffner für den Erfolg einer Platte ist. Oder umgekehrt. Selbige hört übrigens auf den Namen High Strangeness und wird in den nächsten Tagen von Heavy Psych/Cargo auf ihre intergalaktische Reise geschickt.

Mothership, das sind Kelley (Gitarre / Vocals) und Kyle Juett (Bass / Vocals) die gemeinsam mit Drummer Judge Smith für eine kurzweilige halbe Stunde fetten 70er-Jahre Hardrocks sorgen, der nach eigenem Bekunden an einen Mix aus "UFO und Iron Maiden, veredelt mit dem Südstaatencharme von Molly Hatchet und ZZ Top, gepaart mit einem tödlichen Schuss Black Sabbath" erinnert.



Was soll ich sagen, der Vergleich stimmt tatsächlich so....High Strangeness entgleitet auf einem spacig-instrumentalen Intro in einer Hawkwind-/ Monster Magnet Manier in seine Umlaufbahn. Ride The Sun lautet das acidschwangere Motto des schleppend-doomigen Eternal Trip. Mit Midnight Express legen Mothership eine kurze Judas Priest-Gedenkminute ein und begeben sich nach dem groovenden Helter Skelter auf die Suche nach der Crown Of Lies. Dort verweilt das Mutterschiff ein wenig zum durchatmen, genießt Kelley's Gitarrenkünste, um an der nächsten Station den Wise Man und im riffgewaltigen Finale Furioso mit scheppernden Drums ihren Speed Dealer zu finden. 

Der Soundtrack der Album-Story gestaltet sich höchst unterhaltsam, schwere Stoner-Handarbeit mit 80er Jahre-Metal Anleihen geht Hand in Hand mit ruppigen Lava-Riffs, die phasenweise einen heftigen Doom-Einschlag vererbt bekamen. Mothership haben das Rad der Metal-Geschichte (natürlich) nicht neu erfunden und erfreulicherweise davon abgesehen, sich stumpf auf irgendeinen Zug zu setzen. Kommt hinzu daß sich das Trio im einen oder anderen Moment ein wenig holprig präsentiert, was mir allerdings nichts ausmacht. Der Mix aus harten Gitarrenbrettern, erfreulich roh klingenden Drums, und dem sehr gut hörbaren Bass ist das kernige Resultat eines hart arbeitenden Dreiers und dessen Produzenten Ryan Lee. Der rauhe Gesang von Kelley verpasst dem Ganzen dann noch die knackige Schale und fertig ist das Metal-Flugobjekt, das Mutterschiff, welches am Ende seiner Reise sicher noch manchen Planet erkunden und einige Trips erleben wird.

Mir schwant dass uns noch einiges erwartet mit dem Trio aus den Staaten und vergebe für die vierte Platte der Amis sieben fette Punkte mit Potential nach oben.

Bernd Fischer

Mittwoch, 1. März 2017

Bonafide - Flames

Band: Bonafide
Album: Flames
Spielzeit: 41:40 min.
Plattenfirma: Off Yer Rocka Records
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.bonafiderocks.com


WERTUNG: 7,5 von 10


Tracklist:
01. Back In Flames
02. Smoke & Fire
03. Power Down
04. Bottle Of Jack
05. Written In Stone
06. Like It Now
07. Keep A Safe Distance
08. Gotta Go
09. Flipside Groovin'
10. Under Your Spell

Dass in Schweden durchaus einige richtig geile Hardrock Kapellen beheimatet sind, dürfte den meisten sicher bekannt sein. So zählen BONAFIDE's Labelkollegen IMPERIAL STATE ELECTRIC zu meinen absoluten Faves und zu den stärksten momentan aktiven Gruppen. Auch BONAFIDE haben bei mir bereits mit Ihrem letzten Album "Denim Devils" anno 2015 Eindruck hinterlassen, da mir die stark ACDC getränkte Mixtur aus CRUCIFIED BARBARA und AIRBOURNE wirklich gut gefiel und auch heute bei mancher langen Autofahrt in den Player geschoben wird.


"Flames" nennt sich nun zum 10-jährigen Bandjubiläum der siebte Longplayer der Jungs und geändert hat sich zu den Vorgängern nicht viel. Es dominiert erdiger Hardrock, der sehr stark australisch geprägt ist. Das beginnt bereits beim Opener "Back In Flames", der auch gut und gerne von Mr. Young eingespielt hätte können. Die hervorragende Produktion der Scheibe tut ein übriges, um bei mir die Zehen im Takt wippen zu lassen. Der stampfende Refrain beim folgenden "Smoke And Fire" könnte auch von KISS stammen. Genau, eine Mischung aus KISS und ACDC stellt dieser Song dar und ist in meinen Ohren ein richtiger Hit geworden. Klar kommt einem alles irgendwie schon bekannt vor, da BONAFIDE sicher keinen progressiven Kreativitätspreis gewinnen möchten, es macht aber irre Spaß. Wobei "Bottle Of Jack" schon mehr als nur eine Hommage an ACDC darstellt, dies ist im Grunde eine originelle Kopie von "Jailbreak".

Warum gebe ich dann in der Endabrechnung nur gefällige 7,5 Punkte, werdet Ihr mich fragen. Naja, das hat schon seinen Grund, denn auf "Flames" haben sich durchaus auch einige eher durchschnittliche Stücke geschlichen ("Written In Stone", trotz starkem Background Gesang oder "Keep A Safe Distance") und BONAFIDE schaffen es abermals nicht eine eigene Note in Ihren Sound einzubringen. Wer aber nur auf der Suche nach einer partytauglichen Mucke ist und genug von den üblichen Verdächtigen hat, sollte sich BONAFIDE auf den Einkaufszettel schreiben. Ich groove jetzt nochmal ordentlich mit "Like It Now" ab, welches wieder einen sehr eingängigen Refrain zu bieten hat und freue mich, dass neben dem Frühling auch weiterhin coole Platten ins Jahr 2017 Einzug halten. 

Markus

Dienstag, 28. Februar 2017

The Blues Band - The Big Blues Band Live Album


Band : The Blues Band
Album : The Big Blues Band Live Album
Spielzeit : 121:06 Min.
Veröffentlichung : 10.03.2017
Plattenfirma : Repertoire Records / H'Art
Homepage : www.thebluesband.net

Wertung : 6 von 10

Trackliste CD1 :
  1. Flatfood Sam
  2. Find Yourself Another Fool
  3. The Duisburg Blues
  4. I Can't Tell It All
  5. I'm Longing For You Baby
  6. Bob's Boogie
  7. Down To The River
  8. Fat City
  9. Hallelujah I Love Her So
  10. Cold Emotions
  11. Killing Me By Degrees
  12. Back Door Man
Trackliste CD2 :
  1. Big Fine Girl
  2. Might As Well Be Me
  3. So Lonely
  4. Someday Baby
  5. Treat Her Right
  6. I Can't Be Satisfied
  7. The Bad Boy
  8. So Bad
  9. Talk To Me Baby

Kurz nachdem mir der Postbote neulich die CD des US-Nachwuchsbluesers Quinn Sullivan (demnächst hier) und die Zukunft dieser Musikrichtung servierte, ließ er mich ein paar Tage später direkt in den Rückspiegel blicken. Die Briten von The Blues Band gehen verdächtig auf Ende 70 zu und dürfen somit respektvoll als Altherrenriege bezeichnet werden. Seit 38 Jahren veröffentlicht die Band Alben und bringt in den nächsten Tagen eine wiederentdeckte Liveaufnahme aus dem Londoner Town & Country Club aus dem Jahr 1991 als Vorgeschmack auf das nächste Studioalbum auf den Markt.

Bekanntestes Mitglied der 5-köpfigen Band dürfte Paul Jones sein. Der Sänger und Harpspieler spielte einst mit Alexis Korner, Mick Jagger und Brian Jones und gründete in der Beatzeit Mitte der 60er gemeinsam mit Manfred Mann dessen gleichnamige Band. Wer erinnert sich nicht an Hits wie Ha Ha Said The Clown, Just Like A Woman oder auch Mighty Quinn. Gemeinsam mit den Gitarristen Tom McGuiness und Dave Kelley, der mit Muddy Waters und John Lee Hooker spielen durfte, Bassist Gary Fletcher und Schlagzeuger Hughie Flint, der später durch Rob Townsend abgelöst wurde, gründete Paul Jones 1979 die Blues Band.

Nun ist es sicher so, dass jeder von Euch seine musikalische Vorlieben innerhalb eines Genres hat. Und dieser unspektakulär-glatte Rhythm & Blues der Blues Band will mich persönlich einfach nicht packen. Ich bin wahrlich kein Verfechter der überflüssigen als auch vielfach widerlegten Meinung, wonach nur schwarze Musiker den Blues haben können, doch mir ist die Musik der Briten einfach zu zahm und zu poliert, ich möchte mindestens das Gefühl haben dass die Musik halbwegs authentisch ist. Und da überzeugt mich die Blues Band weder mit ihren Studioplatten, noch mit dieser Liveaufnahme, die für mich eher nach einer Hochzeitsveranstaltung als nach einem schwitzigen Blueskonzert klingt. 


Die Aufnahmequalität ist soweit in Ordnung, obwohl ein wahrnehmbares Grundrauschen den Hörgenuss schon ein wenig trübt. An der Setlist des Gigs gibt es für Fans der Band hingegen überhaupt nichts zu meckern, mit zwei Stunden bekamen die Gäste des ausverkauften Abends wahrlich etwas geboten. Die Blues Band spielte, verstärkt durch die Bläsersektion The Rumour Brass (>>Graham Parker & The Rumour) und den Kokomo Singers neben Songs des damals neuen Fat City-Albums einen bunten Querschnitt der Bandklassiker als auch Standards von Muddy Waters, Willie Dixon, Ray Charles und Elmore James. Liebhaber dieser Musik werden einen schönen Abend gehabt haben, die Reaktionen des Publikums sprechen für sich. Schön finde ich auch, dass wir ein weitestgehend ungeschnittenes Konzert hören dürfen. Das ist mir persönlich deutlich lieber als hochpolierte und bis zum Erbrechen nachbehandelte "Livealben". 

Insgesamt erinnert die Musik der Blues Band etwas an die Fabulous Thunderbirds, lässt aber leider dessen Spritzigkeit und Spielwitz vermissen. Schade auch die Tatsache dass wir auf den einzigen "Hit" der Band, das Dylan-Cover Maggie's Farm, verzichten müssen. 
In der Endabrechnung packt mich die Platte leider überhaupt nicht, obwohl es grundsätzlich wenig zu motzen gibt, es hat einfach nicht sollen sein.


Bernd Fischer

Sonntag, 19. Februar 2017

Eric Gales - Middle Of The Road


Interpret : Eric Gales
Album : Middle Of The Road
Spielzeit : 49:42 Min.
Veröffentlichung : 24.2.2017
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group
Homepage : www.ericgalesband.com

Wertung : 7 von 10 

Trackliste:
  1. Good Time
  2. Change In Me (The Rebirth)
  3. Carry Yourself
  4. Boogie Man (feat. Gary Clark Jr.)
  5. Been So Long
  6. Help Yourself (feat. Kristone “Kingfish” Ingram)
  7. I've Been Deceived
  8. Repetition (feat. Eugene Gales)
  9. Help Me Let Go
  10. I Don't Know
  11. Swamp

Wie viele hörenswerte Gitarristen wir hier schon für uns entdeckt und Euch nahegelegt haben...ich weiß es nicht. Die Gitarre ist immerhin DAS Instrument, bei dem unser aller Herz ganz besonders aufgeht. Und jetzt kommt auch noch jemand daher, der nicht nur eine besonders innige Beziehung zu seinem Instrument pflegt, sondern auch noch, wie sein großes Vorbild Jimi Hendrix, eine "left handed & upside down Guitar" spielt. Sprich, Eric Gales spielt eine Linkshändergitarre (als Rechtshänder) und zieht die Saiten von oben nach unten auf. Ganz nebenbei schüttelt er sich Licks, Riffs und Fingerverrenkungen jeglicher Art so selbstverständlich aus dem Ärmel als würde unsereins sich ein Marmeladenbrot schmieren... 

Beweise ? Bitte sehr...

Der Mann hat neben aller Gitarrenkunst aber auch eine reichlich bewegte Vergangenheit in seiner Vita stehen. Nebst Knastaufenthalt wegen Drogen- und Waffendelikten ist er seit einiger Zeit frei von Rauschmitteln und widmet sich nun wieder intensiv seiner Musik. Gales Kindheit ist geprägt durch ein religiöses und musikalisches Elternhaus. Seine älteren Brüder hörten Musik von Albert King, Blues Cheer bis King's X und lehrten ihn das Gitarrenspiel auf erwähnter Gitarre für Linkshänder. Dabei blieb es und so darf der Mann aus Memphis, Tennessee durchaus als Unikat bezeichnet werden.

Sein inzwischen elftes Album steht für die Kehrtwende im Leben des 43-Jährigen:
Um sich wirklich frei zu fühlen, muss man leider erst einige Dinge selbst durchmachen. Und ich fühle ich mich so frei wie nie zuvor in meinem Leben, mehr noch wie als Kind. Du musst Dir erst selbst helfen können, bevor Du anderen helfen kannst.“
Der Titeltrack Middle Of The Road zieht sich wie ein roter Faden durch sein neues Werk. „Es handelt davon, völlig zentriert und mit sich selbst im Reinen zu sein. Wenn Du Dich auf der falschen Seite der Straße oder auf dem Seitenstreifen befindest, fühlst Du Dich nicht gut. Auch nicht, wenn Du auf dem Mittelstreifen herumeierst. Die beste Position auf Deiner Reise ist die absolute Mitte.“, so Gales

Songtitel wie Change In Me (The Rebirth), Help Yourself oder I've Been Deceived sprechen eine deutliche Sprache, musikalisch setzt Eric Gales diese um, wie ein Gitarrist seiner Güte das in aller Regel tut; er dominiert mit seinem Instrument, vernebelt seine Songs aber glücklicherweise keineswegs damit. So bleibt immer wieder Zeit für seine musikalische Vergangenheit, Repetition zum Beispiel wäre mühelos als Sign "☮" the Times (Prince) durchgegangen, das funkige I Don't Know darf als Remiszenz an Doug Pinnick (King's X) gelten, mit dem zusammen er unter dem Projektnamen Pinnick-Gales-Pridgen zwei Alben einspielte. 


Gitarre und Bass spielte Eric übrigens selbst ein, ansonsten ließ er sich von Aaron Haggerty (Schlagzeug), Dylan Wiggins (B3 Orgel), LaDonna Gales (Backgroundgesang) und Maxwell “Wizard” Drummey (Melotron) unterstützen. Middle Of The Road wurde zusammen mit Produzent Fabrizio Grossi in mehreren Studios, darunter das Room A Studio und Fab’s Lab, beide in North-Hollywood, das Cuz Studio and Sound in Cleveland sowie das Cotton Row Studio in Memphis aufgenommen.

Mein Highlight der Platte, nicht nur wegen des Reggae-Ohrwurmcharakters, sondern hauptsächlich wegen der inhaltlichen Rückblende auf seine Vergangenheit mit all seinen Verfehlungen und Tiefschlägen, ist das entspannte Been So Long
„Ursprünglich lautete der Titel ‚It’s Been Too Long‘ – es hat zu lange gedauert, bis ich mir selbst eine Chance gab um wieder aufzublühen. Ich startete meine Karriere 1991, doch erst jetzt habe ich wieder einen freien Kopf für mich und meine Musik. Ich durchlebte einige harte Zeiten und verleugnete mich selbst. Das werde ich nie wieder tun, diesen Teil habe ich hinter mir gelassen. Als ich Lauryn Hill den Rhythmus zu ‚Been So Long‘ schickte, sagte sie sofort ‚Das ist heiß!‘ Ich beschrieb ihr, wie ich mir den Song ungefähr vorstellte: dass es lange her gewesen sei, dass ich in meinem Leben eine richtige Chance bekommen hätte. Durch ihre Mithilfe wurde der Song zu etwas ganz Besonderem. Sie ist eine großartige Künstlerin und es war eine wundervolle Zusammenarbeit.“

Das treibende, etwas monotone Instrumental Swamp beendet die Platte, mit der Eric Gales, dem ich auf diesem Wege alle Kraft der Welt wünsche, seinen Weg raus aus der Drogensucht und Kriminalität verarbeitet. Man kann ihm und allen Menschen in ähnlichen Situationen nur die Daumen drücken, stark zu bleiben und nicht rückfällig zu werden. 

Schwer genug wird es vermutlich werden.

Bernd Fischer

Axxis - Retrolution

Band: Axxis
Album: Retrolution
Spielzeit: 44:52 min.
Plattenfirma: Phonotraxx
Veröffentlichung: 24.02.2017
Homepage: www.axxis.de

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Burn! Burn! Burn!
02. All my friends are liars
03. Dream Chaser
04. Burn down your house
05. Rock the night
06. The world is mine
07. Do it better
08. Queen of the wind
09. Seven Devils
10. This is my day
11. Somebody died at the party
12. Heavy Metal Brother
13. Welcome to my nightmare

Nachdem AXXIS Sänger Bernhard Weiss erst vor einigen Wochen mit dem Kulturpreis seiner Heimatstadt Lünen ausgezeichnet wurde und damit endlich wieder ein Künstler aus dem Rock-/Metal-Bereich die Anerkennung erhält, die er längst verdient hat, gibt es nun auch neues Material seiner Band AXXIS. Zusammen mit seinem eingespielten Team aus Harry Oellers, Rob Schomaker, Dirk Brand und Stefan Weber liefern die Melodic Metaller mit "Retrolution" genau das ab, was der geneigte Fan erwartet. Nämlich "Retro"-80er Jahre Mucke in das neue Jahrtausend evoluiert. Naja das Wortspiel aus "Retro-" und "Evolution" hätte ich jetzt sicher besser ausflösen können, mir fehlt aktuell aber die Kreativität. Diese findet sich aber zur Genüge auf dem Album. 


Während beim Opener "Burn! Burn! Burn!" nicht nur der klassische Hardrock regiert, sondern ein klares Blues-Gerüst darunter gelegt wurde, überrascht mich "All My Friends Are Liars" mit fast schon Angus Young-artigem Gitarrenspiel und einem fröhlichen Refrain, der schon beim ersten Hördurchgang zum Mitsingen animiert. Und was wichtig ist, auch nach 20maligem Hören, reißt der Song noch immer mit. Wie überhaupt die positive Grundstimmung des kompletten Albums keinen kalt lassen dürfte. Mich jedenfalls nicht. Und das ist genau das, was gute Musik ausmacht - sie berührt emotional. "Dream Chaser" benötigt ein paar Durchgänge mehr, ist etwas sleaziger gehalten und ein wenig zuckersüß hinsichtlich der Melodien. Doch der nun folgende Spannungsaufbau der Halbballade "Burn Down Your House" macht vieles wieder wett. Absolut genial, wenn mir persönlich auch die Keyboards dabei etwas zuviel sind. "Rock The Night" ist klassischer AXXIS-Stuff und dürfte live für viel Stimmung sorgen. 

Doch was dann kommt, ist einfach überragend. Denn das famose "The World Is Mine" mit leichten Western-Blues-Anleihen, der stampfende Bluesrock-Song "Do It Better" mit einem genialen Refrain und die gefühlvolle Ballade "Queen Of The Wind" sind allesamt einfach großartig. "Seven Devils" ist anschließend klassisch und gut, ehe mit "This Is My Day" wieder ein Volltreffer folgt. Ich habe "This Is My Day" einfach mal den "Tschakka-Song" getauft. Denn egal mit welcher Stimmung du früh auch aus dem Bett kriechst und vielleicht ein mulmiges Gefühl über den kommenden Tag in der Bauchgegend hast - (es steht ein Gespräch mit deinem Chef an) - Lautstärke weit noch oben drehen und dich kann nichts mehr aufhalten. 

Danke AXXIS für diesen Kracher. Und danke für 13 starke Songs, fast 30 Jahre Live-Aktivitäten, unzähligen Hits und einem 14. Album namens "Retrolution", das sich wirklich gewaschen hat. Wird für mich mal wieder Zeit die Jungs auch live wieder zu Genießen, wär nicht das erste Mal :-) "Retrolution" zählt für mich zu den Highlights in diesem Jahr und reiht sich in der AXXIS-Discographie zu Klassikern wie "Kingdom Of The Night" oder "Eyes Of Darkness" ein.

Markus

Sonntag, 12. Februar 2017

Virgin Steele - Visions Of Eden (Re-Release)


Band : Virgin Steele
Album : Visions Of Eden
Spielzeit : CD1 79:37 Min. - CD2 79:30 Min.
Veröffentlichung : 17.02.2017
Plattenfirma : SPV / Steamhammer 
Homepage : www.virgin-steele.com

Wertung : 5 von 10
Trackliste :


  1. Immortal I Stand ( The Birth Of Adam)
  2. Adorned With The Rising Cobra 
  3. The Ineffable Name
  4. Black Light On Black
  5. Bonedust
  6. Angel Of Death
  7. God Above God
  8. The Hidden God
  9. Childslayer
  10. When Dusk Fell
  11. Visions Of Eden

Über Sinn oder Unsinn, ältere Alben zu überarbeiten (Remastern/Remixen), lässt sich ja trefflich streiten. Bei vergriffenen Raritäten macht das Sinn...schlecht gemixte oder muffig klingende Alben zum Besseren aufzupeppen, ist ebenfalls eine gute Idee. Steven Wilson macht das ja im Prog-Sektor derzeit exzellent vor. Aber was soll ich davon halten, wenn eine Platte bereits elf Jahre nach der Erstveröffentlichung an der Reihe ist ? 

Virgin Steele-Mastermind David DeFeis legt seine Werke ja seit Jahren in chronologischer Reihenfolge neu auf und spendiert ihnen oftmals eine feudale Anzahl von Bonustracks, Remixes usw.. Wir berichteten vor gut einem Jahr noch über den gelungenen House Of Atreus Re-Release und rechneten aufgrund der noch "taufrischen" Folgealben eher mit einer längeren Pause in dieser Angelegenheit. Aber Mr.DeFeis zieht das offensichtlich durch und präsentiert dieser Tage den Nachfolger Visions Of Eden. Da wir neugierig sind, ließen wir das Teil natürlich kommen...

Irgendwann in der Zeit nach dem erfolgreichen House-Projekt müssen Herrn DeFeis wohl ein wenig die Ideen ausgegangen sein. Mit Hymns To Victory und The Book Of Burning erschienen 2001 und 2002 zwei Compilations, auf denen neue Versionen älterer Songs und Klassiker präsentiert wurden. Mir gefiel das damals ganz gut, aber der aufmerksame Hörer bemerkte schon einen ersten Wandel. Die Zweitverwertung des prächtigen VS-Backkataloges ersetzte zunehmend den kreativen Prozess, zudem erwuchs in David DeFeis offensichtlich der Glaube, dass er als alleiniger Produzent seiner Werke am besten geeignet wäre und die Verwendung von Drum-Computern, Schwurbelbässen und Yogurette-Gitarren ein Segen für die Musikwelt sei.

Leider begann mit Visions Of Eden (das erstaunlich gute Kompositionen enthält), der leise Abstieg der ehemaligen Powermetal-Institution Virgin Steele. Fake-Drums hin-oder her, wenn man das schon macht, warum dann nicht vernünftig ? Wer mag sich ernsthaft ein Geräusch anhören, welches zwar irgendwie an eine Bass-Drum erinnert, in Wirklichkeit aber nahezu zehn Minuten lang wie ein Duracell-Männchen auf Speed im immergleichen, monotonen Beat dahinrattert ? Wer möchte sich fast achtzig Minuten lang krampfhaft konzentrieren um die seltenen Momente, in denen die Gitarre von Josh Block zu hören ist, nicht zu verpassen ? Einen Bassisten gibt es laut Booklet erst gar nicht, auf diesen Knopf hat David DeFeis wohl auch persönlich gedrückt, wobei, irgendwie ist das dann auch schon wieder egal. Dafür sprechflüstert der einstige Sangesgott jetzt größtenteils, statt zu powern. 

Gelegentliche Momente hat Visions Of Eden letztlich doch, wie erwähnt tummeln sich wundervoll komponierte Songs auf der Platte, zudem verarbeitet DeFeis auch diesmal wieder ein Thema (Adam&Eva, Apfel, Rippe und so weiter), mit dem man sich stundenlang befassen kann, was die Sache für mich als alter VS-Fan umso schwerer macht. 

Bonedust zum Beispiel. Ein (hurra, eine GITARRE!!!), hartes Rotz-Riff, ein künstliches aber doch irgendwie an ein echtes Schlagzeug erinnerndes Stakkato-artiges Etwas, Tempowechsel, Breaks und ein knorkes Gitarrensolo im Mittelteil. Der Song bleibt auf jeden Fall hängen und macht Hoffnung auf mehr, denn Songs schreiben kann der klassisch ausgebildete Sohn einer Musikerfamilie wie kaum ein anderer. Angel Of Death treibt einem fast die Tränen der Rührung in die Augen, DeFeis singt nahezu solo, begleitet sich mit seinem Keyboard selber. Der Haken an der Sache ist aber; er schlachtet die meisten Nummern bis zum Erbrechen aus. Irgendwie ist man stets froh, wenn Feierabend ist.

Ein paar Tage, bevor ich die aktuelle Version im Briefkasten hatte, habe ich mir Visions Of Eden noch ein paar mal angehört, nur um frische Eindrücke zu bekommen. Umso größer das Erstaunen als die aktuelle Version lief und sich außer einem größeren "Dynamikumfang" (so nenne ich das Anheben von Lautstärke jetzt einfach mal ), nicht allzu viel getan hat. Insgesamt klingt der Remix schon knackiger, keine Frage. So lassen sich plötzlich Crash-Becken orten (die übrigens jetzt rechts liegen und nicht mehr irgendwo im linken Kanal) und alles wirkt insgesamt griffiger. Da ich aber angesichts der schlechten Urfassung insgeheim mit mehr gerechnet habe, bin ich schon ziemlich enttäuscht, denn letztlich dreht man jetzt den Lautstärkeregler nur ein wenig runter, weil die CD sonst zu laut klingt. Ich bin aber kein Tontechniker und kann nur meine subjektiven Eindrücke schildern. 


Zur Veranschaulichung habe ich einmal die ursprüngliche Version (oben) von Bonedust mit Audacity sichtbar gemacht und dann die von CD1 der vorliegenden Neuauflage darunter gelegt. Um es kurz zu machen...über eine Neuanschaffung werden VS-Fans natürlich nicht nachdenken, alle anderen müssen sich die Frage stellen, ob man die Knete nicht auch anderweitig investieren könnte.  

Im Booklet findet sich leider kein Wort zum Grund der Aktion, kein Hinweis auf Fehler, die 2006 gemacht wurden, die jetzt wie und weshalb verbessert wurden. Nichts dergleichen.

Für mich ist dieser Re-Release somit eher eine Enttäuschung. Ich gebe 6 Punkte für die Platte selber und ziehe einen wieder ab für die Überflüssigkeit der Aktion.


Bernd Fischer

Mittwoch, 1. Februar 2017

Thunder - Rip It Up

Band: Thunder
Album: Rip It Up
Spielzeit: 51:13 min.
Plattenfirma: earMusic
Veröffentlichung: 10.02.2017
Homepage: www.thunderonline.com


WERTUNG: 7 von 10


Tracklist:
1. No One Gets Out Alive
2. Rip It Up
3. She Likes The Cocaine
4. Right From The Start
5. Shakedown
6. Heartbreak Hurricane
7. In Another Life
8. The Chosen One
9. The Enemy Inside
10. Tumbling Down
11. There's Always A Loser

Ziemlich genau vor 2 Jahren hat mich das "Quasi-"Comeback der Briten THUNDER fast vom Hocker gerissen und ich konnte fette 9 Punkte für das wundervolle "Wonder Days" zücken. Hier die Rezension dazu. Auch heute, etwa 720 Tage später, lege ich die Scheibe noch sehr gerne in den Player und höre mir starke Hardrock-Songs wie den Titeltrack oder das geniale "Resurrection Day" immer wieder an. Um so mehr freute es mich, dass wir Fans diesmal nicht geschlagene 6 Jahre auf neuen Stoff warten musste. Ehrlich gesagt, befürchte ich fast, mit viel zu hohen Erwartungen an "Rip It Up" heran gegangen zu sein. 


Denn auch nach mehr als zwei Dutzend intensiven Hördurchläufen reisst mich "Rip It Up" nicht so mit, wie zuvor Album Nummer 10. Elf Stücke sind auf dem elften Album und natürlich haben THUNDER es nicht verlernt, blues-getränkten Hardrock einzuspielen. Mir fehlen jedoch diesmal die wirklichen Höhepunkte und einige der Songs klingen schon verdammt ähnlich. 

Und dabei beginnt auch "Rip It Up" wirklich nicht schlecht. Schon das erste Riff bei "No One Gets Out Alive" ist irre eingängig und eine richtig geile Melodie ist auch vorhanden. Doch der entscheidende Funke springt nicht sofort über. Dafür zündet anschließend der Titeltrack, trotz einer doch stark einfach gehaltenen Strophe, mit einem geilen Refrain und THUNDER liefern einen Mid-Tempo-Stampfer, der sich gewaschen hat. Sänger Danny Bowes klingt natürlich nicht mehr nach dem Jungspund von 1989/90, weiss seine Stimme aber perfekt dosiert einzusetzen. Davon lebt z.B. auch "She Likes The Cocaine", welches mir zusätzlich mit einem geilen Rock N Roll Touch und hämmernden Tastenanschlägen gefällt. Mit "Right From The Start" beginnt dann aber mein Lächeln einzufrieren. Die Ballade ist mir ehrlich viel zu eintönig geraten und THUNDER schaffen es nicht, mich in irgendeiner Weise emotional zu berühren. Läuft einfach vorbei. Gleiches gilt für das folgende "Shakedown", das zwar entfernt an eine Mischung aus ACDC und CHRIS REA erinnert (fragt mich bitte nicht nach dem Warum, das sind die einzigen beiden Assoziationen, die ich persönlich vor mir habe).  

Natürlich haben THUNDER nach 30 Jahren im Geschäft (mit zwei Auflösungs-Pausen) Ihr Geschäft nicht verlernt, doch ich werde das Gefühl nicht los, dass die Ideen diesmal nicht so flossen und der Kreativität Grenzen gesetzt wurden. Besonders "Tumbling Down" wiederholt sich im Grunde ständig selbst, und das mitten im Song. Was bleibt sind insgesamt 3-4 gute bis starke Songs und leider sonst viel Mittelmaß. Wie gesagt war meine Erwartungshaltung vielleicht zu hoch, aber ich kann diesmal guten Gewissens für ein Album knapp über Durchschnitt wirklich nur 7 Punkte geben. Verdammt schade. Denn mit einem zweiten "Wonder Days" hätten die Briten bewiesen, dass nicht nur Whisky mit der Zeit immer besser wird. 

Markus


 

Mittwoch, 25. Januar 2017

Gotthard - Silver






Band: Gotthard
Album: Silver
Spielzeit: 56:12 min.
Plattenfirma: G. Records
Veröffentlichung: 13.01.2017
Homepage: gotthard.com





Wertung:  7 von 10

Tracklist:

01. Silver River 
02. Electrified 
03. Stay With Me 
04. Beautiful 
05. Everything Inside
06. Reason for This 
07. Not fooling Anyone
08. Miss Me
09. Tequila Symphony No.5 
10. Why 
11. Only Love is Real 
12. My oh My 
13. Blame on Me 
14. Walk On (Bonus Track) 
15. Customized Lovin (Bonus Track)  




 
Gotthard haben mittlerweile auch schon stolze 25 Jahre auf ihrem Buckel, die geprägt waren von vielen Höhen und einigen Tiefen, vor allem natürlich dem tragischen Tod von Ausnahme-Fronter Steve Lee in 2010.
Nic Maeder war nicht zu beneiden als er dessen Erbe anzutreten hatte aber nach mittlerweile 3 Scheiben kann man ihm durchaus konstatieren, dass er seine Sache mehr als respektabel macht.
War die erste Scheibe mit ihm noch etwas unausgegoren und sehr rauh, war "Bang!" aus dem Jahr 2013 eine erhebliche Steigerung. Um es vorwegzunehmen: "Silver" schafft es nicht ganz, das hohe Niveau des Vorgängers zu halten. 

Woran liegt es? Zum einen fehlt diesmal ein Übersong ala "Remember It's Me". Andererseits gibt es auch keinen glatten Ausfall zu beklagen. Mein Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass für meinen Geschmack definitiv zu viele ruhige Songs im Gepäck sind , die zwar allesamt nicht schlecht sind aber irgendwie den" Flow" eines hochkaratigen Albums stört. Manchmal denkt man sich nur noch "nicht schon wieder eine Ballade". 

Sind die ersten beiden Tracks noch flotte old-school Gotthard-Rocker wird mit der ersten Single "Stay with Me" ein Ganz zurück geschaltet. "Beautiful" ist AOR in Reinkultur und ein guter Ohrwurm aber eben auch eher was für die Kuschelrockfreunde. Nach dem flotten Aufbäumen mit "Everything Inside" ist dann erstmal Schluss mit Rockig:  "Reason for This" sowie "Not Fooling Everyone" sind klassiche Gotthard Balladen. "Miss Me" hat einen etwas bluesigeren Touch  ist aber auch sehr zurückgefahren. Das sind einfach zu viele langsame Stücke hintereinander. Wie gesagt allesamt von sehr hoher Qualität aber man hat manchmal das Gefühl man hat einen Gotthard-Balladensampler und nicht die neue Scheibe vor sich.

Endlich wird es mit "Tequila Symphony No. 5" wieder flotter, zudem auch noch experimenteller, da bei dem Song Beethoven zitiert wird und ein Orchester zum Einsatz kommt, welches hervorragend mit den harten Gitarren harmoniert. Mit der beste Song auf "SIlver".

Dem folgt aber gleich der schwächste auf dem Fuss: "Why" schaltet wieder zwei Gänge herunter und hier ist der Refrain mit dem langgezogenen "Whyyyyyy" manchmal etwas arg nervig - sorry Jungs......
Das folgende "Only Love is Real" ist - wie könnte es auch anders sein - wieder eine Ballade. Auch hier kommt wieder ein Orchester zum Einsatz, aber die mittlerweile fünfte Ballade ist einfach des Guten zuviel. Da fehlt in der Mitte eindeutig (mindestens) ein flotter Rocker, der dem Album wieder mehr Leben einhaucht.

Das versuchen die abschließenden "My Oh My" und vor allem das schnelle "Blame On Me" ohne jedoch das Ruder nochmal ganz herumreißssn zu können. Die Bonustracks "Walk On" (schöner bluesiger Rocker) und das eher nichtssagende "Customized Lovin'" bringen die Scheibe auch nicht mehr vollends auf die Gewinnerspur. Ein wenig Enttäuschung schleicht sich da schon etwas ein. Ich habe weissgott nichts gegen gute Balladen (und die sind hier wirklich durch die Bank hochklassig) aber zuviele auf einmal sind einfach too much. Ich weiss nicht, wer Gotthard da beraten hat, aber etwas ernüchternd ist die Songauswahl dann schon.

Nichtsdestotrotz ein gutes Album, insbesondere toll produziert von Meister Bauernfeind, der ja sonst mehr für seine Metalproduktionen bekannt ist. Umso verwunderlicher ist, dass "Silver" so extrem ruhig ausgefallen ist. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe zumindest live wieder rockt was das Zeug hält. Pretty Maids im Vorprogramm dürften Ansporn genug dafür sein.


Martin