Mittwoch, 17. Dezember 2014

Vargas Blues Band - From The Dark


Band : Vargas Blues Band
Album : From The Dark
Spielzeit : 50:52 Min.
Veröffentlichung : 21.11.2014
Plattenfirma : Off Year Rocka Recordings
Homepage : www.vargasblues.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Bye Bye Zombie
  2. Let It Go
  3. Moon Light Blues
  4. Runaway
  5. Palace Of The King
  6. Radioactivity
  7. Inner Sun
  8. Stealer Of Love
  9. Out Of The Dark
  10. Roy's Blues
  11. Esperanto
Das Jahr 2014 neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu und Javier Vargas' aktuelles Album From The Dark könnte schon meine letzte Empfehlung eines an Höhepunkten nicht gerade armen Jahres sein. Der fleissige Spanier kredenzt uns zum Jahresausklang mit seiner Vargas Blues Band nämlich noch schnell ein paar herzhaft angerichtete Häppchen für Bluesrock-Feinschmecker...


Studioalbum Nr.16 hört auf den Namen From The Dark, will aber im Gegensatz zum Albumtitel überhaupt nicht melancholisch oder gar dunkel wirken. Im Gegenteil, mit dem Opener der Scheibe, Bye Bye Zombie, haut Vargas ein paar deftige Gitarrenriffs raus und begeistert mich vom Fleck weg mit knallhartem Bluesrock. Vargas wirft seit 1991 regelmäßig frisches Material auf den Markt, seit 2007 jährlich. Was diese knappe Stunde Musik jedoch hörenswert macht, ist das feinsinnige Gespür des Gitarristen für harte Riffs als auch melodische Songstrukturen. Ein schönes Beispiel dafür ist der Moon Light Blues, ein Song voller emotionalem Gesang des Briten Gaz Pearson, fein abgeschmeckt und aufgewertet durch Dani Wilde's zurückhaltende Backgroundvocals. Mrs. Wilde ist es denn auch, die dem ohnehin wunderschönen Palace Of The King-Cover (Freddie King) eine Extraportion Glanz verleiht.
Vargas' hervorragende Gitarrenarbeit darf als angenehm unaufdringlich, jedoch stets präsent, bewertet werden. Schön, denn so ist die Scheibe kein Alleingang eines Bandhäuptlings, sondern ein echtes Bandprojekt. Vargas-Kenner wissen dies aber ohnehin seit Jahren zu schätzen.
Die Vargas Blues Band drückt dankenswerterweise nicht unablässig aufs Gaspedal, sie streut immer mal wieder Abwechslung in das harmonische 11-Songs umfassende Paket. So startet Radioactivity mit einem Drum-Lick, wie es ZZ Top einst für ihren Überhit Gimme All Your Lovin' verwendeten, um sich danach in eine lässige, leicht angefunkte Rocknummer zu verwandeln. 



Inner Sun lädt in der Folge eher zum Relaxen ein, doch letztlich sind es Nummern wie Roy's Blues, die mich persönlich ansprechen. Sicher, hier dominiert Vargas als Gitarrist das Geschehen, lässt seinen Ideen in Form eines fast 5-Minütigen Solos freien Lauf und wird dabei von einem schönen Keyboard als auch einem groovenden Rythmusfundament unterstützt. Dieser wunderbare, rein instrumentale Blues würde From The Dark allerfeinst beenden, wäre da nicht noch Esperanto, die Schlussnummer. Ach wie schön...darauf warten doch alle, die Vargas mögen. Er pumpt seine spanischen Wurzeln in einen fett wummernden Basslauf und heraus kommt ein feiner, instrumentaler Abgang. Flamenco meets Bluesrock, mit dieser Formel beendet Javier Vargas ein tolles Album, dessen beiden Schlussnummern leider unter einem krächzenden Nebengeräusch leiden, welches ich mir nicht schönhören konnte. Zwei CD Player geben dieses Geräusch wieder, insofern scheint dies produktionsbedingt zu sein, was ich echt schade finde, aber nicht überbewerten möchte.

Wer noch auf die schnelle ein schönes Geschenk für den Blues-Fan sucht, liegt mit From The Dark vollkommen richtig. Eine knappe Stunde feiner, moderner Bluesmusik kann ohne Risiken und Nebenwirkungen verschenkt werden.   


Bernd Fischer

Sonntag, 14. Dezember 2014

20 DARK SEVEN - Roar



Band: 20 DARK SEVEN
Album: Roar
Spielzeit: ca. 46 min.
Plattenfirma: Metalapolis Records
Veröffentlichung: 31.10.2014
Homepage: www.reverbnation.com/twentydarkseven


Wertung: 9,25 von 10


Tracklist:

    1. Do You Like The Dark
    2. Come Undone
    3. Heart Of A Lion
    4. So Damn Insane
    5. Killing With Kindness
    6. Edge Of A Knife
    7. You Don´t Know Me
    8. Stand Your Ground
    9. Back In The Dirt
    10. Hard Times Coming


Glückwunsch, Herrschaften … Ihr habt es geschafft, dass ich mit meinen fast 43 Jahren wieder wie ein junger Derwisch durch mein Wohnzimmer tobe, mich auf die Knie fallen lasse und zu Euren Tönen ein Luftgitarrensolo nach dem Anderen zum Besten gebe.

Warum?
1. Weil ich es kann!
2. Weil Ihr so ein geiles Scheibchen auf den Markt geschmettert habt!!!!!

Sooo... jetzt habe ich mal gleich mein Fazit an den Anfang gesetzt und vermutlich wird es wohl eine der kürzesten Rezensionen, welche ich je geschrieben habe!

Das „junge“ deutsch/niederländische Projekt (oder ist es gar eine feste Band??) 20 DARK SEVEN haben ein überdurchschnittliches Debüt in Form von „Roar“ abgeliefert, welches eine Zeitreise, in die glorreichen Mid/End Eighties, darstellt und jedem Fan vom harten, authentischen, kompromisslosen, 100% maskulinen und Medizinball-großen Eier Heavy Rock, in Ekstase versetzen wird!!!

Die Kerle haben die Eierschalen hinter den Ohren schon seit etlichen Jahren abgeworfen, tummeln sich schon seit Längerem in der internationalen/nationalen Rockszene herum und haben sich, als Einzelmusiker, einen hervorragenden Ruf erspielt.

Ein Line-Up sagt zwar nichts über die Qualität des Endproduktes aus, lässt den Heavy Rock Kenner aber hoffen … und in diesem Falle einfach zu Recht!

Die Formation besteht aus:
Marcus Jürgens – Gesang (Ex-PUMP, Ex- BRAINSTORM),
Peter Wagner – Gitarre (Ex-WICKED TEMPTATION, PILEDRIVER)
Alex Jansen - Bass (Ex-MENNEN, FOX)
Hans in 't Zandt – Schlagzeug (Ex-VENGEANCE, PRAYING MANITS)
Die Bengel sind also wahrlich keine Grünschnäbel und wissen zu 100%, was sie wollen! Und zwar rocken, bis sie umkippen und dies gelingt ihnen einfach fantastisch. Sie erfinden das Hardrock-Rad nicht neu, dies wäre, aber für diese Art von Mucke, auch einfach total unnötig. Ihr frischer, harter Heavy Rock, welcher immer wieder genügend Freiräume für melodische Ansätze lässt, knallt extrem wuchtig und gut produziert aus den Speakern und offenbart seine Wurzeln. Diese liegen im internationalen Musikzirkus des harten Rocks und lässt Erinnerungen an Bands wie SINNER, VICTORY, DOKKEN und OZZY OSBOURNE wach werden. All die positiven Eigenschaften der aufgeführten Bands verbindet die Combo mit eigenen Ideen und einem zeitgemäßen/einfallreichen Songwriting. Zwar können sie das Niveau nicht auf ganzer Strecke halten, aber die Schwachstellen bewegen sich in einem nicht zu berücksichtigen Bereich und sind kaum erwähnenswert.

Das richtig raue, vor kraft nur so strotzende Organ von Marcus, das coole Gitarrenspiel von Peter - welches mich sehr, sehr stark an die Saitenzupfer Lynch und Wylde erinnert - und die gnadenlos perfekt aufeinander abgestimmte Rhythmus-Maschinerie Alex & Hans machen „Roar“ zu einem einfach tollen Hörvergnügen der EXTRAKLASSE.

Empfehlung zum Reinhören???
Auf FB habe ich gestern den Clip zu „ Heart Of A Lion“ gepostet – ansonsten die ganze Scheibe rauf und runter, von unten nach oben und von rechts nach links!!!

Schmiert Euch Butterbrote, kocht frischen Kaffee auf, reißt die CD aus dem Regal Eures Plattendealers und belagert den Player.

ABSOLUTER PFLICHTKAUF für Fans der o.g. Bands und all den Rockeros, mit einem fantastischen Musikgeschmack ;-).

Für mich das Heavy Rock Album des Jahres!!!!

Ich brülle den Jungs mal 9,25 Punkte entgegen!

Götz

Mittwoch, 10. Dezember 2014

VANADINE - Liar


Band: Vanadine
Album: Liar
Spielzeit: ca. 43 min.
Plattenfirma: Lictoc Music
Veröffentlichung: 19.09.2014
Homepage:
www.vanadine.net


Wertung: hauchdünne 6 von 10


    01. DISPLEASED
    02. FUCK U
    03. MAKE MY DAY
    04. FEEL 4 YOU
    05. DA BOOBS
    06. RAINY DAY
    07. LIAR
    08. WANNA CRY
    09. HURTS
    10. PASSED AWAY
    11. ROCK YOU
Herrschaften, nehmen Sie sich doch 'nen Keks und anschließend einfach Platz …



zwischen den Stühlen.


Dies könnte das Motto der Eidgenossen gewesen sein, als sie sich an das Songwriting begeben haben, aber starten wir doch ganz vorne und tasten uns immer weiter voran, um „Liar“ zu verstehen bzw. besser kennenzulernen.

Die Schweizer „VANADINE“ servieren uns mit dem Debüt eine große Stilvielfalt, welche Melodic Rock, kernigen Hardrock, Heavy Metal, mit modernen Elementen, und NU Metal beinhaltet. Diese Mixtur kann sehr gut funktionieren, wie die Vergangenheit schon gezeigt hat.

Die Band aus dem Kanton Thurgau hat sich keine musikalischen Grenzen aufgesetzt und versucht durch eine enorme Vielseitigkeit zu glänzen … oder ist es einfach nur plumpe Anbiederei um, auf biegen und brechen, den möglichen Erfolg herauf zu beschwören?!

Was nun die Hauptmotivation des Quartetts ist, kann ich noch nicht wirklich beurteilen. So ganz schlüssig bin ich mir, bei dem Quartett, noch nicht, tendiere aber zur Meinung, dass beide der o.g. Faktoren einen starken Einfluss auf das Songwriting genommen haben.

Die Band bestehet aus:
  • Mitch – Gesang
  • Chris – Gitarrenarbeit
  • Tom – Bass
  • Andy – Schlagzeug
Liar“ wurde von Yps Limburg (BONAFIDE) produziert und kommt mit mächtig viel Schmalz aus den Boxen gedonnert. Kraftvolle Riffs, ein ausdrucksstarker Sänger und eine sehr stabile Rhythmusfraktion erreichen den Zuhörer und der Opener „Displeased“ erinnert mich an eine moderne und junge „OZZY“ Variante. Moderne Tunes / elektronische Spielereien treffen auf klassischen Heavy Rock. Die Gitarrenarbeit ist einwandfrei und die Rhythmus-Musikanten treten sehr ordentlich und kräftig Popo. Sänger Mitch hinterlässt mit seiner Stimmmischung aus OZZY und UDO + moderne Gesangsparts einen ordentlichen Eindruck. Gefällt mir wirklich gut. „FUCK U“ ist einfach GRÜTZE! Punkige Töne mit einem bisschen schweren Rock, ein paar „Lalalala Singalongs“, ultrapeinliche Lyrics. Musikalisch könnte das spät pubertierenden Endvierziger vielleicht gefallen. Einen Ausrutscher könnte ich den Schweizern ja verzeihen und tu dies im ersten Moment auch, da das „Make My Day“ einfach schweinegeil ausgefallen ist. Moderner Hardrock, Akustik - Gitarreneinsätze, Modern Rock Einschübe, Shout Chöre und einfach eine tolle und mitreißende Intonierung der Formation. Alle Daumen nach oben! Warum die Band gleich 3 (!!!) ultra-peinliche und langweilige Balladen („Feel 4 You“, „Wanna Cry“ und „Passed Away“) auf „Liar“ gestellt haben, möchte ich erst gar nicht wissen … Fakt ist: Die hätte schon niemand, vor 30 Jahren, hören wollen! Was zur Hölle soll denn bitte „Da Boobs“ sein?! Riffcollagen, kranker, schräger Gesang und NU Metal Nuancen.Total uninspiriert, unnötig und schlecht. Um es mal mit dem Songtitel von VANADINE auszudrücken: FUCK U!!! Gut ist auch wieder „Rainy Day“ ausgefallen. Es ist echt verwunderlich, aber die Band funktioniert, für mich persönlich, nur wenn sie sich auf gradlinige modern angehauchte Songs versucht, der Rest geht irgendwie total in die Hose. Dies trifft auch auf den Titelsong zu. Sehr groovy, straight und einprägsam gehalten. Neben dem Opener. "Rainy Day" und „Make My Day“ der einzige Song, welcher mir bisher wirklich auf Anhieb gefiel! „Hurts“ ist tonnenschwer, stampft und lädt zum „SLO-MO Headbangen“ ein. Eine nette wuchtige Nummer mit einer coolen Percussion/Gitarren-Arbeit. „Rock U“ ist GRÜTZE Part II – die Raketenwissenschaftler haben das „FUCK U“ durch „ROCK U“ ersetzt. Mannomann …

Auch mit viel wohlwollen und viel Sympathie, für den Versuch klassischen Heavy Rock mit modernen Klängen zu verbinden, kann ich hier keine gute Wertung abgeben. Dafür ist die Qualität einfach zu schwankend und so mancher Versuch endet halt auch in der totalen Peinlichkeit!

5 richtige Knallernummern rechtfertigen einfach keine gute Benotung, wenn mindestens 3 Songs voll nach hinten losgehen und 3 weitere Tracks auch nicht wirklich vor Ideenreichtum glänzen und heute keinen mehr begeistern können.

Wirklich schade! Die Idee war gut, die Ausführung aber nur ausreichend, um nicht in die niedrigere Bewertungsskala abzurutschen.

6 laue Pünktchen.

Götz


Stolex - Ni Mas Ni Menos

Band: Stolex
Album: Ni Mas Ni Menos
Spielzeit: ca. 50 min.
Plattenfirma: keine
Veröffentlichung: 06.11.2014
Homepage: www.facebook.com/pages/STOLEX/239217072826826

WERTUNG: 7,5 von 10

Tracklist:

1. My Direction
2. Bad Boogie
3. Heaven Can Be Hell
4. Bad Boys Town
5. Long Way Down
6. Hot Potato
7. Push
8. Can't Get Enough
9. The Light
10. Tryin' To Get A Grip
11. Sizzlin' Woman
12. Good Nite Y'all

Ich hatte vor nicht all zu langer Zeit bereits die erste Scheibe der Kölner STOLEX besprochen, die sich vor Veröffentlichung des mir nun vorliegenden zweiten Albums allerdings bereits auflösten. Damals konnte ich gut gemeinte 6,5 Punkte vergeben, denn so manche Kleinigkeit störte mich damals an "Demoliendo Hoteles". Die komplette Rezension könnt ihr hier nachlesen. Nun schallt mir also der Nachfolger aus den PC Boxen entgegen, denn STOLEX konnten für "Ni Mas Ni Menos" (auf deutsch etwa: Nicht mehr, nicht weniger) keine Plattenfirma mehr finden und so gibt es die Scheibe nur als Download auf bandcamp. Und das ist ehrlich ein wenig schade, denn der zweite Streich ist tatsächlich besser als der erste und einige meiner Kritikpunkte des Debütalbums wurden behoben (natürlich lange bevor ich Scheibe 1 besprochen habe). So hat Sänger "Baz" Mahle seine Stimme besser unter Kontrolle und gesangliche Ausfälle wie bei "Bring It On" gehören der Vergangenheit an. 


Doch fangen wir von vorne an. Es gibt tatsächliuch mit "Push" und "Long Way Down" zwei richtig geile Songs auf "Ni Mas Ni Menos", die völlig unterschiedlich für Stimmung sorgen. Während "Push" der klassische Partykracher mit interessantem Gitarrenriff und räudigem Refrain darstellt, lebt "Long Way Down" von der gelungenen Mischung aus Ballade, 70s Rock und ganz viel Gefühl. So macht Sleaze Rock anno 2014 Spaß. Das lässige "Can't Get Enough" und das mindestens genauso lässig groovende "Bad Boogie" zählen zu den weiteren Höhepunkten. Gut, an der Produktion könnte noch etwas gefeilt werden, aber das spielt jetzt im Nachhinein keine große Rolle mehr. Des Weiteren habe ich noch drei, vier ordentliche Stücke unter dem Dutzend Songs (u.a. "My Direction", das über 8-minütige "Tryin' To Get A Grip" mit einer richtig guten Melodieführung oder "Sizzlin' Woman", welches zwar spät zündet, dann aber eben doch Feuer gibt) und so steigt die Stimmung tatsächlich nach oben. Gut, zu einer ernsthaften Konkurrenz zu den internationalen Acts werden es STOLEX nun nicht mehr schaffen, aber dafür hätten sie bei Album Nummer Drei auch nochmal eine Schippe drauf legen müssen. Die richtige Richtung hatten sie aber allemal eingeschlagen. 

Und so kann ich guten Gewissens trotz abermals einiger weniger Ausfälle ("Heaven Can Be Hell" und "The Light" zählen dazu) einen glatten Punkt mehr zücken und ehrlich verdiente 7,5 Underground Punkte auf die Ergebnistafel schreiben. Lediglich das Cover für Album Nummero Uno war definitiv besser. Da die Scheibe aktuell für 6€ oder mehr auf der Bandcamp Seite zu haben ist, darf jeder Sleazefan, der wissen möchte, was in der deutschen Szene noch so alles geboten wird, gerne zugreifen. Ach ja die besten Resonanzen bekommen STOLEX übrigens aus Südamerika, also dort wo der Underground noch richtig bebt. Zeigt denen doch bitte, dass auch wir in Mitteleuropa noch gute Musik von der Straße zu schätzen wissen.    

Markus

Sonntag, 7. Dezember 2014

KHAØS - Risen

Band: KHAØS
Album: Risen
Spielzeit: ca. 64 min.
Plattenfirma:

MRR/Plastic Head Distribution
Veröffentlichung: Oktober 2014
Homepage: Kaos Facebook


Wertung: 7,5 von 10


Tracklist:

After The Silence
Crisis Factor
Exalted
Loaded Question
End Of Daze
Merchants Of Khaøs
Ride The Chain
Hung The Moon
Imagined Danger
Static Windows
As Far As We Go
The Breathing Room

Harter, alternativer Hardrock ist nicht erst seit gestern angesagt und die Herren von ALTER BRIDGE, NICKELBACK etc. dienen nicht erst seit gestern als Inspiration für manche junge Formation.

In der Schweiz macht sich wohl eine weitere Generation von Musikern auf den Weg, durch eine Melange aus Altbewährtem und Neuem, den alteingesessenen eidgenössischen Kollegen aufzuzeigen, wie Hardrock heutzutage – laut ihrer ureigenen Auffassung - zu klingen hat. Zwei dieser Formationen sind VANADINE und KHAØS, um diese es jetzt auch geht.

Die Schweizer/US Combo hat eigentlich alles, um eine gewisse Aufmerksamkeit, des gemeinen und Modern Rock interessierten Rockfanatikers, zu erhaschen … ODER?!

Schon 2012 veröffentlichte das Quartett ihr erstes musikalisches Lebenszeichen in Form der EP „Rising“. Viel kann ich zur Release nicht sagen, da mir, die Gruppe, vorher, noch nie über den Weg gelaufen ist. Ob sich eine musikalische Weiterentwicklung vollzogen hat, entzieht sich also vollkommen meiner Kenntnis … ist aber auch egal, denn schließlich geht es um den ersten Full-Length Output von KHAØS. Und dieser ist meines Erachtens eine gelungene Sache geworden und dürfte Modern Hardrock Jüngern/innen gefallen.

Die Band besteht aus:
Chandler Mogel – Gesang
Mark Rossi – Gitarren
Nic Angileri – Bass
Trevor Franklin – Schlagzeug

Ralf Munkes hat „Rising“ eine wirklich klasse Produktion verpasst. Modern, nie zur rau aber nicht den Perwoll Schongang eingelegt. Er hat genau das gesunde und härtegradtechnisch gute Mittelmaß gefunden. Der Gesamtsound hat viel Druck und ist perfekt auf die musikalische Marschrichtung abgestimmt. Passt und ist echt sehr gelungen, wenigstens meiner Meinung nach.

Die Band schielt schon sehr in Richtung US amerikanische Radiostationen und dies hört man jeder einzelnen Komposition durch und durch an. Jaja … die Jungs mögen ALTER BRIDGE schon super gerne ... Um nicht ganz als Clone durchzugehen lassen sie immer wieder europäische und mainstreamige Einflüsse durchschimmern. Dadurch können sie sich vom Vorwurf des Plagiats ein bisschen freizuschwimmen und schaffen es, fast über die gesamte Spielzeit sehr ordentlich zu unterhalten. Für mich klingen KHAØS wie eine Mischung aus ihren Landsmännern REDEEM, den schwedischen Göttern des Melodic Rocks LAST AUTUMN'S DREAM und halt sehr viel ALTER BRIDGE.

Das Songwriting ist auch ganz klar auf die Hörerschaft der US Formation ausgerichtet, wobei die 4 Fondueköpfe nie den Härtegrad erreichen wollen, sondern gan
z klar ihren Fokus auf eine „Light-Variante“ legen. Viele Wechselpassagen zwischen harte und softe, melodische Massagen, Stimm- und Gitarrenausbrüche zwischendurch und Refrains, die sich im Ohr festsetzen. In den Melancholie/düster-Topf wurde natürlich auch mal gegriffen, sodass der Grundsound auch immer Erinnerungen an die ALTE BRÜCKE ;-) wach werden lässt. Irgendwie sind die schwächsten Momente ganz klar im melodischen Bereich zu finden. Teilweise driften die ruhigeren Nummern zu sehr in die Belanglosigkeit ab. Dies passiert zwei bis dreimal und so kann man dies unbeschadet verkraften. Man erreicht zwar nicht die Erstklassigkeit beim Songwriting, aber in der Band steckt gehöriges Potenzial und ich glaube schon, dass sie noch ein bis zwei Silberteller rausschmettern werden, bis die Schwachpunkte beim Schreiben, nicht mehr vorhanden sein werden.

Zu den wirklich hörenswerten Perlchen zählt der vielseitige Opener „After The Silence“, dem richtig harten und groovigen „Crisis Factor“ - fantastische Gesangsperformance und knallharte, variable Songarrangements -, das melancholische „End Of Daze“, das kernige und brettharte instrumentalisierte „Ride The Chain“. Des Weiteren verfügt der Track über einen erstklassigen Gesangspart, der von hart bis Zart/Kreisch-Sequenzen, die ganze Spannbreite abdeckt. Mein absoluter Favorit neben der Übernummer „Static Windows“, welche – zugegeben- extreme Parallelen zu AB aufweißt.

Für das erste, richtige Album, ist es eine sehr solide Leistung, welche die Herrschaften hier abgeliefert haben, und wenn sie die Schwachpunkte ausbügeln, könnte die Formation sich, zukünftig, einen guten Namen erspielen.

„Rising“ ist zwar kein Überfliegeralbum im Segment des Modern Rock, sollte aber Fans von AB, CREED und melodischem/melancholischem Hardrock gut schmecken.

Mir schmeckt das KHAØS – Süppchen echt gut und ich bin gespannt, wie es mit der Gruppe weiter geht oder ob es sich wieder, wie leider auch bei REDEEM, um eine Eintagsfliege handelt.

Von mir gibt es feste und bodenständige 7,5 Brückenpfeiler!


Götz

Tom Fuller Band - Freedom



Band : Tom Fuller Band
Album : Freedom
Spielzeit : 39:28 Min.
Veröffentlichung : 28.11.2014
Plattenfirma : India Media Group / Rough Trade
Homepage : www.tomfullerband.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste:

  1. Roller Coaster Free Fall
  2. Lonely Man
  3. Freedom
  4. 1+1
  5. Bring Me Down
  6. Fat Boy
  7. Sweet Dreams
  8. Jurisdiction
  9. Sidewinder
  10. Highest Mountain
  11. I Will Always Think About You

Eine richtig gute Platte vorschnell in die falsche Ecke zu stellen, wem ist das noch nicht passiert ? Man hört sich durch eine an sich schöne Scheibe, hat aber einen schlechten Tag, Brassel ohne Ende oder es ist einem in dem Moment schlichtweg nach anderer Mucke...schon landet das Teil im Regal, wird vergessen und taucht Jahre später, völlig verstaubt, wieder auf, um seinen Glanz endlich verbreiten zu dürfen.
Freedom, die aktuelle Scheibe der Chicagoer Tom Fuller Band hat dieses Potential zweifelsohne. Fuller schafft es immerhin mit einer einzigen Nummer, Leuten, die beim Gedanken an schmalzig-klebrige Nummern der Marke Lemon Tree und Konsorten Gänsehaut bekommen, regelrechte Panikattacken aufs Hühnerfell zu jagen. Mir so geschehen beim ersten Freedom Testdurchlauf. 1+1 heisst die grenzwertige Nummer der Scheibe und jetzt mal ganz ehrlich, wer kann bei fröhlich-debilem "gib-mir-Deine-Hand-wir tanzen-jetzt-den-Regenbogen-hinauf-ins-Glück-Ringelpitz..." Schmonsens der Gattung Hanni und Nanni meet F.R.David (remember WORDS?) denn wohl ruhig bleiben ? So ein, sorry, Schwachsinn, ist mir schon lange nicht mehr in die peinlich berührte Stereoanlage geraten. Ein Wunder dass der Player seinen Dienst nicht quittiert hat. Hartnäckig wie ich aber eben bin, widerstand ich sämtlichen natürlichen Reflexen und wurde erneut (die Freejazz Platte von Herrn Simmons neulich war bestimmt auch so ein Testballon aus der Chefetage) belohnt. 



DAS, werte Leser, war es dann aber auch schon mit den Ausrutschern des Tom Fuller. Warum er das getan hat, ich weiss es nicht, doch Freedom zeigt sich vor und nach Titel Nummer vier absolut hörenswert und tiefgründig. Fuller kommt zwar aus seinem angestammten Habitat, dem poppig angehauchten Rock, nie so wirklich heraus, doch wenn jemand das gut kann, dann er bzw. seine Band und er. Die Musik wankt und schwankt irgendwo zwischen dem Erbe einer gewissen Band aus Liverpool namens The Beatles, und einem melancholisch leidigen Tom Petty. So könnte Roller Coaster Free Fall ernsthaft eine Nummer der Fab Four, hätten sie das Zeitliche eben nicht gesegnet, sein. Der Gesang Fullers erinnert mich hingegen immer wieder ein wenig an Herrn Petty, ohne jedoch dessen einzigartig-intime Tiefe zu erreichen. 

Die Schönheit der Scheibe liegt denn auch in der unverfänglichen Stimmung der Songs begründet, Fat Boy, eine kernige Bikerhymne hat richtig Mumm in den Knochen und lässt die Zügel locker, während viele andere Momente der Platte an sich eher leichtbekömmlich sind. Wer also Bock drauf hat, eine richtig gute Alternative zu Bryan Adams oder Bon Jovi kennenzulernen, liegt hier goldrichtig. Die harten Mädels und Jungs unter Euch greifen wohl eher anderweitig zu. 
Ganz nebenbei hat Mr.Fuller dem Album noch ein Konzept aufgedrückt. Die Idee hinter der Clowngeschichte ist die "Sideshow", eine Geschichte über eine Untergrundgruppierung mehrerer Clowns, die vom "Ringmaster", den Fuller höchstpersönlich in der Kette diverser Videos, die für Freedom entstanden, verkörpert. Wer auf solche Geschichten steht, wird seine helle Freude daran finden, mein Ding ist das eher nicht.

Für mich zählt die Musik, uind die ist auf Freedom durch die Bank gelungen, auch wenn ich persönlich eher auf rauhere Sounds stehe. Meine Highlights sind das angesprochene Fat Boy und das darauffolgende Jurisdiction mit seinem entspannt-mitreissenden Swing, der uns im hinteren Drittel sogar ein kurzes aber schönes Gitarrensolo gönnt.



Bernd Fischer

Donnerstag, 4. Dezember 2014

ACDC - Rock Or Bust


Band : AC/DC
Album : Rock Or Bust
Spielzeit : ca. 35 min.
Plattenfirma : Sony
Veröffentlichung : 28.11.2014
Homepage : www.acdc.com

Wertung : 7,5 von 10


Tracklist:
1. Rock Or Bust
2. Play Ball
3. Rock The Blues Away
4. Miss Adventure
5. Dogs Of War
6. Got Some Rock And Roll Thunder
7. Hard Times
8. Baptism By Fire
9. Rock The House
10. Sweet Candy
11. Emission Control
Zum 17. Studioalbum der Legenden aus Down Under hatte die Presse doch so einiges bereits im Vorfeld zu berichten. So ist die Erkrankung von Malcolm Young an Demenz lange Zeit in aller Munde gewesen, ehe auch die Drogen- und Gerichtsprobleme von Drummer Phil Rudd die Veröffentlichung von „Rock Or Bust“ begleiteten. Von so vielen Nebenkriegsschauplätzen gebeutelt hat das erste Studioalbum seit 8 Jahren eine besondere Stellung in der langen Diskographie ACDCs. Und die Meinungen gehen aktuell auch weit auseinander. Von Klassiker bis Flop ist wieder mal alles vertreten. Doch das war ja beim Vorgänger „Black Ice“ auch nicht anders und dieser hat mir verdammt gut gefallen. Also mal ganz unverkrampft an „Rock Or Bust“ rangegangen.

Den Titeltrack und Opener sowie das nachfolgende „Play Ball“ kannte man ja bereits als Single Veröffentlichung, passend mit einem Musikvideo veredelt. Beides klassische ACDC Stampfer, die mit einem guten Groove versehen, meine Vorfreude auf das Album haben steigen lassen. „Rock The Blues Away“ reiht sich perfekt ein. Hier hört man die 70er deutlich durch. Leider geht das nachfolgende „Miss Adventure“ trotz coolem Blueslick völlig an mir vorbei. Das klassische „Nananana“ und der ewig gleiche Beat können mich bei diesem Song leider nicht mitreißen.

Glücklicherweise sieht es beim nun folgenden „Dogs Of War“ ganz anders aus. Der ruhige ungewöhnliche Einstieg ehe ein klassisches Angus Young Riff aus den Boxen schallt und der absolut mitreißende Refrain machen das Stück für mich zu einem der besten Songs der alten Herren in letzter Zeit. Sänger Brian Johnson ist über das komplette Album übrigens richtig gut bei Stimme und die trockene Produktion tut ein übriges. Warum danach „Got Some Rock And Roll Thunder“ wieder völlig an mir vorbei läuft, kann ich euch auch nicht begründen. Hat eigentlich alles, was einen ACDC Rocker ausmacht und doch zündet er nicht. „Hard Times“ und „Sweet Candy“ sind in den knappen 35 Minuten dann noch die beiden restlichen Songs, die meinen Ohren mehr als nur schmeicheln."Baptism By Fire" ist noch ganz ordentlich, "Rock The House" kann mich wiederum nichtbegeistern.

Somit haben wir alles in allem 6 Songs, die mir richtig Spaß machen und 5 Stücke, die leider mehr oder weniger nur als Durchschnitt zu bezeichnen sind. Damit kann ich trotz aller Freude über neuen Liedstoff aus Australien nur gute 7,5 von 10 Punkten zücken und bin mir sicher, dass auch bei uns in der Redaktion der ein oder andere empört aufschreit. Schließlich habe ich da auch die ersten entzückten Ausrufe gehört bzw. gelesen. Naja bei einem kann man sich zumindest immer sicher sein. Wo ACDC drauf steht, ist auch ACDC drin, ohne Kompromisse.

Markus

Dienstag, 2. Dezember 2014

Heaven And Earth - Dig



Band : Heaven And Earth
Album : Dig
Spielzeit : 58:18 min.
Plattenfirma : 7Hard
Veröffentlichung : 14.11.2014
Homepage : http://heavenandearthband.com/home/

Wertung : 9,5 von 10


Tracklist:
1. Victorious
2. No Money, No Love
3. I Don't Know What Love Is
4. Man & Machine
5. House of Blues
6. Back in Anger
7. Waiting for the End of the World
8. Sexual Insanity
9. Rock & Roll Does
10. A Day Like Today
11. Good Times
12. Live as One

Wow, ich bin wirklich geplättet. Gitarrist Stuart Smith (u.a. SWEET, KEITH EMERSON) hat mit seinem HEAVEN AND EARTH Projekt auch schon in der Vergangenheit starke Alben herausgebracht, bei denen er von Sangeskünstlern wie Paul Shortino (QUIET RIOT), Kelly Hansen (FOREIGNER, HURRICANE) oder Kelly Keeling (BATON ROUGE) unterstützt wurde. Und wer eines dieser Alben (Heaven And Earth, A Taste Of Heaven, Windows To The World) irgendwo rumliegen sieht, greife bitte schnell zu. Alle drei Alben (wobei „A Taste Of Heaven“ eine EP mit Neueinspielungen ist) sind absolut empfehlenswert. Nun tourt Mr. Smith zwar regelmäßig mit SWEET, aber dort gibt es anscheinend keinerlei Bestrebungen neue Musik aufzunehmen.
Also hat er sich einfach seine SWEET (genauer gesagt Steve Priest’s SWEET – gibt ja zwei Bands gerade) Mitstreiter Joe Retta (Gesang) und Richie Onori (Drums) geschnappt, dazu QUIET RIOT Bassist Chuck Wright und Keyboarder Arlan Schierbaum (u.a. bei JOE BONAMASSA tätig) und 2013 das mir vorliegende Album eingespielt. Dazu kommen Gäste wie Richie Sambora (BON JOVI) und David Paich (TOTO) und das Ergebnis ist das geilste Classic Rock Album im Jahr 2014. Ohne Wenn und aber. Jedenfalls, wenn wir in die Richtung RAINBOW, DEEP PURPLE, BAD COMPANY gehen. Doch genug des Vorgeplänkels. Kommen wir zu „Dig“.
Mit dem orientalisch angehauchten „Victorious“ starten die Jungs schon zu Beginn richtig durch. Wuchtige Gitarrenwand, perfekt produziert von Dave Jenkins (u.a. METALLICA), schöne an LED ZEPPELIN erinnernde Melodie und ich bin bereits gefangen. Mehr in die klassische BAD Company Richtung geht das folgende „No Money No Love“, dass sich auch hervorragend im Soundtrack zu „Still Crazy“ (genialer Film) gemacht hätte. Absoluter Hit. Anschließend gibt es mit „I Don’t Know What Love Is“ eine wunderschöne Ballade, die besonders von der variablen Stimme Joe Rettas lebt. Klar relativ früh für einen ruhigen Song, aber wir haben es hier mit einem Classic Rock Album zu tun, welches durchaus die Generationen Ü30-50 anspricht. Doch ich hoffe sehr, dass sich auch jüngere für diese Scheibe interessieren. Dazu ist sie einfach viel zu stark. „Man And Machine“ rockt wieder, dass sich die Balken biegen, „House Of Blues“ bietet zusätzlich klassischen Bluesrock, ehe bei „Back In Anger“ wieder RAINBOW und DEEP PURPLE Pate stehen könnten.
Als dann der absolute Höhepunkt mit „Waiting For The End Of The World“ aus den Boxen schallt, ist es endgültig um mich geschehen. Das ist pure Perfektion. Und was ich bis heute nicht glauben kann, es gibt keinen einzigen Durchhänger auf dem kompletten Album. „Dig“ sind fast 60 Minuten Classic Rock auf einem Niveau, wie ich es seit Jahren nicht mehr gehört habe. Warum ich dann nicht die volle Punktzahl gebe, mögt ihr vielleicht fragen? Es gibt nur einen einzigen Grund: Weil ich verdammt noch mal hoffe, noch mehr von HEAVEN AND EARTH in Zukunft zu hören. Und die Steigerung von den bisherigen schon echt saustarken Alben zu „Dig“ einfach unglaublich ist.
Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass wir hier ein absolutes Highlight 2014 haben, welches unter eigentlich jedem Weihnachtsbaum zu liegen hat. Ohne Wenn und Aber.
Markus

Freitag, 28. November 2014

Sonny Simmons & Moksha Samnyasin - Nomadic



Interpret : Sonny Simmons & Moksha Samnyasin
Album : Nomadic
Spielzeit : 44:03 Min.
Veröffentlichung : 28.11.2014
Plattenfirma : SVART
Homepage : www.sonnysimmons.org

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Help Them Through This World
  2. We Are Entering The Place Of That
  3. I Put It In A Dark Area Where I Can't Remember No More
  4. When It Comes, I Don't Fight It

Eine ganz abgefahrene Angelegenheit ist Nomadic von Sonny Simmons und Moksha Samnyasin geworden. Die Platte hat bei einer Spielzeit von 44 Minuten ganze vier Titel im Angebot. Vier Songs also, die mit einer Spieldauer zwischen 7 und 14 Minuten ein genaues Hinhören geradezu einfordern. Gerade das dürfte aber für den einen oder anderen unter unserer Rockingboy-Leseschar zu einer echten Herausforderung werden. 

Was sicher nicht an den handwerklichen Fähigkeiten der beteiligten Musiker liegt. Zum Einen hören wir auf dem komplett instrumentalen Album den bereits 82-jährigen Sonny Simmons, der im zarten Alter von sieben Jahren begann Englischhorn zu lernen, bevor er dann mit 16 zu seinem Hauptinstrument, dem Altsaxophon, wechselte. Simmons ist eine Größe der Free-Jazz-Szene und hat sich für dieses Album mit dem französischen Bass/Drum/Sitar-Trio Moksha Samnyasin zusammengetan. Somit unterstelle ich einfach mal dass jeder Ton auf Nomadic sich so anhört, wie Simmons und seine Freunde ihn haben wollten. 

Resultat dieser Zusammenkunft ist eine musikalische Reise durch den Nahen Osten. Eine Reise voller psychedelischer und bewusstseinserweiternder Stilelemente, auf die man sich als unerfahrener Hörer solcher Musik natürlich geduldig einlassen muss. Wem solch schräge Musik, die mit unseren alltäglichen, harmonischen Hörgewohnheiten nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun hat, gar nicht in die Tüte kommt, sollte vielleicht erstmal probehören. Wer allerdings bereits Erfahrungen mit ähnlichen Projekten gemacht hat und Platten wie Lulu (Lou Reed and Metallica) etwas abgewinnen kann, darf sich auf eine spannende Angelegenheit freuen.
Monotone Bassläufe, die in bester Drone-Manier immer und immer wieder mit einem reichlich reduzierten Schlagzeug das Fundament bilden, geleiten Simmons' nur auf den ersten Blick völlig verstimmtes Saxophon durch die gesamte Spielzeit. Dies ist die psychedelische Grundsubstanz aller vier Titel. Dies mag der eine oder andere langweilig oder gar nervtötend empfinden, ich für meinen Teil finde es spannend, mit jedem Durchgang eine weitere Kleinigkeit zu entdecken, die ich vorher überhört habe. Ganz nebenbei ziert sich Nomadic mit einem wunderschönen Coverartwork, welches von Tokyo Ayoama entworfen wurde, der für seine wunderschöne Kunst, die häufig das Thema Musik aufgreift, bekannt ist.

Ganz nebenbei erinnert mich Nomadic nicht nur aufgrund seines Coverartworks, sondern auch durch seine musikalische Abgedrehtheit an eine Platte aus dem Jahr 1970, welche mich ebenfalls lange beschäftigt und reichlich verwirrt hat: Bitches Brew von Miles Davis. Ohne jedoch deren Klasse zu erreichen, um ehrlich zu sein.

Die Eingangs erwähnte Sitar hält sich mal mehr, mal weniger zurück, verschafft dem Sound allerdings einen orientalischen Feinschliff, der Nomadic trotz aller Schrägheit einen warmen Charme verleiht. Die schönsten Momente sind auf den ersten Blick rar gesät. Immer dann, wenn Sonny Simmons und seine Leute für einen Moment zusammenfinden und kurz grooven, zeigt sich, was möglich gewesen wäre, wenn die Musiker es nur so gewollt hätten. 

Wollten sie aber nicht und so bleibt Nomadic wohl eine Empfehlung für die ganz mutigen unter uns. 

Bernd Fischer

Dienstag, 18. November 2014

Space Vacation - Cosmic Vanguard



Band : Space Vacation
Album : Cosmic Vanguard
Spielzeit : 44:00 min.
Plattenfirma : Pure Steel Records
Veröffentlichung : 05.12.2014
Homepage : www.spacevacationrocks.com

Wertung : 8 von 10


Tracklist: 


1. On Your Feet
2. More Is More
3. Rolling Thunder
4. Cosmic Vanguard
5. Get Down
6. The Living Damned
7. Say My Name
8. Eye To Eye
9. Witch Wizard
10. Battle Jacket
11. Land Of Steel

Die Kalifornier von SPACE VACATION stehen kurz vor Nikolaus mit ihrem dritten Album in den Startlöchern und haben es zum ersten Mal auch bei mir in den heimischen Player geschafft. Geboten wird traditioneller Heavy Metal mit natürlich starkem US Metal Einfluss, aber auch vielen unüberhörbaren Reminiszenzen an die NWOBHM. Bekanntester Mann bei den Amerikanern dürfte Gitarrist Kyoshi Morgan sein, der auch schon bei VICIOUS RUMORS aktiv war. Und seine teilweise sehr filigrane Gitarrenarbeit prägt auch „Cosmic Vanguard“. Dazu kommt ein sehr solides Rhythmus Fundament und mit Sänger/Gitarrist Scott Shapiro auch ein guter Mann hinterm Mikroständer.

Klar, die ganz großen Innovationen werden wir bei Songtiteln wie „Land Of Steel“ oder „Rolling Thunder“ nicht erwarten, mir persönlich macht der Mix aus den genannten Stilrichtungen aber irre gute Laune, denn die Balance zwischen Härte und Melodie bekommen SPACE VACATION fast perfekt auf die Reihe. Doch beginnen wir mal mit dem Anfang. „On Your Feet“ ist eine knapp 1 ½ minütige Einstimmung auf das Album (Intro möchte ich es nicht nennen), ehe mit „More und More“ ein speediges Feuerwerk abgebrannt wird. Fast, hard and loud – hier dominiert der klassische US Metal. Ein guter Einstieg ist also gelungen. Bei „Rolling Thunder“ drosseln die Kalifornier dann auf Midtempo und können mit echt geilen Riffs und einer absolut gelungenen NWOBHM Melodieführung begeistern.

„Cosmic Vanguard“ ist dann von der Gitarrenarbeit abermals gelungen, lediglich die Gesangslinien bleiben diesmal nicht wirklich hängen und Scott Shapiro kann trotz der glasklaren Produktion nicht so glänzen. Dafür geht dann „Get Down“ beim ersten Durchlauf ins Ohr und schafft es auch dort zu verbleiben. Den absoluten Höhepunkt des Albums stellt für mich jedoch „Say My Name“ dar (deswegen auch bei uns Tipp der Woche auf Radio Paranoid). Wieder ziemlich speedig, mit tollem Refrain und perfektem Chorus – ich kann nicht anders als völlig verzückt mit den Zehen zu zucken und lauthals mitzusingen – faster, louder, power!! Super. Doch SPACE VACATION haben noch mehr in petto und bieten daher 10 Songs, die zwischen genial und richtig gut pendeln. Ausfälle gibt es im Grunde keine. Unbedingt hörenswert ist auch das atmosphärische „Witch Wizard“ bei dem Mr. Morgan abermals sein Bestes gibt.

Daher kann ich euch diese Scheibe wirklich uneingeschränkt empfehlen. Der Vorverkauf startet übrigens bereits diesen Freitag, den 21.11.2014, daher gibt es eigentlich keine Ausreden mehr. Wer US Metal oder NWOBHM in seinem Plattenregal stehen hat, kommt an SPACE VACATION anno 2014 eigentlich nicht mehr vorbei. Schön wäre es jetzt noch, wenn man die Jungs auch in heimischen Gefilden mal live bewundern könnte. Aktuell sieht es bei einem Blick auf deren Homepage aber eher mau aus.

Markus

Sonntag, 16. November 2014

Kobra And The Lotus - High Priestess


Band : Kobra And The Lotus
Album : High Priestess
Spielzeit : 44:57 Min.
Veröffentlichung : 21.11.2014
Plattenfirma : Spinefarm Records
Homepage : www.kobraandthelotus.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste : 

  1. Warhorse
  2. I Am, I Am
  3. Heartbeat
  4. Hold On
  5. High Priestess
  6. Soldier
  7. Battle Of Wrath
  8. Visionary
  9. Willow
  10. Lost In The Shadows
Heilige Kobra ! Die vielschichtige Heavy Metal - Szene darf sich mal wieder über ein frisches Gesicht freuen, und dann auch noch über ein so hübsches ! Kobra And The Lotus aus Kanada verfügen mit Kobra Paige nämlich über eine ziemlich knackige Frontfrau mit einer nicht minder knackigen Stimme.
Die 2008 in Calgary gegründete Band veröffentlicht nach Out Of The Pit (2009) und Kobra And The Lotus (2012), welches in den USA auf dem Label von Gene Simmons (SimmonsRecords) veröffentlicht wurde, mit High Priestess nun schon ihr drittes Album. Und das, Freunde der Nacht, ist ein echter Knaller geworden.

Das zehn Titel umfassende Album erscheint in der EU auf Spinefarm Records und wird ab Ende November erhältlich sein. Sämtliche zehn Titel sind in der Highspeedabteilung der Metalbranche geschmiedet, Doublebass und pfeilschnelle Gitarren sind in der Hausordnung der Kobras verankert. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum ist High Priestess allerding deutlich sauberer produziert und kommt melodischer herüber. 


Der thrashige Sound ist, und das passt viel besser zur klaren Stimme der Kobra Paige, grösstenteils einem klassischen, melodischen Speedmetal gewichen. Gesanglich erinnert mich die Dame aber noch immer ein wenig an Jutta Weinhold, die sich ja mit ihrem theatralischen Zed Yago- bzw. Velvet Viper Sound einen hohen Bekanntheitsgrad unter Metal Fans erarbeitete. 
Mrs.Paige setzt ihren Gesang allerdings deutlich weniger fett aufgetragen ein, obwohl ihr klassisch geschultes Organ dies sicher zulassen würde. Was besonders im letzten Song Lost In The Shadows, zu bewundern ist. Ihre mehrere Oktaven umfassende Stimme kann über glasklar bis bedrohlich wirklich mehrere Stimmungen erzeugen.

So steht und fällt die Musik von Kobra And The Lotus ein wenig mit der Präsenz der Sängerin, obwohl sich Griffin Kissack (Schlagzeug), Jasio Kulakowski (Gitarre), Brad Kennedy (Bass) und Special Guest Charlie Parra Del Regio (Gitarre) wirklich nichts nachsagen lassen müssen. Ich kann zumindest keinen Anlass für negative Kritik entdecken, sämtliche Musiker spielen auf den Punkt und beherrschen ihre Instrumente, weshalb High Priestess ein Hörgenuss für Fans dieser Metalrichtung sein dürfte. Wer Bock hat, kann die Hohepriesterinnen im Rahmen der Kobra Paige @ The Metal All Star Show (u.a. mit Zakk Wylde/Black Label Society, Geoff Tate/Queensryche, Joey Belladonna/Anthrax, Dave Ellefson/Megadeth und Vinny Appice/Dio) übrigens dieses Jahr noch live erleben. 

Hier die aktuellen Tourtermine: 

28.11.2014 Ruhrkongress Bochum
29.11. 2014 Haus Auensee, Leipzig
30.11. 2014 Huxley’s Neue Welt, Berlin
01.12. 2014 Zürich, X-tra
03.12.2014 Wien – Outdoor-Arena
09.12. 2014 Nürnberg, Rockfabrik
11.12.2014 Kiel, Max Disco

Ich persönlich bin froh, die High Priestess auf dem Tisch gehabt zu haben. So ein schönes Stück Speedmetal ist mir im wahrsten Sinne des Wortes schon lange nicht mehr untergekommen. Ich darf meine Empfehlung aussprechen und Euch die beiden Songs Battle Of Wrath als auch die Schlussnummer Lost In The Shadows ans metallene Herz legen !  

Bernd Fischer