Donnerstag, 1. Dezember 2016

Alvin Lee - Pump Iron !


Band : Alvin Lee
Album : Pump Iron !
Spielzeit : 39:42 Min.
Veröffentlichung : 18.11.2016 (1975)
Plattenfirma : Repertoire Records
Homepage : www.alvinlee.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. One More Chance
  2. Try To Be Righteous
  3. You Told Me
  4. Have Mercy
  5. Julian Rice
  1. Time And Space
  2. Burnt Fungus
  3. The Darkest Night
  4. It's Allright Now
  5. Truckin' Down The Other Way
  6. Let The Sea Burn Down

1975 war man ja in meiner Famile entweder Pink Floyd, Schlager oder Disco-Fan oder man stritt sich um die Chance, Mittwoch Abends Mal Sondock's Hitparade mitschneiden zu dürfen. Durfte man aber nur, WENN Vaters Stereoanlage nicht gerade von selbigem mit klassischer Musik frequentiert wurde. So kam man mit ganz viel Glück in den Genuss guter Mucke, wie dem sich ankündigenden Punk und natürlich Glam Rock. OK, ich war sieben Jahre alt, fand daß Smokie die Welt regierten und bekam durch meine Schwestern langsam mit, dass es da noch mehr gab als den Bubblegum-Rock der Jungs aus Bradford. Blues oder Bluesrock stand den drei Damen natürlich nicht im Sinn und und so hätte ein gewisser Alvin Lee wohl tun können was er wollte, Notiz hätten wir von ihm garantiert nicht genommen. Weshalb es mich nun umso mehr erfreut, dass sich das Hamburger 
Repertoire-Label, seit jeher spezialisiert auf die Wiederentdeckung guter Musik aus vergangenen Zeiten, nun des Werks von Alvin Lee annimmt. 

Die drei mir vorliegenden Alben stammen aus der Frühphase der Solokarriere des Sängers und Gitarristen, der im Jahr 2013 im Alter von 68 Jahren starb. Alvin Lee hatte Ten Years After mitgegründet, und feierte als einst "schnellster Gitarrist der Welt" beträchtliche Erfolge mit den Blues- und Hardrockpionieren, die er 1974 verließ um sich und seine musikalischen Vorstellungen zu verwirklichen. Von einem kurzen Intermezzo im Jahr 1983 abgesehen, begann er erst ab 1988 wieder, ernsthaft mit den ehemaligen TYA-Mitgliedern zu arbeiten.


Nach etlichen Jahren des Tourens mit TYA befand sich Alvin Lee 1973 in der Stimmung, mit neuen Musikern ungewohntes Material auszuprobieren. So entstand in Lee's Heimstudio zunächst On The Road To Freedom, ein sehr ruhiges Americana-Album, welches er mit dem US-Gospelsänger Mylon LeFevre aufnahm. Die Platte fiel aufgrund ihres countryesken und eher soften Charakters bei den alten Fans gnadenlos durch, erntete später aber tolle Kritiken. Nebst In Flight, einem Live-Album, das er 1974 als Alvin Lee & Co. veröffentlichte, darf Pump Iron ! somit wohl als das erste Solo-Album bezeichnet werden. Mit dem kraftvollen Titel stellte der Gitarrist auch klar, dass der eingeschlagene, deutlich softere Weg keine Einbahnstraße wäre, sondern lediglich eine Phase. In der vorliegenden Original-LP-Version finden sich 11 Titel, spätere Auflagen sollten noch zwei Bonus-Songs hinzubekommen. Doch auch Pump Iron ! sollte zunächst in der kritischen Anhängerschaft, die ihm den Split mit Ten Years After so schnell nicht verzeihen mochten, durchfallen.

Und das, obwohl sich gute Songs auf der Platte finden. Problem war die Abkehr vom stark Bluesrock beeinflussten, leicht psychedelischen TYA-Sound, zwar längst nicht mehr so radikal wie auf dem '73er Album, aber noch deutlich hörbar. Der Opener lässt denn auch sofort erahnen dass der Zeitgeist seine Spuren hinterlassen hatte, mit dem stoischen Drum-Beat und Einsatz eines funkigen Fusion-Keyboards geriert sich One More Chance als eine Mischung aus Disco- und Rockmusik und manch einer mag seinerzeit mit dem Kopf geschüttelt haben. 


Aus heutiger Sicht halb so wild, weil als musikalisches Zeitdokument ganz spannend anzuhören, aber mehr auch nicht. Der erste Eindruck täuscht allerdings, auf der Platte ist etwas mehr als der Versuch, einen Hit zu landen, vorzufinden. Mit Try To Be Righteous und The Darkest Night finden sich zwei sehr emotionale und hörenswerte Nummern, Julian Rice oder Truckin' Down The Other Way machen halt beim GlamRock. Der Gitarrist Alvin Lee geht phasenweise ein wenig zurückhaltender als gewohnt zur Sache, garniert Songs wie das fliessende Time And Space aber mit einer wunderschönen Akustikgitarre. Weitaus blues-rockiger geht es auf Burnt Fungus zu, die Orgel von Ronnie Leahy und Alvin an der elektrischen Gitarre verzaubern die live aufgenommene Nummer zu einem Hörerlebnis.

Pump Iron ! rangiert noch heute im unteren Drittel der Lee-Diskographie. Das liegt ganz sicher eher am starken Schnitt seiner Veröffentlichungen als an den wenigen gewöhnungsbedürftigen Momenten. Wer die Platte also in die Finger bekommen sollte, begeht keinen Fehler beim Kauf. Die remasterte Neuauflage ist sauber verarbeitet und liefert einen guten Klang, da gibt es nix zu meckern. Ich hätte mir ein gepolstertes Innersleeve gewünscht aber was soll's, hab ja genug zu Hause...

Bernd Fischer

Sonntag, 27. November 2016

Herman Frank - The Devil Rides Out

Band: Herman Frank
Album: The Devil Rides Out
Spielzeit: 51:52 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 18.11.2016
Homepage: www.hermanfrank.com

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01. Running Back
02. Shout
03. Can’t Take It
04. No Tears In Heaven
05. Ballhog Zone
06. Run Boy Run
07. Thunder Of Madness
08. License To Kill
09. Stone Cold
10. Dead Or Alive
11. Run For Cover
12. I Want It All

Wem von euch muss ich HERMAN FRANK noch groß vorstellen? Wahrscheinlich den wenigsten. Doch für all jene, die noch nichts von ihm gehört haben, erstmal ein kleiner Überblick: Herman begann von 1982-1984 seine ersten Lorbeeren als Gitarrist von ACCEPT einzuheimsen, ehe er von 1986 bis zur ersten Bandauflösung 1994 große Erfolge mit VICTORY feierte. Dort war er dann auch weiterhin von der Reunion 2002 mit einer kleineren Unterbrechung bis heute tätig. Neben seiner eigenen Band MOON' DOC, die eher mäßig erfolgreich war, und seinem Wiedereinstieg bei ACCEPT zwischen 2004 und 2014, erschienen immer wieder Soloalben des Gitarristen. Zuletzt 2012 mit dem Titel "Right In The Guts", bei dem auch bereits Ex-AT VANCE Sänger Rick Altzi hinterm Mikro stand. Dazu stehen im aktuellen Output "The Devil Rides Out" noch Ex-RAGE Drummer Andre Hilgers und Ex-JADED HEART Bassist Michael Müller an HERMANS Seite. Ein illustres Line-Up also, welches mit sehr viel Erfahrung aufwarten kann. 


Wer nun meint, dass sich hier nur ein paar alte Herren zusammen getan haben, wird sofort mit den ersten Takten des Openers "Running Back" eines besseren belehrt. Das Gaspedal bis auf Anschlag durchgedrückt wird traditioneller Metal voller Spielfreude und Energie geboten, dass sich viele Jungspunde gerne eine Scheibe davon abschneiden könnten. Rick Altzis rauer Gesang klingt wie zu seinen besten Zeit, nein falsch. Ich muss mich korrigieren. Ich habe ihn noch nie so gut wie auf "The Devil Rides Out" erlebt. Und das Kompliment kann ich getrost für das komplette Dutzend an Songs aussprechen. Und Mr. FRANK haut ein starkes Riff nach dem anderen raus. "Shout" steht anschließend dem Opener in nichts nach. Ein Stück wie "Can't Take It" hätten auch ACCEPT zu Hochzeiten kaum besser hin bekommen. Was für ein Hammer-Refrain, gepaart mit genialen Riffs und einem Drumsound, der mich an die Wand bläst. Jedenfalls wenn ich die HiFi Anlage mal richtig aufdrehe. Mit "No Tears In Heaven" und dem absoluten Highlight "Ballhog Zone" folgen die beiden Höhepunkte des Albums. Oder zumindest die beiden Songs, die sich am schnellsten in meinen Gehörgängen fest gesetzt haben. Denn durch die durchweg geilen und einigen wenigen "nur" guten Songs ("Run Boy Run" und "Run For Cover") werden meine Nackenmuskeln über die gesamte Spielzeit arg beansprucht. 

Schade, dass ich noch nirgends irgendwelche Tourdaten für die Jungs entdecken konnte, dort wäre ich defintiv dabei und ihr könntet mich mit meinen kurzen Haaren headbangen sehen (nur wer will sich das freiwillig antun?). Also, um es auf den Punkt zu bringen: HERMAN FRANKs drittes Soloalbum "The Devil Rides Out" zählt für mich zu meinen Top 5 Alben des Jahres 2016 und gehört in jeden anständigen Metal Haushalt. Um euch die Kaufentscheidung noch zu vereinfachen, habe ich euch unten noch eine kleine Hörprobe angefügt.    

Markus


 

Mittwoch, 16. November 2016

Freedom Call - Master Of Light

 

Band: Freedom Call
Album: Master Of Light
Spielzeit: 49:58 min.
Plattenfirma: SPV
Veröffentlichung: 11.11.2016
Homepage: www.freedom-call.net

WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
1. Metal Is For Everyone
2. Hammer Of The Gods
3. A World Beyond
4. Masters Of Light
5. Kings Rise And Fall
6. Cradle Of Angels
7. Emerald Skies
8. Hail The Legend
9. Ghost Ballet
10. Rock The Nation
11. Riders In The Sky
12. High Up

Nachdem es mich alten Oberbayern nun nach Nürnberg verschlagen hat, komme ich nicht mehr umhin auch das neue Album der fränkischen Metaller von FREEDOM CALL zu besprechen. Und was soll ich sagen? Franken können nicht nur Schäuferle oder gutes Bier, nein auch beim Happy Metal im Stile alter HELLOWEEN Scheiben oder einer Mischung aus MANOWAR, RUNNING WILD und STRATOVARIUS hat das Frankenland mit FREEDOM CALL die Nase ganz weit vorne. Klar ist "Master Of Light" rein gar nichts für ernste Black Metal Freaks, MANOWAR-Fanatiker oder progressive Doom-Jünger, denn hier regiert die Fröhlichkeit, man hat sogar einen leichten J.B.O. Touch, nur eben bei weitem nicht so rosa-rot.  


Doch kommen wir endlich mal zu den Songs auf dem mittlerweile neunten Studioalbum (wenn ich mich nicht verzählt habe). Mit dem epischen stark an MANOWAR angelehnten "Metal Is For Everyone", dessen Video ich euch unten im Anschluss angefügt habe, gelingt sofort ein bärenstarker Einstieg. Live dürfte dieser Song zu einer absoluten Granate werden, mächtige Chöre (die dieses Mal noch fetter als in der Vergangenheit alles niederwalzen), wummernde Double-Bass und eine Spielfreude und Dynamik, die seinesgleichen sucht. Das nun folgende "Hammer Of Gods" könnte auch in den besten Momenten von STRATOVARIUS entstanden sein und gehört für mich zu den besten Speed-Melodic-Metal Stücken der letzten Jahre. Wenn HELLOWEEN heutzutage solch einen Song komponieren könnten, würde ich wieder im Staub kriechen. So verbeuge ich mich ganz tief vor Chris Bay und Kollegen. Einfach nur geil! Und von wegen gleich mal die Munition verschossen, nein mit "A World Beyond" folgt der nächste Kracher. Diesmal in Form einer Hymne, die sich den Weg in die Gehörgänge fräst und anschließend dort Wurzeln schlägt.

Und so geht es munter fröhlich und heiter weiter. Der Titeltrack benötigt ein paar Durchläufe mehr, macht aber auch alles richtig. Selbstverständlich darf die obligatorische Ballade nicht fehlen und diese macht mit dem Titel "Cradle Of Angels" AVANTASIA mehr als nur ernsthafte Konkurrenz. Neben all den gewohnten Klängen scheuen sich FREEDOM CALL auf "Master Of Light" nicht, auch unbekanntere Gefilde zu erkunden. So geschehen bei dem mit modernen Keyboard-Sounds unterlegten und trotzdem poppig anmutenden "Ghost Ballet". "Rock The Nation" ist dann wieder überschäumend voller augenzwinkernder Klischees. Zum krönenden Abschluß wird mit "Riders In The Sky" HELLOWEEN gehuldigt und "High Up" definiert den Schlager-Metal komplett neu. Das ist sicher der größte Happy-Metal-Sommer-Gute-Laune-Party Song, den ich je gehört habe, der zwar die Grenzen zu Kindermelodien oft überschreitet und doch bin ich wieder hellauf begeistert. Was gibt es also eigentlich noch zu sagen, außer dass sich FREEDOM CALL diesmal selbst übertroffen und Ihren eingeschlagenen Weg unbeirrt fortsetzen.

"Master Of Light" zählt für mich zu den stärksten Veröffentlichungen dieses Jahres und gehört unter jeden gut sortierten Weihnachtsbaum. Ich freue mich schon auf die kommende Tour, denn live werden die Franken wie immer keine Gefangenen machen. Einzig das Coverartwork ist doch arg Geschmackssache.
 

Markus

 

Sonntag, 13. November 2016

King Of The World - Cincinnati


Band : King Of The World
Album : Cincinnati
Spielzeit : 58:25 Min.
Veröffentlichung : 07.10.2016
Plattenfirma : KOTW Records / Bertus
Homepage : www.kingoftheworld.eu

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Voodoo
  2. Same Old Trouble
  3. Murder In The First Degree
  4. Hurt So Bad (Duet With Cheryl Renee)
  5. World On Fire
  6. Feel That Flame
  7. The Waiting Game
  8. Heart And Soul
  9. Howling Dog
  10. Better Luck Next Time
  11. Life In The Fast Lane
  12. She's Alright
  13. No Way Out
Reichlich spät kommt die vierte CD der Holländer King Of The World in mein Haus geschneit. Wie Ihr seht, ist die Scheibe seit Anfang Oktober erhältlich, aber wir sind ja flexibel und schreiben einfach mal ein bisschen schneller ;-). Cincinnati heißt das knapp einstündige Werk der Band um Erwin JavaJava ist die Triebfeder der Band und kann auf 40 Jahre Erfahrung zurückblicken, unter anderem spielte der Gitarrist in den frühen 80er Jahren in der Band des niederländischen Bluesrockers Hermann Brood.

Relaxter Rhythm & Blues mit einem Schuss Soul ist das Erfolgsgeheimnis der derzeit erforgreichsten holländischen Blueser. Ausgezeichnet mit fünf Blues-Awards und einer starken Produktion des Bamboo Room Studio in Cincinnati, Ohio im Rücken, hofft man nun auf einen steigenden Bekanntheitsgrad auch außerhalb der Niederlande. Schwierig genug wird es werden, denn die Szene ist gespickt mit Interpreten und Bands, die einiges drauf haben und tolle Alben veröffentlichen.

Cincinnati ist eine etwas zwiespältige Angelegenheit geworden. Auf der Habenseite ganz klar die handwerklichen Fähigkeiten aller Beteiligten, und eine Reihe feiner Songs wie der Opener Voodoo, eine treibende Bluesrock-Nummer mit einem starken Riff, unterstützt durch eine Bläsersektion und vor allem von einer feinen Hammondorgel. Launefaktor ganz weit oben ! In diese Kette reihen sich einige weitere Songs ein, ganz vorne Murder In The First Degree und Better Luck Next Time. Die kräftige und vor allem schnelle Nummer macht richtig Laune, da macht es denn auch nix mehr dass Ruud Weber sein tolles Organ oft ein wenig zurückhaltend einsetzt. Richtig fett wird es mit Life In The Fastlane, das harte Gitarrenriff und die polternden Drums von Fokke de Jong treiben den sechsminütigen Song sehr heavy nach vorne. Die Hammond legt sich angenehm daneben und fährt mit in der Spur, aber auch hier kann der Gesang nicht ganz mithalten, was ich sehr schade finde. 




Die natürliche Atmosphäre der CD, die tolle Arbeit an der Orgel von Govert van der Kolm, eine dezent aber passend eingesetzte Bläsersektion und das respektable Songwriting können punkten. Ich fürchte allerdings daß der Gesang von Ruud Weber auf dem Weg nach oben eher ein Hindernis, weil viel zu zurückhaltend, ist. Der singende Bassist setzt sein durchaus angenehmes Organ phasenweise so mager ein dass die starken Kompositionen ein wenig ermüden. Ob dies die Anhänger der etwas softeren Blues, die, angereichert mit einer gehörigen Portion Soul, die andere Seite der Platte darstellen aber überhaupt stört, wer weiß das schon. 

Cincinnati ist schon interessant, vor allem für Hörer, die im Blues angekommen sind und gerne Abwechslung vom Allerlei haben. Mit ein wenig Ruhe und Geduld lassen sich nämlich auch langsameren Nummern wie World On Fire, Howlin Dog oder das traurige No Way Out, welches eine Anspielung auf den Freitod Hermann Broods sein könnte, bei einem Glas Rotwein, durchaus genießen...


Bernd Fischer

Freitag, 11. November 2016

Destiny - Climate Change


Band: Destiny
Album: Climate Change
Spielzeit: 71:58 min.
Plattenfirma: GMR Music
Veröffentlichung: 20.10.2016
Homepage: http://destinymetal.se/


Wertung: 7 von 10



Tracklist:

1. Duke Of Darkness
2. Living Dead
3. Medieval Rendezvous
4. Lead Into Gold
5. Nothing Left To Fear
6. Sabotage
7. Sheer Death
8. Money Preacher
9. No Reservation
10. Devil In The Dark
11. Evil Trinity
12. Dream Reaper
13. Beyond All Sense
14. Ruins And Destruction (Climate Change)

Geschlagene 11 Jahre sind seit dem letzten im Studio produzierten Lebenszeichen der schwedischen Metal-Veteranen DESTINY namens "Beyond All Sense" vergangen, bei dem das 1985er Debüt nochmals eingespielt wurde. Von einem regelmäßigen kreativen Output kann man bei den älteren Herren definitiv nicht ausgehen. Und auch das aktuelle Werk macht da keine Ausnahme, schließlich sind darauf 5 alte DESTINY Songs in neuem Gewand zu finden. Irgendwie lebt die Band noch in den 80er Jahren und das ist ihrer Mucke auch anzuhören, wobei die Produktion schon aktuellen Maßstäben entspricht. Doch die Wurzeln in den frühen 80ern und Einflüße wie KING DIAMOND oder auch US Metal a la OMEN sind deutlich heraus zu hören. 


Doch gehen wir mal völlig unvoreingenommen an "Climate Change" heran, das vielleicht auch einen Wechsel im Veröffentlichungsrhythmus der Band darstellt. Denn ich würde gerne öfter von den Jungs hören. Der Einstieg mit "Duke Of Darkness", welches auf einem live gespielten Stück aus dem Jahr 1985 basiert, aber anscheinend nie veröffentlicht wurde, ist jedenfalls sehr gelungen. Interessante Riffs, mit einem starken Jonas Heidgert (Ex-DRAGONLAND) am Mikro und einem schönen old-school-Feeling. Das folgende etwas an KING DIAMOND erinnernde "Living Dead" kann da nicht ganz mithalten, mich beschleicht das Gefühl das alles schon mal ähnlich gehört zu haben. Und wenn bei "Medieval Rendezvous" nicht dieses völlig bescheuerte "dong, dong" ständig leicht zu hören wäre, wäre ich wirklich hellauf begeistert. Etwas moderner mit leichten HAMMERFALL meets JUDAS PRIEST Anleihen kann mich dann "Lead Into Gold" fast schon zu Jubelarien hinreißen. Gut, auch hier könnte man sagen, es ist im Grunde nicht wirklich viel neu, aber der Song ist kompositorisch und vom Spannungsaufbau hervorragend gelungen. "Nothing Left To Fear" ist dann wieder absolut klassischer Stoff und ebenfalls halbwegs gelungen. Von "Sabotage" habe ich euch unten das dazu gehörige Video eingebettet, macht euch einfach selbst ein Bild von dem Song. Ich finde ihn nicht schlecht, doch manchmal fehlt mir das gewisse Etwas. 

Und das ist genau mein Problem mit dem gesamten Album. Relativ starke Songs wechseln mit durchschnittlichen Stücken ("Sheer Death", "Beyond All Sense") immer wieder ab und so schwanke ich auch in meiner Bewertung ganz stark. Wer aber von KING DIAMOND und richtig altem Old-School-Metal nicht genug kriegen kann, wird auch bei DESTINY und "Climate Change" seine Freude haben. Ich hatte außerdem ein verschmitztes Lächeln im Gesicht, als ich sah dass Veith Offenbächer auch bei DESTINY an Bord ist. Schließlich malträtiert der deutsche Gitarrist auch bei DAWN OF DESTINY die Saiten, was dann doch viel Schicksal in den Bandnamen darstellt.

Markus


 

Freitag, 4. November 2016

Haudegen - Altberliner Melodien


Band : Haudegen
Album : Altberliner Melodien
Spielzeit : 35:45 Min.
Veröffentlichung : 04.11.2016
Plattenfirma : Blut, Schweiß & Tränen / Tonpool & Zebralution
Homepage : www.haudegen-info.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste :
  1. Es gibt nur ein Berlin
  2. Bolle reiste jüngst zu Pfingsten
  3. Ach Marie, tu mir blos den Gefall'n
  4. Das war sein Milljöh (Das Lied vom Zille)
  5. Die Hauptsache ist
  6. Icke Dette kieke mal
  7. Ich habe eine kleine Philosophie
  8. Paula, mach die Bluse zu
  9. In deine Hände lege ich mein ganzes Glück
  10. Kinder schont die Betten
  11. Erst trinken wir noch eins

Wenn Hagen Stoll so aus seinem Buch "So fühlt sich Leben an" zitiert, mag man gar nicht glauben, dass man es mit einem bis über den Hals tätowierten, schwergewichtigen Ex-Türsteher zu tun hat. Hagen und Sven Gillert, beste Kumpels seit früher Kindheit, sind Haudegen, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die beiden rocken sich seit 2010 aus den Ostberliner Plattenbauten über Umwege bis in die "Tempel der großen Plattenfirmen" (Zitat Sven Gillert, "Zusammen sind wir weniger allein")

Vor allem aber wird bei näherer Betrachtung schnell klar, dass man es bei Haudegen mit zwei Typen zu tun hat, die einiges erlebt haben. Die vor allem ihr Ding, die Musik, konsequent durchziehen und sich eben nicht vom Stasi-bespitzelten Umfeld zu misstrauischen Misanthropen oder gar Antisemiten verformen ließen, sondern zu (fast) ganz normalen Familienvätern entwickelten. Wer Bock hat, mal in eine Leseprobe aus Stolls Buch reinzuhorchen, kann das unter www.soundcloud.com tun, es lohnt sich echt.

Altberliner Melodien ist ein ebenso ungewöhnliches wie wunderbares Album geworden. Vom Cover des Gatefold-Digipaks schmergeln sich zwei martialisch wirkende Typen einen in den Bart und man fragt sich, welche Art von Sauf-Metal der Marke Tom Angelripper jetzt wohl wieder erwartet. 



Vergiss es ! Die beiden stammen aus Berlin, einer Hochburg deutscher Dialekte; diese lieben und pflegen sie schon lange und insbesondere mit dieser Platte. Altberliner Melodien ist eine Ansammlung alter Lieder aus längst vergangenen, und fast vergessenen, Zeiten Berlins. Wer kennt heute noch Willi Kollo, Paul Lincke oder Heinrich Zille ? Und selbst wenn, wen aus den Reihen der Rockfans erschaudert es nicht beim Gedanken an deren Musik ? Wer denkt nicht mit Schrecken an die Musiktruhen der Großeltern, in denen sich Sonntagsmittags bei Salzkartoffeln, Rosenkohl und trockenem Braten mit dunkler Soße Platten wie diese in Dauerrotation drehten...

Nochmal, vergiss es !!!! Haudegen lassen sich nämlich mit viel Gespür für die Vergangenheit darauf ein, diesen Hinterhof-Geschichten und "Szenen von Halunken in Spelunken", also einem sehr speziellen Liedgut in ihrem ganz eigenen, rauhen Gewand gerecht zu werden. Und sie schaffen den Spagat, was mich ganz besonders erfreut, die Lieder in ihrem ureigenen Charakter zu belassen. So erschallen Bolle reiste jüngst zu Pfingsten oder Icke Dette kieke mal irgendwo zwischen unerwartet frisch, funky & heavy und trotzdem ein wenig altbacken. In deine Hände leg ich mein ganzes Glück erinnert in dieser Form gar ein wenig an Tom Trauberts Blues (Waltzing Matilda) von Tom Waits und macht einfach Spaß...wenn, ja wenn man bereit ist, sich drauf einzulassen. 

Leute wie ich, die Berlin nur aus dem Fernseher oder durch die Touristenbrille kennen, können auf diesem Wege sogar noch ein paar interessante Inhalte mitnehmen. Wer sich also abseits aller Hardrock-, Prog- und Bluesplatten mal auf etwas GANZ anderes einlassen möchte, und nichts dagegen hat, in die Historie der deutschsprachigen Musik einzutauchen, sollte unbedingt drüber nachdenken, sich Altberliner Melodien reinzuziehen. Die Platte ist ab sofort in allen gut sortierten Musikgeschäften erhältlich.


Ick empfehle mir, Jungens, dit habter juut jemacht !!!!!


Bernd Fischer

Mittwoch, 2. November 2016

Queen - On Air (2 CD)

Band: Queen
Album: On Air
Spielzeit:  101:24 min.
Plattenfirma: Virgin/EMI
Veröffentlichung: 04.11..2016
Homepage: queenonline.com




Wertung: Unverzichtbares Tondokument der klassischen Queen-70er-Phase


Tracklist:


CD1:
Session 1: 
1. My Fairy King 
2. Keep Yourself Alive 
3. Doing All Right 
4. Liar  

Session 2: 
5. See What A Fool I’ve Been 
6. Keep Yourself Alive 
7. Liar 
8. Son And Daughter 

Session 3: 
 9. Ogre Battle 
10. Modern Times Rock’n’Roll 
11. Great King Rat 
12. Son And Daughter


CD2:
Session 4: 
1. Modern Times Rock’n’Roll  
2. Nevermore 
3. White Queen (As It Began)

Session 5: 
4. Now I’m Here  
5. Stone Cold Crazy  
6. Flick Of The Wrist  
7. Tenement Funster  

Session 6: 
 8. We Will Rock You  
 9. We Will Rock You (Fast)  
10. Spread Your Wings  
11. It’s Late  
12. My Melancholy Blues


Nach Led Zeppelin plündern auch Queen weiterhin ihre Archive und kommen ebenfalls mit einer Gesamtwerkschau ihrer insgesamt 6 BBC-Sessions um die Ecke gebogen.
Etliche der Sessions (genauer gesagt Session 1 und Session 3)wurden bereits auf der Veröffentlichung "Queen At The Beeb" sowie "Queen At The BBC ) veröffentlicht und der Hardcore-Queen-Fan kennt auch die meisten der anderen in den Jahre 1973 bis 1977 entstandenen Tracks für die BBC von verschiedenen "inoffiziellen" Releases.

Dass hier wieder einmal Nögel mit Köpfen gemacht wird versteht sich von selbst. Neben der wie übliche gelungenen Verpackung sowie Aufmachung (die CD's haben als Label ein recht originelles Tonband als Label-Aufdruck)ist in erster Linie die enorme Soundverbesserung zu nennen, die wirklich atemberaubend ist. Offenbar hatte man Zugriff auf die Originalbänder um das Optimum an Sound herauszuholen. Beinahe unglaublich, dass die Tracks 40 Jahre und mehr auf dem Buckel haben. 

Bereits in ihren Anfangsjahren merkte man, dass Queen nicht die übliche Rock-Band der 70er sein würden, dafür war ihre Musik einfach zu variabel. Teils von Led Zep inspirierte Riffs (Ogre Battle), gefühlvolle Balladen ("Nevermore"), beinahe schon als Speed-Metal zu bezeichnende Tracks wie "Stone Cold Crazy" und "Modern Times Rock 'n Roll" (zweimal vertreten - einmal schnell und einmal langsamer) und das unverwüstliche "We Will Rock You" (hier sowohl in der gängigen Fassung als auch in der in den 70ern oftmals live gespielten sensationellen  "Fast Version" vertreten). 

Bereits damals war die Bandbreite der Band enorm. Über das Können von Brian May an der Gitarre sowie dem über alles thronenden Gesang von Freddie Mercury muss man sicherlich keine Worte mehr verlieren. Aber auch Roger Taylor darf sich neben den Drums an den Vocals austoben und John Deacon wird eh meist  leichtsinnig übersehen, dabei war er es der den kommerziell erfolgreichsten Queen-Song in den USA schrieb (Another One Bites The Dust). Auf "On Air"  ist besonders der Hit "Spread Your Wings" aus seiner Feder zu nennen, welches in der BBC-Variante einen genialen schnellen Schlußteil aufweist, der auch nie live gespielt wurde.

Interessant an den BBC Sessions ist natürlich auch die Tatsache, dass es sich hier nicht nur um einfach 1:1 von den Albumfassungen nachgespielte Versionen von Songs handelt, sondern sich die Versionen teilweise erheblich von den bekannten Fassungen unterscheiden, nicht nur im Sound sondern auch von der Instrumentierung (z.B. extended Gitarrensolo in "Son And Daughter" )oder zum Teil anderen Texten.
Es macht durchaus Laune, die hier vorliegenden Versionen unmittelbar hintereinander mit den Albumfassungen abzuspielen und auf die Unterschiede zu achten. Es gibt sehr viel zu entdecken.

Die Liner-Notes, versehen mit raren Fotos, geben detailliert wieder, wann welche Session entstand und die Sessions sind auch chronologisch geordnet (im Gegensatz zur den wild durcheinandergewürfelten Led Zep-Sessions).

Für die harten Sammler gibt es das ganze mit gleichem Inhalt auch als 3-LP Luxus-Vinyl-Set als auch als 6 CD-Box Set mit Live-Material aus den 70er bis 80er Jahre sowie etlichen Stunden Interviews (unter anderem das letzte gemeinsame Band-Interview aus dem Jahr 1989).

Ob man dies alles benötigt kann jeder für sich selber entscheiden, der harte Fan frägt hier sicherlich nicht zweimal nach und schlägt zu.

Alles in allem ein klassisches Tondokument einer der besten Bands (wenn nicht DER  besten!) aller Zeiten. Mit "On Air" kann man wirklich  nicht viel verkehrt machen.


Martin



 
 



Montag, 31. Oktober 2016

The Neal Morse Band - The Similitude Of A Dream


Band : The Neal Morse Band
Album : The Similitude Of A Dream
Spielzeit : 106:35 Min.
Veröffentlichung : 11.11.2016
Plattenfirma : Radiant Records
Homepage : www.nealmorse.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste CD1 - 51:59 Min.
  1. Long Day
  2. Overture
  3. The Dream
  4. City Of Destruction
  5. We Have Got To Go
  6. Makes No Sense
  7. Draw The Line
  8. The Slough
  9. Back To The City
  10. The Ways Of A Fool
  11. So Far Gone
  12. Breath Of Angels

Trackliste CD2 - 54:36 Min.
  1. Slave To Your Mind
  2. Shortcut To Salvation
  3. The Man In The Iron Cage
  4. The Road Called Home
  5. Sloth
  6. Freedom Song
  7. I'm Running
  8. The Mask
  9. Confrontation
  10. The Battle
  11. Broken Sky / Long Day (Reprise)

Na und ? Fange ich eben zum zweiten Mal an mit der aktuellen Veröffentlichung der Neal Morse Band, The Similitude Of A Dream. Sämtliche Gedanken, die ich vorgestern niedergeschrieben hatte, waren zwei Tage später plötzlich gelöscht, Technik die begeistert. Aber was soll's, für gute Musik nehme ich mir gerne viel Zeit, immerhin ist der gute Neal seit Jahren ein gutes Vorbild und haut mit verschiedenen Projekten und Bands eine Platte nach der anderen raus. Wer spontan nichts mit dem Namen anfangen kann; Neal Morse hat als Sänger und vielseitiger Handwerker (Gesang, Keyboard, Piano, Gitarre, Mandoline, Percussion) Prog-Bands wie Spock's Beard, Transatlantic und den Flying Colors seinen Stempel aufgedrückt, hinzu kommen Solo-Projekte, diverse Album-Beteiligungen und Kirchenkonzerte. Und nein, er ist nicht mit seinem Namensvetter Steve verwandt, der bei Deep Purple die Gitarre bedient und mit dem zusammen er bei den erwähnten Flying Colors spielt.

The Similitude Of A Dream ist die auf zwei Tonträger verteilte Umsetzung des Buches The Pilgrim’s Progress From This World To That Which Is To Come (Die Pilgerreise aus dieser Welt in die Zukünftige) aus dem Jahr 1678 und somit als lupenreines Konzeptalbum zu bezeichnen. Nun kann man zu dieser Herangehensweise stehen wie man will, manche machen Sinn und andere sind ihr Geld nicht wert, aber Neal Morse hat seine Einstellung zur Religion (er ist spät berufener Christ, dafür aber umso überzeugter), stets gerne zum Thema gemacht und setzt diese Geschichte durchaus glaubhaft um. 

Zur Seite steht ihm erneut seine hochklassige Band, allen voran Schlagzeuger und Freund Mike Portnoy, welcher Presse und Fangemeinde weit vor dem Veröffentlichungstermin bereits einschwor und die neue Platte mal eben auf eine Schiene mit den GANZ großen Klassikern hob: "I honestly think this is THE album of my career, Neal and I have now made 18 studio albums together, and I consider THE SIMILITUDE OF A DREAM the absolute creative pinnacle of our collaborations together. I've always had a soft spot for double concept albums such as Pink Floyd's THE WALL and The Who's TOMMY, and I can bravely say that I think we've created an album here that can sit side by side with those masterpieces. Bold words, I know, but after a career of almost 50 albums, I honestly consider this to be one of the defining works of my career.” 



Und tatsächlich, wir bekommen in mehr als 100 Minuten alles serviert, und ich meine wirklich alles, was den Liebhaber des melodischen Progressiven Rocks begeistert. Dramatik, Emotionen, Harmonien, tolle Kompositionen, mehrstimmige Gesänge, vertrackte Songstrukturen und alle, die auf dem ersten Album The Grand Experiment die nötige Portion Härte vermissten, here you are. Stellt Euch einfach vor, Genesis, Yes, Queen, Marillion und wie sie nicht alle heißen, hätten während der Aufnahmen kurz vorbeigeschaut und eine musikalische Spende hinterlassen, das Ergebnis hieße The Similitude Of A Dream und das meine ich keinesfalls despektierlich. Ich bin restlos begeistert ob des Füllhorns von Ideen und Fertigkeiten, sowohl von Neal Morse himself, als auch von Pianist Bill Hubauer, Gitarrist Eric Gilette oder Bassist Randy GeorgeMike Portnoy natürlich nicht zu vergessen. Hier hören wir Musik auf allerhöchstem Niveau, Können und Fleiß heißen die Zutaten. 

Eine Sache macht mir das absolute Hörvergnügen indes ein wenig schwer; und zwar wäre das Doppel- wohl besser ein Einzelalbum geworden. Besonders die erste, trotz des harten, packenden Draw The Line, deutlich sanftere Scheibe, zieht sich phasenweise ein wenig in die Länge. Der Charakter der Stücke ähnelt sich sehr und man möchte nicht mehr wirklich von Abwechslung oder gar Spannung reden. Trotz solcher Hymnen wie The Breath Of Angels (man nehme ein Glas lieblichen Rotweins und zünde eine Kerze an), wirkt es ein wenig anstrengend, dem Faden zu folgen. Das dürfen und werden die vielen Anhänger selbstredend komplett anders sehen. 

Teil zwei des opulenten Werkes lässt mich plötzlich zweifeln, ob ich mich nicht doch verhört haben könnte. Slave To Your Mind schallt dermaßen knackig und treibend aus meinen Lautsprechern dass ich mir verwundert erstmal ein Bier aufmache, könnte ja noch mal spannend werden. Und siehe da, plötzlich riecht es nicht mehr nach Hugo Boss sondern nach Schweiß. OK, den tupft Mr.Morse immer wieder ab, doch die zweite Scheibe macht auf einmal richtig Laune ! Der Übergang zum hymnischen Shortcut To Salvation erfolgt fließend und als wäre nichts gewesen, lässt die Band mit The Man In the Iron Cage einen bleiernen Zeppelin fliegen. Die Orgel schmiergelt, die Gitarren-Riffs hinterher und Mike Portnoy kesselt in feinstem Andenken an John Bonham den Vorschlaghammer auf die Felle. Dabei vergisst Neal Morse natürlich nicht, der eigenen Linie treu zu bleiben, technische Fingerfertigkeiten, Breaks, Keyboardteppiche und wechselnde Stimmungslagen übereinander zu schichten und wieder zu entwirren. Im weiteren Verlauf folgen folkig angehauchte, in bester Who-Manier rockende und mit wunderschönen Piano-Ouverturen beginnende Songs; es ist mir eine wahre Freude ob dieser unerwarteten Wende. 

Letztlich frage ich mich erneut, warum musste es unbedingt ein Doppelalbum werden ? Ein Konzentrat aus allem und The Similitude Of A Dream hätte mich nicht nur hintenraus überzeugt, so reicht es immerhin noch zu stolzen neun Punkten, aber das von Mike Portnoy angekündigte Opus Magnum ist es dann doch nicht geworden. 

Als Anspieltipp hört Ihr bitte unbedingt in die ebenfalls zusammenhängenden Songs The Mask und Confrontation rein, ein Traum in Prog und natürlich...von der zweiten CD.


Bernd Fischer

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Albert Hammond - In Symphony



Band: Albert Hammond
Album: In Symphony
Spielzeit: 53:07 min.
Plattenfirma: BMG
Veröffentlichung: 21.10.2016
Homepage: www.alberthammond.com

Wertung: ohne Wertung


Tracklist:

01. It Never Rains In Southern California
02. I'm A Train
03. When I Need You
04. Give A Little Love
05. Alejate
06. To All The Girls I Loved Before
07. Estrellita
08. When You Tell Me That You Love Me / One Moment In Time
09. Nothing's Gonna Stop Us Now
10. Don't Turn Around
11. The Free Electric Band
12. The Air That I Breathe


Diesmal möchte ich ein Album kurz vorstellen, welches im Grunde überhaupt nicht hier auf die Seite passt und wahrscheinlich werden sich einige von euch verwundert die Augen reiben, warum ich hier Worte über diese "Rentnermucke" verliere. Ist mir aber ehrlich auch egal, denn hier geht es um Musik und was ALBERT HAMMOND hier auf Silberling gebracht hat, verdient beachtet zu werden. Zusammen mit Orchester schuf ALBERT neue Interpretationen solch unterschiedlicher aus seiner Feder stammenden Oldies wie "It Never Rains In Southern California" oder "The Air That I Breathe" (HOLLIES). Ersteres ist dann auch ein fast schon genialer Einstieg in das ALbum und kann mich mit seinen neu gesetzten Harmonien zur Gänze überzeugen, ehe Mr. HAMMOND mit dem flotten "Im A Train" beweist, dass er auch schnellere Stücke perfekt mit dem Orchester-Gewand ummanteln kann. 


Die neue Version "When I Need You" (von HAMMOND für LEO SAYER geschrieben) mag zwar etwas kitschig geworden sein, der Romantik Faktor dieses eh schon ohrenschmeichelnden Song wurde jedoch um mindestens 50% erhöht und ganz ehrlich, wenn das nicht der kommende Hochzeits-Walzer auf so mancher zukünftigen Feier wird, läuft etwas völlig verkehrt in dieser Welt. So viel Gefühl habe ich seit Jahren nicht mehr in einem Song gehört. Wahre Kindheitserinnerungen werden mit dem HAMMOND/WEST Hit "Give A Little Love" wach, den ich als kleiner Junge tatsächlich geliebt hatte und immer mitträllerte, wenn er im Radio lief. Natürlich mit völlig falschem Text, da Englisch noch nicht auf dem Stundenplan stand. Und die symphonische Version schafft es auch anno 2016 mir so manchen wohligen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Dazu kommt eine Produktion in den Abbey Road Studios von Rob Mathes, die definitiv das Prädikat Weltklasse verdient hat, sämtliche Instrumente sind auf den Punkt genau zu hören und wenn ich mir den Sound direkt an meiner Hifi-Anlage zu Gemüte führe, kommen epische Momente auf. Das nun folgende "Alejate" war mir zuvor nicht so bekannt, die HAMMOND Version ist mir dann auch etwas zu kitschig geworden. Und auch für das folgende "To All The Girls I Loved Before" bin ich mindestens noch ein/zwei Jahrzehnte zu jung. 

Leider hat sich mit "Estrellita" auch ein Stück auf "In Symphony" eingeschlichen, bei dem ich leider immer sofort die Skip-Taste drücken muss. Das Stück ist ein völliger Fremdkörper auf dem Album und mir ist es ehrlich egal, dass es von HAMMOND eine nette Geschichte zu dem Song gibt: "Mein Onkel nahm mich auf, als ich 8 Jahre alt war und diese Nummer sang. Er ließ diese Aufnahme auf Schelllackplatten pressen, die er auf Gibraltar verkaufte. Ich behielt ein Exemplar davon, aber ich wusste eigentlich nie, warum. Jetzt weiß ich’s, denn in der Version, die sich auf meinem neuen Album befindet, singe ich mit mir selbst." Das Medley aus "When You Tell Me That You Love Me" und "One Moment In Time" läutet dann sehr ruhig die letzten 25 Minuten ein, die im Grunde einfach nur noch genial sind. Sei es das von JEFFERSON STARSHIP bekannte "Nothing's Gonna Stop Us Now", welches nun ein völlig veränderte Klangfarbe hat, oder der 70er Jahre Klassiker "The Free Electric Band", sämtliche nun folgenden Stücke sind einfach nur großartige Musik, intoniert von einem Sänger, der sein Handwerk mehr als nur versteht. 

Daher lege ich euch allen "In Symphony" für all die kuscheligen Winterabende vorm heimischen Kamin mit der Liebsten im Arm ans Herz. Denn wenn ich höre, was für ein Mist auf den aktuellen Kuschelrock-Scheiben enthalten ist, so hat Mr. HAMMOND den Weg in eure Platten- und CD-Spieler tausendfach mehr verdient. Und wie gesagt, der Romantik-Faktor dieses Albums übersteigt alles, was ich in meinen fast 40 Jahren gehört habe.

Markus

Sonntag, 23. Oktober 2016

Symphonity - King Of Persia


Band: Symphonity
Album: King Of Persia
Spielzeit: 53:23 min.
Plattenfirma: Limb Music
Veröffentlichung: 30.09.2016
Homepage: www.symphonity.com

Wertung: 7 von 10

Tracklist:

01. King Of Persia
02. The Choice
03. In The Name Of God
04. Flying
05. A Farewell That Wasn't Meant To Be
06. Children Of The Light
07. Siren Call
08. Live To Tell The Tale
09. Unwelcome
10. Out Of This World


Etwas spät bin ich über diese deutsch-tschechische Kooperation gestolpert. Schließlich ist unser Nachbarland nicht wirklich für eine riesige Metalbanddichte bekannt (mir sind im Grunde nur die verrückten KABAT in Erinnerung geblieben, und die singen in Ihrer Landessprache). SYMPHONITY sind bereits mit Ihrem dritten Album am Start und dürfte allen Fans von RHAPSODY, THUNDERSTONE, aber auch SONATA ARCTICA ein Lächeln entlocken. Warum aber für den Einstieg den Titeltrack "King Of Persia" gewählt hat, wird für mich etwas unverständlich bleiben. Denn mit seinem 9 Minuten Länge und den progressiv-angehauchten Strukturen inklusive langer Gitarrensoli stellt er einen etwas sperrigen Einstieg dar. Positiv hervorzuheben ist aber hier bereits das musikalische Können der Protagonisten, die mit Ihren beiden Sängern Olaf Hayer (Ex-TREASURE SEEKER) und Gast Herbie Langhans (SINBREED, AVANTASIA) zwei Könner Ihres Fachs an Bord haben, wobei mir letzterer bei seinen Stücken noch einen Tacken besser gefällt. Liegt aber vielleicht auch daran, dass er mich live bei AVANTASIA kürzlich völlig umgeblasen hat. 


"The Choice" wildert dann gewaltig in alten STRATOVARIUS-Sphären, kann mich aber überzeugen. So muss epischer Symphonic Metal einfach klingen, straight nach vorne mit einem geilen Refrain. "In The Name Of God" erinnert mich dann wieder stärker an RHAPSODY, was durch die Gastspiele von Luca Turilli auf dem Vorgängeralbum nicht von ungefähr kommen sollte. Das anschließende "Flying" würde auch auf jedem AVANTASIA Album eine gute Figur machen und stellt für mich den Höhepunkt des Albums dar. Hier passt einfach die Mischung aus ruhigeren Parts und einem epischen Refrain, der dich gegen die Wand drückt und zum Mitgrölen animiert. Mit dem abwechsungsreichen "A Farewell That Wasn't Meant To Be", das trotz seiner Länge niemals Langeweile aufkommen lässt und dem treibenden "Live To Tell The Tale" haben SYMPHONITY zwei weitere heiße Eisen im Feuer bzw. auf das Album gepackt. Und doch bleibt bei mir manches nicht wirklich hängen. Das speedige "Children Of The Light" habe ich in ähnlicher Weise wahrscheinlich einfach zu oft bereits gehört. Das balladeske "Siren Call" lässt mich dann leider ebenfalls gähnen und die beiden abschließenden Stücke "Unwelcome" und das ziemlich einschläfernde Instrumental "Out Of This World" ziehen die Bewertung dann noch einmal nach unten. 

Denn so gut die Ansätze auch sind, SYMPHONITY schaffen es leider nicht ganz in den Olymp der ganz großen Bands aufzusteigen. Dazu fehlt dann etwas die Kontinuität im Songwriting, die genialen Momente sind zu rar gesät. Und doch bin ich froh die deutsch-tschechische Kombo für mich entdeckt zu haben, den gerade für den Hunger zwischendurch sind die guten Stücke auf "King Of Persia" prädestiniert und eine willkommene Abwechslung zu den etablierten alteingesessenen Acts, die auf manchen Alben auch nicht zu 100% Höchstform auflaufen. Gebt SYMPHONITY ebenfalls eine Chance, dann könnten irgendwann auch bei den Jungs einige Klassiker des Genres zu Buche stehen. Das Talent ist mehr als genug vorhanden.

Markus


 

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Alligator Rodeo - Alligator Rodeo


Band : Alligator Rodeo
Album : Alligator Rodeo
Spielzeit : 32:28 Min.
Veröffentlichung : 28.10.2016
Plattenfirma : Deafground Records
Homepage : www.facebook.com/alligatorrodeoband

Wertung : 7 von 10

Trackliste :

  1. Ether
  2. Heritage
  3. Iso
  4. Time
  5. Pitiful Men
  6. Voodoo Lady
  7. Voodoo Doll

Mit Alligator Rodeo stehen drei junge Leute aus Ostwestfalen in den Startlöchern und bringen Ende des Monats ihr selbstbetiteltes Debutalbum heraus. Auf dem via Deafground Records erscheinenden Silberling regiert harter, groovender Riffmetal mit einer abgrundtiefen Portion Düsternis. Man könnte auch sagen, jetzt wo die Nächte länger werden und die Welt wieder Grau trägt, hält Sludge-Doom made in Detmold Einzug in unsere Wohnzimmer. Dazu passt das komplett schwarz-weiß gehaltene Coverartwork des Designers Florian Stucki aka Digital-Vandalism im Übrigen ganz hervorragend.

Detmold. Musik. War da was ? Leider nein. Und je länger ich nachdenke und recherchiere, desto mehr wird mir klar, dass mir kein Musiker und keine Band aus dieser Stadt bekannt wären. Man möge mir verzeihen und mich korrigieren, wenn ich da wen vergessen hätte und wer weiß, vielleicht können Till Sadlowski, Tobias Möller und Theo Starke das ja ändern. Die Musik von Alligator Rodeo ist natürlich nicht massenkompatibel, hat aber das Zeug dazu und pendelt irgendwo zwischen dem schweren Doom der britischen Cathedral und dem groovenden Thrash der Texaner Pantera, insbesondere deren Nachfolger Down. Sänger und Gitarrist Till hat passenderweise Momente in denen er Lee Dorrian sehr ähnelt, aber auch Phil Anselmo dürfte Tills Gehörgänge irgendwann einmal beeindruckt haben. 



Warum auch nicht, schliesslich muss er sich mit seiner Leistung nicht verstecken. Im Gegenteil, er harmoniert wunderbar mit dem gut wahrnehmbaren Bass von Tobias, welcher wiederum ein stimmiges Paket mit Theos Schlagzeug abgibt. Ich bin angenehm überrascht, wie gut die Band miteinander harmoniert und wie gut die Scheibe von Björn Brodner von den 7Klang Studios produziert und gemixt wurde. Sämtliche Instrumente lassen sich lokalisieren und gehen nicht in irgendeinem Soundbrei unter. Gut gemacht !

Dennoch ist im Gesamtpaket schon noch Potential nach oben. Man vergleicht halt, ob man nun will oder nicht, immer mit den Platzhirschen und so darf sicher noch ein wenig am Songwriting (etwas mehr Abwechslung hätte mir sehr gut gefallen) als auch am Timing gearbeitet werden. Aber hey, wir reden hier von einem Debutalbum, das tolle Songs wie Voodoo Doll, eine schleppend startende, fette Doom-Nummer mit einem Gitarrenriff aus Toni IommiKohlenkellerganz ans Ende packt. Wir sprechen von Pitiful Men, dem Song den Cathedral garantiert noch gerne auf ihr zweites Album gepackt hätten. 

Alles in Butter also in Detmold. Jungens, ihr habt das richtig gut gemacht und ja, unbedingt weitermachen und bei Misserfolgen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Ich will jedenfalls noch was hören von Euch !!!

Bernd Fischer

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Eldorado - Mother Water / Pristine - Derek

Heute kann ich euch als kleinen Vorgeschmack auf das neue Album "Riding The Sun" von ELDORADO das Musikvideo zum Song "Mother Water" präsentieren. Das Album ist eben bei mir eingetroffen, die Rezension folgt, sobald ich mich näher damit beschäftigen konnte. 

Aber ein Fest für alle Classic Rock Fans wird es auf alle Fälle.

Hier das Video:


Und falls ihr noch nicht genug von Classic Rock habt, kann ich euch die Norweger von PRISTINE ans Herz legen, die ja von uns bereits ausführlich getestet wurden. Hier geht es zur Rezi: PRISTINE

Die haben nun ein Video zum Opener "Derek" gedreht. Die Band selbst sagt zum Song:

„“Derek“ handelt von einem Begriff, mit dem wir in Norwegen groß wurden: „Jantelov“ bzw. das Gesetz von Jante. Dieses Gesetz handelt vom angeborenen Bösen im Menschen  und die Fähigkeit, andere herunterzumachen. Es basiert auf dem Neid der Menschen und darauf, seinem Nachbarn nicht gerade das Beste zu wünschen. Anstatt sich über den Erfolg von jemandem zu freuen, wollen manche Leute andere immer nur unterdrücken. Wir wuchsen in kleinen Dörfern in Norwegen auf, wo „Jantelov“ allgegenwärtig war. In diesem Song haben wir diese Art der Schikanierung durch einen verbitterten, alten Mann personifiziert, der in den Wäldern mit seiner alten Schaufel lebt. Er ist auf der Suche nach dem perfekten Ort und dem perfekten Zeitpunkt und würde alles dafür tun, dich unter die Erde zu bringen."

Aktuell auf Tour mit THE BREW:
05.11. DE - Berlin, Columbia Theater
07.11. CZ -  Prag, Nova Chmelnice
08.11. 
AT - Wien, Szene
09.11. DE - München, Backstage
10.11. DE - Essen, Turock
11.11. DE - Hamburg, Markthalle
12.11. DE - Köln, Kantine
15.11. DE - Konstanz, Kula
16.11. DE - Ulm, Roxy
17.11. DE - Tuttlingen, Stadthalle
18.11. CH - Lyss, Kufa
19.11. DE - Freiburg, Jazzhaus


Mir gefällt der LED ZEPPELIN Touch des Songs, den Ihr euch hier ansehen könnt:

Montag, 3. Oktober 2016

Beth Hart - Fire On The Floor


Band : Beth Hart
Album : Fire On The Floor
Spielzeit : 48:23 Min.
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group
Veröffentlichung : 14.10.2016
Homepage : www.bethhart.com

Wertung : 8 von 10

Trackliste:
  1. Jazz Man
  2. Love Gangster
  3. Coca Cola
  4. Let's Get Together
  5. Love Is A Lie
  6. Fat Man
  7. Fire On The Floor
  8. Woman You've Been Dreaming Of
  9. Baby Shot Me Down
  10. Good Day To Cry
  11. Picture In A Frame
  12. No Place Like Home

Wenn der Tag ein guter Tag zum Heulen ist, der Jazz-Man Coca Cola trinkt und Dir die Frau, von der Du geträumt hast, sagt "Hey ! My Baby Shot Me Down !" und Du antwortest "I'm The Fat Man, The Love Gangster...and There's No Place Like Home and if I say Let's Get Together there will be Fire On The Floor"  

Du bist ein wenig irritiert ? Ich gebe es zu, ich hatte die Tracklist der aktuellen Beth Hart CD vor mir liegen und die CD im Player. Da überkam es mich mit der wirren Wortspielerei, denn die Platte ist richtig geil. Es gibt sicherlich eine winzige Bedingung: Man muss drauf stehen...

Und in der Tat, Fire On The Floor ist ein fantastisches Album mit ganz wenigen Schwächen geworden. Nicht nur dass mein Wohnzimmer von einem der packendsten Opener der letzten Jahre, dem Jazz Man, geflutet wird und ich schon bei dieser ersten Nummer anfange zu swingen. Beth Hart zitiert einen Musikstil, den man in irgendeiner dunklen Kiste oben auf dem Dachboden wähnt: Vocal Jazz. Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald und vor allem Billie Holiday heissen die Ikonen, denen die gute Beth besonders gut zugehört haben muss. "Ich liebe diese Atmosphäre, diese leichte, lockere Erotik", so ihre eigene Beschreibung. Die Sängerin aus Los Angeles setzt aber immer wieder einen drauf und haut ein Album raus, mit dem sie sich endgültig in die Riege der stärksten Stimmen der letzten Jahre einreihen dürfte. Ihr Stimmumfang, und das wissen unsere Leser ja spätestens seit ihrer Kollaboration mit Joe Bonamassa (Don't Explain, Seesaw klick, Live In Amsterdam), ist enorm und erlaubt der Mittvierzigerin eine abwechslungsreiche Songauswahl, wie ich sie seit Tagen auf Fire On The Floor höre.



Und wie sieht Beth Hart, die den Tod des Produzenten ihres letzten Albums verkraften musste, die neue Platte ?  "Die zwölf Songs sind in gewisser Weise Eskapismus. Wir steckten noch tief in der Mixingphase für "Better Than Home", da wusste ich, dass ich ein weiteres Album aufnehmen musste. Der Produzent Michael Stevens starb damals an Krebs und es war es sehr schmerzhaft für mich, das Album zu schreiben und aufzunehmen. Daher wollte ich die Songs für "Fire On The Foor" möglichst schnell zum Leben erwecken. Früher hörte ich alles von Gospel über Soul, Klassik bis hin zu Rockbands wie Soundgarden. Es gibt so viele wunderbare Genres. "Better Than Home" ist eines meiner besten Alben, doch es war auch eine brutale Erfahrung. "Fire On The Floor" hat mehr Energie und mehr Eier in der Hose. Ich brauchte wirklich einen Ausgleich, ich musste dieses Album machen...ich bin zufrieden damit."

Aber, war da nicht mal was in Sachen Beth Hart und Bluesrock ? Naja, eine Abkehr von der reinen Blues-Lehre kann man der Sängerin aus Los Angeles ohnehin nicht bescheinigen, da sie bereits auf ihren ersten Platten immer wieder ein Gespür für sanfte und emotionale Momente bewiesen hat. Tatsache ist, dass sowohl Beth als auch ihr Umfeld sich verändert haben. So gibt sie ihren Songs heute die nötige Luft zum Atmen, hat Produzenten und Musiker, die diesen feinen Unterschied umsetzen können. Fire On The Floor hat im Home Studio von Oliver Leiber ein perfektes Soundgewand verpasst bekommen, so dass man in Songs wie Woman You've Been Dreaming Of die berühmte Stecknadel fallen hören kann. Michael Landau (Gitarre), Waddy Wachtel (Gitarre), Brian Allen (Bass), Rick Marotta (Schlagzeug), Jim Cox (Piano), Dean Parks (Akustikgitarre) und Ivan Neville (Hammond B3) trugen einen großen Teil zum Gelingen bei. Michael Landau und Waddy Wachtel sind Legenden und als ich begriff dass wir sie hatten, konnte ich es erstmal nicht glauben. Wenn Du keine guten Musiker hast, bekommst Du auch kein gutes Album oder ?”



Und so entstanden 12 Songs, die von Beths Entwicklung vom Gospel über Soul und Klassik bis hin zum harten Rock ihrer Lieblingsband Soundgarden, den sie vor allem wegen deren Sänger Chris Cornell schätzt, mehr oder weniger profitieren. Songs wie No Place Like Home, die vor Heimweh fast schmerzen oder Baby Shot Me Down, ein Salsa-schwangeres Highlight, unspektakulär aber intensiv und vor allem mit einer Gesangsleistung, die ihresgleichen sucht. 

Ich verliebe mich immer wieder viel zu schnell in Musik aber Fire On The Floor ist eine Platte geworden, die man nicht liegen lassen sollte. 


Bernd Fischer