Montag, 18. August 2014

Jimmy Cornett And The Deadmen - The Ride



Band : Jimmy Cornett And The Deadmen
Album : The Ride
Spielzeit : 48:17 Min.
Veröffentlichung : 29.08.2014
Plattenfirma : Stringkiller Music
Homepage : www.jimmycornett.de

Wertung :  8 von 10

Trackliste : 

  1. Devil Got My Soul
  2.  ...For The Ride
  3. Guardian Light
  4. Kilian
  5. Lecker
  6. Another Wednesday Morning
  7. Long Way To The Bar
  8. Fields Of Stone
  9. Red Light
  10. Rip Off Your Shirt
  11. Raise The Dust [bonus track]
  12. Red Light (Remix by Bombax) [bonus track]
 
Musiker, die mit beiden Beinen fest auf ihrem Boden stehen und dazu noch handgemachte Qualitätsmucke auf den Markt kicken, werden von uns immer wieder gerne etwas genauer unter die rockingboy-Lupe genommen. Jimmy Cornett And The Deadmen sind aus diesem Holz und knallen uns Ende des Monats ein Album voller ungeahnter Perlen vor den Latz. Eins ist auf jeden Fall sicher: The Ride wird garantiert noch für Furore sorgen...

Jimmy Cornett, Wahlhamburger mit deutsch-finnischer Abstammung, wuchs in Minden (NRW) auf und wohnt seit 21 Jahren im geerdeten Hamburg-Harburg. "Das ist ein ehrlicher Ort mit ehrlichen Leuten, die einem auch gerne die Meinung sagen, wenn man komisch wird.", so Cornetts symphatische Meinung über seine Harburger Nachbarn. The Deadmen, bestehend aus Dennis Adamus (Lead Gitarre), Frank Jäger (Upright Bass) und Thomas Raabe an den Drums ergänzen Cornett und runden den ersten Cover-Eindruck einer Band die mit sich im Reinen zu sein scheint, ab.



Jimmy lieh sich irgendwann mal die Gitarre einer Nachbarin und entdeckte sein Talent für dieses Instrument, spielte mit einem trommelnden Kumpel ein wenig herum und so nahm die Sache ihren Lauf. Ergebnis dieser Entwicklung, und sicherlich viel harter Übung, ist die bereits dritte Platte des Mannes mit dem Faible für die USA und Triumph-Motorräder. Die Bikes waren auch der Grund dafür dass Cornett sich mit den Hells Angels bzw. deren musikalischen Vorlieben, beschäftigte. 2006 erschien das daraus resultierende Album Rythm Of Hells - Songs Of Angels - History, gefolgt von einer 5-Track EP namens California Session und dem ganz ganz feinen 2012er Americana-Album Raise The Dust.  

Nun erscheint also The Ride, wieder ein Album, dessen Urprung viel eher in den Staaten liegen müsste, als im Norden unserer Bundesrepublik. Cornett greift aber, und das steht ihm und der Band wirklich sehr gut, nicht nur in die prallgefüllte Kiste der US-Musikgeschichte, indem er Delta-Blues der Marke Reverend Peyton's Big Damn Band (Devil Got My Soul, Rip Off Your Shirt), das countryeske Killian oder in Lecker schmissigen Rock'n'Roll nicht nur zitiert. Nein, er drückt sämtlichen Songs seinen persönlichen Stempel auf. Hut ab die Herren !!!

Ganz nebenbei hat Jimmy Cornett dann auch noch ein ganz feines Gespür für Melodien und die harmonische, melancholische Seite der Musik, an der schon so viele gescheitert sind. Und so finden sich neben erwähnten herausragenden Songs, etwas versteckt, die kleinen, unscheinbaren Highlights auf The Ride. Mit Guardian Light zeigt Jimmy, welch hervorragender Songwriter und Sänger er ist. Mir scheint, dass die Musikwelt bisher einen schweren Fehler gemacht hat, indem sie den Mann schnöde ignoriert hat. Leute, nehmt euch einfach mal die Zeit, es lohnt sich. Vergesst einfach mal die ganze Radioscheisse und hört echte Musik !!!



Ganz nebenher befindet sich ein Track auf der Scheibe, der eine ganz besondere Geschichte hat. Raise The Dust wurde von Rupert Henning geschrieben und von Jimmy Cornett für eine Doku über eine 1300 Kilometer lange Offroad-Motorradexpedition komponiert, die von einem Kamerateam begleitet und dokumentiert wurde. Im obigen Videoclip seht ihr deshalb einen Teil dieses Films und dürft der wunderbaren Musik im Hintergrund lauschen.

Ein weiterer Song verdient Aufmerksamkeit: Red Light, ein Coversong, den ich so niemals auf der Scheibe erwartet hätte. Das Original stammt aus dem Jahre 1977 und wurde von keinem anderen als Billy Ocean (die Älteren unter uns werden sich erinnern) zum Besten gegeben.

Jimmy und die Deadmen schaffen es tatsächlich, aus der Disconummer ein ernstzunehmendes Stück Musik zu formen, sicher mit einem Schmunzeln im Gesicht. Wie auch beim für mich überflüssigen Versuch, diesen in einer remixten Version als Bonustrack als Bonus hintendranzuhängen. Grundsätzlich nicht schlecht gemacht, aber für meinen Geschmack passt das irgendwie nicht in den Kontext der ansonsten tollen Scheibe.

Ich bin höchst erfreut, endlich mal wieder ein sehr erfrischendes wie ernstzunehmendes Stück Musik aus deutschen Landen auf dem Tisch gehabt zu haben. Jimmy Cornett And The Deadmen haben, wenn nicht wieder sämtliche Organe unserer quotengeilen Musikbranche die Augen verschliessen, eine rosige Zukunft vor sich...



Bernd Fischer

Ace Frehley - Space Invader

Interpret : Ace Frehley
Album : Space Invader
Spielzeit :  54:14 min.
Veröffentlichung : 15.08.2014
Plattenfirma : Steamhammer (SPV)
Homepage :  www.acefrehley.com


Wertung :  7 von 10


Tracklist:

01. Space Invader
02. Gimme A Feelin'
03. I Wanna Hold You
04. Change
05. Toys
06. Immortal Pleasures
07. Inside The Vortex
08. What Every Girl Wants
09. Past The Milk Way
10. Reckless
11. The Joker
12. Starship



Space-Ace Frehley ist das Paradebeispiel für einen Rocker, der sich seine Karriere selbst ziemlich verbaut hat. Gleich zweimal hatte er die Chance bei Amerikas bekanntester Hardrocktruppe und zweimal hat er sie verkackt (wie auch sein Kumpel Peter Criss). Von daher gebe ich Paul Stanley und Gene Simmons völlig Recht bei dem Thema, wenn es darum geht, ob noch Platz für die beiden im aktuellen Kiss Line-up besteht. Und die Antwort darauf  ist ein klares "nein". Zumal die "Ersatzmänner" musikalisch einiges mehr drauf haben als die Originale.

Seit dem Abgang von Kiss (und was man so hört mal wieder total abgebrannt) versucht sich Ace Frehley mal wieder im Space-Ace-Gewand zu präsentieren und sein Kiss-Image dabei wieder in den Vordergrund zu rücken. Dabei benutzt er erneut einen "Space"-affinen  Titel und auch das Cover (angeblich aus der Feder des "Destroyer"-Künstlers) deutet auf seine Vergangenheit hin.

Soweit so gut-angekündigt wurde ja ein Album, dass die letzten Platten seiner Ex-Bandmitglieder verblassen lassen würden. Naja - das schafft er dann doch nicht wirklich.

Ace war bei Kiss immer gut für ein bis zwei Lieder auf Kiss-Scheiben, aber über die volle Distanz wird das Ganze dann doch etwas ermüdend. Zum einen, weil er alles andere als ein guter Sänger ist (teilweise ist es ja nur Sprechgesang) und zum anderen weil die Songs eben nur biederer Durchschnitt sind.So war es zumindest bislang, wobei ich die erste Frehley Solo-Scheibe von 1978 hier mal herausnehme.

Was bietet nun "Space Invader" ? Das Einstiegstrio lässt auf Großtaten hoffen. Der Titelsong ist ein typisch schnoddriger Ace-Rocker im Stil von "New York Groove" oder "Shock Me" mit den typischen Markenzeichen. Was mich besonders überrascht hat war der doch sehr gute und klare Sound, bei dem vor allem die knackige Les-Paul-Gitarre schön in Erscheinung tritt.

"Gimme a Feelin'" spinnt das Konzept weiter, ein flotter trockener Rocker im Kiss 70's -Style. Sehr geil die Fills und Soli, die der Spaceman da einstreut. 

Auch das ein bisschen schräg gesungene "I  Wanna Hold You" lässt sich auf der Habenseite verbuchen. Ein Fest für alle Frehley-Jünger soweit.

Nach dem famosen Einstiegs-Trio wird danach erst einmal das Tempo heruntergefahren mit "Change", einem dann doch etwas unspektakulären Song, der nicht so wirklich überzeugen kann. Das Gleiche lässt sich leider auch von "Toys" sagen, dessen austauschbarer und nichtssagender Refrain eher nervig ist. 

Bei "Immortal Pleasures" kommen erstmals Akustikgitarren zum Vorschein. Zwar auch nicht der Übersong vor dem Herrn aber durchaus besser als die beiden eher lauwarmen Vorgängersongs. "Inside The Vortex" dann auch wieder ein eher lascher rack, der zum einen Ohr rein aber genauso flott wieder zum anderen raus ist. 

Mit "What Every Girl Wants" ist dann endlich wieder ein Stück vertreten, welches auf einer Ebene mit dem Einstieg in die Scheibe ist und auch an alte Glanzzeiten anknüpfen kann. Knackiger Refrain, ein schön nach vorne treibender Rocker. 

"Past The Milky Way" lebt (wie der Grossteil der Scheibe) einzig von Aces filigranem Gitarrenspiel, dass in dieser Güte nicht zu erwarten war. Der Gute ist zwar sicherlich kein Virtuose a'la Vai oder Satriani aber er hat durchaus seinen ureigenen Stil, was nicht jeder Gitarrero von sich behaupten kann. Ansonsten ist der Milchstrassen-Song auch eher in die Ecke "gepflegte Langeweile" zu stecken.

"Reckless" ist wieder mit akustischen Klampfen untermalt, ein ganz passabler Song, der aber auch etwas am eher schwachbrüstigen Chorus leidet.

Ob es die Coverversion von Steve Miller's "The Joker" gebraucht hätte, wage ich einmal zu bezweifeln. Zwar eine ganz nette Version, ziemlich nah am Original, was mir hierbei aber besonders mißfällt ist der Gitarrensound, der sich irgendwie seltsam flach anhört im Gegensatz zum Rest der Scheibe. 

Den über siebenminütigen instrumentalen Rausschmeisser "Starship" hätte man durchaus etwas abkürzen können, der ist einfach zu lange und wiederholt das Grundthema dann doch etwas zu oft. Aber dennoch ein passender Abschlußtrack.

Fazit: Das starke Niveau der ersten drei Songs kann leider nicht gehalten werden.  Nach dem fulminanten Einstieg verliert sich "Space Invader" doch in etwas zu viel Durchschnitt. Auf der Plusseite ist der gute Sound und das sehr gute Gitarrenspiel des ehemaligen Kissmitglieds zu nennen. Wenn man die letzten Kiss-Scheiben mit einigen Songs der neuen Frehley-Scheibe ergänzt hätte, würde wohl ein wahre Killer-CD dabei herauskommen. Auf die Langdistanz ist "Space Invader" leider nicht der ganz große Wurf.

Ich würde hier neutral 6,5 Punkte vergeben, lege aber wegen dem Kultfaktor und der guten Laune noch einen halben Wertungspunkt drauf und lasse "Space Invader" mit 7 Punkten über die Ziellinie.

Martin

Mittwoch, 13. August 2014

Astral Doors - Notes From The Shadows


Band : Astral Doors
Album : Notes From The Shadows
Spielzeit : 49:10 Min.
Veröffentlichung : 29.08.2014
Plattenfirma : Metalville
Homepage : www.astraldoors.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste :
  1. The Last Temptation Of Christ
  2. Disciples Of The Dragon Lord
  3. Wailing Wall
  4. Shadowchaser
  5. Die Alone
  6. Hoodoo Ceremony
  7. Southern Conjuration
  8. Walker The Stalker
  9. Desert Nights
  10. In The Name Of Rock
  11. Confessions

Entegen des weiträumig und grenzübergreifend grassierenden Trends, sich Schlaghosen anzuziehen, die Matte schön fettig glänzen zu lassen und möglichst 70er Jahre-like "Retro" rüberzukommen, hat endlich mal wieder eine Band meinen in den 80er Jahren gefestigten Metalgeschmack voll getroffen. Astral Doors heissen die Jungs aus Schweden und die präsentieren uns dieser Tage ihren Knaller Notes From The Shadows...

Fans der Band wissen schon länger, wo die Qualitäten der Astral Doors liegen, nämlich im reinrassigen Powermetal, der an eine erstklassige Mischung aus Blind Guardian, Helloween und Dio erinnert. Die Schönheit von siebten Platte der Band, Notes From The Shadows entfaltet sich mit jedem Hördurchgang ein wenig weiter. Sänger und Kopf der Band Patrik Johansson und seine Mitstreiter haben es geschafft, die starren Rainbow- / Dio- / Deep Purple-Fesseln der Vorgängeralben zu lockern, auch wenn seine Stimme noch immer an den kleinen Mann mit der großen Stimme erinnert. Ich finde ich es aber schon bemerkenswert, wie vielfältig der Astral Doors Sound heute klingt, was sicher auch daran liegt dass Patrik Johansson sich als eigenständiger Sänger etabliert hat, der dank seines wandelbaren Organs verschiedene Stimmungslagen erzeugen und Akzente setzen kann.


  
Ein weiteres Pfund ist das Songwriting. Wer Zweifel hat, sollte in Die Alone, den mit neun Minuten längsten Track der Platte, reinhören. Die tickende Uhr, getragen von einem verregneten Intro und sphärischen Keyboardklängen, gibt den Takt der Nummer vor und geht nahtlos in ein episches Metalopus über, welches keinen Anhänger harter Klänge kalt lassen dürfte. Der Song hat alles was mein Metallerherz berührt, bratzige Rhytmusgitarren und ein kurzes Gitarrensolo im Mittelteil, ein feines Keyboard im Hintergrund, Tempiwechsel. Dazu wieder Johanssons packender, durch verschiedene Höhenlagen wandelnder Gesang, dann die schönen Refrains...all diese Zutaten führen dazu dass die Nummer immer wieder zurück zum Thema findet. Diese epischen Songs packen mich immer wieder bei den Hörnern, das Ding wird ein Klassiker der Band. Jungs, das habt ihr gut gemacht...

Der Sound, die dritte Säule der Platte: Jonas Kjellgren hat einen astreinen Job gemacht, und den Aufnahmen in den schwedischen Black Lounge Studios einen würdigen Mix verpasst. Dabei ist es letztlich egal, ob die Songs In The Name of Rock oder The Last Temptation of Christ heissen: Dröge, hölzern oder langweilig ist keiner davon. Im Gegenteil, auch nach mehreren Hördurchgängen finde ich überraschende Details. So dachte ich zuerst in Southern Conjuration neben Patrik eine Frauenstimme zu hören...mitnichten. Ich habe Patrik gefragt, er hat sämtliche Vocals und Chorus selber und allein eingesungen !!!

Wer von Euch also auf klassischen Heavy Metal steht, kommt an Notes From The Shadows nur sehr schwer vorbei. Meine Metalplatte des bisherigen Jahres ! 

Leichten Punkteabzug muss es zwangsläufig geben für die Tatsache dass immer mal wieder die alten Legenden zitiert werden, die Musik also doch irgendwie Retro ist...auf der anderen Seite ist gute Mucke nun mal zeitlos und deshalb darf ich die Astral Doors zu fetten 9 Punkten beglückwünschen !




Bernd Fischer


P.S.: Was Sänger Patrik Johansson zum neuen Material zu sagen hat, erfahrt Ihr demnächst hier bei Eurem Rockingboy-Mag...

Samstag, 9. August 2014

Bald hier auf Rockingboy ... Astral Doors - Notes From The Shadows



Freunde des gepflegten Metals !



Ihr dürft Euch auf die neue Astral Doors freuen, am 29.August ist es soweit und Notes From The Shadows wird auf die Metal-Welt losgelassen...

Merkt Euch den Namen einer Band, die sich dem klassischen Heavy Metal verschrieben hat und an einen großartigen, kleinen Mann erinnert, der eben diese Szene geprägt hat...



Also, Terminkalender raus, fett markieren und auf alles achten wo METALVILLE draufsteht, denn nur wo Metal draufsteht ist auch Metal drin !!!! 

Demnächst übrigens mehr zur Scheibe auf Eurem Rockingboy-Blog... 


- Rockingboy...we blog harder -

The Shanks - Surfing The Lexicon

Band : The Shanks
Album : Surfing The Lexicon
Spielzeit : 33:00 Min.
Veröffentlichung : 27.06.2014
Plattenfirma : Phratry Records / Broken Silence
Homepage : www.herecometheshanks.bandcamp.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Feel The Holes
  2. When We Come
  3. Touch Me
  4. Miss Virginia
  5. Out Of Our Mouth
  6. Step By Step
  7. Do It Again
  8. Cornerman
  9. Get Cut Tonight
  10. Who You Are

Nimm eine Prise Weezer, ein wenig Marcy Playground und mische eine dicke Dosis Turbonegro in die Suppe, fertig ist ein rotziges aber wohlschmeckendes Stück Musik, serviert von den merkwürdig auftretenden Pistolwhip von Shankenstein (aka Ian Starkey, four strings worth of rock annihilation, vocals) sowie Colonel Crankshaft (aka Jody Brumell, four stick splintering arms worth of shell shattering and additional vocal stylings, piano)...




So verwegen The Shanks aus Toronto mit ihren Bärten, Helmen und Kapitänsmützen auch aussehen mögen, die Musik auf ihrem aktuellen, sechsten Album Surfing The Lexicon, darf getrost als melodische, vor allem ins Ohr gehende Punk'n'Rock Highschool-Mucke bezeichnet werden.

Gänzlich ohne Gitarren (OK, der Bass ist auch eine Gitarre) eingespielt, wohnt der Musik des Duos ein ganz eigener Sound inne, der jedoch alles andere als trocken oder gar monoton herüberkommt. Im Gegenteil, die Shanks spielen mit Gegensätzen, huldigen Nirvana, den Stooges und den Ramones...flechten aber auch wesentlich seichtere Zitate der bereits erwähnten Weezer, Marcy Playground, bis hin zum surfigen Pop-Sound der Marke Beach Boys ein..



Ob nun Feel The Holes in Monster Magnet für Softies-Manier an uns vorbeigallopiert, When We Come die perfekte Strandparty-Ballade gibt oder Touch Me direkt in die Ohrmuscheln geht um sich dort bis ans Ende aller Tage festzubeissen...die beiden Shanks-Schenkelbürsten wissen was sie tun und erzeugen einen Klangteppich wie ich ihn von einem Duo nicht erwartet hätte. 

Ganz ehrlich, Surfing The Lexicon, was auch immer der Albumtitel bedeuten soll, ist ein kurzweiliges Album voller wow-Momente geworden. So verschroben-schrullig die beiden Kanadier auch herüberkommen, so bodenständig und ernsthaft betreiben sie ihre Musik. Jeder Song, Break und jeder Refrain macht Sinn, trotzdem erlauben sich Pistolwhip & Crankshaft hie und da auch mal einen Moment der Besinnung und zitieren sich selber. Und so fällt der hintere Teil des Albums ein wenig ab als hätten die Shanks ihr Pulver nach den ersten drei Songs bereits verschossen.

Macht aber nix, alles in allem ist Surfing the Lexicon eine Platte geworden, in die sich's reinzuhören lohnt, vor allem aber bin ich mir sicher dass dies nicht der Schlussakkord einer hörenswerten Band ist.


Bernd Fischer

Montag, 4. August 2014

Voyager - V

Band : Voyager
Album : V
Spielzeit : 54:46 Min.
Veröffentlichung : 27.06.2014
Plattenfirma : IAV Records
Homepage : www.voyager-australia.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Hyperventilating
  2. Breaking Down
  3. A Beautiful Mistake
  4. Fortune Favours The Blind
  5. You, The Shallow
  6. Embrace The Limitless
  7. Orpheus
  8. The Domination Game
  9. Peacekeeper
  10. It's A Wonder
  11. The Morning Light
  12. Summer Always Comes Again
  13. Seasons Of Age  
Die Verquickung elektronischer Musik mit hartem, progressivem Metal ist ja schon oft in die Hose gegangen. Grund dafür ist meistens die Kälte und Hektik, die solchen Scheiben quasi wie ein in Stein gemeisseltes Manifest innewohnt. Schlimmer noch, Fans dieser Musik sehen die Branche nun endgültig um ein Genre angereichert, welches alten Säcken wie mir den kalten Angstschweiss auf die Stirn treibt...

Der Stoff, aus dem die Träume der jungen Metalfans sind, hört auf den Namen Djent. Der Name des seit Ende der 90er gewachsenen Genres bezieht sich auf den extrem verzerrten, krächzenden Gitarrensound, der auf bis zu 8-saitigen Gitarren erzeugt wird und dessen bekannteste Bands auf die Namen Meshuggah, Kobong, Cloudkicker oder TesseracT hören. Der komplizierte, von zahlreichen Breaks und (Achtung! Jetzt kommt das Wort des Monats:) ...polyrhytmischem Songaufbau dominierte Sound, verlangt dem unvorbereiteten Hörer wirklich alles ab, will der sich ernsthaft mit dem Thema befassen. 

Die aktuelle Scheibe der australischen Band Voyager darf allerdings wohl eher als Djent- meets Pop-Mix bezeichnet werden, streckt uns die Band doch zwischen allem Gefrickel erfreulicherweise immer wieder die Hand in Form von eingängigem Leadgesang der Marke Morten Harket (a-ha) entgegen.

Und so ist das schlicht mit "V" betitelte, fünfte Album der Jungs aus Perth eben weitaus mehr als eine Nervensäge, es ist ein Album, mit dem zu befassen es sich lohnt. Songs wie Embrace The Limitless oder das darauf folgende Orpheus entführen den Hörer in eine Welt voller wunderbarer Refrains und dem erwähnten, tollen Gesang von Danny Estrin auf der einen, und einer stets hektischen, galoppierenden Grundhärte auf der anderen Seite. Musik zum Relaxen hört sich definitv anders an. Was Fans der ersten Stunde wohl auch an V bemängeln werden, schlugen Voyager doch noch auf dem Vorgängeralbum The Meaning Of I (2011) einen wesentlich eingängigeren Sound an.


In der Endabrechnung kann V den Hörer technischer Progmusik garantiert begeistern, an lockere und ruhigere Klänge gewöhnte Trommelfelle werden Schwierigkeiten mit der Scheibe haben. Aber: Wer sich auf eine 54-Minütige, hyperaktive Reise begeben möchte, wird die eine oder andere Perle auf dem Album entdecken. Ganz oben auf meiner Liste stehen zwei Songs am Ende des Albums: Zum einen die wundervolle und halbwegs entspannte Ballade Summer Always Comes Again und deren Vorläufer The Morning Light mit Gänsehautfeeling. Beide Nummern, und da wiederhole ich mich wirklich gerne, sind aber nur zwei aus einem Pool von Höhepunkten, die für meinen Geschmack leider zu oft in Uptempodrumming und Geräuschkulisse untergehen...


Bernd Fischer

Dienstag, 29. Juli 2014

Jethro Tull - A Passion Play (An Extended Performance)


Band : Jethro Tull
Album : A Passion Play (An Extended Performance)
Spielzeit CD1 : 45:34 Min.
Spielzeit CD2 : 59:43 Min.
Veröffentlichung : 30.06.2014
Plattenfirma : Chrysalis
Homepage : www.jethrotull.com


Wertung : 8 von 10 

Trackliste CD1 "A Passion Play"

  1. Lifebeats / Prelude
  2. The Silver Cord
  3. Re-Assuring Tune
  4. Memory Bank
  5. Best Friends
  6. Critique Oblique
  7. Forest Dance #1
  8. The Story Of The Hare Who Lost His Spectacles
  9. Forest Dance #2
  10. The Foot Of Our Stairs
  11. Overseer Overture
  12. Flight From Lucifer
  13. 10:08 To Paddington
  14. Magus Perdé
  15. Epilogue

Die gute Nachricht vorweg: Mit der Neuauflage von Jethro Tulls A Passion Play kann Euch mal so rein gar nix passieren, von wegen verstörendem Inhalt oder so. Das 73er Werk hat mit Bravour die "FSK ab 6"- Freigabe erhalten ! 
Somit können sich auch endlich die Jüngsten unter uns, ohne Schaden zu nehmen, mit dem opulenten, von Steven Wilson remixten, 2CD/2DVD - Set beschäftigen...

Anhängern der Band werde ich wohl nicht viel Neues erzählen, wenn ich bekannte Fakten präsentiere. So sollte der Thick As A Brick Nachfolger aus finanziellen Gründen (die britischen Steuern...) eigentlich im französischen Château d'Hérouville aufgenommen werden, was jedoch in die Hose ging. Technische Probleme, eine Lebensmittelvergiftung und Heimweh einzelner Musiker bewegten Ian Anderson dazu, die Aufnahmen abzubrechen und fortan nur noch vom “Chateau d’Isaster” zu sprechen.
Die Band entschloss sich, 17 Tage vor dem Start der US-Tour (in der die Band das Album in Form eines Theaterstückes, in welchem sie selber mitspielen, aufführen sollte), die Platte in den Londoner Morgan Studios komplett neu einzuspielen. Das hörenswerte Ergebnis ist auf der ersten der beiden CDs enthalten und besteht, inklusive des Spoken-Word Beitrages The Story of the Hare Who Lost His Spectacles ursprünglich aus einem einzigen Song, welcher in vier LP-Seiten aufgeteilt wurde:  
  • Act 1 – Ronnie Pilgrim’s funeral – a winter’s morning in the cemetery
  • Act 2 – The Memory Bank – a small but comfortable theatre with a cinema-screen (the next morning)
  • Interlude – The Story of the Hare Who Lost His Spectacles
  • Act 3 – The business office of G. Oddie & Son (two days later)
  • Act 4 – Magus Perdé’s drawing room at midnight 
Thema der Geschichte ist die Beerdigung Ronnie Pilgrims, Auferstehung und Rückblick auf dessen Leben. Eine Pilgerreise durch Himmel und Hölle, moderne Passionsspiele sozusagen. Musikalisch umgesetzt wird das Ganze höchst interessant, aber sperrig. Vertrackte, instrumentale Passagen, Saxophon-, Orgel- und Schlagzeug-dominierte, jazzige Ansätze gehen immer wieder über in den Tull-typischen, von Ian Andersons Querflöte geprägten harten Folk-Rock. Ständige Stimmungswechsel zwingen den Hörer zu einer kontinuierlichen Aufmerksamkeit, auch die Aufarbeitung der verworrenen Geschichte um das Schicksal des Ronnie Pilgrim strengt an, macht die Platte aber extrem nachhaltig. Höhepunkt dieses Verwirrspiels ist die märchenhafte Erzählung The Story Of The Hare Who Lost His Spectacles (einer Geschichte eines Hasen, der seine Brille verliert bis er irgendwann merkt dass er ja eine Ersatzbrille dabei hat), die vom damaligen Bassisten Jeffrey Hammond-Hammond vorgetragen wurde. 



Welche Drogen da im Spiel waren, entzieht sich meiner Kenntnis, die Hasengeschichte lässt allerdings kaum einen anderen Schluss zu, als dass irgendein Verantwortlicher da in sehr fernen Welten schwebte. Darüberhinaus verliert sich die Band zeitweise in dem Bestreben, die Umsetzung des Konzepts auf die Länge eines Doppelalbums zu erstrecken. Was dem neutralen Hörer den schnellen Zugang zum Album verbaut, erfreut jedoch noch heute die Fans der Band. A Passion Play rangiert immerhin im oberen Bereich in der Gunst der Anhängerschaft. Musiker und Tontechniker Steven Wilson (Porcupine Tree) hat dem Album nun zu neuem Glanz verholfen und auch die Château d'Hérouville-Sessions klanglich aufpoliert.

Trackliste CD2 "The Château d'Hérouville Sessions" :
  1. The Big Top
  2. Scenario
  3. Audition
  4. Skating Away On The Thin Ice Of The New Day
  5. Sailor
  6. No Rehearsal
  7. Left Right
  8. Only Solitaire
  9. Critique Oblique (Part I)
  10. Critique Oblique (Part II)
  11. Animelee (1st Dance)
  12. Animelee (2nd Dance)
  13. Law Of The Bungle (Part I)
  14. Tiger Toon
  15. Law Of The Bungle (Part II)
Deutlich rauher und hörbar unfertig fällt die ursprüngliche Arbeit der Band zu diesem Projekt aus, man merkt den 15 Songs der zweiten CD halt an, dass die Bemühungen Jethro Tulls ab einem gewissen Punkt abgebrochen wurden, was das Hörvergnügen ein wenig schmälert. Dem Hörer dürfte allerdings einmal mehr klar sein, welch hochkarätige Ansammlung kreativer und begabter Musiker sich im Tull-Pool damals tummelten. Ian Anderson hätte sich noch so lange auf ein Bein stellen können...ohne Martin Barre (Gitarren), John Evan (Tasteninstrumente), Jeffrey Hammond-Hammond (Bass) und Barriemore Barlow (Schlagzeug) hätte er wohl wenig Land gesehen.
Auf den Chateau d'Hérouville-Sessions tummeln sich höchst unterschiedliche Songs und Stimmungen, insofern lässt sich durchaus die eine oder andere Parallele zum fertigen Passion Play-Werk ziehen. Schon der Einstieg in die Platte mit dem instrumentalen The Big Top und dem anschliessenden Scenario lädt nicht gerade zum entspannten Hören ein, sondern verlangt vom Hörer, der dann zum Ende des Songs feststellt, dass eben doch nicht viel passiert ist, etwas Geduld. Das eingängige und harmonische Skating Away On The Thin Ice Of The New Day macht das aber wieder gut und dürfte im Laufe der Jahre weit über den JT-Insiderkreis hinaus bekannt geworden sein. Audition, Skating..., Sailor und No Rehearsal bilden dann den anschmiegsamen Songblock der Sessions, um vom von Babygebrabbel eingeleiteten und Andersons in dem Fall ausnahmsweise nervenden Querflöte dominierten Left Right beendet zu werden.

Solitaire ist leider schon das letzte Highlight der zweiten CD, bevor die verschachtelten und sperrigen Critique Oblique Pt. I und II mit ihren minutenlange Improvisationen manchem Hörer erneut eine Portion Verständnis abverlangen. Älteren Prog-Liebhabern hingegen dürfte aber allein bei dem Gedanken, dass hier nicht wenig an Van Der Graaf Generator erinnert, das Wasser buchstäblich im Munde zusammenlaufen...

Law Of The Bungle Pt.1+2 inklusive dem von beiden Songs in die Zange genommenen Tiger und Ansätzen des darin enthaltenen Spoken Word-Beitrag "...The Hare..." beschliessen dann den Passion Play Prototyp und lassen manchen unvorbereiteten Hörer eventuell ewas ratlos zurück. 
Alles in allem jedoch sollte dieses Beiwerk mit gebührender Gelassenheit als etwas anderes Jethro Tull-Goodie betrachtet werden. Mit knapp 25,-€ darf man angesichts der Tatsache dass sich noch zwei DVDs mit verschiedenen Audiomixen der CDs, inklusive der visuellen Umsetzung des Häschenschmankerls, im Paket befinden, wirklich von Value for Money sprechen. 

Steven Wilson hat ganze Arbeit geleistet und den Aufnahmen zu ihrem wahren Glanz verholfen.


Bernd Fischer

Mittwoch, 23. Juli 2014

Veni Domine - Light

Band: Veni Domine
Album: Light
Spielzeit: 67:20 min.
Plattenfirma: Massacre Records
Veröffentlichung: 23.05.2014
Homepage: http://venidomine.com/


WERTUNG: 9,5 von 10


Tracklist:
01. In Memoriam
02. Farewell
03. Hope
04. Where The Story Ends
05. Preludium
06. Last Silence Before Eternity
07. The Hour Of Darkness
08. Waiting
09. Oh Great City 2014


Seit 1987 beglücken uns die Schweden von VENI DOMINE mit ihrem christlich-beeinflussten Mix aus Doom und Progressive Metal. Leider trotz großartiger Alben noch ohne nennenswerten Erfolg in Deutschland. Und doch zählen Scheiben wie das Longplay Debüt "Fall Babylon Fall" oder "Spiritual Wasteland" zu meinen absoluten Favoriten im progressiven Bereich. Anno 2014 liefern VENI DOMINE auch wieder ganz genau das ab. Gut, Sänger Fredrik Sjöholm kommt nicht mehr in die ganz hohen Lagen, aber vielen war das eh bisher ein leichter Dorn im Auge. Ich finde es schade. 


Das ist aber beim neuen Meisterwerk "Light" auch der einzige Wermutstropfen. Ansonsten dominieren göttliche Harmonien, perfekt gesetzte Breaks und trotz aller Abwechslung bleibt der rote Faden nie auch nur eine Sekunde auf der Strecke. Vielleicht liegt es daran, dass ich nach mittlerweile sieben Jahre Abstinenz dringend wieder neues VENI DOMINE Futter gebraucht habe, aber "Light" ist wahrlich perfekt. Ich hab dem Album mittlerweile tatsächlich Monate Zeit gelassen, um zu wirken und finde noch immer keine Sekunde langweilig (sorry für die späte Rezension). 

Kommen wir endlich zu den Songs an sich. "In Memoriam" ist mit seinen 12 Minuten Länge der perfekte Opener, denn bereits dort ziehen die Schweden alle Register ihres Könnens. Die düstere atmosphärische Grundstimmung passt vielleicht nicht bei jedem Sommerwetter, aber dafür gibt es ja AOR und eben keinen Doom. Leider liegen mir nur die mp3 Version vor, doch auch hier ist nicht nur zu erahnen, dass in Stockholm hinsichtlich der Produktion großes geleistet wurde (ein Dankeschön an Torbjörn Weinesjö - so muss Progressive Doom klingen). Das folgende "Farewell" glänzt mit ruhigen Parts und einem Refrain, der nur zum Niederknien göttlich depressiv ist. Das besondere ist aber, dass sich VENI DOMINE diesmal nicht einen einzigen Aussetzer leisten. Auch bei "The Hour Of Darkness" dürften alle Doom Jünger feuchte ..äh.. Augen bekommen, doch auch wer auf klassischen Hardrock-Metal mit epischem Touch steht, sollte sich "Light" schnellstens einverleiben. 

Warum gebe ich nun nicht die Höchstpunktzahl? Ganz einfach: Das geniale "Oh Great City" vom Debüt gibt es in einer richtig geilen neuen 2014er Version, die jedoch nicht ganz den Spirit des 20 Jahre alten Originals halten kann.Trotzdem bin ich von VENI DOMINE wieder hellauf begeistert. Der erste Anwärter auf das Album des Jahres 2014 - ohne wenn und aber. 

Markus

Montag, 21. Juli 2014

Infinty's Call - Unconditional


Band : Infinity's Call
Album : Undonditional
Spielzeit : 47:32 Min.
Veröffentlichung : 30.05.2014
Plattenfirma : Sonic Revolution / Bob Media
Homepage : www.infinityscall.de

Wertung : 7 von 10

Trackliste : 
  1. Stop Fooling Around
  2. Can't Get Over You
  3. Bitter Taste Of Destiny
  4. The Place
  5. Where Does Love Go
  6. Prelude
  7. Say What You Gotta Say
  8. Even The Bravest
  9. Unconditional Love
  10. Emotional Evolution
  11. Infinty
Es war Mitte der 80er, als ich in die Handwerkslehre ging und mir ein Kumpel aus der Berufschule mal wieder ein Tape mit dem seiner Meinung nach "geilsten Metal-Shit aller Zeiten" in die nervöse Hand drückte. Helloween, TNT, Pretty Maids und so weiter hiessen die Bands auf der Cassette (Cassetten sind übrigens die Dinger, in denen man ständig mit'm Bleistift drin rumpopeln musste um den Bandsalat zu entwirren)...

Jedenfalls liegt jetzt mit Unconditional, dem aktuellen, zweiten Album der Ulmer Band Infinity's Call eine CD in meinem Player, die mich verdammt an diese Zeiten erinnert. Unconditional besticht durch den gitarrenlastigen, riffbetonten, aber melodischen Metal-Hardrock-Mix, der in den 80ern Bands wie Victory, Bonfire oder die Lieblinge meiner Heimat, Mad Max, zu einem kurzen, hohen Bekanntheitsgrad verholfen hat. 
Und was soll ich sagen, Claus Zeller - Gesang (ex Stranger), Philipp Zanella - Gitarre (ex Tyrant), Uwe Hofmaier - Bass (ex Dynasty) und Ralf Neumann - Schlagzeug (ex Chinchilla) haben, ob Zufall oder nicht, den Geist der alten Recken erweckt. Abmischung und Produktion spielen dabei eine ebenso große Rolle wie das Songwriting und die mehrstimmigen Refrains, welche gelegentlich an Accept erinnern. Kurzum, das Paket hätte im Grunde auch 30 Jahre früher geschnürt werden können. 

Stop Fooling Around steht als Opener geradezu Pate für dieses Deja Vu. Ein pumpender Bass, galoppierende Drums, die langgezogende Gitarre, so haben die Jungs es gelernt und ebenso lieben wir es doch. Dann der eingängige Refrain, der nach dem dritten Durchlauf in der gequälten Hörmuschel hängen bleibt...geil.
OK, ein kleines bisschen mehr Kreativität, mal ein Tempowechsel, ein wenig mehr Stimmvolumen, nach oben wie unten, hätte ich sicher noch geiler gefunden, doch warum jammern ?



Infinty's Call bedienen alles was der Melodic-Hörer möchte und heute häufig vermisst, feine Gitarren-Soli (The Place), melodische Refrains (Unconditional Love) und eine grundsolide, kontrollierte Härte. Dazu immer wieder die tolle Gitarre von Philipp Zanella, dessen Kunst mich echt begeistert. Der Mann hat es verdient, gehört zu werden, was sich insbesondere in Prelude, einem zweieinhalbminütigen Intermezzo, zeigt. Passenderweise in die Albummitte platziert, markiert das Instrumental nicht nur die enorme musikalische Fähigkeit des Gitrristen, sondern der ganzen Band, die halt aus erfahrenen Mitgliedern mittleren Alters besteht.

Jedoch, es hakt hie und da ein wenig bei der Abwechslung. Mir fehlt irgendwas. Bei aller Freude über die alten Zeiten, die Platte hätte auch Anno 85 wohl nur den zweiten Platz geholt. In Where Does Love Go wird überdeutlich, warum. Claus Zeller schleppt sich auffallend hüftsteif und monoton ins Ziel und man fühlt sich in der Befürchtung, ihm könne vielleicht die Luft wegbleiben, geradezu verunsichert. Schade, da hätte das gesamte Team nochmal nachhaken sollen.

Dass er anders kann, wissen wir. In der zweiten Nummer Can't Get Over You oder im wunderschönen, balladesken The Place beschwört Herr Zeller zwar nicht die Götter des Stimmvolumens, aber er zeigt uns, wie es gehen kann und sollte. Für mich zeigt er in beiden Songs eine hervorragende Leistung. 

Zum Abschluss einer unerwartet starken, aber (weil?) nicht perfekten Platte steigt mit Infinity der, erneut instrumentale, Höhepunkt der Platte. Ein solch schönes Gitarrenstück habe ich schon lange nicht mehr hören dürfen. Mein höchster Respekt erneut an Phillip Zanella, als auch an die Rhythmusgruppe. Ach wie herrlich, allein für diese Nummer müsst Ihr euch die Platte kaufen !!! 

Fein gemacht ! 7 Punkte...


Bernd Fischer

Sonntag, 20. Juli 2014

Heavy Honey - Crushing Symphony

Band : Heavy Honey
Album : Crushing Symphony
Spielzeit : 46:03 Min.
Veröffentlichung : 03.06.2014
Label : DOTT Music
Homepage : www.facebook.com/heavyhoney

Wertung : 6 von 10


Trackliste: 
  1. Soul Selling
  2. Superlove
  3. If I Had You Back
  4. Falling
  5. Death Delay Club
  6. On My Way
  7. Play In The Dark
  8. My Fu Smile
  9. Never Let You Down
  10. Overkill
  11. My Hate

Slaughter, The Killers, Panic ! At The Disco und jetzt Heavy Honey...wo bestehen da blos die Zusammenhänge ??? Richtig, die genannten Bands stammen allesamt aus, bzw. dem Umfeld von Las Vegas, wobei es das auch dann schon wieder war mit den Gemeinsamkeiten...

Crushing Symphony, das Debutalbum der Band, ist in enger Zusammenarbeit zwischen Sänger+Songwriter London Mace und Produzent Kane Churko (Five Finger Death Punch, Hinder, Papa Roach) in den Hideout Studios in Las Vegas, entstanden. Die renommierte Adresse ist übrigens im Besitz von Kane's Vater Kevin, der unterschiedlichste Künstler wie Ozzy Osbourne, Shania Twain, In This Moment oder Ringo Starr betreut hat.
Wer von Euch auf Ministry oder Nine Inch Nails, mit einer gehörigen Portion Alice Cooper-Hardrock und gelegentlicher Turbo (Priest) - Einstreuung steht, dem dürfte das Ergebnis dieser Zusammenarbeit durchaus gefallen. Die elf Songs auf Crushing Symphony wissen, einzeln betrachtet, durchaus zu gefallen. Haken an der Sache ist, spätestens nach der vierten Nummer meint man, den einen oder anderen Song vor ein paar Minuten bereits gehört zu haben. In der Tat, Abwechslung ist nicht gerade die große Stärke von Crushing Symphony. London Mace verwebt hart-fräsende Gitarrenriffs, ein monotones Schlagzeug und heulende Refrains zu einer irgendwie stets ähnlich klingenden Songstruktur der Marke PS3 Ballerspiel-Hintergrundmusik. Londons nasal-krächzender Gesangsstil passt allerdings sehr gut in das Gesamtbild hinein, auch die gelegentliche Hinzunahme einer nicht weiter bekannten Backgroundsängerin (oder kann Herr Mace etwa Falsett und wurde gedoppelt ?) gefällt.

Ihr merkt schon, mein Fall ist die Platte alles in allem nicht. Aber, und das ist das Schöne an Crushing Symphony, es gibt ein paar Perlen in der Suppe. Namentlich wären das das rasend schnelle My Fu Smile, ein echter Kracher, den man sich bei Tempo 180 auf der Rennbahn reinziehen sollte. Ein feines Teil mit einem schönem Break, nach welchem es dann genauso fix weitergeht. 
Der Opener, Soul Selling, der mich mich zeitweise an Mother Love Bone erinnert, geht sehr schnell ins Ohr um dort hängen zu bleiben und wird im folgenden, wie erwähnt, leider viel zu häufig zitiert.

Schade, ein wenig mehr Abwechslung hätte dem sehr gut produzierten Album sicher gut getan. Sollte Bandgründer und kreativer Kopf London Mace diese Schwäche noch ablegen, dürfen wir uns auf wirklich tolle Musik freuen...

Bis dahin bleibt es für Crushing Symphony jedoch bei 6 Punkten. 


Bernd Fischer



Donnerstag, 17. Juli 2014

Joe Bonamassa - Different Shades Of Blue (VÖ 19.09.2014)

Hi Folks,

Joe Bonamassa dürfte es mittlerweile nicht nur unserem Bernd angetan haben und so freut es uns natürlich umso mehr, dass der Tausendsassa und Workaholic bald wieder mit einem neuen Album um die Ecke kommt. Und der erste Eindruck ist echt klasse. Ok, der Titelsong ist sehr ruhig aber einfach verdammt gut. Dazu gibt es auch ein schönes Video zu sehen.

Hier der offizielle Text inklusive Link:
Joe Bonamassa - brandneues Video zum neuen Album “Different Shades Of Blue”/ VÖ 19.09.2014

Der grammynominierte Bluesrock-Gitarrist Joe Bonamassa veröffentlicht am 19.09.2014 sein elftes Studioalbum „Different Shades Of Blue“ bei Provogue / Mascot Label Group. Auf seinem ersten Soloprojekt seit über zwei Jahren spielt er zum ersten Mal fast ausschließlich eigenes Material und so wirkt das Album um ein Vielfaches experimenteller als seine früheren Werke. Es ist eine Reise an die äußeren Grenzen und die vielen verschiedenen Klänge des Blues, die das Genre so unverwechselbar formen.

„Es ist bereits eine Weile her, dass ich ein komplett eigenes Album geschrieben habe.“, sagt Bonamassa, „Deshalb wollte ich nicht nur reinen Blues, sondern auch alles besser machen als bei meinen letzten Aufnahmen. Ich weiß, dass meine Fans dies von mir erwarten und nach all den Jahren bin ich ihnen das schuldig.“

Um sich auf „Different Shades Of Blue“ optimal vorzubereiten, nahm er sich im letzten Jahr eine Auszeit – eine Rarität in der Karriere des unermüdlichen Gitarristen –  und verbrachte stattdessen seine Zeit in Nashville, um mit Jonathan Cain (Journey; „Who’s Crying Now“, „Open Arms“, „When You Love A Woman“), James House (Diamond Rio, Dwight Yoakam, Martina McBride) und Jerry Flowers (Keith Urban) neue Songs zu schreiben. „Die Jungs haben mich wirklich inspiriert. Mit solch großartigen Musikern und Songwritern zusammen zu arbeiten, war eine einzigartige Erfahrung.“


„Different Shades Of Blue“ wurde von Kevin Shirley im At The Palms-Studio in Las Vegas produziert. Der Freund und langjährige Produzent  Bonamassas war bereits für dessen letzte 15 Werke verantwortlich, inklusive der gemeinsamen Projekte mit Black Country Communion und Beth Hart. Auch dieses Mal zog er erneut alle Register und holte bekannte Musiker wie Reese Wynans (Orgel, Klavier), Carmine Rojas (Bass), Michael Rhodes (Bass), Anton Fig (Schlagzeug, Percussion), Lenny Castro (Percussion), Lee Thornburg (Trompete, Posaune), Ron Dziubla (Saxophon), das Bovaland Orchestra (Streicher) sowie Doug Henthorn und Melanie Williams (Background Gesang) zu ihm ins Studio.

„Es ist bis jetzt definitiv mein Lieblingsalbum von ihm.“, sagt Shirley. „Es verdient es, in seiner Gesamtheit gehört zu werden. Zum Glück schätzen Joes Fans die Arbeit, die wirklich dahinter steckt und nicht einfach nur Songs.“

Bonamassa selbst strebt dennoch danach, seinen Fans jedes Jahr etwas Neues zu bieten um sich bei Ihnen für ihre Loyalität, Hingabe und ihren Enthusiasmus bei Twitter, YouTube, Instagram und Facebook zu bedanken, die dem Künstler weltweit einen ausgezeichneten Ruf und einen großen Bekanntheitsgrad verschafft haben. „Joe hat gelernt, sein Publikum nicht zu unterschätzen“, so Shirley weiter, „und versucht immer, das Beste aus sich herauszuholen um seinen Zuhörern diese Intensität nahezubringen. Wir arbeiten hart daran, die Alben so multidimensional wie möglich zu gestalten und nicht nur den einfachsten Weg zu gehen.“

Mit zwölf Nummer-Eins Billboard Bluesalben, mehr als jeder andere Künstler vor ihm erreicht hat, erhielt Bonamassa 2013 seine erste Grammynominierung für „Seesaw“, dem gemeinsamen Album mit Bluesrock-Röhre Beth Hart. Sein 2013 erschienenes Solo-Akustikprojekt  “An Acoustic Evening At The Vienna Opera House” wurde für die beste DVD beim Blues Music Award nominiert. Seine 2009 erschienene DVD “Live From The Royal Alber Hall” erhielt in Deutschland Gold und wurde vor kurzem von der RIAA mit Platin ausgezeichnet.

Und hier der link zum ersten offiziellen Video aus dem Album  “Different Shades Of Blue”:
http://youtu.be/i7-CTdeRk2s

Das Album kann man u.a. hier vorbestellen:

Mascot Label Group: http://smarturl.it/jbdsob

Joe Bonamassa Live:

25.09.   Mannheim – SAP Arena
26.09.   Leipzig – Arena
27.09.   Göttingen – Lokhalle
29.09.   Münster – Halle Münsterland



 

Freitag, 11. Juli 2014

Ian Hunter - The Artful Dodger



Interpret : Ian Hunter
Album : The Artful Dodger
Spielzeit : 60:08 Min.
Veröffentlichung : 30.05.2014 (1996)
PLattenfirma : MiG (Made in Germany)
Homepage : www.ianhunter.com

Wertung : 8 von 10


Trackliste :
  1. Too Much
  2. How Is The Time
  3. Something To Believe In
  4. Resurrection Mary
  5. Walk On Water
  6. 23A, Swan Hill
  7. Michael Picasso
  8. Open My Eyes
  9. The Artful Dodger
  10. Skeletons (In Your Closet)
  11. Still The Same
  12. All F%&k Up - Bonus (Single B-Side)


Selbst wenn ich mich vielleicht wiederhole; ich freue mich ja immer wie ein kleines Kind zu Weihnachten, wenn Mr. Postman himself mir mal wieder diese kleinen glitzernden, schön in Noppenfolie eingetüteten Silberlinge, CDs genannt, vorbeigebracht hat. 
Und wenn dann auch noch Perlen darin enthalten sind, mit denen man gar nicht gerechnet hat, steigt meine Freude schon mal in Unermessliche. Jüngst geschehen mit der remasterten Neuauflage von Ian Hunter's The Artful Dodger...

Der ehemalige Mott The Hoople Sänger aus Mittelengland startete seine Solo-Karriere im Jahr 1975. Mit dem Beginn dieser Phase begann auch eine sehr enge und überaus kreative Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Mick Ronson. Ronson spielte zuvor mehrere wegweisende Alben mit David Bowie ein und reicherte Hunters Schaffen in den folgenden Jahren als Gitarrist, Songwriter und Produzent wegweisend an. Irgend jemand sagte einmal, Mick Ronson hätte seine beste Arbeit immer für andere Musiker aufbewahrt und Ian Hunters beste Alben seien unter Ronson's Einfluss entstanden...die fruchtbare Zusammenarbeit und Freundschaft endete leider mit seinem Tod im Jahr 1993.

Die Aufnahmen der, nach Ronson's Ableben entstandenen, Alben Dirty Laundry und The Artful Dodger, wurden von Produzent Björn Nessjö betreut, der Hunter dermaßen beeindruckte, dass dieser ihm, mangels Plattenfirma, eine Teilhabe an The Artful Dodger anbot. Was dazu führte, dass die Platte zunächst ausschliesslich in Norwegen, Nessjös Heimat, veröffentlicht wurde. In Deutschland erschien die Scheibe später in Kleinstauflagen, infolgedessen The Artful Dodger hierzulande eher unbekannt blieb. Völlig zu unrecht, wie die von Tonmeister "Hoppi" Hoppstock remasterte Neuauflage jetzt beweist.

Die Platte strotzt, im Gegensatz zum Vorgängeralbum, welches Hunter noch unter dem Schock des Todes seines Freundes, unter der Beteiligung vieler verschiedener Musiker aufnahm, vor feinfühligen Songs, hat aber mit Something To Believe In und Walk On Water zwei flottere Stücke an Bord. Ian Hunter hat ein sehr emotionales Album geschaffen und ich frage mich zum wiederholten Mal, warum ich eine solch bemerkenswerte Scheibe nicht viel früher bemerkt habe. Deshalb ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, euch The Artful Dodger ans Herz zu legen.
 
Der Einstieg in die Platte fällt sehr leicht, Too Much läuft immer mal wieder im Radio und so mancher von euch wird die Nummer, die mich leicht an Springsteen's 94er Hit Streets Of Philadelphia erinnert, sofort erkennen.Welch scheinbar unerschöpfliches Gespür für Harmonien und Melodien Ian Hunter hat, zeigt sich fast durchgängig. Now Is The Time besticht durch Hunters wandelbares, in diesem Fall leicht rauchiges, Organ. Ein wohldosiertes Keyboard unterstreicht die besondere Note des Songs, der bereits nach dem zweiten Durchgang hängen bleibt. Ob die Songs nun, wie das tolle 23A, Swan Hill im Refrain an vergangene Glam-Zeiten erinnern oder Hunter sich im Titelsong als "dysfunctional chap", also als gestörten Typen, bezeichnet...immer wieder wird klar, dass der Mann einfach ein Talent dafür hat, Songs zu schreiben. 

Mit dem langsam dahingleitenden Open My Eyes kommt mal wieder Zeit zum Durchatmen auf, bevor das ebenfalls bedächtige Still The Same beschliesst, was Hunter mit Michael Picasso im Mittelteil der Platte begann. Dort nämlich besingt er den Verlust des Eingangs erwähnten Mick Ronson: "You turned into a ghost surrounded by your pain, and the thing that I liked the least was sitting 'round Hasker Street, lying about the future. And we all sit in a room full of tears on a windy day and I looked out. But none of these words seem right, I just wanted to give something back to you. Gift to gift, Michael, Michael Picasso good night".

Worte wie diese geben der Scheibe schlussendlich den Charakter, welchen ausschliesslich Platten wie Lou Reed's Magic And Loss oder neulich Walter Trout mit seinem The Blues Came Callin' (übrigens hier bei Rockingboy, wo sonst, nachzulesen) eben haben: Schmerz, Trauer und Verlust.

The Artful Dodger, was übrigens soviel wie "listiges Schlitzohr" bedeutet, ist allerdings kein düsteres Album geworden, im Gegenteil, Hunters britischer Humor blitzt hie und da auf und so kann die Scheibe auch gerne ein zweites Mal aufgelegt werden. Es lohnt sich !


Bernd Fischer


Donnerstag, 19. Juni 2014

Rival Sons - Great Western Valkyrie

Band : Rival Sons
Album : Great Western Valkyrie
Spielzeit : 47:40 Min.
Veröffentlichung : 06.06.2014
Plattenfirma : Earache Records
Homepage : www.rivalsons.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste : 
  1. Electric Man : (Take You To The Sugar Shack)
  2. Good Luck : (It's Going To Hurt Right Now)
  3. Secret : (Just Bring Me A Jar Full Of Shine)
  4. Play The Fool : (The Way That Girls Talk)
  5. Good Things : (Boy With A Bomb In His Jacket)
  6. Open My Eyes : Folding Like A Jack Knife)
  7. Rich And The Poor : (Her Teeth Bound By Braces)
  8. Belle Starr : The Gem Inside Sparkles Yet)
  9. Where I've Been : (The Habit Wasn't Cheap)
  10. Destination On Course : (Slipped From The Rail)

Wenn Schlagzeuger Mike Miley in seinem Wohnzimmer über die Songs der neuen Rival Sons Platte plaudert, merkt man, wie überzeugt er von der Scheibe ist. Diese "Track By Track Commentary" genannte Angelegenheit ist an sich eine feine Sache, lässt sie doch einen direkten Einblick in die Denkweise des Künstlers zu. Auf der anderen Seite wird uns wohl kaum jemand etwas Objektives oder Negatives über seine neueste Veröffentlichung mitteilen...

So bekommen wir zu hören, dass sein liebster Drumbeat auf Great Western Valkyrie in Play The Fool zu finden ist, der ihn selber an die Technik von Dave Grohl erinnert. Der PreChorus aus Good Luck sei ein "Schlag ins Gesicht" und das Drumming hätte was von Keith Moon. Sein Lieblingstitel, Secret, der mit dem niederschmetternden Gitarrenriff, verursacht Gänsehaut bei ihm und das Open My Eyes-Intro ist "rough, tumbling und bombastic".

Und die Werbeveranstaltung geht selbstredend in einer Tour so weiter, wer sich das reinziehen möchte, kann dies bei Spotify und Youtube gerne tun. Wir klinken uns da mal aus und erzählen euch die Wahrheit, nichts als die reine Wahrheit.


Und die sieht sämtliche Schwächen und Verfehlungen einer Platte vor, wie auch in diesem Fall. Denn Great Western Valkyrie ist deutlich zu kurz ausgefallen. Mit knapp 46 Minuten liegen wir zwar im oberen Drittel, jedoch hätte ich für meinen Teil gern noch einen oder zwei mehr von den durchweg starken Songs gehört. Die Rival Sons haben mit ihrem vierten Album seit 2010 eine leichte Kurskorrektur vorgenommen, die den Sound der Band etwas weg vom fetten Bluesrock in die psychedelische Richtung drängt. Die meist extrem fuzzigen Gitarren tragen diesen Sound im Grunde durch die komplette Platte, nur hin und wieder weicht Gitarrist Scott Holiday davon ab, hier sei insbesondere der Schlussong Destination On Course erwähnt, der mit sieben Minuten auch gleich der längste und ruhigste des Albums ist. Doch auch hier setzt sich der psychedelisch, verworrene Eindruck durch...wabernde Noisecollagen und übereinandergelegte Stimmen runden die Platte zum Schluss der Stimmung entsprechend ab.

Was nicht darüber hinwegtäuschen sollte, das Great Western Valkyrie ein Füllhorn an schönen Momenten anbietet. Hörer der ersten Stunde sollten sich vielleicht trotz gerümpfter Nase die Zeit nehmen und der Band diese Veränderung gestatten. So lässt sich ein Juwel namens Good Luck, mit seinem leicht an Bono (U2) erinnernden Gesang, aber halt in Härtegrad für Männer, entdecken. Überhaupt der Gesang. Meine Güte, was für ein guter Sänger Jay Buchanan doch ist. Stets trifft er die richtige Stimmlage und gibt den ohnehin feinen Kompositionen ihren verdienten Endanstrich. Schön auch, dass die Sons sich dem verschrobenen Garage-Sound der Endsechziger nicht willenlos ergeben, sondern ihre eigenen, unverkennbaren Gene eingekreuzt haben. 




Und dazu gehört mit Where I've Been auch eine feinfühlig-melancholische Ballade, in der Jay Buchanan zur Höchstform auflaufen darf und die Gefühle aus der Sicht einer Prostituierten in bestechender Manier nach aussen kehrt. Wenn er Zeilen wie "I gave them my body, now my memory won't let me sleep. Now I lay beside you and when you touch me, I feel i don't deserve you. That's when you remind me..." zum Besten gibt, weiss man im Grunde, dass die Scheibe noch häufiger im Player landen wird.

Meine Empfehlung dieser Tage hört auf den Namen Great Western Valkyrie und ist seit Anfang Juni in gefühlten 2599 Versionen erhältlich. Die Krachgeister von Earache haben offensichtlich erkannt, welches Juwel sie da gesignt haben...


Bernd Fischer